Buchrezension: Fast & Konfuzius – Mein Versuch, aus China schlau zu werden

 

Fast and Konfuzius – Mein Versuch, aus China schlau zu werden


fast-konfuzius-260295690(1)Bei dem von mir ausgewählten Buch mit dem Titel Fast & Konfuzius handelt es sich um ein Reisetagebuch, welches der Schweizer Autor Michael Reist aus Bern auf seiner 100-tägigen Reise durch China geführt hat. Veröffentlicht wurde das Buch 2019 vom Verlag Conbook Medien GmbH, einem Verlag für Reiseliteratur. Das Buch wurde auf Deutsch geschrieben, umfasst 128 Seiten und kostet 9,95€.

 

 

 

Meine Motivation für die Wahl des Buches

Da wir während unseres Auslandssemesters auch ein Tagebuch führen werden, fand ich es interessant, vorher schon einmal ein Reisetagebuch zu lesen. Gerade, wenn man täglich davon berichtet, was man erlebt, sieht, isst, wen man kennenlernt und welche ersten Eindrücke man hat, steckt oft mehr Detail in den Erzählungen als in denen, die erst rückblickend gemacht werden. Dies gibt einem das Gefühl, nah am Geschehen zu sein. Aus diesem Grund war ich der Meinung, durch dieses Buch China so kennenlernen zu können, wie es durch andere Bücher nicht möglich gewesen wäre. Darüber hinaus möchte ich ebenfalls in China reisen und wollte mehr drüber erfahren, an welchen Orten der Autor war, wie er diese wahrgenommen hat und wie er jeweils dorthin gekommen ist.

 

Über den Autor

Michael Reist wurde 1986 geboren und lebt in Bern, wenn er nicht gerade auf Reisen ist. Er ist Schriftsteller und Texter und engagiert sich darüber hinaus im Bereich erneuerbarer Energien. Er bereiste die Länder vieler Kontinente (u.a. Indien, USA, Russland, Peru, Tansania, Japan), jedoch ist sein Buch Fast & Konfuzius sein erstes Buch, was von einer Reise handelt. Insgesamt hat er drei Bücher geschrieben. Sein Name Michael Reist lässt vermuten, dass es sich um einen Künstlernamen handelt, jedoch scheint es sein echter Name zu sein, durch welchen er wohl für das Reisen bestimmt ist.

 

Aufbau des Buches – Die Reiseroute

Route_neuDer Aufbau des Buches orientiert sich an der Reiseroute, die Michael gewählt hat. Er und sein Bruder, der ihn die ersten 12 Tage seiner 100-tägigen Reise begleitet, beginnen mit dem Abenteuer an der Grenze zu China in der Inneren Mongolei (Erlian). Gemeinsam reisen sie zunächst nach Peking, wo sie eine Woche bleiben, und nach Pingyao. Von dort reist der Bruder wieder ab und Michael reist nach Qikou bevor es ihn zurück nach Peking verschlägt, wo er einen 3-wöchigen Chinesischkurs besucht. Im Anschluss daran nimmt er an einem 1-wöchigen QiGong-Kurs teil, der ebenfalls in Peking stattfindet. Nachdem dieser beendet ist, reist er nach Shanghai, wo ihn Freunde aus der Heimat besuchen, die ihn einen Monat lang durch den Süden Chinas (u.a. Hangzhou, Huangshan, Guilin) und nach Taiwan begleiten. Den letzten Teil seiner Chinareise über Hongkong, Kunming und Dali nach Lijiang bestreitet Michael alleine. Entsprechend seiner Route und seinen Vorhaben sind die Tagebucheinträge in sieben Abschnitte eingeteilt:

  • Reisen: Volksrepublik China, Teil 1
  • Lernen: Chinesische Sprache
  • Lernen: QiGong
  • Reisen: Volksrepublik China, Teil 2
  • Reisen: Republik China (Taiwan)
  • Reisen: Hongkong
  • Reisen: Volksrepublik China, Teil 3

 

Die Geschichte – Erlebnisse auf der Reise

Der erste wirkliche Stopp nach der Ankunft der beiden Brüder in China ist Peking. Hier besichtigen sie zunächst die chinesische Mauer und erfahren in der Woche, die sie in Peking verbringen, dass ihr Aufenthalt in der Metropole von Menschenmassen, fehlender Privatsphäre, Elektromobilität und Preisverhandlungen geprägt ist. Ihr nächstes Ziel, Pingyao, erreichen sie mit einem Schnellzug, was eine völlig neue Erfahrung für die beiden ist, da der Bahnhof einem Flughafen gleicht und die Zugfahrt einem Flug mit dem Flugzeug. Nach den ersten beiden Wochen zusammen mit seinem Bruder, reist Michael nun alleine weiter. In Qikou besichtigt er das Dorf und terrassenförmige Hänge bevor er für einen 3-wöchigen Chinesischkurs zurück nach Peking fährt und auf der Fahrt dorthin massenhaft Wolkenkratzer sieht, die ihn an Geisterquartiere erinnern, da sie größtenteils unbewohnt sind.

Während des Chinesischkurses erkundet er – teils alleine und teils mit anderen Kursteilnehmern – Peking noch genauer. Er erfährt, dass man Leihfahrräder oftmals nicht kostenpflichtig mieten muss, da viele unabgeschlossen abgestellt werden, er probiert sich durch die chinesische Küche und lernt, hartnäckig zu bleiben, um zu bekommen, was er möchte. Die letztere Lektion erfährt er zum ersten Mal, als er an einem Stand einen kleinen Smoothie kaufen möchte, obwohl große in der Speisekarte angepriesen sind. Die Antwort lautet “méi yŏu”, geht nicht, doch nach einigem Hin-und-Her – “yŏu” – “méi yŏu” – “yŏu” – erhält er doch einen kleinen Smoothie. Das zweite Mal passiert dies, als er bei einem Restaurantbesuch gebratene Nudeln bestellt, ihm stattdessen eine Nudelsuppe serviert wird und ihm auf seine Anmerkung hin gesagt wird, dass dies nicht möglich sei – “méi yŏu”. Da andere Gerichte auch gebraten werden, besteht er darauf, gebratene Nudeln zu bekommen und erhält diese auch wenig später. Außerdem ertappt er sich dabei, wie er sich zunehmend den Gepflogenheiten der Chinesen anpasst: Das Vordrängeln, Einmischen, Schmatzen und Spucken, was ihm in den ersten Tagen noch sehr negativ aufgefallen ist, zählt er, als er nach 38 Tagen eine Bilanz zieht, schon zu seinen eigenen Verhaltensweisen.

Neben kurzen Erkundungstouren innerhalb Pekings muss er allerdings abends immer Chinesisch lernen, um nicht den Anschluss zu den anderen Kursteilnehmern zu verlieren. Ihm fällt der Zugang zur Chinesischen Sprache besonders aufgrund der Töne schwer, aber mit Hilfe von absurden Eselsbrücken kann er sich zumindest die Schriftzeichen gut merken: “So schnell, dass ein Helm notwendig ist, rennt er im Hamsterrad (跑步 = joggen, rennen)” (S. 37). Am QiGong-Kurs, den er im Anschluss an den Sprachkurs absolviert, nimmt er nur teil, weil er ihm von Dàndan, einer Freundin aus Pingyao, empfohlen wurde. An diesem Kurs kann er keinen Gefallen finden.

Anschließend verbringt er vier Tage in Shanghai, wo er einen Freund aus der Heimat mit seiner Freundin trifft, die ihn einen Monat lang begleiten werden. Sie lassen sich von den imposanten Gebäuden am Bund in den Bann ziehen bevor es sie für zwei Wochen in die Natur Chinas (besonders in die Gegend Yangshuo) verschlägt. Dort besichtigen sie Berglandschaften und Reisterrassen, von denen sie stark beeindruckt sind. Kurz nach Anbruch der zweiten Halbzeit seiner Reise blickt Michael auf die vergangenen Wochen zurück: “Die Bewohner des Landes überraschen mit Herzlichkeit, Neugierde und Kommunikationsdrang. Genauso überrascht die allumfassende, doch fast unsichtbare Staatspräsenz: konsequente Passkontrollen in Bahnhöfen und Busstationen, unauffindbare Suchmaschinen und Messenger-Server und Myriaden Einäugige, die von Hausecken, Dachrändern und Laternenpfählen spähen.” (S. 57)

Ursprünglich hatte Michael keinen Trip nach Taiwan geplant, aber er beschließt, seine Freunde dorthin zu begleiten und bereut dies nicht, da er Vergleiche zum Festland ziehen kann. Er empfindet, dass Taiwan unter dem Aufstreben des Festlandes leidet, aber mit Höflichkeit und Sauberkeit glänzen kann.

Die letzten 17 Tage seiner Reise verbringt Michael alleine. Über Hongkong, Kunming und Dali gelangt er nach Lijiang, dem Ziel seiner Reise. Michael ist fasziniert vom Fortschrittsdrang in China, weshalb ihm der fehlende Strom und Warmwasser in einer Unterkunft widersprüchlich vorkommt. Er kommentiert dies auf ironische Weise und bekommt Antworten wie “Geh’ doch in ein  Hotel” und “Wir produzieren Warmwasser eben mit Solarenergie” (S. 92). Dann wird ihm offenbart “China hat immer noch viele Probleme. Deshalb ist uns wichtig, dass ihr im Ausland eine gute Meinung von uns habt” (S. 92).

Bei einer Taxifahrt lernt er einen hilfsbereiten Chinesen kennen, der ihm die Fahrt und die Unterkunft zahlt. Im Hostel lernen sie weitere chinesische Touristen und die Gastgeber kennen, welche sich als sehr großzügig erweisen und darauf bestehen, die Rechnung für einen Restaurantbesuch zu übernehmen.

 

Mein Fazit

Mir hat es sehr gefallen, den Autor bei seiner Reise quasi zu begleiten und somit einen Eindruck von verschiedenen Städten und Landschaften in China zu erhalten. Ein wenig enttäuscht hat mich im ersten Moment jedoch, dass er nicht nur gereist ist, sondern insgesamt einen Monat am Chinesisch- und QiGong-Kurs teilgenommen hat. Ich konnte allerdings bei seinen Schwierigkeiten mit der Chinesischen Sprache mit ihm mitfühlen und das, was er aus dem längeren Aufenthalt in Peking mitgenommen hat, hat meine anfängliche Enttäuschung wieder aufgehoben.

Insgesamt fand ich die Tagebucheinträge teilweise – besonders aufgrund von negativ konnotierten Vergleichen und Metaphern – ein wenig zu negativ geschrieben. Dies ist mir vor allem deswegen aufgefallen, weil er bereits viel gereist ist und deswegen nicht so sehr voreingenommen sein müsste. Jedoch haben seine bereits zitierte Zwischenbilanz (s.o.) und sein Schlusswort auch dies wieder aufgehoben:

“Nein, ganz ehrlich, aus China bin ich nicht schlau geworden. […] Die Herzlichkeit und Neugier der Menschen, die ich mit dem Herzen erfahren durfte, wiegt das »Nicht-schlau-geworden-zu-sein« mehr als auf. Ich brauche nicht »schlau aus dem Land« zu werden. China ist und bleibt für mich eine geheimnisvolle Schönheit mit Ecken und Kanten, die mich berührt, mich reizt und die ich mit Sicherheit wiedersehen will.” (S. 123)

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