Buchrezension: Poorly Made in China

Buchrezension: Poorly Made in China

Poorly

Buchdetails

Titel: Poorly Made in China: An Insider’s Account of the China Production Game

Autor: Paul Midler

Erscheinungsjahr: 2009 (neueste Auflage Februar 2011)

Sprache: Englisch

Umfang: 272 Seiten

Verlag: Wiley

ISBN: 978-0470928073

Preis: 14,99€

 

Autor

Der gebürtige Amerikaner Paul Midler studierte chinesische Geschichte und Mandarin-Sprache an der Wharton Business School. Er lebt schon seit vielen Jahren in der südchinesischen Stadt Guangzhou als Vermittler und Inspektionsagent, wo er amerikanische Importeure mit chinesischen Zulieferern vernetzt. Durch über zwanzig Jahre Erfahrung in bilateralen Verhandlungen hat er sich ein tiefes Wissen über China und seine Exportwirtschaft angeeignet.

Im Jahre 2009 veröffentlichte er erstmals sein Buch “Poorly Made in China”, der mit den Preisen “Best Book 2009″, “Best Book for Business Owners”, “Great Finance Book of 2009”, “Best of 2009 Business Book” gekürt worden ist. Durch den großen Erfolg wurde sogar eine chinesische Version des Buches im Jahre 2011 in Taipei publiziert.

Vor Kurzem (2018) brachte er sein zweites Buch “What’s Wrong with China” heraus, in der es um die wichtigsten Herausforderungen mit der Geschäftstätigkeit in China geht.

 

Motivation

Durch das Modul “International Management with Regional Focus on China” in meinem Bachelorstudium bekam ich die Gelegenheit, erste Eindrücke von den geschäftlichen Tätigkeiten in China zu sammeln. China ist heute vor den USA und Deutschland der weltweit größte Exporteur von Produkten verschiedener Arten. Doch wenn man “Made in China” auf den Produkten liest, denkt man sofort an mangelnde Qualität, Manipulation und schlechte Kopien von anderen Herstellern und billige Verarbeitung. Wenn Chinas Produktion wirklich von diesen Eigenschaften geprägt ist, wie schafft es das Land dann die Exportwirtschaft zu beherrschen? Trifft das schlechte Image in der Realität wirklich zu? Wenn es so ist, warum verlegen ausländische Unternehmen ihre Produktion nach China und sind an einer Zusammenarbeit interessiert? Um genau diesen Fragen auf den Grund zu gehen, machte ich mich auf Amazon auf die Suche und stieß mit den Stichworten “China” und “Production” schließlich auf das Buch von Paul Midler. Da der Autor auch schon mehr als zwei Jahrzehnte in China lebt und in seiner Karriere an vielen Geschäftsverhandlungen zwischen den USA und China teilgenommen hat, glaube ich, dass er als Spezialist in diesem Gebiet mir einige Fragen mit seinem Werk beantworten kann.

 

Aufbau des Buches

Mit seiner lebendigen, humorvollen Erzählung führt Paul Midler den Leser mit insgesamt 22 Kapiteln durch einen langen Weg des internationalen Handels zwischen China und den Vereinigten Staaten. Indem er uns durch unzählige, anonyme Fabriken begleitet, zeigt er uns, welche Probleme mit chinesischen Herstellung- und Produktionsfirmen entstehen können. In jedem Kapitel geht es jeweils um einen Kunden, der Midler beauftragt, wichtige Informationen über den zukünftigen oder bestehenden chinesischen Geschäftspartner herauszufinden und diese zu übermitteln. Dadurch möchte der Kunde abwägen, ob sich die Zusammenarbeit auszahlt oder ob die Kooperation aufgelöst werden soll.

 

Inhalt

Midler ist ein Agent, der seinen Lebensunterhalt damit verdient, amerikanische Importeure mit chinesischen Zulieferern in Verbindung zu bringen. Er überwacht Vorkehrungen, um die Zufriedenheit des Geschäftsvertrags sicherzustellen. Amerikanische Führungskräfte möchten mühsame und undurchschaubare Transaktionen vermeiden, daher ist Midlers Rolle als Vermittler, “Dealmaker“ und Begutachter für viele Unternehmen unverzichtbar. Durch jahrelange, alltägliche Verhandlungen über Produkte wie beispielsweise Keramiktöpfe, Gerüstbau und Baubeschläge hat er umfassendes Wissen über China und seine Exportwirtschaft gewonnen und erzählt in seinem Buch, wie die klugen Chinesen die naiven Amerikaner betrügen.

Die Hauptcharaktere des Buches sind die Chinesin Zhen, die Eigentümerin eines Gesundheits- und Schönheitspflegeunternehmens; und Bernie, ein syrisch-jüdischer Importeur aus New York, der von Zhen Shampoo und andere Schönheitspflegeprodukte wie Düfte für Discounterketten in Amerika kaufen möchte. Aufgrund von schlechten Erfahrungen mit vorherigen chinesischen Geschäftspartnern beauftragt Bernie den Agenten Midler, um ausreichend Information über seinen zukünftigen Geschäftspartner zu ermitteln und erneute Unternehmensverluste zu vermeiden.

Zhens Ziel ist es, bei der Zusammenarbeit mit ausländischen Unternehmern wie Bernie ihren Gewinn zu erhöhen. Sie zeigt enormes Geschick, um Bernies ohnehin schon exakte Marge durch Preiserhöhungen in letzter Minute zu senken. Genauso wie Zhen sind die meisten chinesischen Unternehmer außerordentlich geschickt darin, die Wahrnehmungen und Gefühle ausländischer Importeure zu manipulieren, wie Midler in den verschiedenen Kapiteln seines Buches erzählt. Im Folgenden möchte ich auf drei grundlegende Probleme eingehen, die bei Midlers Begegnungen mit chinesischen Produktionsfirmen wie Zhen entstehen:

1) Qualitätsverlust

Viele chinesische Unternehmer versprechen am Anfang ein qualitativ gutes Produkt und liefern dann ein ganz anderes, welches von deutlich schlechterer Qualität ist. Amerikanische Käufer, die erwarten, dass ihr Produkt ordnungsgemäß hergestellt wird, stellen fest, dass ihre Muster nur als grobe Anhaltspunkte oder Vorschläge dienen. Chinesische Hersteller nehmen also ohne Ankündigung Änderungen an der Ware vor und hoffen, dass diese nicht bemerkt werden. Auch Zhen verwandelt viele der unter Vertrag genommenen Düfte in einen deutlich anderen Duft, was von Bernis Unternehmen letztendlich bemerkt wird. Zhen fällt jedoch nichts Anderes als einfallsreiche Ausreden ein, dass ihr billiger Ersatz nicht an Qualität mangelt, um den Abbruch des Auftragsdurchlaufs zu vermeiden.

 

2) Professionalitätsfalle

Bei seinem Besuch in der Shampoo-Fabrik wird Midler einer gründlichen Prüfung unterzogen, bei der es um sorgfältiges Händewaschen, Anziehen von sterilen Schutzkappen und Sicherheitsschuhen sowie ähnlichen Sicherheitsmaßnahmen geht, bevor er die Fabrik betritt. Es scheint alles sehr beeindruckend, professionell und vertrauensbildend. Midler ist zu Beginn sehr beeindruckt von der Professionalität der Chinesen, muss später aber erfahren, dass diese Rituale, sobald die Verträge unterzeichnet und die Gelder überwiesen sind, auf der Strecke bleiben und nicht länger gültig sind. Der Autor kommt durch seine Kundenaufträge zu dem Entschluss, dass die chinesischen Unternehmen ihre Versprechen nicht einhalten.

3) Gesichtsverlust

Chinesische Unternehmern ist es sehr wichtig, gegenüber ihren ausländischen Partnern das Gesicht bewahren. Wenn die Produktion Mängel aufweist und die amerikanischen Unternehmer dies bemerken, versuchen sich die Chinesen höflich auszureden und schlagen neue Alternativen wie geringere Kosten für die nächste Produktion vor, um bloß nicht die bestehende Zusammenarbeit in Gefahr zu bringen.

 

Fazit

In Form von spannenden Tagebucheinträgen berichtet Midler über seine eigenen Erfahrungen als Vermittler zwischen chinesischen Herstellungs- und Produktionsfirmen sowie amerikanischen Importeuren. Dem Leser wird deutlich, wie die chinesischen Unternehmer die ausländischen Geschäftsleute manipulieren: sei es die stetige Verringerung der Produktqualität und der Hygienestandards, oder das Vortäuschen von Professionalität.

Nichtsdestotrotz denke ich, dass das Buch mir einen begrenzten Einblick in die Realität chinesischer Unternehmen gibt, da es zum größten Teil die Sicht von Importeuren von gering qualifizierten Produkten in den USA umfasst. Diese repräsentiert jedoch nicht alle Unternehmen, die ihre Produktionsstätte nach China verlagert haben. Des Weiteren stammen die meisten der berichteten Erfahrungen Midlers aus den frühen 2000er Jahren. China hat sich jedoch über die Jahre in der Produktion und Entwicklung kontinuierlich verbessert und gilt heute als die größte Wirtschaftsmacht. Daher denke ich, dass dem heutigen Leser die einzelnen Berichte nicht mehr aktuell erscheinen. Ich würde das Buch „Poorly Made in China“ nur begrenzt empfehlen, da dem Leser mehr oder weniger nur ältere Tagebucheinträge eines Vermittlers und seinen eigenen Erfahrungen mit dem Import und Handel in China näher erläutert werden. Der Autor geht nicht weiter auf die sozialen, kulturellen und psychologischen Perspektiven der Chinesen ein, was ich persönlich vermisst habe, denn für die Vorbereitung auf mein Auslandssemester habe ich leider nichts Wichtiges lernen können.

 

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Buchrezension: Und über mir das MEER 

  1. Buchdetails
    Titel: Und über mir das MEERUnd über mir das MEER
    Originaltitel: White Chrysanthemum
    Autorin: Mary Lynn Bracht
    Übersetzung aus dem Englischen: Elke Link
    Erscheinungsjahr: 2018
    Seiten: 384
    Verlag: Limes Verlag
    ISBN: 978-3-8090-2681-5
    Preis: 20,00€

Motivation
Auf der Suche nach einem passenden Buch für die Buchrezension habe ich mich auf koreanische Romane konzentriert, da ich gerne solche Bücher lese. Ich suchte eine fiktionale Geschichte, die aber auf wahren Begebenheiten beruht und dessen Thema mir nicht bekannt war, um mein Wissen über Südkorea erweitern zu können. Da die Inhaltsangabe direkt historische und kulturelle Aspekte aufgegriffen und so mein Interesse geweckt hat, habe ich mich für diesen Roman entschieden.

Über die Autorin
Mary Lynn Bracht ist eine amerikanische Autorin mit koreanischen Wurzeln. Sie lebt in London und hat dort an der Universität Kreatives Schreiben studiert. Ihre Kindheit verbrachte sie in einer großen Gemeinde voller Frauen, die in Südkorea während der Nachkriegszeit aufgewachsen sind. „Und über mir das MEER“ ist ihr erster Roman. Die Inspiration für dieses Buch bekam sie 2002 während eines Besuches in dem Dorf, in dem ihre Mutter großgeworden ist. Auf ihrer Reise erfuhr sie von heimischen Geschichten und hörte das erste Mal von den „Trostfrauen“, weiblichen Kriegsgefangenen in japanischen Bordellen.

Aufbau des Buches
Das Buch ist in zwei sich abwechselnden zeitlichen Abfolgen geschrieben, die zwischen zwei Frauen aufgeteilt sind. Zum einen wird das Leben von Hana in den 1940er Jahren wiedergeben. Zum anderen wird Emis Leben im Jahr 2011 darstellt. Das Buch wechselt während des Romans abwechselnd zwischen den Perspektiven der beiden Frauen. Ein Kapitel wird aus der Perspektive von YoonHui, Emis Tochter, erzählt. Zusätzlich enthält der Roman eine Karte Asiens von 1942, weitere Lesungen und einen Ausschnitt mit wichtigen historischen Daten.

Inhalt
Der Roman handelt von zwei koreanischen Schwestern namens Hana und Emi, die durch den Zweiten Weltkrieg voneinander getrennt wurden. Die Schwestern sind haenyeo, Taucherinnen und gehören einer großen weiblichen Gemeinschaft an. Im Alter von 16 Jahren wird Hana von einem japanischen Soldaten entführt. Der Roman konzentriert sich auf die Erfahrungen von Trostfrauen und wie der Krieg verschiedene Hierarchien von Individuen aus verschiedenen Perspektiven beeinflusst hat.
Die Geschichte beginnt mit den beiden Schwestern am Strand der Insel Jeju. Hana ist gemeinsam mit ihrer Mutter im Meer und sie tauchen nach Muscheln, während Emi am Ufer auf sie wartet. Als sich ein japanischer Soldat dem Strand nähert, schwimmt Hana zügig auf Emi zu, um sie vor dem Mann zu verstecken. Der Soldat namens Korporal Morimoto unterhält sich mit Hana ohne, dass er Emi entdeckt. Schließlich nimmt er Hana mit und ihre Schwester wird zurückgelassen. Der Roman teilt sich dann zwischen den beiden Frauen, als Hana eine Trostfrau wird und Emi sechzig Jahre später nach ihrer Schwester sucht.

Hanas Perspektive (1940er Jahre):
Hana wird von Korporal Morimoto zu einer Polizeistation gebracht, wo sie die Lüge erzählt, dass ihre Familie tot sei, damit sie sie nicht finden können. Sie wird zusammen mit anderen Mädchen in einen Lastwagen gesetzt. Während der Fahrt wird Hana von der Gruppe getrennt und zu einer Fähre mit anderen Mädchen gebracht. Auf der Überfahrt zu einem unbekannten Ort vergewaltigt Morimoto sie. Vom Schiff aus geht es für die jungen Frauen in einen Zug, in dem sie die Nachricht erfahren, dass sie in die Mandschurei gefahren und dort in ein Bordell gebracht werden.
Am nächsten Morgen erhalten die einheimischen Soldaten von der Ankunft einer neuen Trostfrau und besuchen Hana. Auch Korporal Morimoto besucht sie jede Nacht während seines Dienstes und vergewaltigt sie. Er schmiedet für sie gemeinsame Pläne und organisiert ihr die Flut aus dem Bordell. Hana nutzt diese und versucht dem Korporal zu entkommen, jedoch holt er sie ein und sagt ihr, dass er sie in die Mongolei bringt.
In der Mongolei wird sie bei einer kleinen Familie untergebracht. Korporal Morimoto hingegen verlässt sie für eine gewisse Zeit und Hana beginnt mongolische Begriffe und die Menschen, bei denen sie wohnt, kennen zu lernen. Als Morimoto wiederkehrt, versucht sie auf einem Pony zu fliehen. Der Mann holt sie schließlich ein, jedoch werden die beiden von sowjetischen Soldaten festgenommen. Die Soldaten töten Korporal Morimoto und lassen Hana an die mongolische Familie frei. Diese bringt sie zurück an den Ort, an dem sie leben. Der Roman endet aus Hanas Sicht mit dem Schwimmen im Uvs See.

Emis Perspektive (2011):
Emi beginnt ihren Tauchgang als haenyeo mit JinHee, einer Taucherfreundin. Emi spricht von einem Traum, den sie oft hat, wo sie auf einer Klippe steht und die Stimme eines Mädchens hört, das nach ihr ruft, was vertraut, aber seltsam ist. Sie ist 77 Jahre alt und spricht oft davon, dass das Tauchen ein Geschenk ist, das ihre Mutter ihr beigebracht hat. Emi spricht darüber, dass sie ihre Kinder nicht oft besucht, weil sie eine distanzierte Beziehung zu ihnen hat. Sie nimmt ein Taxi und dann ein Flugzeug nach Seoul, um ihre Familie zu besuchen.
JinHee überzeugte Emi, zur Eröffnungsfeier des Jeju Peace Park zu gehen, der an den Jeju-Aufstand von 1948 erinnert. Der Jeju-Aufstand von 1948 führte zum Massaker an über zwanzigtausend Inselbewohnern. Sie erinnert sich, wie ihr Familienhaus verbrannt wurde, als sie vierzehn Jahre alt war. Als sie an der Veranstaltung teilnimmt, bemerkt sie, dass alle die gleichen Blumen trugen, weiße Chrysanthemen, die ein Symbol der Trauer sind.
In Seoul ist Emi bei der tausendsten Mittwochsdemonstration, die seit 1992 stattfindet. Sie erinnert sich an die Zeit bevor der Koreakrieg begonnen hatte, wie 1948 ihr Vater von einem Polizisten vor ihr und ihrer Mutter die Kehle aufgeschlitzt bekam. Sie und ihre Mutter flohen, wurden jedoch von Polizisten entdeckt und diese brachten sie zu einer Polizeistation. Einer der Polizisten, HyunMo, zwang Emi, ihn zu heiraten. Als Emi im Moment der Demonstration zurück ist, trifft sie eine Gruppe älterer Frauen und fragt, ob sie eine Hana gekannt haben. Sie antworten, indem sie sagen, dass sie nach Blumen benannt wurden, aber nicht die richtigen Namen des anderen kannten. Die Demonstration geht weiter, und es gibt eine Statue des Friedens, von der Emi weiß, dass sie von Hana ist. Emi erzählt ihren Kindern, dass sie kein Einzelkind war und dass sie es ihnen aus Scham nicht gesagt hat. Sie verrät, dass ihre Schwester Hana sich selbst geopfert hat, um sie zu retten.
Hyoung, Emis Sohn, fragt sie, warum sie ihren Vater gehasst hat. Sie offenbart ihren Kindern, dass sie nicht aus Liebe geheiratet haben, sondern wegen des Krieges. Sie war mit sechzehn Jahren schwanger und hatte Angst, Mutter zu werden. Nachdem sie erfahren hatte, dass HyunMo ihre Mutter töten ließ, sagte sie ihrem Sohn, dass er das Einzige sei, was sie davon abhielt, sich selbst zu töten. Ihr Sohn wurde in dem Jahr geboren, in dem der Koreakrieg begann. Emi besucht die Statue wieder mit ihren Kindern. Sie sagt, dass es ihre Schwester Hana sei. Sie erzählt YoonHui, dass sie stolz darauf war, dass sie die Universität besucht hat, und dass sie stolz auf ihren Sohn war. Emi ist endlich zufrieden, da sie denkt, dass sie Hana endlich gefunden hat.

YoonHuis Perspektive (2012):
YoonHui liegt im Meer und möchte tauchen, um sich daran zu erinnern, wie es ist, eine haenyeo, wie ihre Mutter zu sein. YoonHui besuchte die Statue, nachdem ihre Mutter gestorben war. Ihr Neffe wies darauf hin, dass jemand Blumen hinterlassen hatte, es waren weiße Chrysanthemen. Ihre Freundin fand den Künstler, der die Statue geschaffen hat, und sie teilten ein Schwarz-Weiß-Foto, das die Statue inspirierte. Sie stammt von der Tochter einer Frau, die während des Zweiten Weltkriegs von russischen Soldaten gefangen genommen wurde und sie dem Museum für sexuelle Sklaverei geschenkt hatte. Es hatte das Etikett von haenyeo girl, mit dem Datum 1993. YoonHui verabschiedet sich von der Statue mit den Worten „Tante Hana“.

Fazit
“Und über mir das Meer” ist eine fiktionale Geschichte, die auf historischen Fakten beruht und deshalb für mich besonders schockierend ist. Ich habe vor diesem Buch gar nichts über die so genannten ,,Trostfrauen“ gewusst und finde es daher gut, dass die Autorin hier das oft verdrängte und fast vergessene Thema aufgreift. Es ist schrecklich, was damals mit den koreanischen Mädchen passiert ist, wobei mich Hana während des Lesens beeindruckt hat. Sie ist eine starke junge Frau, die sich selbst opfert, damit ihrer Schwester ein schlimmes Schicksal erspart bleibt. Während ihrer Zeit im Bordell nimmt sie nicht alles einfach so hin, sondern wehrt sich erst und lässt sich nie ganz unterkriegen. Durch die neutrale Schreibweise wird man als Leser immer auf Distanz gehalten, wobei ich denke, dass nur so die Geschichte überhaupt lesbar und erträglich bleibt. Meiner Meinung nach ist es gut, dass die Autorin sich hier ausführlich mit dem verdrängten Thema auseinandergesetzt hat und dadurch den Frauen, die bis heute unter der Vergangenheit leiden, eine Stimme gibt. ,,Und über mir das Meer” ist für mich ein sehr beeindruckender, aber auch bewegender Roman, welcher mich ein Stück besser auf meine Zeit in Südkorea vorbereitet hat. Gerne empfehle ich dieses Buch weiter.

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Protected: Buchrezension: Die Chinesen – Psychogramm einer Weltmacht

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Buchrezension: Zwei nach Shanghai – 13.600 Kilometer mit dem Fahrrad von Deutschland nach China

 

Titel: Zwei nach Shanghai – 13. 600 Kilometer mit dem Fahrrad von Deutschland nach China

Erscheinungsjahr: Neuauflage 2017

Autoren:Hansen und Paul Hoepner sowie Co-Autorin Marie-Sophie Müller

Verlag: Malik

Seitenzahl: 270 (mit 34 farbigen Fotos, 12 Filme und einer Karte)

ISBN:978-3-492-40573-7

Preis:15,00 Euro

 

Motivation:

Für mich ist ein interessantes Buch eines, das Informationen nicht hintereinander reiht, sondern selbst Spielraum gibt, diese herauszufiltern. Demnach war es mir wichtig, dass die Fakten über China in eine wahre Geschichte eingebettet sind und aus erster Hand stammen. Die Suche hatte sich schwieriger gestaltet als gedacht, doch bin ich auf Amazon auf Zwillingsbrüder gestoßen, die ich bereits aus einem anderen waghalsigen Projekt, das in „stern TV“ ausgestrahlt wurde, kannte. Bei dem Projekt ging es darum, ob es möglich ist, ohne Geld in 80 Tagen um die Welt zu kommen. Bereits da war ich fasziniert, was die beiden Abenteurer auf die Beine stellen und mir kam auch jetzt wieder die Frage auf: Warum machen die das? Dieser Frage auf den Grund zu gehen und gleichzeitig ein besseres Verständnis für China, die Kultur und die Geschichte zu entwickeln, ließen meine Motivation für das Buch „Zwei nach Shanghai – 13.600 Kilometer mit dem Fahrrad von Deutschland nach Shanghai“ steigen. Auch die Parallele, dass die zwei Brüder ein Abenteuer vor sich haben – so, wie ich demnächst eines vor mir haben werde –, empfand ich als sehr vielsprechend. Die  Auswahl des Buches wurde ebenfalls durch die Möglichkeit unterstützt, einzelne Etappen der beiden durch selbstaufgenommene Videos zu sehen oder Blogposts zu lesen, die realistische Bilder der Umgebung, der Menschen und Kultur vermitteln. Auch freue ich mich auf die dazugehörige Dokumentation, die ich mir nach dem Lesen des Buches gerne anschauen möchte.

Über Autoren/Akteure:

Die Zwillingsbrüder Paul und Hansen Hoepner sind am 6. April 1982 in Siegen am Hohentwiel geboren. Trotz identischer DNA sind die beiden grundlegend verschieden, teilen jedoch die gemeinsame Leidenschaft für Abenteuer. Sie verkörpern die Rollen eines Abenteuers, eines Reisebuchautors und eines Dokumentarfilmers.

Hansen ist der – um wenige Minuten – ältere Bruder von beiden und studiert an der Akademie für Bildende Künste in Maastricht Produktdesign, Goldschmiede und Fotographie. Er arbeitet seit einigen Jahren an einem Kreativprojekt KAOS (www.kaosberlin.de) mit und hat sich dort mit einer Werkstatt für Produktdesign und Goldschmiede selbständig gemacht.

Paul hat in Köln Mediendesign studiert und arbeitet in Berlin als Web- und App-Entwickler. Zuletzt schloss er den Studiengang „Human Factors“ an der TU Berlin ab.

Unterstützt wurden die beiden von der Autorin Marie-Sophie Müller, die 1998 ihren ersten Studienabschluss in Texterschmiede in Hamburg erreichte und anschließend Germanistik, Kunstgeschichte und klassische Archäologie in Köln und Amsterdam studiert hat. Sie arbeitet seit mehreren Jahren als freie Journalistin in Berlin.

Wie oben bereits erwähnt, sind die eineiigen Zwillinge sehr verschieden, aber auch in vielerlei Hinsicht gleich, wie es sich auch im Buch herausstellt. In puncto Frauen haben sie ganz unterschiedliche Ansichten. Auch sind materielle Dinge Paul wichtiger als Hansen. Darüber hinaus bezeichnet sich Paul als unflexibler und sogar unfreier, was sich hin und wieder in den unterschiedlichen Kapiteln zeigt. Sie nahmen sich vor, jedes Jahr aufs Neue eine Radtour zu planen und immer ein wenig weiter zu fahren. Und diese Mal ging es eben nach China.

Aufbau des Buches:

Bei dem Aufklappen des Buches fällt dem Leser eine Landkarte mit der eingezeichneten Route von Berlin nach Shanghai ins Auge. Genau an dieser Karte hangeln sich die elf Kapitel entlang. Die Route verläuft über Polen, Litauen, Lettland, Russland, Kasachstan, Kirgisistan bis hin nach China. Unterstützt werden die Kapitel durch QR-Codes, die am Ende jedes Kapitels dem Leser die Möglichkeit einräumen, in die Echtheit des Erzählten einzutauchen. Auch werden Fotos im Buch dargestellt, die die Reise dokumentieren und Abwechslung in den Lesefluss bringen. Die jeweiligen Geschichten wurden von den beiden immer im Wechsel auf einer sehr emotionalen und mitreißenden Ebene erzählt. Das Ganze ähnelt einem Tagebuch der zwei. Der Aufbau des Buches lässt sich entweder durch die einzelnen Länder und Erfahrungen gliedern oder durch die Hälfte der gefahrenen Kilometer – und damit vor China – und der anderen Hälfte der Kilometer in China. Letztere Gliederung ist insbesondere für meine Rezension passender und hilft mir dabei, den Fokus auf China zu richten.

Geschichte:

Die Geschichte begann 2011 damit, dass Hansen – der wenige Minuten ältere Zwillingsbruder – den jüngeren mitten in der Nacht anrief und „Shanghai“ als erstes Wort in den Hörer schrie. Paul wusste nicht wirklich etwas damit anzufangen und war im ersten Moment etwas verwirrt. Hansen erklärte ihm sein Vorhaben. Er glaubte, sein Bruder würde Späße machen und legte nach Äußerungen wie „du kannst doch nicht mit dem Fahrrad durch den Himalaja fahren! Weißt du, wie hoch das ist? Schon mal von Höhenkrankheit gehört?“ auf. Noch in dieser Nacht plante Hansen die komplette Route von etwa 13.000 Kilometern in 150 Etappen und schickte seinem Bruder diese in einer E-Mail. Nach dem Lesen dieser Mail wusste Paul, dass das Ganze wohl kein Scherz war und von jetzt auf gleich ist Hansen nach Berlin gezogen. Dort fand ein knappes Jahr lang mit Hunderten Vorbereitungsstunden die Planung der Route sowie des Equipments statt. Das Ziel, das die beiden verfolgten, war es nicht, die Stadt Shanghai zu erreichen, sondern vielmehr, sich besser kennenzulernen.

2012 an ihrem 30ten Geburtstag brachen die beiden mit einem Zelt, Isomatten und zwei Fahrrädern und ganz viel Tatendrang in Richtung Shanghai auf. Sie waren sieben Monate unterwegs und legten Tausende von Kilometern zurück.

Sie bezeichneten es als die Fahrt ihres Lebens. Auf der einen Seite erlebten sie unzählige Momente des größten Glücks, die mit unvergesslichen Momenten in der Natur, der Liebe und Gutmütigkeit der verschiedensten Menschen sowie dem Kennenlernen der eigenen und der Grenzen der besseren Hälfte verbunden waren. Auf der anderen Seite verliefen sie sich in ausweglose Situationen. Dabei wurden sie ausgeraubt, mussten die Schmerzen von eisiger Kälte, Höhe oder einem Hexenschuss aushalten, wurden am Checkpoint Tibet zurückgewiesen oder waren körperlich und psychisch am Ende. Dieser Absatz zur Geschichte umfasst einen sehr allgemeinen Teil, nun möchte ich mich der Zeit in China widmen. Als sie China erreichen, merken sie, wie verrückt das Leben dort ist. Sie sind noch nie an einem Ort gewesen, an dem man weder die Sprache noch die Gesten versteht. Einfach alles ist komplett weltfremd. Die Zwillinge haben in Sary Tash noch ein paar Basics von anderen Reisenden wie „Hallo!“, „Tschüss!“ oder „Ich heiße …“ gelernt, doch kein Mensch versteht diese Laute. Auch die Sensibilität im Hinblick auf die Einreise, das Visum und die Polizei stellt die beiden immer wieder aufs Neue vor Herausforderungen. Entweder haben sie an den Grenzen Probleme, ihr gesamtes Equipment mit all ihren Speicherkarten mitzunehmen, oder ein Hotel zu finden, dass eine „Temporary Residence Registration“ ausstellt, oder ein neues Visum vor Ablauf aufgrund von zeitlichen und chinesischen Besonderheiten vorzeitig ausgestellt bzw. verlängert zu bekommen. In letzterer Situation merken die beiden, dass ein „NEIN“ nicht endgültig ist. Fünf Stunden später wird aus dem „NEIN“ ein „JA“. Während ihrer Fahrt merken die beiden: Je näher sie Shanghai kommen, desto westlicher werden die Umgebung und die Menschen. Die Landschaft weist weit weniger Platz zum Zelten auf, sodass weniger Natur und Reisfelder die Route nach Shanghai bestimmen. Sie zelten nur noch sehr selten aufgrund des mangelnden Platzes und wegen der vergleichsweise günstigen Preise, in einem Hostel abzusteigen. Während ihrer Zeit in China fällt ihnen auf, dass das Land sehr unterschiedliche Schichten und Charakterzüge der Chinesen aufzeigt. Hansen und Paul nehmen die Chinesen vor allem in der ersten Zeit in China als gaffende, nervende und teilnahmslose Mitmenschen wahr, die weder Distanz noch Privatsphäre kennen. Das untermalt auch eine Situation, die passiert, als die beiden ein Hostel betreten, das vorher mit 69 Yuan draußen angeschlagen war, plötzlich aber auf 96 Yuan geändert wird. Doch sie revidieren ihre Ansichten, denn als es den Zwillingen schlecht geht, sie kein Geld mehr haben und auf die Hilfe angewiesen sind, helfen die Chinesen den beiden mit großzügigen Spenden aus der Patsche

Fazit:

Die Autoren haben schon einige Bücher über ihre Abenteuer geschrieben. Es war das erste Buch, das ich von den beiden gelesen habe. Es war teilweise sehr fesselnd, da sie den Leser auf ihre Reise mitnehmen und die Länder auf eine ganz andere Art und Weise präsentieren als es beispielsweise Sachbücher tun. Die Untermauerung mit den Videos, Bildern und Blogposts verleiht der Geschichte noch mehr Realität. Durch die vermittelten Eindrücke und Inhalte konnte ich mir ein gutes Bild von der Vielfalt Chinas machen. Von Ländern, die in ihrem Entwicklungsstadium eher unterentwickelt sind, aber auch von denen, die gerade ihre Hochphase erreichen, z. B. in puncto Digitalisierung. Darüber hinaus vermittelt das Buch so viele verstrecke Inhalte, so etwa über das Verhalten, die Sitten und Normen sowie die Kultur der chinesischen Bevölkerung. Auch Kritik wird geäußert, dass in China der Polizei nicht widersprochen wird und die Chinesen sehr unterdrückt werden. Gerade kritische Erlebnisse der beiden regen mich zum Nachdenken an und zeigen mir, dass es nicht überall von Vorteil ist, seine Meinung frei zu äußern.

Durch ihren straffen Zeitplan kam es mir manchmal so vor, als wäre an einem Ort nur das nötigste gemacht worden, und dann ging es bereits weiter. Gerade in China hätte ich mir ein häufigeres Aufeinandertreffen mit Chinesen gewünscht, damit ich noch mehr Input aus den Treffen ziehen kann. Doch waren die Aufenthalte eben sehr eng getaktet, was ich auch gut verstehen kann. Der Grund dafür, warum Shanghai das Endziel der Reise der beiden sein soll, ist für mich leider nicht ganz ersichtlich. Trotz der genannten Kritik kann ich das Buch und die dazugehörige Dokumentation „Berlin2Shanghai“ nur empfehlen. Es ist alles in allem eine interessante Geschichte, die auch und vor allem auf die Parallele verweist, dass wir alle uns in naher Zukunft in ein Abenteuer stürzen werden.

 

Hilfreiche Links:

Offizielle Seite der Zwei

http://hoepner-hoepner.de/abenteuer-zwei-nach-shanghai/

Dokumentation „Berlin2Shanghai“

http://hoepner-hoepner.de/portfolio/berlin2shanghai-3-teilige-tv-dokumentation/

 

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Literature review: Hagakure: The Book of the Samurai

General InformationHcover

Title: Hagakure: The Book of the Samurai

Author: Yamamoto Tsunetomo

Translated by: William Scott Wilson

Publisher: Kodansha International

Year of Publication: 2000

ISBN: 978-4-7700-2612-5

Pages: 188

 

About the author:

Yamamoto Tsunetomo was born in 1659 in the Saga domain in Japan. When he was born, his father (Yamamoto Jin’emon) was 71 years old and he was a loyal retainer of one of the local feudal lords named Nabeshima Katsushige. Tsunetomo was not in a very healthy situation during his childhood the local doctors believed he can’t live more than 20 years. He became the loyal retainer of Nabeshima Mitsushige for thirty years.

It was in 1700 when Nabeshima died and according to the traditions of that period of time, Tsunetomo was supposed to kill himself by the way of a Samurai but it did not happen. The reason was regarding the Nabeshima’s opinion about Junshi (following the lord in death) which he wasn’t supporting this voluntary act and Tsunetomo did not commit Seppuku after his master’s death. Later and after his retirement from the court, he became a monk. From 1709 and for around seven years he narrated some of his thoughts to a fellow Samurai named Tashiro Tsuramoto. Years later his commentaries were published in a book called Hagakure. Tsunetomo died when he was 60 years old in 1719.

My Motivation:

Japan has a rich culture and the Samurai culture has always been a mystery for me and I decided to go deep into the life of a Samurai to study their beliefs and lifestyle. I was a fan of East Asian martial arts and the book “Hagakure” is a remarkable reference to go back to around 350 years ago and see how the life of a Samurai was and to see the importance of following the master from the first day a Samurai enters his court until the day which the Samurai decides to devote his life to his master.

Samurai people were always known as warriors who fight with their Katanas with all their power and do not have a fear of death, but the things which do not consider much about the Samurai, are the background behind their beliefs and characteristics like pride, ethics, respect, courage, and sacrifice. This book helped me to figure out the philosophy behind the life of a Samurai and how even very little daily behaviors are important in their way of living.

Structure:

The book consists of 11 chapters and each chapter has shorts comments from Tsunetomo about different aspects of a Samurai’s life. The book has written in small chunks and does not follow a continuous storyline. Also, many stories about the happenings at that period of time are included in the book and Tsunetomo had expressed his feelings and opinion about those stories.

A great focus of the book is about the readiness of a Samurai to die at any time. Moreover, daily rituals of a Samurai are introduced with the emphasis on how a Samurai should always act like a gentleman. Some other subjects of a Samurai’s life which have been discussed in different chapters of the book are about appearance, wealth and material things, religion and much more which will be mentioned in the following part of the book review.

Content:

Hagakure is a Japanese word which means “Hidden Leaves”. Hagakure is the book of the Samurai. In the first chapter, this very basic question has been simply answered. What is the way of the Samurai? The way of the Samurai is found in death.

First, it has to be explained who is a Samurai? The Samurai were the pre-modern Japanese warriors. They were provincial warriors before they come to power in the 12th century. Before the 12th century, they were in charge of backing up and supporting the authority of great lords. Minamoto Yoritomo was the founder and first Shogun of the Kamakura Shogunate in Japan. In 1192, Minamoto set up the first Samurai government in Japan and the Samurai started their ruling over Japan for the almost next 700 years. In the late 1200s, the Samurai became more powerful and went to fight with Mongols and defeated them. They developed their military style and used swords as their main weapon. Later, the very famous Japanese sword introduced to the world. Katana was a traditional Japanese sword which was used by the Samurai people. Being a Samurai was not only a job but also a social class. The power of the Samurai had ups and downs until the time of the Meiji Restoration. In 1867, Meiji named Tokyo as the new capital of Japan and a year later he introduced the “Five Articles Oath” which was the beginning of a new era in Japan and began the dismantling of the Samurai. In 1873, Meiji established an army which was open to anyone and three years later the use of swords was banned, and the Samurai lost their profession and this special social and military class ended up after around one thousand years. The way of a Samurai is called Bushido and one of the purposes of Hagakure is to define Bushido. There is remarkable randomness in the book and as too many different and scattered topics are mentioned, only some of the most interesting points from the view of the author will be discussed.

The book just begins with this explanation in the 1st chapter: “The Way of the Samurai is found in death. When it comes to either/or, there is only the quick choice of death. It is not particularly difficult. Be determined and advance. To say that dying without reaching one’s aim is to die a dog’s death is the frivolous way of sophisticates. When pressed with the choice of life or death, it is not necessary to gain one’s aim.” A Samurai knows that death without achieving the goal is worthless but there is no shame in it. A Samurai must always be ready to die. It has been mentioned many times in the book and Yamamoto believes that the highest virtue of one’s life is to accept the death with calmness and dignity. Even the next part which will be discussed is going back to Yamamoto’s belief about death.

A Samurai must always pay attention to his appearance. He should wake up early in the morning at 4 o’clock and eat his breakfast by the time of sunrise, take a shower and dress up his hair. A Samurai also rests from the time of sunset. He should always cut the fingernails and rubbing them with a kind of rock called pumice and then with wood sorrel. They always kept their armors totally clean and shined. But the reason for doing these things goes back to their most important aspect of their life which was the death. As they are expecting to die at any time, their appearance must be always in its best form to send the message to the enemy that they are always proud even in the moment of their death.

In the way of a Samurai, righteousness is an important matter but not the same as the view of the public’s opinion. It is suggested that paying too much attention to be righteous is not the best way of living. And the way of Samurai is in a higher place than being righteous. A person should learn from experiencing and if it is not always possible for them, he should consult others to find the best way.

Another important aspect of a way of a Samurai is to let people compensate for their faults. Once there was a council about promoting a person. They decided not to promote the man because he was once a participant in a drunken brawl. Then a person in the council said that if we want to eliminate everyone who had once made a mistake, then we won’t have any useful person in our community. Then he was asked if he can guarantee that man or not and he said yes, I will guarantee him. When he was asked why do you guarantee him? He answered: I guarantee him because once upon a time he made a mistake and if a person has not ever made a mistake, that person is dangerous and unreliable.

There are two things which put a Samurai’s life into trouble: honor and riches. If a person struggles with the hardships of life, he will make fewer mistakes. So, it seems that the life of a Samurai is not only about fighting and using Katanas. Yamamoto describes many different aspects of a Samurai’s life from his appearance to his even social behaviors which will be mentioned in the following part.

A Samurai should not yawn in front of other people. He also has to practice how to speak in front of people and take care of what he writes in his letters even the letter only consists of one line. A person has to make his life powerful and strong until the time he enters the 5th decade of his life and try to form a family life by entering the 6th decade of life. When people are happy, they should not show too much pride and extravagance because it is dangerous. If someone is not prudent in normal times of his life, he will not be able to compensate in hard times. When someone exaggerates in happy times, he will suffer in bad times.

Conclusion:

Although the book is about the thoughts of a Samurai back to around 350 years ago, its content has too many stories and lessons which are totally feasible in today’s life. The content of the book is interesting from the point of the author and there are for sure some critics about the book which in overall do not influence the greatness of the Hagakure. It has also to be mentioned about the very good translation of the book by William Scott Wilson.

The book is not only a good practice for studying the beliefs of the Samurai people, but also takes us back to the very old and rich culture of Japan and how the Japanese are influenced by the behaviors of the Samurai in their modern life.

I would like to finish this literature review by quoting a noteworthy part of the Hagakure:

“There is surely nothing other than the single purpose of the present moment. A man’s whole life is a succession of moment after moment. There will be nothing else to do, and nothing else to pursue. Live to being true to the single purpose of the moment.”

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Buchrezension: Das Schicksal der Drachentöchter

Titel: Das Schicksal der DrachentöchterCover
Autor: William Andrews
Erscheinungsjahr: April 2018, Originalausgabe 2016
Verlag: Tinte & Feder
Seitenanzahl: 413 Seiten
ISBN: 978-2919800025
Preis: 9,99 €

Motivation
Da ich mich schon seit längerer Zeit für Korea interessiere, habe ich mich häufig mit dem Land und auch dessen Geschichte beschäftigt. Daher habe ich für die Rezension nach einem Buch gesucht, in dem ich etwas mehr über Koreas Geschichte lernen kann. Ich stieß bei meiner Suche auf ,,Das Schicksal der Drachentöchter“ und die guten Rezensionen brachten mich dazu, einen näheren Blick auf das Buch zu werfen. Obwohl ich wusste, dass es während des zweiten Weltkriegs Trostfrauen gegeben hat, konnte ich mir nicht sehr viel über die wirklichen Umstände und wie heute mit diesem schrecklichen Teil der Geschichte umgegangen wird, vorstellen. Nachdem ich den Klappentext gelesen habe, wollte ich herausfinden, was es wirklich damit auf sich hatte und ob der Titel, der für mich anfangs nur wenig mit der Geschichte im Buch zu tun hatte, später Sinn ergeben würde.

Über den Autor
Der amerikanische Autor William Andrews arbeitete über dreißig Jahre lang als Marketingleiter für verschiedene Konzerne und gründete später seine eigene Werbeagentur. Nachts und an Wochenenden schrieb er fiktive Geschichten. Sein dritter Roman ,,Das Schicksal der Drachentöchter“ wurde durch seine in Korea geborene Adoptivtochter inspiriert. Durch sie hat Andrews eine starke Verbindung zu Korea und ist fasziniert von dem Land. Seit Andrews in Rente gegangen ist, widmet er sich dem Schreiben komplett, sodass 2018 ein weiterer Teil der Geschichte um Anna Carlson veröffentlicht wurde.

Gliederung und Inhalt
Der Roman umfasst 49 Kapitel und gibt am Ende noch einige Informationen zu der heutigen Lage von ehemaligen Trostfrauen und wie Korea und Japan dieses Thema aufarbeiten beziehungsweise zu den Akten legen möchten. Außerdem findet sich im letzten Teil des Buches ein kleines Interview mit Andrews, in dem er erklärt, dass es sich um eine fiktive Geschichte handelt, die allerdings auf wahren Ereignissen beruht.
Im Roman, der einen Einblick in die Geschichte Koreas zulässt, gibt es zwei Hauptfiguren, die jeweils im Wechsel aus der Ich-Perspektive erzählen. Diese Wechsel sind gut zu erkennen, da jeweils sowohl das Jahr als auch der Ort, an dem die Geschichte nun spielt, angegeben werden.

Die Geschichte beginnt mit der amerikanischen Studentin Anna Carlson, die nach dem Tod ihrer Adoptivmutter nach Seoul in Korea reist, um ihre leibliche Mutter zu finden. Dort angekommen, muss sie feststellen, dass diese bereits bei ihrer Geburt verstorben ist. Anna trifft allerdings auf ihre Großmutter Jae-hee, die ihr von ihrem Leben erzählen möchte und dabei mit den schrecklichen Erlebnissen während des zweiten Weltkriegs beginnt.

Das Leiden als Trostfrau
Jae-hee ist erst 14 Jahre alt, als sie und ihre zwei Jahre ältere Schwester Soo-hee einen Befehl der japanischen Armee bekommen, in dem geschrieben steht, dass sie in einer Stiefelfabrik arbeiten sollen, um dort Japan zu dienen. Dort angekommen, müssen die Mädchen feststellen, dass die besagte Stiefelfabrik nicht existiert und es eine Falle war, um sie in eine Troststation zu locken. Dort werden die jungen Koreanerinnen tagtäglich von mehreren Dutzenden japanischen Soldaten vergewaltigt. Gehorchen sie nicht, werden sie brutal ausgepeitscht oder erschossen. Viele ihrer Freundinnen, die auch gezwungen werden, dort zu leben, nehmen sich in ihrer Verzweiflung selbst das Leben oder sterben durch gefährliche Abtreibungen, die lediglich mit einem Draht durchgeführt werden. Nach zwei Jahren voll von Qualen, Schmerzen und dem Gefühl, den Verstand zu verlieren, verlieren die Japaner den Krieg und versuchen, die Troststation dem Boden gleich zu machen und alle Beweise zu vernichten. So kann Jae-hee aus einem Versteck nur dabei zusehen, wie alle Baracken niedergebrannt werden und ihre Freundinnen und Leidensgenossinnen nach und nach erschossen werden. Sie selbst kann nur durch einen Moment der Gnade eines Schützen überleben und wird daraufhin von russischen Soldaten als vermeintlich einzige Überlebende gefunden.

Nordkorea und der Versuch, zu vergessen
Nach der Befreiung aus der Troststation kehrt Jae-hee nach einer langen Reise zu Fuß zu ihrem Elternhaus zurück und stellt fest, dass niemand mehr dort ist. Sie erfährt, dass ihre Eltern verstorben sind und sie somit keine Familie mehr hat. Sie macht sich auf den Weg nach Pjöngjang, um dort als Übersetzerin zu arbeiten. Dort trifft sie den Kommunisten Jin-mo, der später der Vater ihrer Tochter werden soll. Obwohl es zunächst nach einer Wiedervereinigung von Nord- und Südkorea aussieht, zeigen sich nach einiger Zeit viele Konflikte und so werden beide Länder endgültig geteilt. Befürworter für ein gemeinsames Korea, so wie Jin-mo, werden getötet und so steht Jae-hee mit einem ungeborenen Baby in einer Ideologie da, mit der sie sich schon lange nicht mehr identifizieren kann. Als Glück im Unglück hinterlässt Jin-mo ihr vor seinem Tod etwas Geld und beschreibt einen Weg, wie Jae-hee nach Südkorea fliehen kann. Sie verliert keine Zeit und macht sich schon am nächsten Tag mit nichts außer den Kleidern an ihrem Körper, Jin-mos Geld und dem Baby im Bauch auf den Weg. Nach einer gefährlichen Reise mitten in der Nacht wird sie von Soldaten im offenen Feld aufgegriffen – sie ist in der Republik Südkorea angekommen.

Überleben in Südkorea
Die mittlerweile 25-jährige Jae-hee muss nach ihrer Flucht nach Südkorea nun auch ihre 3-jährige Tochter Soo-bo versorgen, was ihr nicht gelingt. Sie sieht sich gezwungen, einen Job an der Bar eines Bordells in einer US-Militärbasis anzunehmen. Wieder befindet sie sich in einer Umgebung, die sie die Zeit als Trostfrau nicht vergessen lässt. Glücklicherweise lernt Jae-hee in der Bar General Crawford kennen, der ihr nach einem Jahr im Camp genug Geld gibt, um nach Seoul zu gehen und dort Arbeit zu finden. Dieses Unterfangen ist in einem Ort, der von Arbeitslosigkeit nach dem Krieg geprägt ist, allerdings sehr schwierig und so müssen Jae-hee und Soo-bo lange in Armut leben, bis sich das Blatt endlich für sie wendet.
Zehn Jahre später, im Jahr 1964, hat Jae-hee endlich einen tollen Job gefunden, kann ihrer Tochter Bildung ermöglichen und bekommt sogar einen Heiratsantrag von einem Arbeitskollegen. Als dieser jedoch erfährt, was Jae-hee in jungen Jahren durchstehen musste, bezeichnet er sie als unehrenhaft. Er sorgt dafür, dass sie ihren Job verliert und somit beginnt das Leiden in Armut von Neuem.
Einige Jahre später versucht Jae-hee verzweifelt, ihre Geschichte zu erzählen, doch den Koreanern scheint ein ehrenhaftes Land zu sein wichtiger als das Wohl von tausenden Frauen. Als Soo-bo schwanger wird, wird die Lage der beiden immer komplizierter. Jae-hee widerfährt ein erneuter Schicksalsschlag, als ihre Tochter bei der Geburt ihrer Enkelin Ja-young stirbt. Jae-hee gibt das Baby zur Adoption frei und findet das Kind Jahre später als Anna Carlson wieder. Anna hört sich die Geschichte ihrer Großmutter an und erfährt auch, dass Jae-hees Schwester Soo-hee noch am Leben ist. Daher organisiert Anna mit sehr viel Bemühen und mehreren Zehntausend Dollar ein Treffen zwischen den Schwestern, die all die Jahre von der Grenze zwischen Nord- und Südkorea getrennt waren.

Fazit
Andrews hat mit seinem Roman bei mir genau den Nerv getroffen, den er beim Schreiben vermutlich im Visier hatte. Die Geschichte von Jae-hee, die zwar fiktiv ist, aber auf wahren Begebenheiten beruht, lässt mich erschüttert zurück. Der Schock, der nach dem Lesen bleibt, beschränkt sich hierbei nicht nur auf die schrecklichen Ereignisse in den Troststationen, in denen Tausende Koreanerinnen während des zweiten Weltkriegs jahrelang auf brutalste Weise gequält und missbraucht wurden, sondern auch über die Weise, wie bis heute mit diesen Tatsachen umgegangen wird. Vor allem Japan scheint dieses Thema am liebsten unter den Teppich kehren zu wollen, was vermuten lässt, dass die Frauen sich teilweise bis heute noch selbst für das verantwortlich fühlen, was ihnen widerfahren ist. ,,Das einzige Ehrenwerte wäre gewesen, Nein zu sagen und den Tod zu wählen! (…) Du hast mich entehrt.“ (S. 340f). Laut Williams hat Japan nach jahrelangen Protesten zugestimmt, sich zu entschuldigen, allerdings wurde nie zugegeben, dass die Frauen zu all den Taten gezwungen wurden. Genauso wenig muss in den Geschichtsbüchern in japanischen Schulen darüber berichtet werden. Dies ist eine Tatsache, die mich sehr nachdenklich und verärgert zurücklässt.
Nichtsdestotrotz kann ich den Roman weiterempfehlen. Auch wenn einige Passagen sehr schwierig zu lesen sind und teilweise die Tränen in die Augen treiben, ist das Buch trotzdem oder gerade deswegen sehr fesselnd und nur schwer aus der Hand zu legen. Ich finde es wichtig, sein Geschichtswissen nicht nur auf das eigene Heimatland zu beschränken und dieser Roman hat mir geholfen, mein Wissen mithilfe einer packenden Geschichte zu erweitern. Andrews trifft es mit seiner Beschreibung auf der Rückseite des Buches auf den Punkt, es ist ,,die dramatische Geschichte einer starken Frau, ihren Mut und die Macht der Vergebung.“

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Buchrezension: Die Ladenhüterin

Buchdetails

  • Titel: Die Ladenhüterin / Konbini ningen (コンビニ人間)
  • Autorin: Sayaka Murata (村田 沙耶香)Die-Ladenhüterin
  • Übersetzung: Ursula Gräfe
  • Erscheinungsjahr: 2018 (3. Auflage)
  • Verlag: Aufbau Verlag, Berlin
  • Umfang: 145 Seiten
  • ISBN: 978-3-351-03703-1
  • Preis: 18,00 €

 

Die Autorin
Sayaka Murata wurde 1979 in Inzai in der japanischen Präfektur Chiba geboren, in welcher sie ebenso aufwuchs und die Mittelschule besuchte. Später zog sie mit ihrer Familie nach Tokio, wo sie ihren Schulabschluss an der Kashiwa High School machte. An der Tamagawa Universität studierte sie dann Kunst- und Kulturwissenschaften.
Während ihres Studiums begann Murata mit der Veröffentlichung verschiedener Romane. Für ihren ersten Roman Jyunyū (Stillen) gewann sie 2003 den Gunzō-Nachwuchspreis. Es folgten weitere Auszeichnungen wie z.B. der Noma-Literaturpreis im Jahr 2009 oder der Mishima-Preis im Jahr 2013. Der internationale Durchbruch gelang ihr schließlich 2016 mit dem Roman Konbini ningen (Convenience Store Mensch(en)), welcher in Deutschland im Jahr 2018 unter dem Titel Die Ladenhüterin veröffentlicht wurde. Für ihre Geschichte über eine Konbini-Verkäuferin, die sich in Japan über 600.000 Mal verkaufte, erhielt sie 2016 den wichtigsten japanischen Literaturpreis, den Akutagawa-Preis. Inspirieren ließ sie sich dabei von ihrer eigenen Teilzeittätigkeit als Convenience Store Mitarbeiterin in Tokio, die sie neben ihrer Schriftstellerkarriere ausübt. Im Zuge dieses Erfolges wurde sie als eine der Women of the Year der japanischen Vogue ausgezeichnet.

Meine Motivation
Noch vor meiner expliziten Suche nach einem Buch für das Literaturforum bestand mein Interesse darin, eine auf der einen Seite unterhaltende, auf der anderen Seite aber auch gesellschaftlich relevante sowie zeitgemäße Geschichte über Japan zu lesen. Schon länger ist mir bekannt, dass es vor allem in Japan viele gesellschaftliche Phänomene gibt, für die sich die Japaner oft sogar ein eigenes Wort einfallen lassen (wie z.B. Karōshi, Inemuri, Hikikomori etc.). Um einen tieferen Einblick in diese Thematik zu gewinnen und genauer zu verstehen, wie Japaner speziell in Bezug auf Arbeit, Familie oder Konformität denken, war es mir besonders wichtig, ein Buch eines japanischen Autors zu wählen, der aus erster Hand über die allgemeine und gegenwärtige japanische Denkweise berichten kann. Nach kurzer Internetrecherche entdeckte ich dann schnell den Roman von Sayaka Murata, für den ich mich auch entschied. Der Klapptext des noch relativ neuen Buches sowie diverse Rezensionen und positive Pressemeinungen weckten mein Interesse für die in dem Buch beschriebene Konbini-Verkäuferin, die sich in ihren Mittdreißigern zunehmend mit der Wichtigkeit einer Festanstellung sowie der Familienplanung konfrontiert sieht. Um mir nun ein Bild von der dargestellten Denkweise zu machen sowie mir kritisch meine eigene Meinung über die Thematik bilden zu können, fing ich mit großer Neugier an, das Buch zu lesen.

Inhalt
In ihrem Roman erzählt Sayaka Murata die Geschichte der 36-jährigen Japanerin Keiko Furukura, die als Aushilfskraft in einem Convenience Store, einem sogenannten Konbini, arbeitet, der rund um die Uhr geöffnet hat. Dieser befindet sich in einer nicht näher bestimmten japanischen Stadt am Bahnhof Hiiro-chō. Vor ihrer Zeit als Ladenhilfe hatte Keiko große Schwierigkeiten, sich problemlos mit ihrem Verhalten in die Gesellschaft einzufügen. Denn schon immer galt sie als Außenseiterin, die mit den Gefühlen ihrer Mitmenschen kaum etwas anfangen kann. Mehrere Vorfälle in ihrer Kindheit machen deutlich, dass sie im Vergleich zu den anderen Kindern ein eher sonderbares Verhalten an den Tag legte, was ihre Eltern oft dazu veranlasste, sich zu fragen, wie man sie „heilen“ könne. Um mit ihrer Art nicht weiter unangenehm aufzufallen, fasste Keiko den Entschluss, für sich zu bleiben. Da sich jedoch weder in ihrer Schulzeit noch während ihres Studiums etwas änderte und sie keinen richtigen Anschluss an die Gesellschaft fand, lebte sie mit der Vorstellung, „unheilbar“ zu sein. Eines Tages aber stieß sie auf dem Rückweg von der Universität auf einen neu eröffneten Konbini, in dem sie kurzerhand den Job der Ladenhilfe antrat. Während ihrer Schulung wurden ihr ein „normaler Gesichtsausdruck“ und eine „normale Art zu sprechen“ beigebracht und Keiko hatte zum ersten Mal in ihrem Leben das Gefühl, als „normales Mitglied der Gesellschaft“ am „normalen Leben“ teilzuhaben.
Seitdem sind 18 Jahre vergangen. Keiko hat ihr Studium schon vor einigen Jahren abgeschlossen, arbeitet jedoch immer noch tagtäglich als Aushilfe im Konbini. Das Verhalten ihrer Kollegen sowie die Gepflogenheiten des Ladens hat sie sich regelrecht einverleibt und diesen zu ihrem Lebensinhalt erklärt. Da ihre Situation seit Jahren aber unverändert geblieben ist, werden ihr immer öfter unangenehme Fragen gestellt. Sowohl ihre Schwester als auch ihre Freundinnen, die fast alle schon geheiratet und Kinder bekommen haben, haken zunehmend nach, warum sie noch nicht verheiratet sei, ja noch nicht mal eine Liebesbeziehung hatte. Auch die Tatsache, dass sie keinen Vollzeitjob hat, stellt Keiko vor die Schwierigkeit, ihren Umstand immer wieder erklären zu müssen. Mehr und mehr wird sie sich bewusst darüber, dass ihre Gesellschaftsfähigkeit an ihrem Beruf sowie ihrem Beziehungsstatus gemessen wird. Sollte es in dieser Hinsicht zu keiner Besserung kommen, fürchtet sie sich davor, als Fremdkörper aufzufliegen und beseitigt zu werden.
Als dann aber der neue Mitarbeiter Shiraha eingestellt wird, gerät ihre Weltordnung mehr und mehr ins Wanken. Dieser verhält sich mit seiner Art genau gegenteilig zu Keiko. Er ist faul und lustlos, antwortet herablassend und hält sich nicht an die Regeln. Nachdem sich der Chef des Konbini sowie andere Mitarbeiter über ihn beschwert haben, wird Shiraha kurze Zeit später gefeuert und als Fremdkörper, der der Normalität im Wege steht, beseitigt. Eines Abends findet Keiko ihn dann in der Nähe des Konbini herumlungern. Sie begeben sich in ein Restaurant, in dem Shiraha seinen Unmut über die Welt äußert. Seiner Meinung nach würde sich die Gegenwart nicht von der Jōmon-Periode (eine Phase der japanischen Vorgeschichte zwischen 14 000 und 300 v. Chr.) unterscheiden. Der Stärkere gewinne, die Gleichheit zwischen Männern und Frauen sowie der Individualismus seien bloß Lügen, Außenseiter erkenne man nicht an, und Menschen, die zu keinem „Stamm“ gehören und keinen Nutzen bringen, werden belästigt, ungerecht behandelt und ausgestoßen. Die moderne Gesellschaft sei nichts weiter als eine Illusion. Dabei wolle Shiraha nur seine Ruhe vor denjenigen haben, die versuchen, ihm eine bestimmte Lebensweise vorzuschreiben. Um die Kritik an ihm verstummen zu lassen, möchte er heiraten und ein Internetgeschäft gründen. Da Keiko ein ähnliches Interesse verfolgt und eine Veränderung in ihrem Leben von Nöten ist, schlägt sie ihm unvermittelt vor, sie zu heiraten. Shiraha scheint von ihrer Idee zunächst nicht ganz angetan zu sein, entscheidet sich dann aber doch aufgrund dessen, dass er keine Bleibe und Probleme mit seiner Familie hat, dafür, bei ihr zu wohnen. Beide sind der Meinung, dass sie von diesem „Geschäft“, als welches sie diese Beziehung bezeichnen, profitieren werden. Nach und nach erzählt Keiko ihrer Schwester und ihren Freundinnen die Neuigkeit – ihre überschwängliche Freude darauf findet sie aber eher befremdlich und nicht nachvollziehbar.
Nachdem es einige Tage gut lief, rutscht Keiko auf der Arbeit heraus, dass sie neuerdings mit Shiraha zusammenlebt. Ihre Kollegen, denen Shiraha aufgrund seiner damaligen Anstellung bekannt ist, mischen sich unverhohlen in ihre Angelegenheit ein und tratschen während der Arbeitszeit über sie, wofür Keiko kein Verständnis hat. Als es dann zu weiteren Problemen mit Keikos Schwester und Shirahas Schwägerin kommt, die der Meinung sind, dass die beiden so nicht weiterleben können, scheint es beschlossen zu sein, dass Keiko nicht weiter als Ladenhilfe im Konbini arbeiten kann. In dem schmerzlichen Bewusstsein, dass das Geschäft im Konbini am nächsten Tag auch ohne sie reibungslos weiterlaufen wird, absolviert sie ihren letzten Arbeitstag. Ihre Kollegen, in deren Augen sie nun ein normaler Mensch geworden ist, wünschen ihr viel Glück für ihren neuen Lebensabschnitt. Während Shiraha sich auf die Suche nach einem neuen Job für Keiko macht, um selber davon zu profitieren, verliert sie ihren Tagesrhythmus sowie ihren Lebensinhalt und weiß nichts mehr mit sich anzufangen.
Etwa einen Monat nach ihrer Kündigung hat Keiko ein Vorstellungsgespräch für einen neuen Job. Auf dem Weg zu diesem machen sie und Shiraha einen Stopp in einem Konbini, um dort auf die Toilette zu gehen. Unmittelbar nach ihrem Eintritt hört Keiko dann plötzlich die „Stimme“ des Konbini. Sie weiß instinktiv, was der Laden braucht, und beginnt damit, fehlplatzierte Waren umzuräumen. Als Shiraha von der Toilette zurückkehrt und sie wütend aus dem Laden herauszieht, versucht er, ihr den Gedanken, wieder im Konbini anzufangen, auszureden. Doch Keiko ist sich nun vollends sicher, für den Job als Konbini-Angestellte geboren zu sein. Während sich Shiraha voller Zorn auf den Weg zum Bahnhof macht und sich sicher ist, dass sie dies noch bereuen wird, entschließt sich Keiko dazu, wieder in einem Konbini anzufangen und alles für ihren Job zu geben.

Kritische Würdigung und Fazit
Trotz der Kürze des Romans hat es Murata geschafft, mich mit ihrer Geschichte zu faszinieren. Der kurze und präzise Schreibstil, der alles ohne weitere Ausschmückungen nüchtern auf den Punkt bringt, ermöglicht einen leichten und schnellen Lesefluss, der den Leser bis zum Ende der Erzählung mitreißt. Der Roman hat mich durchaus unterhalten, auch wenn die in ihm vermittelte Atmosphäre von einer gewissen Gefühlskälte zeugt. Meiner Meinung nach ist dies jedoch der Thematik angemessen und zu großen Teilen auch der Protagonistin geschuldet.
Keikos Andersartigkeit kann schlichtweg darauf zurückgeführt werden, dass es ihr an Empathie – einer in Japan so wichtigen Eigenschaft zur Wahrung der Harmonie und sozialen Balance – fehlt. Das zeigte sich bereits in ihrer Kindheit und auch im Erwachsenenalter änderte sich in dieser Hinsicht nicht viel. Vielmehr basiert ihr Handeln auf Pragmatismus, wodurch sich viele komische Situationen und Gedanken ihrerseits ergeben, über die ich einerseits oft schmunzeln musste, die mich andererseits aber auch – zugegebenermaßen – fast schon verstörten. Nichtsdestotrotz kommt Keiko überaus sympathisch rüber, man fühlt aufgrund ihres Schicksals mit ihr mit und möchte erfahren, wie es für sie weitergeht.
Interessant fand ich den Ansatz, der gewählt wurde, als Keiko zunehmend den gesellschaftlichen Druck aus ihrer Umgebung spürte: um nicht weiter negativ aufzufallen, beugt sie sich – nicht ganz unkritisch – den gesellschaftlichen Normen und Konventionen und passt sich komplett und in jeder Hinsicht ihrem Umfeld an. Und genau in jener totalen Anpassung findet sie dann ihre Bestimmung. An vielen Stellen könnte der Roman hier überspitzt oder gar befremdlich wirken, da Keiko ihr ganzes Leben wirklich nur nach dem Konbini und ihrer dortigen Arbeit ausrichtet, jedoch bekommt man als Leser auch das Gefühl, dass sie genau dies am glücklichsten und zufriedensten macht. Umso mehr entsetzte es mich dann schon fast, als sich immer mehr Leute zwischen sie und ihr Glück im Konbini gestellt haben, sie unter Druck setzten und sich auf dreiste Weise das Recht herausnahmen, sich in ihr Leben einzumischen. Und das nur, weil sie als unverheiratete Frau nicht dem typischen Bild einer 30-jährigen Japanerin entspricht. Ob Keiko der Job im Konbini erfüllt, interessiert dabei niemanden. Auch wenn an dieser Stelle die japanische Denkweise gut zum Vorschein kommt, wäre hier meiner Meinung nach etwas mehr Menschlichkeit völlig angebracht gewesen.
Obwohl sich die Geschichte größtenteils nur im Konbini abspielt, lassen sich die in ihr behandelten Themen durchaus auf die gesamte japanische Gesellschaft übertragen. Dabei bestätigte Murata meine Vorstellungen über eine Gesellschaft, in der das bloße Funktionieren am Arbeitsplatz und die Konventionen des gesellschaftlichen Zusammenlebens alles andere dominieren. Somit bietet der Roman einen authentischen und interessanten, wenn auch traurigen und leicht verstörenden Einblick in eine für uns eher fremde Welt. Jedoch spiegelt sich hier meiner Meinung nach nicht nur die japanische Gesellschaft wider, sondern eine insgesamt moderne, kapitalistische und gefühlskalte Welt, in der jeder seinen definierten Platz einnimmt und die gesellschaftliche Ausgrenzung derjenigen erfolgt, die sich dem allgemeinen Muster nicht fügen wollen.

Abschließend kann ich sagen, dass der Autorin mit ihrem Roman eine klug und stellenweise sehr humorvoll erzählte, satirische Gesellschaftskritik gelungen ist, die die absurden Gesetzmäßigkeiten unseres Alltags gut zum Vorschein bringt und an unserem Selbstverständnis eines normalen Lebens rüttelt. Das Buch empfehle ich vor allem denjenigen weiter, die Interesse an der japanischen Kultur haben und gerne über Themen wie Individualität und Konformität, dem Anderssein oder gesellschaftlichen Funktionieren reflektieren, da der Roman hier viele Ansatzpunkte zur weiteren Diskussion bietet. Ein netter Nebeneffekt ist zudem der umfassende Einblick, den man in die Welt eines Konbini erhält. Für mich war dies besonders interessant und ich bin gespannt, ob ich die in dem Buch beschriebene Atmosphäre genauso empfinden werde, wenn ich meine Einkäufe in einem der für Japan so wichtigen Läden tätige.

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Buchrezension: Mein Korea-Tagebuch – Zwei verrückte Jahre in Seoul

Buchcover

Buchdetails

  • Titel: Mein Korea-Tagebuch – Zwei verrückte Jahre in Seoul
  • Autor: Baldur Zinnes
  • Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform
  • ISBN-Nummer: 978-1519211231
  • Erscheinungsjahr: 12. November 2015, 2. Auflage, Bad Dürkheim
  • Umfang: 214 Seiten
  • Preis: 16,99 €

Motivation

Mein Anspruch war es, ein Buch auszuwählen, bei dem ich etwas über die koreanische Kultur lerne, das mich auf mein Auslandssemester in Seoul vorbereitet. Gerne durfte dieses Buch auch einen historischen Bezug herstellen, um die heute in Korea gelebten Werte und Normen historisch zu begründen. So entschied ich mich zunächst für den Roman „Drifting House“ von Krys Lee – eine Zusammenstellung mehrerer Kurzgeschichten über die Lebensumstände verschiedener Koreaner nach dem zweiten Weltkrieg. Beim Lesen stellte ich jedoch schnell fest, dass sich die Erkenntnisse aus dem Lesen dieses fiktiven Romans sehr in Grenzen hielten. Für mich bestätigte sich die oft der koreanischen Literatur zugeschriebene düstere Atmosphäre und überspitzte, ja fast schon perverse Darstellung gesellschaftlicher Missstände. Übertragbarkeit auf meinen eigenen Aufenthalt in Südkorea? Wohl eher gering – will ich zumindest hoffen, denn ich hätte mich nicht für Korea entschieden, wenn ich mit Vergewaltigungen, Hungernöten und Entführungen rechnen würde.

Zu meiner Rettung scheint Amazon meinen Literaturgeschmack mittlerweile ganz gut zu kennen und schlug mir das Buch „Mein Korea-Tagebuch – Zwei verrückte Jahre in Seoul“ vor. Zunächst war ich skeptisch, ob ein Buch mit so einem Titel und einem ebenso schnöden Cover nicht bloß eine weitere in wenigen Tagen heruntergeschriebene Ansammlung von Rechtschreibfehlern und formalen Mängeln ist. Ein erster Blick in die Buchbeschreibung und Inhaltsvorschau ließ mich aufatmen. Der Autor ist offenbar ein eingefleischter Geschäftsmann und beherrscht nicht nur die deutsche Sprache, sondern schreibt auch mit einer guten Portion Humor über seine eigenen Erlebnisse bei einem zweijährigen Geschäftsaufenthalt in Seoul. Ziemlich genau das Buch, das ich jetzt gebrauchen kann – danke Amazon, nehme ich!

Über den Autor

Baldur Zinnes wurde 1969 geboren und ist gelernter Journalist. Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Seit mehr als 20 Jahren arbeitet er bei einem deutschen Großkonzern, den er in seinem Buch nicht namentlich erwähnt. Stattdessen verwendet er das Pseudonym DIE FIRMA. Als Zinnes 2010 für einen mehrmonatigen Projektaufenthalt nach Hongkong geschickt wird, entwickelt er erstmals eine Begeisterung für Asien. Er beginnt, Chinesisch zu lernen, erwirbt mehrere Sprachzertifikate und setzt sich mit der chinesischen Kultur auseinander.

Drei Jahre später erhält Zinnes von seinem Chef ein Angebot für eine Stelle als Leiter des Public-Relations-Teams der südkoreanischen Tochtergesellschaft. Zinnes zögert und denkt zwei Wochen nach, denn schließlich zieht es ihn eher zurück nach China. Zu allem Übel führte Nordkorea wenige Tage zuvor einen weiteren Atombombentest durch und löste damit ein Erdbeben der Stärke 5 aus. Die Situation in Korea ist angespannt und das Büro von DIE FIRMA Korea befindet sich in Seoul, nur 50 Kilometer südlich der Grenze zu Nordkorea. Dennoch entschließt sich Zinnes, die Teamleiter-Stelle anzunehmen und zieht im August 2013 mit seiner Familie für zwei Jahre nach Seoul.

Während seiner Zeit in Korea führt Zinnes ein Tagebuch, das er 2015 als „Mein Korea-Tagebuch“ veröffentlicht. Er unternimmt außerdem mehrere Stippvisiten nach Nordkorea und reist hunderte Kilometer durch das sozialistische Land. Seine Erfahrungen veröffentlicht er zeitgleich in „Mein Nordkorea Tagebuch“. Später arbeitet er für ein Jahr in der japanischen Niederlassung von DIE FIRMA in Tokio und veröffentlicht 2018 sein drittes Tagebuch mit dem Namen – Überraschung! – „Mein Japan-Tagebuch“.

Aufbau des Buches

Das Buch besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil, das Tagebuch, nimmt etwa drei Viertel des Buches ein. Der zweite Teil ist eine strukturierte Auflistung von Überlebenstipps für einen Aufenthalt in Korea. Wer den ersten Teil gelesen hat, wird hier nur wenig Neues erfahren, denn die aufgeführten Tipps nennt Zinnes bereits im Tagebuch an den Stellen, an denen er selbst darauf stößt. Für ein gezieltes Nachschlagen und die eigene Reisevorbereitung kann der zweite Teil zwar nützlich sein, für den Lesegenuss und ein paar Schmunzler empfehle ich jedoch dringend den ersten Teil, das Tagebuch.

Inhalt

Das Tagebuch folgt keinem bestimmten roten Faden und entwickelt auch keine bemerkenswerte Dramaturgie. Was sagt man also zu dem Inhalt eines solchen Buches? Der Wert besteht zweifelsohne in den vielen Informationshäppchen über die koreanische Kultur und den Aha-Momenten, die Zinnes an den Leser weitergibt. Insofern erschien es mir sinnvoll, diese Informationshäppchen zu sammeln und zu gruppieren. Im Folgenden werde ich meine Top 5 Learnings über die koreanische Kultur vorstellen.

Top 1: Höflichkeit & Hierarchien
Höflichkeit wird in Korea großgeschrieben und ist eng an gesellschaftliche Hierarchien geknüpft. Gegenüber älteren Personen oder Personen in höheren gesellschaftlichen Positionen muss man sich besonders respektvoll verhalten. In Deutschland oft ein schwieriges Thema: Sind wir jetzt beim Du oder beim Sie? Im Koreanischen gibt es mindestens vier verschiedene Höflichkeitsstufen und ich bin nicht sicher, ob ich nicht noch eine vergessen habe. Beim Kennenlernen stellen Koreaner gerne eine ganze Reihe von Fragen, um die andere Person in die passende Hierarchieebene einzusortieren und daraus die angebrachte sprachliche Ebene abzuleiten. Ganz beliebt ist auch die Frage nach dem Sternzeichen. Wieso? Direkt nach dem Alter zu fragen ist unhöflich, aber die chinesischen Sternzeichen gelten jeweils nur für ein Jahr und jedes ist nur alle zwölf Jahre an der Reihe. Aus dem Sternzeichen lässt sich also gut das Alter ableiten.

Auch meiden die Koreaner das Wort Nein, denn ein klares „Nein, will ich nicht“ wäre zu abweisend und bei einem „Nein, ich kann das nicht“ würde man schließlich sein Gesicht verlieren. Stattdessen gibt es mehrere Abstufungen von Ja und die Herausforderung ist, die Stufe richtig herauszuhören. Besonders im Berufsalltag kann das zu Problemen führen, wie Zinnes schildert: „Wenn wir in Deutschland etwas besprechen, dann bedeutet ein ‚ja’ auch wirklich: ‚Ja, ich bin einverstanden, machen wir so.’ Fertig. In Korea kann ein ‚Ja’ alles Mögliche bedeuten: ‚Ja’. ‚Vielleicht’. Und sehr oft: ‚Ja ich habe Deinen Vorschlag gehört und werde darüber nachdenken’. Unsereiner denkt ‚abgehakt’, aber für die Koreaner ist es nur eine unverbindliche Absichtsbekundung.“

Top 2: Flexibilität statt langfristiger Planung
Während man in Deutschland meistens lange im Voraus plant und verbindliche Zu- oder Absagen erwartet, um bloß keine bösen Überraschungen zu erleben, hat in Korea Flexibilität den höchsten Stellenwert. „Für Koreaner ist es wichtig, bis zum Schluss flexibel zu bleiben. Man plant maximal ein paar Wochen im Voraus und wirft dann gerne alles bis zur letzten Minute wieder und wieder um.“ Ein Grund dafür findet sich in der zuvor beschriebenen Höflichkeitskultur, denn „die Wertschätzung für das Gegenüber wird darin deutlich, Himmel und Hölle in Bewegung zu setzen, um es möglich zu machen.“ Bei Personen, die in der gesellschaftlichen Hierarchie höher stehen als man selbst, ist es besonders wichtig, Flexibilität zu zeigen. In Korea gibt es das Motto „Der Superstar kommt zuletzt“. Wichtige Personen kommen in aller Regel spät zu Terminen oder sagen kurzfristig ab.

Top 3: Arbeitseinstellung
Seit Juli 2018 gilt in Korea eine neue Höchstgrenze für die erlaubte Wochenarbeitszeit: 52 Stunden. Zuvor waren es 68 Stunden. Koreaner arbeiten viel. Sogar so viel, dass das deutsche Wort „Arbeit“ als Fremdwort Einzug in die koreanische Sprache erhalten hat. „Arbeit“ (아르바이트) bedeutet auf Koreanisch „Teilzeitarbeit“. Aber „Teilzeit wird als neumodischer Quatsch belächelt, als Drückebergerei.“

Im Durchschnitt nehmen Mitarbeiter bei DIE FIRMA Korea nur vier Tage Urlaub im Jahr, obwohl sie Anspruch auf 20 Tage hätten. Den Rest lassen sie sich auszahlen. Es gibt sogar Mitarbeiter, die niemals Urlaub nehmen – nicht einmal den Sommerurlaub, den man sich nicht auszahlen lassen kann. Es fallen Begründungen wie „Das Büro ist so schön klimatisiert … da ist es im Sommer viel angenehmer, als bei mir zu Hause.“ Stattdessen haben Urlaubstage in Korea noch einen anderen Zweck, denn „Krankschreibung durch einen Arzt gibt es hier nicht. Hier haben die Leute ihren Jahresurlaub zu nehmen, wenn sie krank sind. […] Logischerweise schleppen sich alle noch todkrank ins Büro, sofern sie noch laufen können.“

Top 4: Nachtleben & Trinkkultur
Privates und Berufliches sind in Korea eng miteinander verknüpft. Die Kollegen sind häufig auch die Freunde. Man geht nach der Arbeit gemeinsam etwas trinken und manchmal auch direkt nach dem Trinken wieder zurück an die Arbeit. Die Trinkkultur hat einen sehr hohen Stellenwert in Korea und der Alkoholkonsum ist hoch. Der durchschnittliche Koreaner trinkt in der Woche 13,7 Shots. „Die Koreaner glauben: Man kennt jemanden erst dann wirklich, wenn man mit ihm einen gehoben hat. Denn wer einen im Tee hat, der kann sich nicht verstellen und zeigt sein wahres Gesicht.“ Im koreanischen Nachtleben ist es üblich, drei Orte zu besuchen. Erst geht man gemeinsam essen („First Place“), dann trinken („Second Place“) und zum Schluss versackt man in einer Karaoke-Bar, dem „Norae Bang“ („Third Place“).

Top 5: Ehe
Die koreanische Ansicht des Zusammenlebens zwischen Mann und Frau und der Ehe würde man in Deutschland wohl eher als altmodisch bezeichnen. Man lebt in aller Regel bei den Eltern, bis man heiratet. Dann hat der Mann für die Wohnung zu sorgen und die Frau steuert die Möbel bei. Vorher zusammen übernachten? Das gehört sich nicht. Schon gemischte Studenten-WGs sind ein Problem. In Seoul hat sich eine boomende Motel-Szene entwickelt. Wieso bloß?

Weiter schreibt Zinnes: „Dass jemand nicht heiratet und als Single leben möchte? Nahezu unvorstellbar. So langsam wird mir klar, dass jeder Koreaner über 30, der unverheiratet ist, in der Tat ein Problem hat. Und am Schlimmsten: Wer nicht verheiratet ist, der wird nicht für voll genommen. Der gilt als Halbstarker, aber nicht als erwachsen. Und die Eltern geben immer noch auf einen Acht.“ Aber zum Glück gibt es ja die Firma! Denn, wir erinnern uns, Privates und Berufliches sind in Korea eng miteinander verknüpft. Es kommt häufig vor, dass unverheiratete Kollegen, die auf die 30 zugehen, von anderen Kollegen miteinander verkuppelt werden. Beim Thema Beziehung fragen Mitarbeiter auch mal ihren Chef um Rat – der ist schließlich ein weiser Mann und muss es ja wissen.

Diskussion & Fazit

Zinnes nimmt den Leser mit auf eine Reise durch die koreanische Kultur und schildert auf humorvolle Art und Weise jedes Fettnäpfchen, in das er tritt. Während er mit einigen kulturellen Unterschieden sehr zu kämpfen hat, lernt er viele Aspekte der koreanischen Kultur zu schätzen, zum Beispiel die Hilfsbereitschaft der Koreaner und das starke Gemeinschaftsgefühl. Die Liste an Erkenntnissen und Aha-Momenten, die ich aus diesem Tagebuch ziehe, ist so lang, dass es mir schwer fiel ist, sie auf die oben genannten Punkte herunterzubrechen. Insofern hat sich mein Anspruch, etwas über die koreanische Kultur zu lernen, das mich auf mein Auslandssemester in Seoul vorbereitet, auf ganzer Linie erfüllt. Dennoch ist auch klar, dass man aus den Einzelsituationen, die Zinnes schildert, nicht ohne weiteres auf eine ganze Kultur abstrahieren kann. Wer Korea bereist, sollte jeder neuen Bekanntschaft offen und vorurteilsfrei begegnen. Was das eigene Verhalten angeht, lassen sich aus dem Tagebuch jedoch eine Vielzahl an Richtlinien destillieren, die einem das eine oder andere Fettnäpfchen ersparen dürften. Vielen Dank, Herr Zinnes, ich fühle mich gut vorbereitet und freue mich auf mein Auslandssemester in Korea!

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Buchrezension: Geschäftskultur Japan kompakt

Im Rahmen des “Asian Studies in Business and Economics” Programm der Universität Paderborn wird im Folgenden eine Buchrezension zum Buch „Geschäftskultur Japan kompakt“ von Gerd Schneider vorgestellt.

Allgemeines

buchbild

Titel: Geschäftskultur Japan kompakt: Wie Sie mit japanischen Geschäftspartnern, Kollegen und Mitarbeitern erfolgreich zusammenarbeiten (Geschäftskultur kompakt)

Autor: Gerd Schneider

Verlag: CONBOOK

Auflage: 2

Erscheinungsjahr: 1. September 2015

ISBN: 3943176339

Seitenanzahl: 120 Seiten

Über den Autor

Gerd Schneider ist ein internationaler Geschäftsmann, der seit Anbeginn des Studiums ein großes Interesse für den internationalen Handel empfand. Für Firmen war er über zwölf Jahre als Marketer, Vertriebler und Geschäftsführer in Asien tätig und ist ein Experte für Japan, China und Korea geworden. Seit der Gründung der Firma Accenta Asia im Jahre 2004, werden Fach- und Führungskräfte auf die internationale Zusammenarbeit speziell mit den Ländern Japan, China und Korea in Form von Trainings vorbereitet. Der Autor ist der Ansicht, dass die Potenziale zwischen Deutschland, Österreich, der Schweiz und Japan noch lange nicht ausgeschöpft seien, und das Verstehen und Respektieren anderer Kulturen essentiell für eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist. Das Ziel sei es dabei, nicht den „Japaner“ zufrieden zu stellen, sondern durch das Respektieren japanischer Kultur einen Nutzen für seine eigene Firma und Interessen zu ziehen.

Motivation

In einer Welt, in der Globalisierung kein Fremdwort mehr ist, wird es immer wichtiger auf internationale Zusammenarbeit zu setzen. Da Japan für Europa eine exotische Welt darstellt, jedoch längst nicht unbekannt, ist es von großer Wichtigkeit, das korrekte Benehmen zu erlernen im Umgang mit japanischen Geschäftspartnern. Da die Japaner jedoch andere Gepflogenheiten besitzen und man als Europäer sehr leicht in Fettnäpfchen treten kann, ist es das Mindeste, sich über diese zu informieren und zu Herzen zu nehmen, sollte man sich als Geschäftsmann im asiatischen Raum bewegen.

Gliederung

Das Buch ist in 10 Kapitel unterteilt, zusätzlich existiert eine Kurzvorstellung des Autors, ein Vorwort sowie Extra-Blätter zu interessanten Themen zum Nachdenken: „Geschäftsfrauen in Japan“, „Einfangen der Gegenperspektive“, „Als deutsche Führungskraft in Japan“ und „Knigge und Dresscodes“. Außerdem wurde das Buch mit einem Stichwortverzeichnis versehen. Am Ende des Buches kann man über Referenzen zu anderen bekannten und wichtigen Büchern nachlesen, sowie Unternehmenswerbung. Der Autor geht auf alle wichtigen Themen ein, die einem Geschäftsmann von Interesse sein sollten. Insbesondere geht er weniger auf Gesprächs- oder Praxisbeispiele ein, sondern gibt einen Überblick über all die Aspekte, die zu beachten sind für jede Situation, sodass einem ein Gesamtbild über die Punkte, die zu beachten sind, erscheint.

Inhalt

Das Buch beginnt mit einem Vorwort, indem der Autor die Unterschiede zwischen japanischen und westlichen Geschäftsmännern betont. Zusätzlich wird darauf verwiesen, dass eine Anpassung an japanische Sitten nicht zur Folge haben soll, „japanisch“ zu werden, sondern erfolgreiche und langfristige Geschäftsbeziehungen aufzubauen, denn Japanern sei es wichtig, starke und langfristige Geschäftsbeziehungen zu schaffen. Dadurch rücken westliche Ziele für eine Geschäftsbeziehung wie Effizienz und Qualität in den Hintergrund, jedoch achtet man auf zwischenmenschlicher Ebene, dass man gut „zusammenpasst“, bevor man Geschäfte miteinander macht.

Fortgesetzt wird das Buch mit Wissenswertem über die japanische Geschäftswelt, wo einige Key-Facts genannt werden. Wichtiger jedoch ist das folgende Kapitel, indem der Autor die Kontaktaufnahme und Geschäftsanbahnung erklärt. Dabei ist es wichtig, dass man zu Beginn Mittelsmänner einsetzt, um mit potenziellen Geschäftspartnern in Kontakt zu treten. Das Weglassen eines Mittelsmanns hat meistens ein Scheitern der Geschäftsanbahnung zur Folge. Von Anfang an sollte man voller Respekt auftreten, auch warnt der Autor davor, wie wichtig Visitenkarten in Japan sind, und dass man diese nicht vergessen darf.

Darauffolgend werden die Kommunikation und Wirkung behandelt. Der Autor beschreibt, dass die Art und Weise der Kommunikation das Wichtigste sei, und dass hierbei die meisten Unterschiede zwischen japanischen und westlichen Geschäftsleuten besteht. Wichtig sei, dass man sich komplett umzustellen hat von einer direkten, aggressiven Art auf eine passive, indirekte Art.

Im nächsten Kapitel spricht der Autor über Meetings & Präsentationen. Wichtig zu betrachten ist, dass es sehr förmlich zugeht. Zusätzlich sollten immer Entscheidungsträger auf japanischer Seite an den Meetings teilnehmen, wenn man Ergebnisse erzielen möchte. Eine hierarchische Sitzordnung spielt außerdem eine wichtige Rolle. Witze & Geschichten sollte man auf jeden Fall, nicht wie wir es in Deutschland gewohnt sind, weglassen.

Weiter geht es mit Verhandlungen, Entscheidungen und Verträgen. Sich vorher über den Geschäftspartner gründlich zu informieren ist ein Muss. Auch gehört Geduld und Ruhe dazu, um gute Ergebnisse zu erzielen. Mündliche Absprachen haben in Japan einen hohen Stellenwert, und sollten möglichst eingehalten werden. Auch hier ist es wichtig, nur mit wichtigen Personen des Unternehmens zu verhandeln, sonst war die Zeit umsonst.

Koordination und Zusammenarbeit wird im nächsten Kapitel behandelt. Japaner arbeiten mehr im Team und folgen stets den Anweisungen des Vorgesetzten, um eigene Fehler zu vermeiden. Man arbeitet oft an vielen Aufgaben gleichzeitig, sodass die Fertigstellung von Aufgaben oft gemeinsam, aber spät erfolgt. Im Gegensatz zu Deutschland herrscht in Japan eine Holschuld der Informationen. Probleme lassen sich oft auf der zwischenmenschlichen Ebene klären.

Darauffolgend wird Führung und Motivation besprochen. Japanische Vorgesetzte pflegen einen oft paternalistisch strengen und personenbezogenen Führungsstil, wobei deutsche Vorgesetzte oft auf der sachlichen Ebene bleiben. Um die Harmonie unter den Kollegen aufrechtzuerhalten, stimmt man sich immer mit allen Kollegen ab, was „Nemawashi“ genannt wird. Mitarbeiter in Japan sollten Werte wie Anpassungsfähigkeit, Disziplin, Gruppendenken und Geduld besitzen. Offenheit, Individualität, Eigeninitiative und Durchsetzungsvermögen sind nicht erwünscht, im Gegensatz zu Deutschland. Wichtig ist für führende Kräfte, dass sie sich klar machen, dass der westlich direkte Kommunikationsstil fatal in Japan ist, auch ist keine Eigeninitiative von Japanern zu erwarten. Die Japaner erwarten eher die Anweisungen von der Führungskraft.

Im Gegensatz zu Deutschland, ist das Thema Geschäftsessen & After Work viel wichtiger in Japan. Man sollte jede Gelegenheit nutzen, um gemeinsame Aktivitäten zu unternehmen, am besten nach der Arbeit, weil dort oft über Arbeit gesprochen wird und so die Geschäftsbeziehungen erst knospen. Gelassenheit und Spaß dürfen natürlich nicht fehlen. Man sollte Einladungen immer annehmen und Gegeneinladungen aussprechen.

Im letzten Teil des Buches werden wissenswerte Informationen sowie wichtige Adressen bereit gestellt für Geschäftsleute, die mit Japan in Kontakt treten werden/wollen.

Fazit

Der Autor gibt in knapp 120 Seiten einen kompakten Einblick in die Geschäftskultur Japan. Das Buch ist in mehrere Kapitel unterteilt, die bei dem ersten Kontakt starten und mit den abendlichen Unternehmungen enden. Es ist chronologisch aufgebaut und somit liest sich das Buch wie ein Guide für westliche Geschäftsleute. Trotz dessen ist jedes Kapitel auch in sich ein geschlossener Teil, somit kann man gerne auch Kapitel überspringen und die für sich wichtigen Abschnitte raussuchen und lesen. Das Buch ist sehr informativ und eignet sich perfekt für Leute, die bald nach Japan fliegen, um Geschäfte zu machen. Auch unabhängig von dem Geschäfts-Aspekt, bietet das Buch einen Einblick in gesellschaftliche Strukturen, die japanische Art, mit Leuten zu arbeiten und umzugehen, sowie die Erkenntnis, dass Menschen aus anderen Kulturen und Ländern nicht auf die Weise leben, wie es im Westen gewohnt ist, und man dies als „Ausländer“ auch akzeptieren und respektieren kann.

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Buchrezension: Wolkenläufer

BuchdetailsWOLKEN

Titel: Wolkenläufer

Autor: Angela Köckritz

Erscheinungsjahr: 2015

Seiten: 304

Verlag: Droemer HC

ISBN: 3426276549

Preis: 19,99€

 

Über die Autorin:
Angela Köckritz absolvierte das Studium der Politik, Sinologie und Kunstgeschichte in München und in Taiwan. Seit 2007 ist sie als Journalistin bei der ZEIT tätig. 2011 bekam sie die Möglichkeit, als Ostasien-Korrespondentin nach Peking zu fliegen und das Leben in China kennenzulernen. Als sie 2015 nach Deutschland zurückkehrte, wurde sie mit dem Preis „Merics China Media Award für herausragende und differenzierte China-Berichterstattung“ ausgezeichnet. Ihr erstes Buch „Wolkenläufer“ war so ein großer Erfolg, das es sogar ein Jahr später auf Chinesisch übersetzt wurde. Köckritz arbeitet heute noch als Redakteurin der ZEIT in der Abteilung für Politik.

 

Meine Motivation:
Bei der Wahl nach einem geeigneten Buch für meine Buchrezension war es mir wichtig, ein Buch zu finden, das keine reinen Fakten über China aufzählt, sondern aus erster Hand über das Leben dort berichtet. Über Amazon bin ich auf „Wolkenläufer“ von Angela Köckritz gestoßen. Die vielen positiven Rezensionen und der vielversprechende Klappentext überzeugten mich letztendlich, dieses Buch zu lesen. Ich erhoffe mir, ein besseres Verständnis über China, die Kultur und Geschichte zu verschaffen, bevor ich mein Auslandssemester in das für mich fremde Land antrete.

 

Aufbau des Buches:
Bei dem Buch von Angela Köckritz handelt es sich um ein literarisches Tagebuch, welches in zwölf Kapitel unterteilt ist. Jedes einzelne Kapitel beginnt mit einem Zitat von einem ausgewählten chinesischen Sprichwort, das Bezug auf die jeweiligen Begegnungen mit unterschiedlichen Menschen in China nimmt. Die Kurzportraits über die Chinesen reichen vom „Wandersänger“ über „der Hochstapler“ “ bis zum „Die Bürgerrechtsanwältin“. Köckritz gibt des Weiteren auch wichtige Informationen über das Alltagsleben in China, berichtet über ihre eigenen Erfahrungen und Veränderungen im Land, welche sie im Laufe ihres Aufenthalts wahrgenommen hat. Die Autorin ermöglicht dem Leser einen ganz anderen Blick auf das Reich der Mitte und vergleicht diesen mit dem Leben in Deutschland, um den Leser hauptsächlich die Unterschiede zwischen den beiden Ländern besser zu verdeutlichen.

 

Inhalt:
Angela Köckritz bekommt die einmalige Gelegenheit, durch ihren langjährigen Aufenthalt in Peking individuelle Menschen und ihre besonderen Lebensweisen kennenzulernen. Sie begibt sich bewusst auf eine Reise durch das ganze Land, um herauszufinden, welche Träume, Wünsche und Perspektiven die Chinesen verfolgen. Die Menschen, die Köckritz auf ihrer Reise trifft, erzählen ihr von ihren Ängsten, Sehnsüchten und Leidenschaften. Egal ob der Wandersänger, der Hochstapler oder die Bürgerrechtsanwältin, sie alle haben ihr eine außergewöhnliche Geschichte zu erzählen.

Köckritz thematisiert den Generationsbruch zwischen den älteren und jüngeren Menschen in China. Während die Älteren in Armut aufwuchsen und das maoistische China, die Kulturrevolution und die internationale Isolation erlebten, wuchsen die Jüngeren in einem ganz anderen Zeitalter auf, welches durch die Einkindpolitik gekennzeichnet ist. Die Einzelkinder galten als das Augapfel der Familie, in die viel Energie und Geld investiert wurde, damit die ehrgeizigen Eltern sie mit Stolz präsentieren konnten. Das Problem zwischen der älteren und jüngeren Generation schildert Köckritz anhand ihrer Begegnung mit Zhang Yide in Nanchang, der Provinzhauptstadt von Jiangxi. Yide ist 28 Jahre alt und absolvierte ein Maschinenbaustudium, doch ist er dem Beruf des Ingenieurs nicht nachgegangen. Heute zieht er von Stadt zu Stadt und tritt als Sänger vor sehr kleinen Publika auf, um sein Geld zu verdienen. Nach jedem Auftritt kommt er nach Hause zu seinen Eltern und vermittelt ihnen den Eindruck als hätte er nie gekündigt, da er hat Angst hat, sie zu enttäuschen. Während seine Eltern viel mehr Wert auf Geld legen, strebt Yide eher nach Selbstverwirklichung. Sein Traum ist es einmal vor 50 Personen ein Konzert zu geben. Die Annahme der Chinesen von einer anderen Identität begründet die Autorin mit dem Wirtschaftsboom in China, der neue Chancen für die Menschen mit sich bringt. Auch der 59-jährige Zhao Xiyong – seine richtige Identität ist bis heute nicht bekannt – gibt sich als einen Beamten der Kommunistischen Partei aus, der er in Wirklichkeit gar nicht ist. Drei Jahre lang nimmt er den Ehrenplatz auf Banketten, hält Reden auf vielen wichtigen Veranstaltungen im Land und besichtigt Kindergärten und Tourismusprojekte. Seine Fantasierolle fliegt auf, als der Staatsrat bekannt gibt, dass er keinen Leiter des Forschungsbüros unter dem Namen Zhao Xiyong beschäftigt. Der Grund, dass seine falsche Identität lange Zeit nicht auffällt, liegt daran, dass die Menschen seinen hohen Rang in der Regierung nicht anzweifeln. Köckritz begründet dies mit dem System der Beamtenhörigkeit. Die Chinesen haben Angst sich kritisch über die Handlungen der Regierung zu äußern, da sie überwacht werden und folglich bestraft werden können.

Dass die Regierung auch einen sehr großen Einfluss auf die Identität der Menschen haben kann, schildert Köckritz durch ihr Treffen mit einer Bürgerrechtsanwältin. Ni Yulan ist Anwältin und vertritt die Rechte der Menschen, die aus ihren eigenen Häusern aufgrund von teuren Bauprojekten vertrieben wurden. Ihr Engagement wird ihr schließlich zum Verhängnis, denn sie wird mehrfach inhaftiert und selbst Opfer von Gewalt. Als sie einst den Fall eines Falun-Gong Anhängers übernehmen und seine Rechte verteidigen will, wird ihr sogar die Anwaltslizenz entzogen. Die Polizisten schlagen sie zusammen und Ärzten wird verboten, sie zu behandeln. Aufgrund vernachlässigter Behandlungen und Folgen ihrer Verletzungen sitzt Yulan heute in einem Rollstuhl. Sie wird sogar nach ihrer Freilassung von ihrem eigenen Haus vertrieben und lebt eine Zeit lang mit ihrer Familie auf der Straße, bis sie letztendlich eine kleine Mietwohnung finden. Die Autorin erinnert sich im Fall von Yulan an die Zeit, in der Xi Jinping im Jahre 2013 zum Staatspräsidenten der Volksrepublik China ernannt wurde. Menschen hatten Hoffnung in ihm, dass er politische Reformen in den Gang setzen würde, doch es hat sich nach einer kurzen Zeit herausgestellt, dass sie sich in ihm getäuscht hatten. Xi Jinping geht noch viel radikaler als seine Vorgänger vor, denn wegen ihm müssen unschuldige Anwälte wie Yulan, oder auch Journalisten, Dichter und Regisseure ins Gefängnis. Die Härte des Staatspräsidenten bekommt die Autorin ebenfalls zu spüren als die Polizei im Oktober 2014 ihre Assistentin Zhang Miao während einer Dichterlesung zur Unterstützung von Demonstrationen über die freien Wahlen in Hongkong inhaftieren. Ihr wird vorgeworfen, öffentlichen Ärger zu erregen. Erst neun Monate nach ihrer Verhaftung wird sie entlassen. Köckritz wird klar, dass China eine gefährliche Lage für ausländische Journalisten darstellen kann, und entscheidet sich deshalb nach vier Jahren Aufenthalt das Land zu verlassen und nach Deutschland zurückzukehren.

 
Fazit:
In ihrer Korrespondentenzeit erlebt Angela Köckritz positive als auch negative Erfahrungen, die sie in ihrem Buch detailliert aufs Papier bringt. Sie lernt viele verschiedene Chinesen kennen, die ihre ganz persönlichen und rührenden Geschichten erzählen. Durch die Erzählungen in der Ich-Perspektive der Autorin fühlte ich mich als ein Teil der Geschehnisse und bekam dadurch eine bessere Vorstellung dieser Begebenheiten. Einige Geschichten zauberten mir ein Lächeln ins Gesicht, manche wiederum machten mich traurig. Das Ende des Buches regte mich sogar zum Nachdenken an und mir wurde bewusst, dass man wie im Fall von Miao nicht überall seine Meinung frei äußern sollte. Umso mehr war ich erstaunt darüber, dass das Buch trotz der scharfen Kritik von Köckritz den China Media Award für herausragende und differenzierte China-Berichterstattung bekam, und auf Chinesisch übersetzt wurde. Das heißt, dass das Buch auch trotz Kritik an der Regierung sehr gut in China akzeptiert wurde.
Das Buch hat mir geholfen, viel allgemeines und kulturelles Wissen über das Land anzueignen. Ich kann „Wolkenläufer“ jedem ans Herz legen, der mehr über Chinas Geschichte und Politik erfahren möchte. Zudem kann man sich durch reichlich viele Informationen über die Gewohnheiten und Lebensweisen der Chinesen das Alltagsleben in China besser vorstellen.

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