Buchrezension: Fettnäpfchenführer KOREA – Auch ein Affe fällt mal vom Baum

DAS BUCH

Titel: Fettnäpfchenführer KOREA – Auch ein Affe fällt mal vom Baum
Autor: Jan Janowski
Verlag:  Conbook Verlag
Erscheinungsjahr: 2013, 2. Auflage
Umfang: 309 Seiten, 44 kurze Episoden + Anhang
Preis: 12,95 €

DER AUTOR

Name: Jan-Rolf Janowski
Geboren: 1985 in Berlin
Beruf: Angestellt beim Auswärtigen Amt, Leitung Sprachendienst der Botschaft in Pjöngjang, Pressereferent und Mitarbeiter des politischen Teams
Studienfach: Koreanistik an der FU Berlin

Der Autor interessierte sich schon in seiner Jugend für Korea. Geweckt wurde das Interesse durch Taekwondo und koreanische Freunde. Nach einiger Bedenkzeit entschied er sich dafür etwas zu studieren, wozu er 100%iges Commitment hat: Koreanistik. Nebenbei machte er eine Übersetzer-Ausbildung und hängte anschließend einen Master in Politikwissenschaften an.
Seit 2002 bereist er nun Südkorea. 2007 zog er in die Metropole Seoul. Dort arbeitete er bis 2012 als Radiomoderator, Journalist und Autor. Seit September 2012 erkundet der Autor auch Nordkorea.

MEINE MOTIVATION

Anders als die meisten aus unserer Gruppe musste ich mich nicht auf die Suche nach einem Buch für das Literaturforum machen. Im Sprachkurs im LSI in Bochum wurde von unserer Dozentin häufig ein Buch erwähnt, in dem es um lustige Anekdoten und Fauxpas von Deutschen in Südkorea geht. Irgendwann wurden wir neugieriger, fragten nach dem genauen Titel und notierten uns diesen. Eine Teilnehmerin aus dem Kurs konnte nicht lange warten und kaufte sich noch während des Sprachkurses das Buch und „verschlung“ es in wenigen Tagen. Schnell stand für mich fest: Dieses Buch möchte ich rezensieren!

GLIEDERUNG

Die ersten Seiten des Buches zeigen eine Karte Südkoreas, eine Karte von Seoul und ein Inhaltsverzeichnis. Das Buch besteht aus 44 Kurzgeschichten der zwei Protagonisten Julia und Nico. Julia ist eine deutsche Studentin, die sich auf Grund ihres großen Interesses an Südkorea für ein Auslandssemester in der Hauptstadt entscheidet. Nico ist ein deutscher BWL Student, der sein Studium in Maastricht absolviert hat. Sein Vater empfindet die Auslandserfahrung, die Nico dort gesammelt hat als nicht ausreichend und organisiert seinem Sohn ein Praktikum in Seoul.
Durch das Buch hinweg, begleitet man also Julia und Nico auf ihrer Reise nach Südkorea, bei ihrem ersten Tag, im Alltag und auch bei der Heimreise. Jedes Kapitel beschreibt ein anderes Phänomen der koreanischen Kultur auf einer lustigen und doch sehr informativen Art und Weise. Unterstützt wird die Kurzgeschichte durch einen grau hinterlegten Informationskasten. Dort werden sachlich, aber thematisch passend, Hintergrundinformationen über Südkorea eingeführt. Dazu zählen die Geschichte Koreas, Essgewohnheiten, die technische Entwicklung, politische Sichtweisen und vieles mehr. Durch ein Aigu! (Oh je, Oh Gott), Gwaenchana! (Passt schon) oder Olssigu! (Recht so) wird kenntlich gemacht, wie Julia und Nico sich in der geschilderten Situation verhalten haben. Abschließend wird die Situation aufgelöst und erklärt. Es werden Hinweise gegeben, wie die Protagonisten sich hätten verhalten können, um Fettnäpfchen zu vermeiden oder warum sie gerade richtig gehandelt haben. Abgerundet wird das Buch von einer Zeittafel, den Kapiteln „10 Dinge, die man getan haben muss“ und „10 Handlungen, mit denen man sich blamiert“ und einem Glossar.

Zusammenfassend:
44 Kapitel – Jedes Kapitel besteht aus einer Kurzgeschichte, einem grauen Informationskasten und einer Auflösung der geschilderten Situation.

INHALT

Julia ist top informiert. Zumindest denkt sie das. Sie hat jedes K-Drama gesehen, kennt alle K-Pop Stars, liebt koreanisches Essen und hat koreanische Freunde. Doch bereits im Flugzeug nach Incheon tritt sie in ihr erstes Fettnäpfchen, dicht gefolgt von dem zweiten Fauxpas in der Metro auf dem Weg zu ihrer ersten Unterkunft. Dort angekommen bleiben die Missgeschicke nicht aus. Es scheint als wäre ihr erster Tag gepflastert aus lauter Fettnäpfchen. Nico scheint eher den Ansatz „learning by doing“ zu verfolgen. Er hat weder Geld gewechselt, noch kann er ein einziges Wort auf Koreanisch sagen, noch hat er Visitenkarten mitgebracht, was wahrscheinlich der größte Fauxpas ist. Seine erste Nacht verbringt Nico in einem Motel, unwissend, dass diese in Korea als „Liebesnester“ genutzt werden.

Unterschiedlicher könnten die beiden wahrscheinlich nicht in ihre Reise starten. Doch wenige Zeit später lernen beide Ihre „Buddies“ kennen. Nico wird von seiner Kollegin Yunhee angerufen und trifft sich kurz darauf mit ihr. Sie hilft ihm im Laufe des Praktikums, sich durch den koreanischen Alltag zu schlagen. Vor allem in seinen ersten Tagen ist Nico auf Yunhees Hilfe angewiesen, die häufig daraus besteht, dass Yunhee ihn auf peinliches Verhalten hinweist oder hilft unangenehme Situationen, wie das Fehlen von Nicos Visitenkarten, aufzulösen. Auch Julia lernt schnell ihren Buddy Sewon kennen. Er spricht deutsch und hilft ihr dabei eine Wohnung zu finden, ein Konto zu eröffnen, eine „Ausländerkarte“ zu bekommen und zeigt ihr in den ersten Tagen die Stadt. Auch Julia gerät trotz guter Vorbereitung in die ein oder andere unangenehme Situation, wie zum Beispiel beim Versuch in einem Kaufhaus mit der Verkäuferin zu handeln. Auch hier greift Sewon ihr unter die Arme.

Die Wohnungssuche bleibt für Nico aus. Das hat das koreanische Unternehmen für ihn übernommen. Ganz nach koreanischem Brauch gibt er eine Jipdeuri, eine Einweihungsparty. Er empfängt seine Kollegen an der Wohnungstür, die ihm Klopapier, Seife und andere Haushaltsgegenstände als Gastgeschenkte mitbringen. Wie gewohnt, ist Nico nicht gut vorbereitet. In diesem Fall können ihm seine Kollegen das aber nachsehen und Nico hat den Vorteil den 24-Stunden Lieferservice kennenzulernen. Die Party geht weiter in einer Karaoke Bar, bei landestypischem Essen und Alkohol. Bei Julia endet die Einführungswoche in der Uni und es geht los mit den Vorlesungen. Durch den Fehler die Essens-Einladung eines Professors abzulehnen, nimmt Julia schnell den Stellenwert von Professoren an koreanischen Universitäten wahr. Auch das gemeinsame Miteinander wird in Korea sehr hoch angesehen – was sie neben der Arbeitsweise in Gruppen – während des Membership Trainings auffasst.

So beginnt für die beiden der Alltag in Seoul. Begleitet von täglich neuen Eindrücken, versuchen sie sich so gut wie möglich einzuleben. Nach einer Übernachtung in einem Tempel, bekommt Julia Magenprobleme, woraufhin Sie einen Arzt besuchen muss und ihre Neugier für traditionelle Heilmethoden entdeckt. Mit Sewon und seiner Familie bekommt Julia einen Einblick, wie traditionell Chuseok – Erntedankfest –  und Seollal – Mondneujahr – gefeiert wird.  Auch Nico übernachtet außerhalb. Er schläft im Jjimjilbang, einem koreanischen SPA und reist mit seinen Kollegen aufs Land. Dort feiert er mit ihnen eine traditionelle Hochzeit und nimmt an einer Trauerzeremonie teil. Im Alltag lernt Nico vieles von seinen Arbeitskollegen. Sie erklären ihm, warum sich auch Männer in Korea schminken, was eine Partnerschaft für Koreaner bedeutet und wieso alle koreanischen Schüler auf eine der sogenannten SKY-Universitäten gehen wollen.

Im Laufe der Zeit lernen Julia und Nico sich kennen. Sie vereinbaren sich zu treffen. Bei ihrem ersten Treffen wird Nico von Yunhee begleitet. Sie bleibt jedoch nicht besonders lange, da Julia sich ihr gegenüber unangemessen verhält. Beim nächsten Treffen bringt Julia Sewon mit. Dieses Mal läuft es besser und sie unterhalten sich viel über die Innen- und Außenpolitik Südkoreas.

Julia und Nico müssen jedoch beide wieder zurück nach Deutschland. Sie verabschieden sich von ihren Kollegen, Freunden und Kommilitonen. Insbesondere der Abschied von ihren Buddies fällt beiden schwer. Beide nehmen nach der Ankunft in Deutschland das gleiche Fazit: Als sie in Korea waren, haben sie Deutschland vermisst und zu schätzen gelernt. Doch jetzt, wo sie zurück in sind, lernen Korea trotz ihrer Fettnäpfchen und unangenehmen Situationen erst richtig zu schätzen.

FAZIT

Für den Fettnäpfchenführer spreche ich eine uneingeschränkte Leseempfehlung aus. Es gibt ihn für nahezu jedes Land – häufig sogar für Städte und Regionen. Ich denke, dass es keinen besseren Weg gibt, sich auf einen Auslandsaufenthalt vorzubereiten.

Wie man es vielleicht schon aus der Zusammenfassung entnehmen kann, ist die Fülle an Informationen enorm. Trotzdem ist es angenehm zu lesen und es amüsiert einen sogar noch. Es ist insbesondere interessant, dass es zwei Protagonisten gibt, die völlig verschiedene Erfahrungen machen. Man lernt so den Uni-Alltag von Julia kennen und wie man sich trotz Vorbereitung an vielen Stellen vertun kann. Darüber hinaus erfährt man, wie es im Büro zu sich geht, und wie man sich auch ohne große Vorbereitung durch den Alltag schlagen kann.

Was ich ein wenig schade finde, das ist jetzt aber meckern auf hohem Niveau:
Wir haben im Sprachkurs gelernt wie Stolz die Koreaner auf die Alphabet und ihre Sprache sind. Es werden zwar koreanische Begriffe eingeführt, wie Jjimjilbang oder Chuseok, aber sie werden nur in Umschrift dargestellt. Eine Seite für das koreanische Alphabet und gängige Worte in Umschrift, würden das Buch für mich perfekt Abrunden.
Weiterhin werden einige Themen, wie der Schönheitswahn, der gelbe Staub, Whitewashing usw. nicht angesprochen.

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Chinas neue Seidenstraße: Kooperation statt Isolation – Der Rollentausch im Welthandel

Allgemeine Informationen:

Titel: Chinas neue Seidenstraße: Kooperation statt Isolation – Der Rollentausch im Welthandel

Autor: Wolf D. Hartmann, Wolfgang Maennig, Run Wang

Erscheinungsjahr: 2017

ISBN: 978-3956012242

Seitenanzahl: 214 Seiten

 

Autoren:

WOLF D. HARTMANN

Prof. Dr. Wolf D. Hartmann ist u. a. Vorsitzender des ifi-Instituts für Innovationsmanagement, international agierender Hochschullehrer und Autor sowie Mitglied der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler.

WOLFGANG MAENNIG

Wolfgang Maennig ist Professor für Volkswirtschaftslehre am Fachbereich VWL der Universität Hamburg und war Gastprofessor u. a an der University of California Berkeley. Seine Forschungsarbeiten zur Verkehrswissenschaft sowie zur Stadt- und Regionalwissenschaft wurden in führenden wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht. Als Gutachter arbeitet er u. a.  für große Infrastrukturprojekte.

RUN WANG

Run Wang ist Professor für Wirtschaftsgeographie an der Universität Hubei in der Stadt Wuhan. Als DAAD-Stipendiat hat er im Jahr 2001 am Institut für Geographie an der Universität Gießen promoviert. Seine Forschungsthemen umfassen nachhaltige Entwicklung und regionale Planung mit dem Schwerpunkt Wasser und Energie.

 

Motivation:

Auf der Suche nach einem geeigneten Buch für das Literaturforum bin ich ziemlich früh auf das Buch „Chinas neue Seidenstraße: Kooperation statt Isolation – Der Rollentausch im Welthandel“ gestoßen. Der Begriff Seidenstraße war mir nicht fremd, da ich nach meiner Zusage für einen ASBE Platz in Peking mehrere Dokumentationen über China gesehen habe, unter anderem über die damalige Seidenstraße, welche als neustes Projekt Chinas aufgebaut werden sollte. Daher fiel meine Entscheidung relativ schnell auf dieses Buch. Mir ist bewusst, dass der Westen Chinas sowie angrenzende Länder, wie Kasachstan und Kirgisistan wirtschaftlich und sozial deutlich schwächer aufgestellt sind, als die Küstenregion von China. Unbekannt war mir jedoch, dass der Plan und Ausbau der neuen Seidenstraße vorsieht, dieses Ungleichgewicht besser anzupassen, die Regionen zu erschließen und für den Handel zu öffnen. Um mehr über dieses gigantische Vorhaben zu erfahren, habe ich mich für dieses Buch entschieden.

Inhalt:

Das Buch „Chinas neue Seidenstraße: Kooperation statt Isolation – Der Rollentausch im Welthandel“ ist in fünf Kapitel gegliedert.  Zum Schluss beleuchtet ein abschließendes Kapitel den Forschungsstand zur historischen Seidenstraße.

Die Autoren beschreiben das Ziel des Buches wie folgt: „Die vorliegende Veröffentlichung soll bei der Beurteilung helfen, ob für die betroffenen Regionen die Chancen oder Risiken der Seidenstraße überwiegen.“

Im Verlauf des Buches werden relevante Fakten, Daten und Zahlen präsentiert sowie stringent in einen größeren Zusammenhang gebracht. Ergänzt wird diese faktenbasierte Literatur durch Kommentare und Einschätzungen der Autoren oder Vertretern der Presse.

Da jedes Kapitel so viele Informationen und Zahlen enthält, kann diese Zusammenfassung im Rahmen meiner Buchrezension diesen nicht gerecht werden. Deshalb gebe ich im Folgenden nur kurz und möglichst präzise Einblick in die einzelnen Kapitel.

Erstes Kapitel: Chinas neue Rolle in der Globalisierung

Im ersten Kapitel wird dem Leser die jüngste politische Entwicklung in den USA und die Schwächung Europas durch den Brexit näher erklärt. Des Weiteren wird aufgezeigt, dass das früher sonst so nach innengekehrte und verschlossene China zunehmend Anstrengungen unternimmt, sodass der freie Welthandel bestehen bleibt. Die neue Seidenstraße wird als Symbol für Kooperation statt Konfrontation beschrieben. Das Projekt sei eine „Win-Win“ Situation für alle Seiten und nicht nur China sei der große Nutznießer, der daraus wirtschaftliche und geopolitische Vorteile zieht.

Zweites Kapitel: Meilensteine und Dimensionen der Neuen-Seidenstraße-Initiative Chinas

In diesem Kapitel wird die Vision der neuen Seidenstraße genauer vorgestellt und der mögliche Weg zur Wirklichkeit skizziert. Es wird aufgezeigt welche strukturellen Herausforderungen auf dem Festland sowie entlang der Küsten entstehen und welche Dimensionen diese annehmen. Es wird von dem weltweit größten Projekt gesprochen. Die Finanzierung nimmt dabei eine der zentralsten Rollen ein. China schien der Weltbank und anderen global agierenden Finanzinstituten nicht zu vertrauen und gründete die „Asian Infrastructure Investment Bank“ (AIIB). Diese soll mit anderen internationalen Finanzinstituten sowie speziellen Fonds die Vorhaben der neuen Seidenstraße-Initiative finanzieren. Des Weiteren werden aktive Realisierungsschwerpunkte auf dem Land sowie im maritimen Bereich der neuen Seidenstraße angeführt, die im Nachgang durchaus kritisch beleuchtet werden.

Drittes Kapitel: Erfolgsbeispiele und Probleme chinesischer Innovationsstrategien

Das dritte Kapitel wendet sich thematisch von der Seidenstraße ab und erläutert welche Herausforderungen China im Landesinneren zu lösen und bewältigen hat. Der 13. Fünfjahresplan von China wird vorgestellt und die notwendige Zielsetzung erläutert, die wie folgt lautet: eine Umstrukturierung der chinesischen Volkswirtschaft von einer investitions- und exportorientierten zu einer innovationsgetriebenen.

Viertes Kapitel: Herausforderungen über das Seidenstraßen-Projekt hinaus

Das vierte Kapitel knüpft thematisch am dritten an und konkretisiert die Herausforderungen. Die zentralen Themen sind die sozialen und ökologischen Probleme sowie die Überkapazitäten in verschiedenen Branchen. Die Solarindustrie wird als exemplarisches Beispiel für Überkapazitäten angeführt, da diese Branche erheblichen Einfluss auf die deutsche Solarindustrie hatte und sie letztendlich komplett zerschmetterte. Die „1-Kind“ Politik und ihre Folgen werden beispielhaft für soziale Probleme, der Klimaschutz und das Problem mit dem Smog als ökologische Probleme dargestellt.

Fünftes Kapitel: Möglichkeiten und Grenzen der neuen Seidenstraße

Das letzte Kapitel gliedert die beiden vorangegangenen Kapitel und führt sie in Bezug auf die neue Seidenstraße zusammen. Die Möglichkeiten und Grenzen, die die neue Seidenstraße mit sich bringt, werden hier beleuchtet und zusammenfassend reflektiert. Im Verlauf des Kapitels wird die Betrachtung zuerst auf China und den Fünfjahresplan gerichtet und anschließend auf die Europäische Union. Abschließend wird die geopolitische Bedeutung der neuen chinesischen Seidenstraßen-Initiative und der Rollentausch im Welthandelt beleuchtet.

Fazit:

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass das Buch die Planung und den Aufbau der Seidenstraße, sowie die damit verbunden Chancen und Herausforderungen, darstellt und dem Leser einen tiefgründigen Einblick in das Themenfeld ermöglicht. Zuerst wird Chinas neue Rolle in der Globalisierung, sowie eine Einordnung der aktuellen Geschehnisse vorgenommen. Im zweiten Kapitel wird die neue Seidenstraße anhand ihrer Vision und den daraus folgenden Dimensionen vorgestellt. Überraschend waren für mich Kapitel drei und vier, in denen der Leser sehr viel über China, dessen Innovations- und Investitionsstrategien sowie Herausforderungen erfahren hat. Erst im Laufe des fünften Kapitels ergab die Anordnung der Themen einen Sinn und der roten Faden war zu erkennen, indem die beiden ersten Kapitel mit dem dritten und vierten verknüpft wurden.

Es bleibt abschließend zu sagen, dass ich im Verlauf dieses Buches viel Neues und Wissenswertes gelernt habe, dass ich so in diesem Ausmaß nicht erwartet habe. Ich dachte im Vorfeld relativ viel über die Seidenstraße und das Vorhaben zu wissen, jedoch waren mir diese Dimensionen nicht bewusst. Das Weiteren wurden viele Fakten und Zahlen über China erwähnt, die mir überhaupt nicht bekannt waren und den steigenden Einfluss Chinas auf das Weltgeschehen im politischen sowie wirtschaftlichen Bezug darstellen. Das Buch bildet eine Art Momentaufnahme von China und gleichzeitig stellt es das Vorhaben der neuen Seidenstraße vor. Ich kann jedem empfehlen dieses Buch zu lesen, der an einem oder beiden dieser Themen interessiert ist.

Als einziger Kritikpunkt bleibt anzumerken, dass kritische Themen in Bezug auf China zwar genannt, aber meist nur kurz angerissen wurden. Die übliche Ausführlichkeit habe ich in Bezug auf die kontroversen Themen vermisst.

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Buchrezension: DARUM SPINNEN JAPANER – Neues vom Wahnsinn des japanischen Alltags

Buchdetails:

Titel: Darum Spinnen Japaner – Neues vom Wahnsinn des japanischen Alltags

Autor: Christoph Neumann      buch

Erscheinungsjahr: 11.05.2013

Verlag: Piper

Seitenumfang: 235 Seiten

ISBN: 978-3-492-30263-0

Sprache: Deutsch

Preis: 9,99 €

 

Meine Motivation:

Während meines Aufenthaltes am LSI in Bochum wurde mir das Buch „Darum spinnen Japaner“ empfohlen. Nach kurzer Recherche überzeugte es mich, ein Buch aus der Perspektive eines in Japan lebenden Deutschen zu lesen. Mich hat besonders interessiert, wie die Sichtweise eines Deutschen auf die japanische Kultur und auf den japanischen Alltag ist. Ich habe mich für das Buch entschieden, in der Hoffnung einen Ratgeber mit hilfreichen Einblicken über das Land und dessen Einwohner zu lesen. Daher wollte ich das Buch als Vorbereitung für mein anstehendes Auslandssemester in Japan nutzen.

Zum Autor:

Der Autor Christoph Neumann wurde im Jahr 1967 in München geboren und wuchs in Würzburg auf. Er absolvierte sein Studium in Sprachwissenschaften mit den Nebenfächern Japanologie und Journalistik. Im Jahr 1995 begab er sich erstmalig nach Japan im Rahmen eines Auslandssemesters an die Universität Tsukuba. Seinen Doktortitel in Computerlinguistik erlangte er im Jahr 2000 an der Technischen Universität in Tokio. Seither ist Neumann neben dem Beruf als Schriftsteller und Journalist auch als Softwareentwickler in Tokio tätig. Bisher hat er zwei Bücher über den japanischen Alltag veröffentlicht („Darum nerven Japaner – Der ungeschminkte Wahnsinn des japanischen Alltags“ und „Darum spinnen Japaner – Neues vom Wahnsinn des japanischen Alltags“). In Japan trat er vier Jahre lang als wöchentlicher Gast in der Talkshow „Die spinnen, die Japaner“ auf. In dieser Talkshow diskutierten in Japan lebende Ausländer mit Einheimischen unter anderem über Themen des japanischen Alltags.

Inhalt und Gliederung:

Der Autor schildert in seinem Buch 17 verschiedene Themenbereiche und behandelt neben ökonomischen und politischen, insbesondere auch kulturelle Aspekte des japanischen Lebens. In dem Buch beschreibt er neben seinen persönlichen Erfahrungen auch Geschichten und Erzählungen von Bekannten und Freunden. Mich haben besonders die zwei Kapitel „Knast“ und „Jobs – Firma, lass mich dein Sklave sein!“ interessiert, auf die ich im Folgenden näher eingehen werde.

„Knast“ 

Neumann beschreibt in diesem Kapitel das japanische Justizsystem. Auf der einen Seite gibt es in Japan die Gefängnisse, wo die Insassen fließendes Wasser haben, lesen, fernsehen oder Karten spielen können und sich an jedem zweiten Tag im Gefängnis eigenen Badehaus waschen. In diesen Gefängnissen kommen allerdings nur diejenigen, denen ein Gerichtsprozess gemacht wurde. Dies bedeutet, dass sie zu einer Freiheitsstrafe oder zum Tode verurteilt wurden. Auf der anderen Seite gibt es die sogenannten „Verwahrcenter“. Diese sind knapp zwei Quadratmeter groß, meist fensterlos und in einem aggressiven Gelbton gestrichen. Der Gefangene bleibt dort in der Regel bis zu 23 Tage eingesperrt, oftmals sowohl ohne Gerichtsverfahren als auch ohne Anwalt. Das Wegsperren in die Verwahrcenter bezeichnet die japanische Regierung als Untersuchungshaft. Im Allgemeinen liegt die Entscheidung über den Aufenthalt in einem Gefängnis beim Gericht, wohingegen ausschließlich die japanische Polizei die Entscheidung darüber trifft, wer, wann in welchem Verwahrcenter eingesperrt wird. Der japanischen Polizei ist es gestattet, jede Person ohne große Formalitäten in ein Verwahrcenter festzuhalten. Diese befinden sich in den Polizeipräsidien und nehmen ein ganzes Stockwerk ein. Die Insassen sitzen den ganzen Tag auf den Boden und starren die Wand an. Es ist ihnen verboten, persönliche Gegenstände mit in die Zelle zu nehmen, lediglich die Kleidung, die sie zum Zeitpunkt der Inhaftierung am Körper getragen haben, ist ihnen gestattet. Es ist beabsichtigt, den Insassen das Leben so unerträglich wie möglich zu machen. Folglich verwundert es nicht unter diesen Umständen, dass rund 80% der sich in Untersuchungshaft Befindenden freiwillig gestehen, oftmals auch Unschuldige. Viele wollen einfach in ein „richtiges“ Gefängnis versetzt werden, da sie dort besser behandelt werden. Es werden ohnehin 99% der Angeklagten, welche einem Richter vorgeführt werden, als schuldig deklariert. Mit anderen Worten steht das Urteil eines Gerichtsprozesses zu Beginn des Prozesses bereits fest, da jeder Angeklagte in Japan auch schuldig gesprochen wird. Der Autor sieht die Ursache ist in erster Linie darin, dass aus japanischer Sichtweise die Justiz „keine Fehler“ begeht. Die Richter haben einerseits großes Vertrauen in die Vorarbeit der Staatsanwaltschaft und andererseits möchten die Richter die Staatsanwaltschaft nicht bloßstellen, damit ihr Gesicht gewahrt werden kann. Als Folge aus einem verlorenen Fall würde aus japanischer Denkweise geschlussfolgert werden, dass die Staatsanwaltschaft nicht zuverlässig beim Zusammentragen der Beweise gearbeitet hätte.

„Jobs – Firma, lass mich dein Sklave sein!“

Der Autor leitet das Kapitel mit der Behauptung ein, dass Japaner nicht fähig seien, selbstständig zu denken und dass gerade diese Eigenschaft sie zu den idealen „Untergebenen“ mache. Eine Firma bekommt von seinen Angestellten bedingungslosen Gehorsam, da sich die Angestellten selbst einreden, keine andere Wahl zu haben, als ihr gesamtes Leben der Firma zu widmen. Dies zeigt sich unter anderem daran, dass Japaner üblicherweise ihren bezahlten Urlaub für den Fall, dass sie krank werden, nehmen. Ein japanischer Arbeitnehmer hat anfänglich kaum mehr als zehn Tage Jahresurlaub zur Verfügung. Daher ist es für einen Japaner undenkbar, seinen Urlaub für Erholung zu nutzen, da die Möglichkeit besteht, dass er krank werden könnte und ihm dementsprechend die Urlaubstage fehlen würden. Neben der beträchtlich hohen Anzahl an jährlichen Arbeitstagen ist auch die tägliche Arbeitszeit enorm. Es gilt in nahezu jedem Arbeitssektor in Japan, dass Überstunden als Bestandteil der zu verrichteten beruflichen Leistung gehören. Ein gewöhnlicher Arbeitstag endet für Japaner im Durchschnitt erst um 23 Uhr. Die ersten vierzig verrichteten Überstunden pro Monat werden nicht bezahlt, sondern erst ab der 41. Überstunde kommt es zu einer Entlohnung von 125 Prozent, gemessen an dem regulären Stundenlohn. Außerdem betont der Autor, dass die Überstunden nicht zwingend mehr Arbeit bedeuten. Vielmehr gilt, dass die Angestellten erst Feierabend machen, wenn der Chef das Büro verlassen hat. Die Verpflichtung eines Angestellten für die Firma geht über das gewöhnliche Arbeitsverhältnis hinaus, wie beispielsweise das gemeinschaftliche Pflichttrinken nach Feierabend, welches relevant für kollegiale Beziehungen ist. Vor allem, wenn der Vorschlag seitens des Chefs gemacht wird, wagt es selten ein Angestellter diesen zurückzuweisen. Christoph Neumann erwähnt zudem, dass es in Kombinis (Convenience Stores) immer einen schwarzen Farbton zum Haarefärben zu kaufen gibt. Die Zielgruppe sind dabei vorzugsweise junge Japaner, die sich kurzfristig ihre Haare zurückfärben müssen. Insbesondere bei Bewerbungsgesprächen in japanischen Firmen gilt der Bewerber nur als seriös, wenn er natürliche schwarze Haare hat, denn ein beispielsweise blonder Farbton gilt als unseriös. Die Haarfarbe der Angestellten wird oftmals von Firmen vorgeschrieben. Zum Beispiel sind japanische Bankangestellte schwarzhaarig, um so deren Seriosität zu suggerieren. Firmen mischen sich in vieler Hinsicht in das private Leben ihrer Angestellten ein. Beispielsweise berichtet der Autor, dass sein ehemaliger Chef seinen Festangestellten zum 30. Geburtstag immer persönlich gratuliert hat. Denjenigen, die noch Single waren, legte er nahe, sich möglichst bald einen Ehepartner zu suchen. Der Hintergrund dafür wird darin gesehen, dass ein verheirateter Angestellter produktiver sei. Im Vergleich zu einem nicht verheirateten Angestellten kann ein Verheirateter mit Gehaltserhöhungen sowie Beförderungen rechnen.

Fazit:

In diesem Buch beschreibt der Autor in einer Reihe von Kapiteln zu unterschiedlichen Themen aus dem japanischen Alltag. Viele Themen waren einerseits für mich neu, insbesondere das Kapitel „Knast“, welches mich auch am meisten schockiert hat. Andererseits waren mir auch einige Themen im Vorfeld bekannt, wie beispielsweise die allgemeine Unfreiheit der Japaner, die sich dem Druck ihrer Firma und ihres Chefs beugen. Im Großen und Ganzen schreibt Neumann sehr flüssig, unterhaltsam und durchgehend spannend, was das Lesen des Buches vereinfachte.

Insgesamt empfand ich das Buch als sehr informativ und ich freue mich die Wahrnehmung Neumanns über die Japaner mit meinen eigenen Erfahrungen in Japan zu vergleichen. Dieses Buch würde ich nur bedingt weiterempfehlen, weil einige der Themen nicht immer positiv dargestellt sind und dadurch abschreckend auf den Leser wirken können. Mich hat aber besonders seine authentische Sichtweise über das alltägliche Leben in Japan mit all seinen Vorzügen und negativen Eindrücken überzeugt.

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Buchrezension von Lena H.: “CHINA KINDER – Moderne Rebellen in einer alten Welt” von Jörg Endriss und Sonja Maaß

BuchdetailsUnbenannt

Titel: CHINA KINDER – Moderne Rebellen in einer alten Welt

Autor: Jörg Endriss und Sonja Maaß

Erschienen: 2017

Seiten: 432

Verlag: Conbook Medien GmbH

ISBN: 978 – 3 – 95889 – 137 – 1

Preis: 12,95 €

Autoren: Jörg Endriss (*1973) und Sonja Maaß (*1976) sind begeisterte Chinakenner, die an dem von der Robert-Bosch-Stiftung und des Literarischen Colloquiums Berlin geförderten Autorenprogramm „Grenzgänger China-Deutschland“ teilgenommen haben. Sie haben beide zeitweise in China studiert, gelebt und auch gearbeitet.  Die Verbundenheit zu China ist groß und sie haben Kenntnis über das was sie schreiben und können den Wahrheitsgehalt der Lebensumstände ihrer Interviewpartner gut einschätzen.

Motivation: Das Gleichgewicht zwischen faktenbasierten Informationen und realitätsnahen Geschichten mit „Gesicht“ haben mich motiviert dieses Buch zu lesen. Das Buch ist sehr aktuell und liefert neben persönlichen Schicksalen in jedem Kapitel umfassende Hintergrundinformationen, die dem Leser helfen, die Erzählungen in einen Gesamtkontext einbinden zu können.

Aufbau des Buches: Zu Beginn des Buches geben die Autoren Jörg Endriss und Sonja Maaß einen kurzen Eindruck für den gedanklichen Umbruch der jungen Chinesen, die sie interviewt haben. Im Weiteren ist das Buch in 30 Kurzportraits aufgeteilt. Jedes Kapitel beginnt mit einem kurzen faktenbasierten Einstieg, so dass man das Interview als Leser besser verstehen und diesem besser folgen kann. Das Interview selber, sprich die persönliche Lebensgeschichte jedes einzelnen ist in einem Dialog verfasst.

Vereinzelt sind bestimmt Begriffe grau hinterlegt, was bedeutet, dass sie im hinten befindlichen Glossar noch einmal näher erläutert und umfassender beschrieben sind. In der Mitte des Buches wie auch zu Beginn jedes einzelnen Portraits sind Bilder der Gesprächspartner zu finden.

Inhalt:  „Uns ist es auch nicht mehr so wichtig, Karriere zu machen. Das Wichtigste für mich und für meine Freunde ist, etwas zu finden, das uns glücklich macht (37). Was die [Politiker] da oben machen, hat sowieso nichts mit uns zu tun. Ich versuche, mein eigenes Leben zu führen (S. 75).“

Zu Beginn des Buches beschreiben junge Chinesen ihr Leben, welches durch Regulierungen oder feste Vorgaben bestimmt ist. Sei es das Mädchen, welches aufgrund der Ein-Kind-Politik gar nicht offiziell existiert oder die Schüler, die am Ende ihrer Schulzeit jede freie Minute für ihre alles entscheidende Abschlussprüfung lernen.

Bei dieser Prüfung geht es nicht um das Bestehen oder Nicht-Bestehen, sondern um die Frage wie viele Punkte kann ich erreichen und welchen Studiengang kann ich an welcher Universität studieren? Auch wenn die Schüler in der Schulzeit doch einmal wenige Minuten Zeit gefunden haben, sich über ihre Vorlieben und Berufswünsche Gedanken zu machen, entscheidet das Testergebnis wie ihr Leben im Weiteren verlaufen wird.

Jedoch wäre es falsch ausschließlich auf die Punktzahl zu achten, auch die Herkunft der Schüler ist sehr entscheidend. Stadtkinder haben weitaus größere Chancen als Schüler aus dörflichen Regionen, einen der beliebten Studienplätze zu erhalten. Für die Schüler aus den Städten, in denen die Universitäten lokalisiert sind, gibt es reservierte Plätze, da in China vieles über den Wohnort, den Hukou entschieden wird. Die restlichen begrenzten Plätze sind so beliebt, dass aufgrund der hohen Nachfrage die benötigten Punkte um ein Vielfaches höher sein können, als sie für die Stadtkinder sind.

Wenn man bedenkt, dass die Kinder auf dem Dorf zudem teilweise noch schlechtere Schulbedingungen haben, ist deren Leistung hoch anzusehen. Die Herkunft beeinflusst die eigene Bildung enorm und bestimmt somit den weiteren Lebensweg. Die sogenannten „Fuerdai“, die Kinder reicher Eltern, haben sogar die Chance auf Schulen zu gehen, die den Kindern diese Abschlussprüfung ersparen, da ihnen mit dem Abschluss an diesen Schulen ein Studienplatz gesichert ist.

Zentraler Bestandteil der Geschichten der jungen Chinesen ist das Thema Hochzeit. Die Familien machen den Kindern großen Druck und engagieren zum Teil Heiratsvermittler, um die Kinder unter die Haube zu bringen.

Ein großer Faktor bei der Heirat ist jedoch das Geld, da vielen Ehen arrangiert werden. Aufgrund der Ein-Kind-Politik gibt es einen deutlichen Überschuss an Männern, da die Mädchen früher teilweise abgetrieben und die Jungen als wichtiger angesehen wurden, so dass diese die Familienlinie übernehmen konnten. Nun ist die Situation jedoch so, dass die Frauen sich ihren Partner aussuchen und große Ansprüche stellen können. Die Männer müssen in einigen Fällen nehmen, was sie kriegen können. Teilweise verlangen die Eltern der Braut ein hohes Brautgeld, zudem muss der Bräutigam eine Wohnung bzw. ein Haus kaufen und die Hochzeit bezahlen können. Auch wenn Partner schon für eine lange Zeit zusammen waren, sich gut verstehen und entschieden haben zu heiraten, muss der Mann sich entweder hoch verschulden oder wird im Falle des Nichtzahlens von der Frau verlassen. Je älter die Kinder werden, desto mehr werden sie von den Eltern unter Druck gesetzt.

In der Mitte des Buches konzentrieren sich die Portraits auf die Lebensgeschichten von Andersdenkenden und Neugestaltern ihrer eigenen Welt. Junge, kreative, gesundheitsbewusste und nachhaltig lebende Chinesen, die ihrer inneren Überzeugung folgen und sich von niemandem leiten lassen wollen, erzählen von ihrem Leben. Sie wollen ihren Lebensweg selbst bestimmen, etwas Sinnvolles erreichen und eine Arbeit finden, die ihnen Erfüllung bringt. Dafür müssen junge Menschen in China allerdings große Widerstände überwinden und sich gegen konservative Eltern und traditionelle Konventionen durchsetzen. Hier sind z.B. Portraits von überzeugten Ökobauern zu finden, die nach einem erfolgreichen Bauingenieurwesen-Studium doch etwas anderes machen wollten und freiwillig zurück ins Dorf ihrer Eltern gezogen sind, wo sie unter armen Bedingungen leben. Oder von einem Fotografen, sowie Musikern, die es lieben umherzuziehen und ihre Leidenschaft zum Beruf machen zu können.

In den Portraits von Hongkongern  geht es zentral um die Frage wie chinesisch sich die Menschen dort fühlen und was sie von ihrem Leben und der Situation erwarten, wenn Hongkong nach fast 200 Jahren wieder offiziell zu der Volksrepublik Chinas gehört, was 2047 nach einer 50-jährigen Übergangszeit der Fall sein wird. Schon jetzt sind immer mehr Veränderungen im Leben der Hongkonger zu spüren.

Im Buch gibt es auch Portraits, die von dem Leben in Taiwan handeln. Der geschichtliche Hintergrund Taiwans wird kurz erläutert und zentral ist hier zum einen die Situation von Chinesen in taiwanesischen Universitäten, so wie die wirtschaftlichen Einschränkungen durch China. China, als Welt- und Marktmacht, hat anderen Nationen mit Sanktionen gedroht, wenn sie mit Taiwan Handel treiben oder politische Beziehungen pflegen. Dieses Verbot trifft die Taiwanesen hart, schränkt sie ein und macht sie von China abhängig.

Das Buch verdeutlicht jedoch auch mehrere Fälle von Korruption in ganz verschiedenen Bereichen. Korruption gibt es in China überall, so z.B. in der Politik, bei Behörden und anderen Apparaten, aber auch schon bei der Einschulung der Kinder. In China ist es so, dass, wenn ein Kind in die Grundschule kommt und die Eltern den Lehrern keine Geschenke machen, dass sich diese dann nicht um das jeweilige Kind kümmern und es von Beginn an keine weitere Unterstützung der Lehrer erhält.

Das Thema Homosexualität wird im Rahmen des Buches auch kurz angeschnitten. Das Buch beschreibt zwei Schicksale von Männern, die mit ihren Familien gebrochen haben, da sie ihre Orientierung offen ausleben wollen. Die Mehrheit der Homosexuellen heiratet noch trotz anderer Neigung jeweils einen Mann oder eine Frau, da für sie die Gefahr und Angst besteht, verstoßen oder benachteiligt zu werden. In China ist Homosexualität seit 1997 nicht mehr strafbar und seit 2001 gilt sie nicht mehr als psychische Krankheit. Wenn man bedenkt, dass die Legalisierung erst seit 21 bzw. 17 Jahren besteht, ist zu erwarten, dass die Akzeptanz gerade in dörflichen Regionen noch sehr lange wachsen muss.

Fazit: Ich kann jedem uneingeschränkt das Lesen des Buches „China Kinder – Moderne Rebellen in einer alten Welt“ empfehlen, da es meinen Blickwinkel absolut erweitern konnte und ich Dinge erfahren habe, von denen ich während meines Aufenthaltes in China nur profitieren kann. Das Verständnis für die chinesische Kultur hat sich verändert. Jedes einzelne Kurzportrait ist absolut lesenswert. Besonders relevant wird für mich die Situation meiner chinesischen Kommilitonen sein, welche meinen gebührenden Respekt verdienen, wenn sie sich ohne die Hilfe ihrer Eltern unter ständigem Druck einen Studienplatz an einer der besten Universitäten Shanghais haben sichern und erarbeiten können. Auch wenn einige Geschichten für mich weiterhin ungreifbar sind, weil sie so different zu unserer deutschen bzw. westlichen Kultur sind, fühle ich mich nun nach dem Lesen ein Stück weit besser auf meinen Aufenthalt an der Tongji University vorbereitet.

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Buchrezension: Gebrauchsanweisung für China

Details zum Buch:

  • Titel: Gebrauchsanweisung für China7574_GA_China.qxp:441x225
  • Autor: Kai Strittmatter
  • Verlag: Piper Verlag GmbH
  • Erscheinungsjahr: 2004 (Überarbeitete und erweiterte Neuausgabe 2008)
  • Vorgestelle Auflage: 11. Auflage 2017
  • Seiten: 270
  • ISBN: 978-3-492-27574-3
  • Preis: 15,00 €

 


Motivation:

Um mich auf mein Auslandssemester in China vorzubereiten, war ich auf der Suche nach einem Buch, dass mir Land und Leute näherbringt. Bisher kannte ich China nur aus den Medien und vom chinesischen Restaurant um die Ecke. Um China wirklich kennenzulernen, war es mir wichtig ein Buch von einem Autor zu lesen, der Ahnung von dem Land hat und im besten Fall mehrere Jahre dort gelebt hat. Dabei wollte ich aber nicht den typischen Reiseführer lesen. Nach kurzer Suche bin ich auf das Buch “Gebrauchsanweisung für China” von Kai Strittmatter gestoßen. Da ich bereits die “Gebrauchsanweisung für Thailand” aus der Reihe der “Gebrauchsanweisungen” des Piper Verlages gelesen hatte und mir die schnörkellose und lebendige Erzählweise sehr gefallen hatten, entschied ich mich für dieses Buch.


Zum Autor:

Porträt-Kai-StrittmatterKai Strittmatter wuchs im Allgäu auf und studierte von 1984 bis 1992 Sinologie an der Universität München mit Studienaufhalten in Xi’an (VR China) und Taipeh (Taiwan). Anschließend besuchte er die Deutsche Journalistenschule in München. Er war ab 1997 acht Jahre lang Korrespondent für die Süddeutsche Zeitung in Peking. Von 2005 bis 2012 berichtete er für die gleiche Zeitung als Korrespondent aus Istanbul. 2010 veröffentlichte er die “Gebrauchsanweisung für Istanbul”. Seit 2012 ist er wieder Korrespondent in Peking. 2014 erhielt Strittmatter den Theodor-Wolff-Preis in der Kategorie „Reportage/Essay/Analyse“ für seine Auslandsreportage „Wolfskind“. Darin erinnert er an die beklemmende Zeit der Kulturrevolution in China, in der Kinder ihre Eltern als nicht parteitreu denunzierten und damit in den Tod schickten.


Aufbau des Buches:

Das Buch besteht aus 54 Kapiteln. Es verfügt über ein Inhaltsverzeichnis sowie eine Karte von China. Die Kapitel sind meist sehr kurz, teilweise nur eine Seite lang. Im Schnitt gehen sie über fünf Seiten, das längste ist 17 Seiten lang. Jedes Kapitel beschreibt eine von den anderen Kapiteln unabhängige Thematik und kann auch einzeln gelesen werden. Es empfiehlt sich allerdings, jedes Kapitel zu lesen, da die Kapitelüberschrift nicht immer ausreichend Informationen darüber liefert, worum es überhaupt geht. Am Anfang eines jeden Kapitels steht die chinesische Überschrift in Schriftzeichen und Pinyin sowie die sinngemäße deutsche Übersetzung. Um einen Überblick über die Kapitel gewinnen zu können, werden diese nachfolgend aufgeführt.

Alle Kapitel im Überblick:

  1. Der Anfang
  2. Kompass. Oder: Am Ende trifft man sich doch
  3. Chinesisch. Oder: Fremde Zeichen
  4. Gelb
  5. Speer und Schild. Oder: Land der Gegensätze
  6. Passt scho
  7. Die Familie. Oder: Herr Li, Frau Wang, Fräulein Zhang
  8. Visitenkarte
  9. Das Reich der Mitte. Oder: Sich selbst genug sein
  10. Mahjongg
  11. Hitze und Lärm. Oder: Enger geht’s nicht
  12. 1. Sport 2. Kampagne
  13. Muße. Oder: Entspannen beim Rückwärtsgehen
  14. Erdulden, aushalten
  15. Essen. Oder: Satt, gesund und glücklich
  16. Stäbchen
  17. Yin und Yang. Oder: Das Dao der Küche
  18. Tee
  19. Prost! Oder: Ex!
  20. Milch
  21. Trinken, Essen, Mann und Frau. Oder: Die Kraft aus der gemeinsamen Schüssel
  22. Gulli-Öl
  23. Der begossene Esel
  24. Der Pandabär
  25. Die vier Übel. Oder: Von Ratten, Spatzen, Mücken und Fliegen
  26. Der Berg der Roten Pagode
  27. Feiern. Oder: Der essbare Mond
  28. Der Peking-Fluch
  29. Qualität und Klasse. Oder: Einwohnerveredelung
  30. Chaos
  31. Gemeinschaftssinn. Oder: Das Volk der Gruppenegoisten
  32. Konfuzius
  33. Etwas zu erledigen haben
  34. Propaganda. Oder: Wein, der kein Wein ist
  35. Goldenes Schild. Oder: The Great Firewall of China
  36. Nationalblume
  37. Alles gefälscht. Oder: Die Schwindlerrepublik
  38. Menschenrecht
  39. Hamwer nich’
  40. Helden der Arbeit. Oder: Dem Volke dienen
  41. Kommunismus
  42. Genosse Geliebter
  43. Mao-Anzug
  44. Schönheit. Oder: Weiße Haut, große Augen
  45. Kleinbürgertum
  46. 1 300 000 000. Oder: Aufsteigen aus der Masse
  47. Mätresse
  48. Freiheit. Oder: Der Vormarsch des Privaten
  49. Deoroller
  50. Gelbe Gefahr
  51. Der Ausländer. Oder: Wenn Völker sich verständigen
  52. Sprichwörter
  53. Tipps zum Schluss
  54. The end

Inhalt:

Kai Strittmatter erzählt in seinem Buch hauptsächlich von seinen Erfahrungen, die er während seiner Zeit als Korrespondent in China gesammelt hat. Untermalt werden diese Erfahrungen immer wieder mit Anekdoten, die der Autor selbst erlebt hat. Thematisch umfasst das Buch dabei eine große Bandbreite. Angefangen bei der chinesischen Sprache – die der Autor nebenbei, zumindest in der gesprochenen Form, als die einfachste der Welt hält – über die chinesische Küche, bis hin zur Geschichte Chinas und der heutigen Politik wird dem Leser ein umfassender Einblick in das Land China gewehrt.

Dabei werden Vorurteile, wie z.B., dass Chinesen immer Reis essen, oder alle Chinesen gleich aussehen, auf humorvolle Weise beseitigt. Es wird erklärt, welche Bedeutung die Farbe Gelb hat und was ein “Gelber Film” ist. Es werden aber auch ernste Themen angesprochen, wie der extreme Unterschied zwischen arm und reich in China. Auch Alltagssituation, wie die Frage nach dem Weg, werden thematisiert. Jeder Chinese wird auf diese Frage eine Antwort haben, auch wenn er den Weg gar nicht kennt. Als Lösung empfiehlt der Autor so oft zu Fragen, bis man mindestens drei Mal den gleichen Weg beschrieben bekommt.

So erfährt man im Laufe des Buches unzählige Dinge über China, die den Rahmen dieser Buchrezension sprengen würden, wenn man sie alle aufführen würde. Dennoch möchte ich darauf eingehen, welche Themen mich am meisten beeindruckt haben.

Die bei uns unter einem schlechten Ruf stehenden China-Fälschungen werden z.B. in China selbst als eine Ehrung an die Erschaffer des Originals gesehen. In chinesischen Schulen müssen die Schüler Gemälde von bekannten Künstlern nachzeichnen. Wer mit seiner Zeichnung dem Original am nächsten kommt, bekommt die beste Note. Eine Sache, die vielen Nicht-Chinesen wahrscheinlich auch nicht bewusst ist, ist das China regional sehr unterschiedlich ist und es große Differenzen in Sprache, Esskultur und anderen Dingen gibt. Sehr interessant war für mich auch die Auseinandersetzung mit Chinas aktuellen Problemen. Angefangen bei der Ein-Kind-Politik über Probleme mit der Lebensmittelsicherheit bis hin zu der aktuellen Politik Chinas. Besonders erschrocken war ich über die Tatsache, dass die chinesische Regierung die Geschichte Chinas für ihre Zwecke instrumentalisiert und dabei Vorkommnisse wie das Massaker vom Tian’nanmen-Platz verschweigt. Ebenfalls beunruhigend empfand ich, dass in China versucht wird, die Menschen zu “veredeln” und verschiedene Dinge, wie z.B. das Spucken unter Strafe gestellt werden. Einen interessanten Vortrag von Kai Strittmatter zu diesem Thema im Rahmen des aktuell in der Erprobung befindlichen “Social Credit System” ist hier zu sehen.

Am Ende des Buches gibt Kai Strittmatter nochmal einige Tipps zum Aufenthalt in China, geht teilweise auf vorher angesprochene Dinge nochmal ein und rundet das Buch damit ab.


Fazit:

Nachdem man das Buch gelesen hat, hat man das Gefühl, nun alles über China zu Wissen. Wahrscheinlich ist dies nicht so, die Fülle an Informationen ist aber wirklich beeindruckend. Wahrscheinlich werde ich das Buch kurz vor meinem Aufenthalt in China ein zweites Mal lesen, um die vielen Informationen nochmal ins Gedächtnis zu rufen. Die Erzählweise des Autors ist sehr angenehm. Durch ihre Lebendigkeit und den gewissen Sinn für Humor, wird einem beim Lesen nie langweilig. Gut gefällt mir, dass immer wieder chinesische Vokabeln auftauchen, von denen man nach dem Sprachkurs am LSI in Bochum erstaunlich viele wiedererkennt. Etwas negativ empfinde ich, dass der Autor an der ein oder anderen Stelle sehr ausschweifend erzählt und man sich fragt, in welchem Zusammenhang das Erzählte eigentlich mit dem Thema des Kapitels steht. Insgesamt kann ich das Buch aber nur empfehlen. Es ist kein typischer Reiseführer, der nur die Touristenattraktionen aufzählt, sondern auf das echte Leben in China vorbereitet. Es ist für jeden geeignet, der einen längeren Aufenthalt in China plant und Lust hat, sich auf das Land mit seinen Eigenheiten einzulassen.

 

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Buchrezension: Die Kunst des Krieges

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Titel: Die Kunst des Krieges
Autor: Sun Tzu
Übersetzer: Ingrid Fischer-Schreiber
Verlag: Anaconda
Erscheinungsdatum: 28.02.2016
Erscheinungsjahr des Originals: Schätzung:
5. Jhd.v.Chr.
Seitenzahl: 256
ISBN: 978-3-7306-0351-2
Preis: 3,95€

 

Motivation

Meine Motivation dieses Buch zu lesen, bestand darin, dass es seit Jahrtausenden praktische Relevanz besitzt. Die Thesen von „Die Kunst des Krieges“ besitzen eine universelle Aussagekraft, so dass die Thesen weit über den militärischen Gedanken hinaus gehen und Einfluss auf jegliche Strategien im alltäglichen und beruflichen Leben haben können. Weisheiten besitzen in China außerdem einen ganz anderen Stellenwert, als in Deutschland und gerade „Die Kunst des Krieges“ dient den Chinesen als unerschöpfliche Inspirationsquelle.

Der Autor

Sun Tzu war ein chinesischer Schriftsteller, Philosoph, General und Militärstratege, der in der östlichen Zhou-Zeit des alten Chinas lebte. Über seinen genauen Geburtsort gibt es viele Spekulationen. Nach den einen Quellen ist er in der Provinz Shandong geboren und nach anderen Quellen in dem Staat Wu. Als legendäre historische und militärische Persönlichkeit hat er bis heute viele Namen. So kennt man ihn unter den Namen Changqing, Sun, Sun Tzu, Sun Tzi und Sūnzǐ. Der Name Sun Tzu, mit dem er in der westlichen Welt bekannt ist, ist ein Ehrentitel, der “Meister Sun” bedeutet. Sun Tzu wird traditionell als der Autor von Die Kunst des Krieges in ganz China verehrt.

Der Inhalt

Die Kunst des Krieges ist in dreizehn Kapitel gegliedert und von taoistischen Einflüssen geprägt. Der Stil des Buches ist in dem damals klassischen chinesischen Stil geschrieben, in dem auf eine ausführliche Argumentation verzichtet wird. Sun Tzu stellt seine Gedanken in Form von Axiomen und Aphorismen dar. Im folgendem werden Kapitel jeweils kurz zusammengefasst:
Das erste Kapitel „Strategische Überlegung“ spricht davon, dass der Krieg eine sehr schwerwiegende Angelegenheit für den Staat ist und nicht ohne angemessene Berücksichtigung begonnen werden darf. Es müssen immer die fünf grundlegenden Faktoren Weg, Jahreszeiten, Gelände, Führung und Disziplin und die sieben Elemente, die die Ergebnisse von militärischen Aktionen bestimmen, betrachtet werden. Durch das Nachdenken, Bewerten und Vergleichen dieser Punkte kann ein Kommandant seine Siegchancen abmessen.
Das zweite Kapitel „Über die Kriegsführung“ unterstreicht die Konsequenzen eines Krieges und die Bedeutung der Geschwindigkeit des Krieges. So soll der Krieg nicht die Länge gezogen werden. Materiellen Mitteln und der Erhaltung der Energie wird großes Gewicht zugeschrieben, um die Kosten eines Krieges für die Bevölkerung und Wirtschaft möglichst gering zu halten.
Das dritte Kapitel „Über das Planen einer Belagerung“ definiert die Quelle der Stärke als Einheit, nicht als Größe der Armee und diskutiert die fünf Faktoren, die für einen erfolgreichen Krieg erforderlich sind. In der Reihenfolge ihrer Wichtigkeit sind diese kritischen Faktoren: Angriff, Strategie, Allianzen, Armee und Städte.
Der Faktor „Über Formation“ erzählt von der Kunst der Verteidigung. Eine gute Verteidigung ist die Voraussetzung für eine siegreiche Offensive. Es lehrt die Kommandanten den Weitblick für strategische Gelegenheiten. Der General muss wissen, wann man vorrücken und sich zurückziehen muss, ohne jemals Gelegenheiten für den Feind zu schaffen.
Das Kapitel „Kraft“ handelt von der Fähigkeit die Truppen zu kommandieren. Sie basiert auf einem kreativen und agilen Gebrauch ihrer jeweiligen Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie auf der Unterscheidung zwischen dem, was im Geheimen getan werden muss und dem was offen getan werden muss. Es soll Dynamik erzeugt werden und den Feind zu überraschen.
„Leere und Fülle“ erklärt, wie das grundlegende taoistische Konzept auf die Kampfkünste angewendet wird. Selbst soll man mit Energie erfüllt sein und gleichzeitig den Gegner schwächen.
Das Kapitel „Über den bewaffneten Kampf“ sagt aus, dass die Durchführung einer Entscheidungsschlacht viele Vorbereitungen erfordert sowie eine ausgezeichnete Kenntnis von Umwelt und Feind.
Der Faktor „Anpassung“ konzentriert sich auf die spontane Anpassung und Beweglichkeit in einer Armee. Es wird erläutert, dass ein General auch die Fähigkeit besitzen muss sich vorteilhaft an die Beschaffenheit des Terrains anzupassen.
Das Kapitel „Armeen auf dem Marsch“ handelt von physischen, sozialen und psychologischen Aspekten der Kriegskunst. Es wird auf bestimmte Formen des Terrains eingegangen, wie zum Beispiel hochgelegene Orte. Der Schlüssel zum Erfolg liegt meistens darin, die Absichten des Feindes zu beurteilen.
Der Punkt „Terrain“ betrachtet die drei allgemeinen Widerstandsbereiche (Entfernung, Gefahren und Barrieren) um ein Lager aufzubauen und die sechs Arten von Bodenpositionen, die sich daraus ergeben. Jede dieser sechs Feldpositionen bietet bestimmte Vor- und Nachteile. Das Zentrale ist die Beziehung des Individuums zu den Gegebenheiten seines materiellen, gesellschaftlichen und psychologischen Umfelds.
Die „Neun Arten von Gelände“ beschreiben die neun üblichen Situationen in einem Feldzug. Die neun Arten von Gelände umfassen zum Beispiel umkämpftes Gelände, verbindendes Gelände, unwegsames Gelände oder tödliches Gelände. Der Kommandeur muss fähig sein sich an verschiedene Geländearten anzupassen und soziale und psychologische Elemente einzubeziehen.
In „Angriff durch Feuer“ erklärt er den allgemeinen Gebrauch von Waffen und den spezifischen Gebrauch der Umwelt als Waffe. Laut Meister Sun gibt es fünf Arten des Angriffs durch Feuer: Verbrennen von Menschen, Verbrennen von Nachschub, Verbrennen von Ausrüstung, Verbrennen von Lagerhäusern und Verbrennen von Waffen. In diesem Abschnitt ist wohl das leidenschaftlichste Plädoyer für Menschlichkeit gegeben, kongruent zu der taoistischen Denkweise das Waffen unheilbringende Geräte sind.
In „Über den Einsatz von Spionen“ konzentriert Sun Tzu sich auf die Wichtigkeit der Entwicklung guter Informationsquellen und spezifiziert die fünf Arten Spionage und wie man sie am besten verwaltet.

Interpretation

Die Kunst des Krieges wurde auf vielen Gebieten innerhalb und außerhalb des Militärs und der Kriegsführung angewendet. Man spricht davon das Napoleon, Mao Zedong oder sogar Trainer aus der Sportwelt wie zum Beispiel Bill Belichick oder Luiz Felipe Scolari Inspirationen aus diesem Buch für ihre Handlungen erlangt haben. Ein Großteil des Textes handelt davon, wie man Kriege bekämpft, ohne tatsächlich kämpfen zu müssen: Es gibt Tipps, wie man seinen Gegner überlisten kann, so dass ein physischer Kampf nicht notwendig ist. Auch in den westlichen Geschäftskreisen ist es sehr beliebt und inspiriert in Hinblick auf Managementpraktiken, wie man in wettbewerbsfähigen Geschäftssituationen erfolgreich ist. Das Ziel der taoistischen Literatur ist es spezielle Intuition und Empfindsamkeit zu entwickeln, die einen das Leben meistern lassen. Sun Tzu´s Aphorismen lassen viel Raum zur Interpretation. Es ist möglich seine (Kriegs-) Weisheiten in vielerlei Hinsicht zu interpretieren. So ist es ganz besonders interessant seine Weisheiten auf das heutige Management zu beziehen. Wie zum Beispiel: „Daher strebt ein weiser General danach, sich beim Lebensmittel beim Feind zu verschaffen. Jedes Pfund Nahrung, das dem Feind abgenommen wird, wiegt zwanzig Pfund Nahrung auf, für du die selbst aufkommen muss.“ (Seite 105). Es ist viel besser Dinge kostenlos oder günstig zu erhalten, als es aus den Ersparnissen des Unternehmens zu bezahlen. Ein weiteres Axiom ist „wer den Sieg erkennt, wenn er allgemein bekannt ist, ist nicht wirklich geschickt.“ (Seite 140) welches aussagt, dass eine Strategie, ein Konzept oder ein Produkt was zu offensichtlich erscheint, wahrscheinlich schon erstellt wurde. In dem fünften Kapitel Kraft sagt Sun Tzu „Deshalb sucht der gute Krieger die Wirksamkeit in der Schlacht im Zusammenspiel der Kräfte und nicht im einzelnen Individuum. Deshalb ist er fähig, andere auszuwählen und die Umstände für sich arbeiten zu lassen.“ (Seite 154). Dieses Axiom lässt sich auch auf viele Situationen übertragen. Es geht um Synergieeffekte, die richtige Zusammenstellung von Teams und die Wichtigkeit von Zusammenhalt. Die wohl berühmteste Aussage von Sun Tzu ist jedoch „Die größte Leistung besteht darin, den Widerstand des Feindes ohne einen Kampf zu brechen“, welche sich wieder auf sämtliche militärische, politische oder wirtschaftliche Situationen übertragen lässt.

Fazit

Sun Tzu´s „Die Kunst des Krieges“ ist ein Werk, welches seit Jahrtausenden den Menschen als Inspirationsquelle dient. Dieser Gedanke, dass viele große Persönlichkeiten der Geschichte auf Grund dieses Buches Entscheidungen getroffen haben, macht es für mich wesentlich interessanter. Es ist nach ca. 2500 Jahren immer noch aktuell. Sun Tzu versteht es durch seine Axiome und Aphorismen geschickt zum Nachdenken zu bewegen. Für mich persönlich gibt es kaum ein Werk, in dem es so erforderlich ist zwischen den Zeilen zu lesen wie in diesem Buch. Jedem der eine neue Sichtweise auf den Umgang mit Konfrontationen, richtige Führung und Taktiken für ganz verschiedene Situationen, von bestimmten Kriegstaktiken über Managementsituationen bis hin zu ganz einfachen Situationen des alltäglichen Lebens haben will, dem kann ich dieses Buch empfehlen.

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Buchrezension: Chinas Bosse – Unsere unbekannten Konkurrenten

Buchrezension: Chinas Bosse

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  • Titel: Chinas Bosse – Unsere unbekannten Konkurrenten
  • Autor: Wolfgang Hirn
  • Erscheinungsdatum: 15.02.2018
  • Verlag: Campus-Verlag
  • Seiten: 284
  • ISBN: 978-3-593-50874-0
  • Preis: 26,00 €

Motivation

Wenn heute irgendeine Zeitung das Milliarden-Land China thematisiert, schmücken Beschreibungen wie „führendes Wirtschaftsland der Erde“, „digitale Supermacht“ oder „Eckpfeiler der Zukunftsindustrien“ die Schlagzeilen. Im Rahmen des Literaturforums vom ASBE-Programm war meine primäre Zielsetzung wichtige Eindrücke über China in wirtschaftspolitischer Hinsicht, seinen größten Unternehmen und den in Europa noch sehr unbekannten Schüsselpersonen hinter den Megakonzernen zu gewinnen, um somit auch eine direkte Querverbindung zum Studiengang herzustellen. Das Buch „Chinas Bosse – Unsere unbekannten Konkurrenten“ von Wolfgang Hirn bot demnach aufgrund seiner Aktualität und dem umfangreichen Informationsgehalt die perfekte Basis.

Autor

Wolfgang Hirn, geboren 1954, studierte Volkswirtschaftslehre und Politische Wissenschaften an der Universität Tübingen. Nach zahlreichen Stationen als Wirtschaftsredakteur arbeitet er seit vielen Jahren als Reporter beim manager magazin in Hamburg. Hirn lebte in Brüssel, New York, Beijing und Shanghai. Seit 1986 reist er regelmäßig nach China und konnte den wirtschaftlichen Aufstieg dort mit eigenen Augen verfolgen. In Deutschland wird er als einer der wichtigsten China-Experten gehandelt. 2008 erhielt er für seinen Artikel über „Superkapitalismus“ und Demokratie den Helmut-Schmidt-Journalistenpreis. Zudem ist er der Autor der Bestseller „Herausforderung China (2005)“, „Angriff aus Asien (2007)“ und „Kampf ums Brot (2009)“.

Inhalt

Das Buch beinhaltet insgesamt sieben Kapitel. Nacheinander bringt Hirn die typischen Eigenschaften chinesischer Manager, die Staatskonzerne mit ihrer politischen Agenda, die großen Privatunternehmen, die Einkaufsliste der Neureichen in China im Ausland, den Angriff chinesischer Internetgiganten auf Facebook oder auch Google und die Zukunftsindustrien dem Leser näher. Schließlich rundet er sein Werk mit Handlungsempfehlungen an Europa gegen den neuen Konkurrenten aus dem Fernen Osten ab. Die Daten und Fakten sind meistens Aussagen aus erster Hand. Um dem Leser einen klaren Überblick zu verschaffen, hebt Hirn am Ende jedes Kapitels die wesentlichen Informationen mit einem kurzen Fazit noch einmal hervor.

Zusammenfassung     

Die sieben Kapitel lassen sich generell in drei Abschnitte unterteilen:

  1. Die Entstehung des Unternehmertums im staatlichen- und privaten Sektor,
  2. Die unermesslichen Zukunftsabsichten der Konzerne
  3. Die Lektionen für Europa

Im ersten Abschnitt betont der Autor, dass es den allgemeinen chinesischen Manager nicht gibt. Chinas Bosse sind vielmehr eine bunte Mischung aus sehr unterschiedlichen Personen und Persönlichkeiten. Auf der einen Seite gibt es die älteren Gründer, die die Aufruhen während der Kulturrevolution erlebt haben und anschließend mit den Reformen aufgewachsen sind. Meistens sind es Selfmade-Millionäre, welche mit harter Arbeit den ärmlichen Verhältnissen aus Kindheit und Jugend entkommen sind. Auf der anderen Seite bilden die jungen Entrepreneure der Gegenwart eine weitere Gruppe. Diese kennen nur das boomende China und nutzen jede Möglichkeit aus, um ihr Reichtum zu erhöhen. Oft sind diese Gründer in den Eliteuniversitäten der USA ausgebildet worden. Zu guter Letzt gibt es die Bosse der Staatsunternehmen. Diese sind Funktionäre des Staatsapparats und pendeln dauerhaft zwischen der politischen und wirtschaftlichen Welt hin und her. Sie sind nicht korruptionsfrei. Innerhalb der Staatswirtschaft gibt es verschiedene Konstellationen: Monopole, Duopole, Oligopole und auch gegenseitige Konkurrenz. In der Tabakindustrie dominiert z.B. China Tobacco als Monopolist den gesamten Markt. Den Banken-, Luftfahrt-, Telekom und Energiesektor dominieren jeweils paar Staatsunternehmen, welche sich keine ernsthafte Konkurrenz machen. Im Handel, in der Logistik oder in der Internetwelt sind Staatsfirmen nicht präsent. Auch wenn die Staatsunternehmen an Gewicht verlieren, werden sie auch in Zukunft im großen Umfang bestehen bleiben. Dies ist die Anordnung des Präsidenten Xi Jinping. Des Weiteren geht es in diesem Abschnitt um die größten Privatkonzerne, wie Huawei, Haier, Hisense und Lenovo. Deren interessante Entstehungsgeschichten werden zusammengetragen. Viele der ansässigen Konzerne wird man in Europa erst in den nächsten Jahren kennenlernen, da China verspätet in den globalen Wettbewerb eingestiegen ist. Vorher muss ein sehr großer und umkämpfter Heimatmarkt bedeckt werden. Ein langwieriger Prozess ist zu erwarten, weil Markenbildung viel Zeit in Anspruch nimmt und China sein negatives Billigimage abstreifen muss. Da Chinas private Unternehmen sich immer mehr an Know-How und Marktanteilen fokussieren, werden die Beteiligungen an Übernahmen von Unternehmen im Westen weiter zunehmen. Jedoch regt sich in einigen westlichen Ländern zunehmender Widerstand dagegen.

Der zweite Abschnitt startet mit der Einkaufsliste der Neureichen aus China. Im Vordergrund stehen Hotels, Immobilien, Weinfelder, Edelwhisky, Grundstücke und europäische Fußballclubs. Im Buch ist von „Beine (Fußball), Weine (Weinfelder) und Steine (Hotels und andere Immobilien)“ die Rede. Nichtsdestotrotz werde hier erst einmal eine Phase der Konsolidierung eintreten. Grund dafür ist, dass die chinesische Führung irrationale Investitionen ablehnt und vehement dagegen einschreitet. In der Internetwelt steht der globale Vormarsch der beiden großen Konzerne Alibaba und Tencent erst am Anfang. Mittelfristig sollen diese die Dominanz der amerikanischen Großfirmen Amazon, Facebook und Google attackieren. Überlegene technologische Systeme haben die Chinesen bereits. Die Zeichen der Zeit scheinen sich in naher Zukunft umzukehren, da der Vorsprung des Westens gegenüber China immer mehr schrumpft. Gerade bei Zukunftstechnologien, wie z.B. Elektromobilität, künstlicher Intelligenz oder auch Gentechnik hat China einen Wettbewerbsvorteil, zumal eine erfolgreiche staatliche Industriepolitik betrieben wird, die diese zukunftsorientierten Segmente mit hohen Beträgen finanziell unterstützt. Außerdem hat sich in China in den vergangenen Jahren eine sehr innovative Start Up-Szene entwickelt, die mittlerweile schon fast vergleichbar ist mit der im Silicon Valley.

Im dritten Abschnitt gibt Wolfgang Hirn Handlungsempfehlungen an Europa. Insbesondere Deutschland solle mit einigen Großnationen kooperieren, um die strategischen Interessen in Europa zu verteidigen und den Ausverkauf von europäischer Expertise zu reduzieren. Es sei eine Aufgabe der EU-Kommission chinesische Investitionen unter Bezugnahme des Rahmens zu überprüfen. Da oftmals europäische Hafen, Teile der Energie-Infrastruktur oder auch Unternehmen der Verteidigungstechnologie aufgekauft werden, vermehren sich zunehmend die Befürchtungen, dass die Kommunistische Partei unter dem Deckmantel der Unternehmen operiert. Laut Hirn ist es Zeit für eine europäische Industriepolitik. Deutschland als Exportland dürfe es sich nicht erlauben abseits zu stehen, während China als Konkurrent eine erfolgreiche Technologiepolitik betreibt.

Fazit

Wolfgang Hirn gelingt es mit seinem Buch die wirtschaftliche Landschaft in China zu beschreiben und die Zusammenhänge zwischen staatlicher Kontrolle und privatem Eifer sichtbar zu machen. Keines der privaten Unternehmen kann ohne die politische Zustimmung aufsteigen oder gar in das Ausland investieren. Sein Buch dient als Weckruf für Europa und insbesondere Deutschland. Er verlangt, dass man genauer auf das Reich der Mitte hinschaut und nicht in selbstzufriedener technologischer Überlegenheit wiegt. Denn was in China aktuell entsteht, geht weit über einzelne Unternehmen hinaus. Ein Kollektivgebilde im Zusammenspiel von Politik und Unternehmen holt technologisch den Westen langsam aber sicher auf und hat es auf die Branchen eingesehen, in denen Europa und die USA den Weltmarkt dominieren. China wird in der Gestaltung der digitalen Zukunft ein entscheidendes Wort mitreden.

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Buchrezension: Young China

  • Titel: Young China: How the Restless Generation Will Change Their Country and the World
  • Autor: Zak Dytchwald
  • Veröffentlichung: 13.02.2018
  • Verlag: St. Martin’s Press
  • ISBN: 978-1250078810
  • Preis: 22,32 €

Motivation:

Für meine Buchvorstellung habe ich nach einem Buch gesucht, dass die Kultur der chinesischen Millennials porträtiert. Auf der Suche mit den Schlüsselwörtern „young“ und „China“ bin ich recht schnell auf das Buch Young China von Zak Dytchwald gestoßen. Aufgrund des Klappentextes, der erst einige Monate zurückliegenden Veröffentlichung und der sehr guten Bewertungen habe ich das Buch für meine Buchpräsentation ausgewählt.

Über den Autoren:

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Zak Dytchwald studierte an der Columbia Universty. Im Alter von 20 Jahren ist er zunächst im Rahmen eines Austauschprogramms nach China gereist. Nach seinem Universitätsabschluss zog er für vier Jahre nach China. Dort angekommen vollzog er zunächst eine, von ihm selbst als mentale Diät bezeichnete, Lernmethode durch, durch die er es in den vier Jahren geschafft hat Mandarin fließend zu beherrschen. Der Kern dieser Methode ist, dass jegliche Konversation nur noch in Chinesisch geführt wird. In den vier Jahren tauscht er sich mit seinen chinesischen Mitmenschen aus und sammelt viele Erfahrungen auf diversen Reisen.

Nach den vier Jahren zieht er zurück nach New York und gründet ein Thinktank und Beratungshaus mit dem Fokus „young China“. Noch heute verbringt er nach eigenen Angaben zwei Stunden täglich mit der Verbesserung seines Chinesischs und verbringt die Hälfte seiner Zeit in China.

Über das Buch

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Das Buch ist in zwölf Kapitel gegliedert. Die Kapitel sind zwar lose verknüpft und folgen einem roten Faden, jedoch könnte auch jedes Kapitel einzeln als Kurzgeschichte gelesen werden. Das erste Kapitel gibt eine Einleitung in das Buch. Die weiteren Kapitel porträtieren Facetten des Lebens von jungen Chinesen. Der Autor berichtet jeweils von Ereignissen, die ihm während seiner Zeit in China wiederfahren sind. Die meisten dieser Ereignisse bestehen aus Konversationen mit Chinesen. Um den Leser zu unterstützen analysiert Dytchwald die geschilderten Szenarien und verweist auf kulturelle und historische Fakten zu China. Hierbei geht er insbesondere auf die chinesische Sprache ein.

Zusammenfassung

Insgesamt gibt es vier Hauptaspekte, durch den sich die chinesischen Millennials von den älteren Chinesen unterscheiden. Der erste Aspekt ist, dass sie kosmopolitisch sind. Während die älteren Generationen in der Regel eher in China gereist sind bieten sich mittlerweile durch das Internet und einen drastisch wachsenden internationalen Tourismus in China die Möglichkeit, die ganze Welt zu erfahren.

Der zweite Aspekt wird von Dytchwald selbst als Kapitalismus bezeichnet. Während die älteren Generationen tendenziell eher von der Hand in den Mund gelebt haben, sind die Löhne und Lebensstandards soweit gestiegen, dass sich mittlerweile eine Wachsende chinesische Mittelschicht durch Geld ein komfortables Leben leisten kann. Das BIP pro Kopf ist beispielsweise innerhalb der letzten 30 Jahre von circa 200 USD auf 12.000 USD gestiegen.

Der dritte Aspekt, der einen großen Einfluss auf das Leben von jungen Chinesen hat, ist das 4-2-1 Problem. Durch die ehemalige Ein-Kind-Politik ergab sich eine Familienstruktur, in der es pro Kind zwei Eltern und vier Großeltern gibt. Diese Kinder werden auch kleine Kaiser genannt, da sie von der gesamten Familie bestmöglich auf ihr späteres Leben vorbereitet werden. Durch den starken Wettbewerb bei der Vergabe von Hochschulplätzen und auf den Arbeitsmärkten sehen sich dabei viele Chinesen gezwungen, ihre Kinder schon in sehr frühen Jahren auf das spätere Leben vorzubereiten. Die kleinen Kaiser stehen dadurch quasi permanent unter der Aufsicht von einem oder mehreren Familienmitgliedern.

Der letzte Aspekt, der die chinesischen Millennials kennzeichnet ist die Schlagfertigkeit. Die jungen Chinesen sind sich der politischen und wirtschaftlichen Macht von China bewusst und gehen davon aus, dass China seinen Einfluss weiter ausbauen wird.

Diskussion

Neben den vier Aspekten, die in der Zusammenfassung beschrieben werden, geht Dytchwald in seinem Buch auf unzählige weitere kleine und große Einflüsse auf das Leben von jungen Chinesen ein. Er beschreibt und analysiert dabei stehts, wie ein junger akademischer Amerikaner mit viel Erfahrung in China, das Leben der jungen Chinesen wahrnimmt und kann dabei stets mit interessanten und nützlichen Hintergrundinformationen argumentieren. Insgesamt schafft er es seine Inhalte auf eine sehr lebendige Art an den Leser heranzutragen. Für Leser, die sich für die Kultur von jungen Chinesen interessieren ist das Buch bestens geeignet, um sich einen Überblick zu verschaffen.

Interview mit dem Autoren

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Buchrezension: Seidentochter – Ein Adoptivkind aus Korea findet seine leiblichen Eltern

Buchdetails
Titel: Seidentochter – Ein Adoptivkind aus Korea findet seine leiblichen Eltern
Autor: Anneli SchinkelSeidentochter Book Cover
Verlag: Bastei Lübbe
Erscheinungsjahr: Juni 2009
ISBN: 978-3404616527
Umfang: 245 Seiten
Preis: 8,95€

Charaktere
Anneli (Ha-Young) Schinkel: Anneli Schinkel ist eine koreanisch-stämmige Frau, die im jungen Alter von 4 Monaten von dem deutschen Ehepaar Gerd und Monika Schinkel adoptiert wurde.
Gerd Schinkel: Anneli’s Adoptivvater
Martina Schinkel: Anneli’s Adoptivmutter
Omma: Anneli’s leibliche Mutter
Appa: Anneli’s leiblicher Vater
Sin-Young: Anneli’s 1. leibliche Schwester
So-Hyeun: Anneli’s 2. leibliche Schwester

Motivation
Während meiner Suche nach einem interessanten Buch bin ich auf einige Bücher gestoßen, die die Flüchtlingsgeschichte von nordkoreanischen Frauen erzählte, was ich mich sehr interessiert hat. Jedoch ist mir aufgefallen, dass schon einige Bücher mit einer solchen Thematik rezensiert wurden, sodass ich mich für eine andere Thematik beschloss. Ein paar Tage nach dem Koreanisch Sprachkurs an dem LSI Bochum habe ich den Film „Seoul Searching“ auf Netflix gesehen, der sich damit beschäftigt, wie koreanische Immigrantenkinder zu ihren koreanischen Wurzeln finden, und wie sie mit ihrer Identität als Koreaner und Ausländer zu leben haben. In dem Film wird auch die Geschichte eines Adoptivkindes angerissen, die in Korea auf der Suche nach ihren leiblichen Eltern ist. Als ich dann auf das Buch “Seidentochter – Ein Adoptivkind aus Korea findet seine leiblichen Eltern“ gestoßen bin, wusste ich sofort, dass ich eine wahre Geschichte lesen wollte, und habe mich schlussendlich für dieses Buch entschieden.

Die Autorin
Anneli Schinkel wurde am 25. Juli 1982 in Korea zur Welt gebracht. Kurz nach ihrer Geburt wurde sie vor einem Waisenhaus in der Stadt Kyongju ausgesetzt, nach der sie dann benannt wurde. Mit einem jungen Alter von 4 Monaten wurde Anneli von dem deutschen Ehepaar Schinkel adoptiert und wuchs mit einem ebenfalls koreanischen adoptierten Bruder, Yannik, auf. Im Jahr 2003 bekam sie eine Einladung aus Seoul, um an einem Seminar für adoptierte Koreaner im Ausland teilzunehmen. Diese Gelegenheit nutzte sie, um sich auf die Suche nach ihren Wurzeln, mit so gut wie keinen Informationen über ihrer Herkunft, zu machen. Seitdem sie ihre leibliche Familie durch eine koreanische Fernsehsendung wiedergefunden hat, reist sie in regelmäßigen Abständen nach Korea.

Inhalt und Gliederung

Das Buch „Seidentochter“ hat 16 Kapitel, die man grob in drei Teile gliedern kann. Der erste Teil, und somit die Geschichte der Anneli Schinkel, beginnt mit ihrer Suche nach ihrer leiblichen Mutter. Ihre Reise hingegen, beginnt damit, dass sie im Alter von 21 Jahren eine Einladung bekommt, an einem Seminar für adoptierte Koreaner im Ausland in Seoul, teilzunehmen. Diese Einladung nimmt sie an und kurzerhand fliegt sie mit ihrem Bruder Yannik nach Korea, um ihr „mother land“ (so wird es von den Koreanern genannt), kennenzulernen. In Korea angekommen, lernt sie viel über „ihre“ Kultur und lernt einige andere „Koreaner“ kennen, die das gleiche Schicksal teilen wie sie. Auch trifft sie einige, die ebenfalls auf der Suche nach ihrer leiblichen Familie sind, und diese auch gefunden haben. Diese Geschichten und der Beistand ihrer Adoptivfamilie ermutigen Anneli und sie tritt in der Fernsehsendung Achim-Madang-Show auf, um ihre leibliche Mutter zu suchen. Noch am selben Tag, kurz nach ihrem Aufritt in der Show meldet sich eine Frau, die behauptet Annelis leibliche Mutter zu sein. Doch durch eine Abmachung mit dem Fernsehsender, müssen beiden Parteien vorerst einen DNA Test machen, um eine hundertprozentige Sicherheit zu gewähren. Eine weitere Abmachung seitens des Fernsehsenders, ist es, dass sich beide Parteien zum ersten Mal in der Sendung treffen müssen. Nach einer Woche stehen die Ergebnisse fest, und Anneli hat zu 99.9% ihre leibliche Mutter gefunden. Somit endet ihre Suche nach ihrer leiblichen Familie und der erste Teil der Geschichte.

Im zweiten Teil erfährt Anneli, dass sie nicht nur ihre leibliche Mutter, sondern auch ihren leiblichen Vater, zwei ältere Schwestern und einen jüngeren Bruder gefunden hat. Dies kommt etwas unerwartet, da sie bisher immer angenommen hat, dass sie aus familiären oder wirtschaftlichen Gründen ausgesetzt wurde. Das erste Treffen war, wie abgesprochen, im Fernsehsender, wo sie erfährt, dass sie als Kind nicht von ihren Eltern ausgesetzt wurde, sondern von ihrer Halmoni (Großmutter mütterlicherseits) nach ihrer Geburt abgegeben wurde. Sie wurde also in einer tragischen Art und Weise von ihrer koreanischen Familie entrissen und landete stattdessen in einer liebevollen deutschen Familie. Nach der Sendung lernen sich die Familien besser kennen und die koreanische Familie erkennt, dass Anneli in einer fürsorglichen Familie aufgewachsen ist. Besonders die leibliche Mutter, die fortan Omma genannt wird, leidet darunter, da sie sich vorwirft keine Mutter für Anneli sein zu können. Die koreanische Familie lädt Anneli und ihre Familie zu ihnen ein, um Anneli ihren Geburtsort, Pohang, vorzustellen und der restliche zweite Teil endet mit einer vergrößerten Familie.

Der dritte Teil zeichnet den Wendepunkt des Buches, denn Annelis leibliche Mutter erkrankt an Leberkrebs, den sie Dank eines Freundes ihrer Schwester Sin-Young besiegen kann. In diesem Teil vergrößert sich Annelis Wunsch, die koreanische Familie öfters zu besuchen oder sie nach Deutschland zum Besuch einzuladen. Leider erkrankt Omma wieder an Krebs, der sich diesmal in ihrer Lunge ausbreitet. Die Chancen einer Heilung stehen schlecht, jedoch versuchen alle positiv zu bleiben und kümmern sich liebevoll um Omma. Nur Anneli ist auf der anderen Seite der Erde und macht sich Vorwürfe nichts für ihre koreanische Familie tun zu können. Als ihre Schwester Sin-Young den Leberspender heiratet, erfüllt sich einen Teil ihres Wunsches, und ihre Schwester Sin-Young kommt für einige Tage zu Besuch. Nach einiger Zeit ergibt sich ebenfalls für Omma, Appa (so wird der leibliche Vater genannt), Sin-Young und So-Hyeon die Möglichkeit nach Deutschland zu kommen. Abermals sorgt eine Fernsehsendung dafür, dass sich die Familien treffen können. Ein Großteil dieses Teils des Buches fokussiert sich auf die Beziehung zwischen Anneli und ihrer leiblichen Mutter, die dann 2006 dem Krebs unterliegt und stirbt. Anneli fliegt nach Korea, um an der Beerdigung beizuwohnen und sich von ihrer leiblichen Mutter zu verabschieden. Dort angekommen beschreibt sie die Traditionen und gibt einen erschreckenden Einblick in die Kultur.

Das Buch endet mit dem Abschied von der koreanischen Familie und der Ankunft in Deutschland. Anneli erkennt, dass sie trotz „koreanischem Blut“, sehr europäisch ist, was ihre Liebe zu ihrer koreanischen Familie nicht mindert. Sie ist glücklich diese Reise begonnen zu haben und wünscht sich, dass jedes Adoptivkind die Chance hat, seine leibliche Familie kennen zu lernen, wenn sie dies wünschen.

Fazit

Anneli Schinkels Buch „Seidentochter“ erzählt von einem emotionalen Ausschnitt aus ihrem Leben, der den Leser sehr berührt. Ihr Schreibstil ist sehr einfach und leicht zu lesen, sodass man wirklich mit ihr mitfühlen kann. Durch ihre Herkunft und der Tatsache, dass sie adoptiert wurde, ergibt sich eine sehr interessante Lebensgeschichte, die sie mit ihren Lesern teilt. Ihre Umstände und Eindrücke sind echt, detailliert und emotional. Der Leser bekommt einen seltenen Einblick in die koreanische Kultur; einen Einblick aus westlichen Augen, die jedoch als koreanisch angesehen werden. Anneli Schinkel beschreibt jedes einzelne Detail, die sie als westliche Person in der koreanischen Kultur sieht. Während des ganzen Buches erklärt Anneli Schinkel die Bräuche und kulturellen Unterschiede von Deutschland und Südkorea und drückt auch ihre Eindrücke aus. Diese Einsichten sind meiner Meinung nach besonders interessant, da man sich in diesen Situationen besonders gut mit Anneli Schinkel identifizieren kann, da auch ihr die Kultur fremd ist. Besonders oft werden Situationen beschrieben, die Anneli an der koreanischen Kultur kritisiert und es wird oft ersichtlich, dass sie trotz ihres koreanischen Aussehens, eine durch und durch europäische Mentalität besitzt.
Ich kann dieses Buch nur wärmstens empfehlen, denn ich fand die Thematik sehr interessant und auch die Lebensgeschichte sehr bewegend. Es ist keine weltbewegende Geschichte, wie die von nordkoreanischen Flüchtlingen, aber es ist eine bewegende Geschichte über eine Frau, die ihre Wurzeln sucht, findet und traurigerweise (teilweise) wieder verliert.

Mehr dazu:
Interview mit Anneli Schinkel
Seoul Searching – Netflix

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Buchrezension: “Die chinesische Verunsicherung” von Mark Siemons

Buchrezension Yannik Knickmeier
https://www.youtube.com/watch?v=-y0uOUr5wos
Bildergebnis für die chinesische verunsicherung
Titel: Die chinesische Verunsicherung
Autor: Mark Siemons

Erschienen: 13. März 2017

Seiten: 192

Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG

ISBN-10: 3446255370

ISBN-13: 978-3446255371


Motivation:
Auf der Suche nach dem passenden Buch für die Buchrezension im Rahmen des ASBE-Programms der Universität Paderborn bin ich nach eine kurzen Recherche auf das Buch “Die chinesische Verunsicherung” von Mark Siemons gestoßen. Der Autor beschäftigt sich mit den kulturellen und intellektuellen Voraussetzungen des Aufstiegs des Partei- und Staatschefs Xi Jinpin. Dieser treibt die Widersprüche zwischen Kapitalismus und Kommunismus auf die Spitze und betreibt das offene Programm einer “Wiedergeburt der Nation”. Ich habe das Buch gewählt, da ich keine fiktionale Geschichte lesen wollte, sondern einen ernstzunehmenden Zeitbericht. Das Buch sollte besonderen Fokus auf die chinesische Wirtschaft, Kultur und Geschichte haben. Als Auslandskorrespondent der FAZ zeichnete der Autor sich offensichtlich durch seine Expertise aus.


Der Autor:
Mark Siemons, 1959 in Mainz geboren, studierte Geschichte, Philosophie und Kunstgeschichte in Bonn und Köln. Seit 1987 ist er Mitarbeiter in der Feuilletonredaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Von 2005 bis 2014 berichtete er als Feuilletonkorrespondent aus China. Seit 2015 schreibt er wieder aus Berlin. Im März 2017 erschien bei Hanser “Die Chinesische Verunsicherung – Stichworte zu einem nervösen System”. 2001 wurde Siemons der Erik-Reger-Preis für herausragende Darstellungen der modernen Lebens- und Arbeitswelt zuerkannt.


Aufbau:
Nach einem dreiteiligen Prolog ist das Buch in sechs Kapitel unterteilt:

Inhalt:
Prolog in drei Anläufen
1. Verwirrung am Tiananmen
2. Xi Jinpings Gegenreformation
3. Bewegung denken

Chinesische Werte (25)
1. Mainstream oder: Die Neutralisierung der Ideen
2. Kosmopolitismus oder: »Alles unter dem Himmel«
3. Mittelschicht oder: Die Illusion der Unverletzlichkeit
4. Verborgene Regeln oder: Das System hinter dem System
5. Petition oder: Die planmäßige Herstellung von Fiktionen

Elemente der Herrschaft Xi Jinpings (55)
1. Reform oder: Das Rad der Geschichte herumreißen
2. Tocqueville oder: Die Angst vor der Revolution
3. Chinesischer Traum oder: Das Wiederaufblühen der Nation
4. Regieren durch Gesetze oder: Eine starke Waffe
5. Xu Zhiyong oder: Eine neue Art Dissidenz

Recycelte Traditionen (77)
1. Identität oder: China muss der Welt Ideen liefern
2. Körper oder: Die ungeschriebene Überlieferung
3. Konfuzius oder: Ein geistiges Zuhause für die Nation
4. Marxismus oder: Die Einheit der Gegensätze
5. Tsingtau oder: Das Pompeji des Kolonialismus

Das kulturelle System (103)
1. Kulturindustrie oder: Dem Markte dienen
2. Konfuzius-Institut oder: Der Kampf um sanfte Macht
3. Li Dongtian oder: Die Ökonomie der Schönheit
4. Kunstmarkt oder: Kultivierte Bestechung
5. Museen oder: Umwertung durch Kunst

Kulturelle Akteure (127)
1. Guo Jingming oder: Der Literaturunternehmer
2. Chao Hai oder: Die Wildheit der Tusche
3. Pang Fei oder: Der Denker des Alltäglichen
4. Mo Yan oder: Der nicht verbotene Schriftsteller
5. Han Han oder: Das Leben mit der zensierten
Sprache

Das neue Leben (149)
1. Straßenverkehr oder: Die Gesetze des Fließens
2. U-Bahn oder: Kampfplatz für ein besseres Leben
3. Beidaihe oder: Das Recht auf Urlaub
4. Huang Nubo oder: Der Weltkulturreisende
5. Peking oder: Die Schönheit liegt im Detail
6. Europa oder: Eine Wohnanlage im klassischen Stil
7. Frühlingsfest oder: Die größte Massenmobilisierung der Welt
8. Hochgeschwindigkeit oder: Die Reise in den Süden

Im Anschluss gibt der Autor verschiedene Quellen als Empfehlungen für Personen an, die sich über die chinesische Gegenwart auf dem Laufenden halten wollen.


Thematik:
In seinem Buch beschreibt der Autor sechs verschiedene Thematiken um sowohl das Leben als auch die Wirtschaft in China darzustellen. Diese Kapitel unterstützt Mark Siemons mit verschiedenen kulturellen, geschichtlichen und wirtschaftlichen Beispielen.

Chinesische Werte (25)
Im ersten Kapitel beschäftigt sich der Autor mit den Normen hinter den Kulissen, die Neutralisierung von Ideen, die Illusion der Unverletzlichkeit und dem System hinter dem System. Hierbei berichtet er unter anderem von den so genannten “schwarzen Gefängnissen”. Als Hotel angemeldete Häuser werden genutzt um Petitionäre so lange einzusperren, bis die Petiotionen abgelaufen sind oder der Petitionär aufgibt.

Elemente der Herrschaft Xi Jinpings (55)
In diesem Kapitel geht es darum, inwieweit die Chinesische Regierung, vorallem die höchsten Funktionäre, versuchen mögliche Revolutionen zu unterdrücken und auf den Einfluss der globalisierten Moderne zu reagieren, ohne Macht einzubüßen. Welche Art der Reform benötigt China? Was genau ist das “Große Wiederaufblühen der Nation” aus dem der sogenannte “Chinesische Traum” entstehen soll? Was sind die Konsequenzen der unvermuteten Offensive, mit der die Partei eine Flucht nach vorn anzutreten versucht?

Recycelte Traditionen (77)
Was genau ist die Identität von China? Was für eine Art Konfuzianismus versucht die Kommunistische Partei jetzt zu beleben, ohne dabei zugleich vom Kapitalismus abzulassen? “Die Stichworte des dritten Kapitels beschäftigen sich mit den Materialien, aus denen sich Chinas eine neue Corporate Identity zu zimmern versucht”.

Das kulturelle System (103)
Die Kommunistische Partei hat aus dem Begriff “Kulturindustrie” ein Schlüsselwort ihres Modells einer leninistisch organisierten Postmoderne gemacht. Jetzt sollen Künste, gerade auch die zeitgenössischen, zum Upgrading des Staats beitragen. Gleichzeitig werden Überwachung und Zensur verstärkt. Außerdem sollen die “Konfuzius-Institute” weltweit definieren, was heute unter “China” zu verstehen ist. Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit den erstaunlichen Synergien zwischen Kultur, Politik und Business in China.

Kulturelle Akteure (127)
Die Stichworte des fünften Kapitels beschäftigen sich mit Schriftstellern, Künstlern und Intellektuellen, die zwischen Anpassung und Selbstbehauptung navigieren und dabei mehr Reales zu erkennen geben, als dem System lieb sein kann. Darunter Guo Jingming, ein Literaturunternehmer, Pang Fei, ein Denker des Alltäglichen, und Mo Yan, ein  Schriftsteller.

Das neue Leben (149)
Dieses Kapitel beschäftigt sich mit der Modernisierung Chinas, dem neuen Schienenverkehr mit dem man durch Hochgeschwindigkeitszüge nur einen Bruchteil der bisherigen Fahrtzeit benötigt, dem allgemeinen Fluss der Zeit und des Straßenverkehr in China, bei welchem  “Bewegung kommt vor Ruhe, Ereignis vor dem Recht, Hauptsache weiterfahren.” gilt. Im Anschluss werden die verschiedenen Ausdrucksformen des Chinesischen Alltags dargestellt.


Fazit:
Mark Siemons berichtet in seinem Buch “Die chinesische Verunsicherung” von 9 Jahren Erfahrungen als langjähriger China-Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Durch zahlreiche, teils verschreckende Beispiele, Anekdoten und Erfahrungen beschreibt der Autor mehrere große Bereiche: chinesische Werte, Elemente der Herrschaft Xi Jinpings und recycelte Traditionen. Dies ist zwar alles ziemlich knapp gehalten, jedoch sehr aufschlussreich. Er nutzt seine langjährigen Erfahrung im Feuilleton um seine Thematik mit Beispielen zu untersützten. Dies macht besonders die zweite Hälfte lesenswert, in der er das kulturelle System und den Alltag der Chinesen genauer beschreibt und mit teils witzigen, teils kontroversen Geschichten eine Vielzahl an Missverständnissen darstellt. Siemons Buch dient vorallem als Warnung, nicht über etwas zu urteilen, dass man nicht verstanden hat.
Ich empfehle das Buch, da es eine gute Vorbereitung auf ein Auslandsemester im Reich der Mitte ist und sowohl die Vergangenheit, die Gegenwart als auch die vermeintliche Zukunft Chinas vorstellt.

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