Buchrezension: ZEHN

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Titel: ZEHN

Autorin: Franka Potente

Erscheinungsjahr: 2010

Verlag: Piper Verlag GmbH, München

Seitenumfang: 165

ISBN: 978-3-492-05423-2

Sprache: Deutsch

Preis: 8,99

 

Meine Motivation
Während meiner Recherche nach einer geeigneten Literatur war ich stets darauf bedacht ein Buch zu wählen, das mich auf meine bevorstehende Reise nach Japan vorbereitet. Es war mir besonders wichtig sowohl ein Zugang zu der kulturellen Wertevorstellung der Japaner zu gewinnen aber zugleich auch einen tieferen Einblick in das alltägliche moderne Japan zu bekommen. Umso erstaunter war ich als ich auf den Namen Franka Potente gestoßen bin; Sie war mir bisher als eine der erfolgreichsten deutschen Schauspielerin bekannt jedoch nicht als Schriftstellerin. Es reizte mich sofort ein Erzählband über Japan von einer deutschen Autorin zu lesen, da ich denke, dass sie als „Nicht- Japanerin“ die kulturellen Unterschiede zwischen der westlichen und japanischen Welt hervorheben kann und somit die fremde Kultur aus einer anderen Perspektive besser vermitteln kann.

Die Autorin
Franka Potente wurde 1974 in Dülmen, bei Münster geboren und ist eine bekannte deutsche Schauspielerin, die durch den Film 1998 „Lola rennt“ internationalen Erfolg feierte. Ihre ersten Erfahrungen mit dem faszinierenden Land machte sie 2005 während der Dreharbeiten für den Dokumentarfilm „Underground Art“, wo sie erstmals zur Weltmetropole Tokio reiste. Begeistert von der fremden Kultur, dem Zusammenspiel zwischen den jahrhundertalten Traditionen und der Moderne und dem damit verbundenen japanischen Esprit, wurde Potente seither eine regelmäßige Besucherin Japans.

In dem literarischen Erzählungsband ZEHN versucht Sie den Blick auf die japanische Kultur und den Menschen, denen sie dort begegnet ist mit Hilfe von zehn kleinen und großen Geschichten, die alle in Japan spielen, zu eröffnen.

Inhalt
Das Buch “ZEHN” ist eine Sammlung von zehn Kurzgeschichten aus dem Herzen der Kultur Japans, dessen Handlungen Einblicke in die Geschehnisse des alltäglichen und privaten Lebens der vielfältigen und außergewöhnlichen Protagonisten verschiedenster Generationen gewähren. Sie handeln von Menschen, die sich in ganz unterschiedlichen Abschnitten ihres Lebens befinden und mit verschiedenen Herausforderungen konfrontiert sind. Dabei erzählt Franka Potente sowohl von Schicksalsschläge aber auch von alltäglichen Begebenheiten, die dem Leser mit Hilfe von humorvollen, leidenschaftlichen aber auch melancholischen Familien- und Liebesgeschichten eine sensible Einsichtnahme in das alltägliche Japan, die japanische Kultur und dessen Riten und Traditionen ermöglichen.

Aufgrund der außerordentlichen Vielfalt der im Buch erzählten Kurzgeschichten, wird im Folgenden auf einzelne Erzählungen kurz eingegangen:

So erzählt die erste Geschichte „Götterwinde“ über die zurückhaltende Einstellung der Japaner und die damit verbundene Rolle der Fächer. Die alleinstehende Frau Michi, eine begabte Zeichnerin, führt ein sehr eintöniges und einsames Leben und betreibt einen kleinen Laden, worin sie seltene und handgefertigte Fächer verkauft. Das Geschäft läuft sehr schlecht und so spielt sie mit dem Gedanken den schon über Generationen geführten Laden zu schließen, bis eines Tages der „Gaijin“ (dt. Außenmensch), Herr Schreiber, auftaucht. Zwei Menschen die auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher sein könnten, werden durch einen aufkommenden Taifun zusammengeführt und merken, dass sie gar nicht so verschieden sind und viele Gemeinsamkeiten teilen. Diese Begegnung soll das Leben von Frau Michi komplett verändern und ihr neuen Lebensmut schenken.

Die besondere Rolle des Aberglaubens in Japan und die starke Kraft eines einzelnen Reiskorns wird in der humorvollen Kurzgeschichte „Viele Götter“ thematisiert. Der junge Jura- Absolvent befindet sich auf dem Weg zu seinem Bewerbungsgespräch, als ihm einfällt, dass er das letzte Reiskorn seiner Mahlzeit vergessen hat zu essen. Die Angst und Panik überkommt ihn, da er nun befürchtet, dass die vielen Götter, die in diesem einzelnen Reiskorn leben, ihm an seinem wichtigen Tag nicht zur Seite stehen werden.

Die Erzählung „Kyoiku- Mama“ wiederum gewährt einen Einblick in die gesellschaftlichen Schattenseiten Japans. In dieser Geschichte erzählt die Autorin von dem enormen Leistungsdruck innerhalb der japanischen Gesellschaft von dem nicht einmal ein ungeborenes Kind ausgenommen werden kann. Die werdende Mutter Mariko, ihr Ehemann Keiko und die ganze Familie verspüren großes Glück über ihre Schwangerschaft. Dennoch drängt der starke Leistungsdruck das junge Ehepaar dazu, einen Bildungsplan zur Förderung der Intelligenz und der Entfaltung der mentalen und kognitiven Fähigkeiten zu erstellen. Sie erhoffen sich mit Hilfe von wichtiger Musik, Literatur und Kunst, geschichtlicher Dokumentationen, Sprachen und vieler weiterer Programmpunkte, das Kind vorgebildet zu gebären und ihm somit einen erfolgreichen Start in das Leben zu ermöglichen.

Die Kurzgeschichte „Welcome Home, Master!“ nimmt den Leser auf eine Reise in die unbekannte und fremde erotische Welt Japans mit. Sie handelt von einer jungen Frau namens Miyu, die ihren eintönigen und langweiligen Bürojob vor zwei Jahren hingeschmissen und sich dazu entschieden hat ihren Lebensunterhalt mit zwei aufregenderen und abwechslungsreichen Jobs zu finanzieren. Tagsüber arbeitet sie als Kellnerin in dem Maid Café „Kitty Kat“ und abends verwandelt sie sich zur Tänzerin in dem Stripclub „Blondy“ in einem der vielen abgelegenen Vergnügungsviertel Tokios, wo sie eines Abends den netten und attraktiven Polizisten Seiji kennenlernt und sich in ihn verliebt.

Eine weitere Erzählung, die den Unterschied zwischen der westlichen und japanischen Kultur deutlich macht ist die Geschichte „das schwedische Haar“. Sie handelt von einem aufregenden Liebesabenteuer zwischen dem Japaner Ikuko und der schwedischen Studentin Ingeborga, worin Franka Potente ein anderes Verständnis von japansicher Nähe und Intimität vermittelt. Die gemeinsame Zeit zwischen beiden bringt neuen und aufregenden Wind in das Leben von Ikuko, doch verleitet die unterschiedliche Kultur beider, und die japanische Mentalität Ikuko den Kontakt zu ihr abzubrechen.

Fazit
Franka Potente hat auf sehr eindrucksvolle, humorvolle aber vor allem schlichte und detaillierte Weise mit einfühlsamen Erzählungen mich in die Ängste, Sehnsüchte und Empfindungen der Protagonisten im sowohl traditionellen als auch im modernen Japan teilhaben lassen. Was mich besonders beeindruckt hat ist, dass Franka Potente in jeder Kurzgeschichte einen zusätzlichen kulturellen Aspekt aufführt und somit dem vor allem westlichen Publikum die fremde und unbekannte Kultur Japans ein Stück näherbringt.

Das Buch überzeugt durch die ruhigen und leise erzählten Geschichten, welche in einem einfachen Schreibstil das Lesen angenehm und einfach erscheinen lassen. Die detailgetreuen Sätze ermöglichten es, sich in die Geschichten und in die Umgebung der Protagonisten schnell einzufinden, was auch gleichzeitig der einzige Kritikpunkt ist. An manchen Stellen ist es zu detailliert beschrieben, was das Lesen einiger Erzählungen langatmig erscheinen lässt. Nichtsdestotrotz, hat das Buch meine anfänglichen Erwartungen zu meiner vollsten Zufriedenheit erfüllt und mich beim Lesen gleichzeitig auf mein bevorstehendes Auslandssemester gut vorbereitet. Franka Potente hat es meiner Meinung nach erfolgreich geschafft, ein informatives und eindringliches Bild dieser fremden und äußerst faszinierenden Kultur zu vermitteln. Ich kann das Erzählungsband “ZEHN” jedem ans Herzen legen, der auf prägnante und einfach Weise Zugang zu der japanischen Kultur und Mentalität bekommen möchte.

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Buchrezension: Meine Flucht aus Nordkorea

Buchdetails

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Buchcover

Titel: Meine Flucht aus Nordkorea

Originaltitel: In Order to Live

Autor: Yeonmi Park

Erscheinungsjahr: 2016 (3. Auflage)

Verlag: Goldmann Verlag

Umfang: 320 Seiten

ISBN: 978-3442159130

Preis: 9.99€

 


 

Die Autorin

Yeonmi Park wurde 1993 in Hyesan, Nordkorea, geboren und entstammt einer gebildeten und politisch angesehenen Familie. Aufgrund der großen Wirtschaftskrise und damit einhergehenden Hungersnot in den 1990er Jahren wendeten sich ihre Eltern dem Schwarzmarkthandel zu, um das Überleben der eigenen Familie sicherstellen zu können. Gegen Ende des Jahres 2002 wurde der Vater wegen Schmuggels in ein Arbeitslager eingewiesen, wodurch sich die Lage und insbesondere der Ruf der Familie drastisch verschlechtert hatten. In dieser ausweglosen Situation beschloss die Familie, die Flucht aus Nordkorea zu wagen. Im Jahre 2007 gelang die Flucht nach China, dort angekommen fiel sie jedoch in die Hände von Menschenhändlern. Nach einer zwei Jahre langen Odyssee schaffte sie mit ihrer Mutter die Flucht durch die Wüste Gobi in die Mongolei, von dort aus sie nach Südkorea und in die Freiheit überwiesen wurde.

Derzeit lebt Yeonmi Park in New York, wo sie ein Studium absolviert und bei der UNO als Menschenrechtsaktivistin tätig ist. Große Bekanntheit erlangte sie noch vor Veröffentlichung ihres Buches mit Aufsehen erregenden Reden über ihre Lebensgeschichte, beispielsweise beim „One Young World Summit“ in Dublin, dem „Oslo Freedom Forum“ oder „TEDx“ in Bath.

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Die Schwester Eunmi, die Mutter und Yeonmi (v.l.n.r.) wiedervereint in Seoul

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Yeonmi auf der One Young World Summit (Dublin)

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Inhalt und Gliederung

Das Memoire von Yeonmi Park ist in drei große Hauptabschnitte unterteilt, welche die verschiedenen Phasen ihrer Flucht repräsentieren – Nordkorea, China und Südkorea. Des Weiteren befindet sich zu Beginn des Buches neben einem Vorwort, in dem sie ihre Gründe für das Niederschreiben ihrer Lebensgeschichte offenlegt, eine Weltkarte des Großraums Ostasien, mithilfe deren man die verschiedenen Stationen ihrer Flucht nachverfolgen kann. In der Mitte des Buches findet man mehrere Seiten von Originalfotografien der Familie auf speziellem Fotopapier, die jeweils mit einer kurzen Bildunterschrift näher erläutert werden.

Ihre Familie lebte nach Yeonmis Geburt in Hyesan im nördlichen Teil Nordkoreas unter sehr einfachen, für Nicht-Koreaner gar als ärmlich zu bezeichnenden Verhältnissen. Ihr Vater entstammte einer Familie von Militärs mit guten politischen Verbindungen. Da seine Familie jedoch in Verruf geriet, sah er sich gezwungen, im Schwarzmarktgeschäft tätig zu werden. Auf einer Geschäftsreise lernte er Yeonmis Mutter kennen. Auch ihre Familie war in Ungnade gefallen und gehörte einem niederen songbun an. Da eine Heirat meist nur mit einer anderen Person gleichen sozialen Ranges vollzogen werden konnte, arrangierten die Großeltern die Hochzeit der beiden. Nach der Heirat führten sie ein gutes Leben in Hyesan und brachten zwei Mädchen zur Welt, Eunmi und Yeonmi. Als jedoch Mitte der 1990er Jahre eine schwere Hungerkrise das Land überfiel, mussten die Eltern ihre Tätigkeiten auf dem Schwarzmarkt intensivieren und größere Risiken eingehen. Im Jahr 2002 wurde der Vater in Pjöngjang verhaftet und in ein Arbeitslager überwiesen. Als dieser nach Jahren überraschenderweise zurückkehrte, wurde der tägliche Kampf ums Überleben immer schwerer. Geprägt vom niedersten sozialen Rang und dem miserablen gesundheitlichen Zustand des Vaters war das Leben der Familie von ständigem Hunger und Todesangst geprägt. Der Wunsch einer Flucht aus Nordkorea wurde immer präsenter und so geschah es, dass mithilfe eines Schleusers zuerst Eunmi, ihr folgend Yeonmi und ihre Mutter die Flucht ergriffen. Der schwer kranke Vater blieb zurück.

In China angekommen fielen Yeonmi und ihre Mutter in die Hände eines Netzwerks aus Menschenhändlern und wurden in der Hierarchie aufsteigend weiterverkauft. Ein Glied dieser Kette, Hongwei, handelte mit Yeonmi aus, dass sie seine Geliebte wurde und ihn bei seiner Arbeit unterstütze, im Gegenzug dafür kaufte er ihre Mutter frei und überführte den Vater nach China. Dieser wurde bei einer Untersuchung in einem chinesischen Krankenhaus mit Krebs diagnostiziert und erlag kurze Zeit später seiner Krankheit. Als im Rahmen der olympischen Spiele 2008 in Beijing die chinesische Regierung vehementer gegen Menschenhändler vorging, wurde Hongweis Arbeit immer schwerer und riskanter. Als darüber hinaus Yeonmi nur knapp einer Entführung entkam, realisierte er, dass er nicht mehr für sie und ihre Familie sorgen konnte und gab sie frei. Per Zufall erfuhren Yeonmi und ihre Mutter von einer Möglichkeit, mithilfe christlicher Missionare die Flucht aus China in die Mongolei anzugehen, von wo aus nordkoreanische Flüchtlinge zumeist nach Südkorea überwiesen wurden. In der Obhut eines südkoreanischen Pastors erfuhren die beiden eine christliche Bekehrung als Vorbereitung auf die Flucht. Über Beijing führte man sie in eine abgelegene Stadt auf der chinesischen Seite der Wüste Gobi. Von dort aus mussten sie nachts zu Fuß weiter zur Grenze. Vorbei an Wachtposten und meterhohen Stacheldrahtzäunen schafften sie den gefährlichen Übergang in die Mongolei.

Nach einiger Zeit in einer Basis des mongolischen Militärs wurden Yeonmi und ihre Mutter nach Ulan Bator gebracht, um von dort aus nach Incheon zu fliegen. Der südkoreanische Geheimdienst nahm beide in Gewahrsam und brachte sie in ein Eingliederungszentrum südlich von Seoul, das sie auf ihr neues Leben in Freiheit vorbereiten sollte. Dabei mussten sie viele fundamentale Überzeugungen der nordkoreanischen Propaganda ablegen und grundlegende Fähigkeiten wie kritisches Denken, eigenständiges Handeln sowie zwischenmenschliche Emotionen neu erlernen. Nach der Zeit im Eingliederungszentrum wurde ihnen eine Wohnung in Asan zugewiesen, das südlich von Seoul liegt. Von auf ihrem Vater gründender Motivation getrieben betrieb Yeonmi größten Aufwand, um einen High-School Abschluss zu erwerben. Sie begann ein Studium des Polizeimanagements an der Dongguk Universität in Seoul und trat nebenbei in öffentlichen TV-Shows auf, um über die neu gewonnene Reichweite die Suche nach ihrer Schwester voranzutreiben.

Als sie im Auftrag eines freiwilligen christlichen Missionarsdienstes in Amerika unterwegs war, erhielt sie einen Anruf der Mutter, dass ihre Schwester Eunmi in Auffangzentrum in Südkorea aufgenommen wurde und die Familie somit wieder in Freiheit vereint war. Zum Ende des Buches hin beschreibt Yeonmi ihre Aktivitäten als Menschenrechtsaktivistin sowie diverse Auftritte und Reden, um dem nordkoreanischen Volke eine Stimme zu geben.

 


 

Fazit 

Yeonmi Parks Memoire „Meine Flucht aus Nordkorea“ gewährt einen sehr interessanten und für mich komplett neuartigen Blick auf das geheimste und undurchsichtigste Land der Welt. Zu oft wurde versucht, von außen auf das Innere Nordkoreas zu blicken, hier hingegen wird dem Leser ein Blick aus Inneren selbst gewährt. Durch die Erzählungen aus Yeonmis eigener Perspektive entsteht unmittelbare Nähe, die das Durchleben der vielen verschiedenen Emotionen ihrer ganz eigenen Lebensgeschichte sehr authentisch wirken lässt. Gleichermaßen dazu beitragend ist ihr noch junges Alter, das einen Vergleich zur eigenen Person ermöglicht.

Das Buch hat eine klare, dreiteilige Struktur und eine sinnige chronologische Erzählweise. Dabei erfährt der Leser nicht nur Yeonmis Lebensgeschichte, sondern findet sich mit viel weitreichenderen Themengebieten konfrontiert. Man erhält tiefe Einblicke in soziokulturelle Aspekte des Lebens und dem Wirken des Regimes in Nordkorea, aber auch in die Problematik des leider auch noch heute relevanten Themas des Menschenhandels und damit verbunden grundlegenden ethisch-moralischen Fragestellungen.

Ebenfalls positiv hervorheben möchte ich die am Anfang des Buches eingefügte Landkarte sowie die zahlreichen Originalfotografien auf speziellem Fotopapier in der Buchmitte. Beides ist durchaus hilfreich und wirksam darin, die Geschichte vollumfänglich und realistischer nachvollziehen zu können.

Mir persönlich hat das Buch sehr gut gefallen, was sich insbesondere in der Tatsache widerspiegelt, dass ich es für in meinen Verhältnissen doch sehr kurzer Zeit gelesen und dabei tatsächliches Interesse an der Geschichte und weitreichenderen Thematik entwickelt habe. Für diejenigen, die es interessiert, werde ich zu Beginn der Rezension bereits erwähnte Rede von Yeonmi Park bei TedX in Bath verlinken, welche einen ersten Einblick in die Geschichte des Buches gewährt.

North Korean Defector | Yeonmi Park | TEDxYouth@Bath

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Book review: The Girl with Seven Names- Escape from North Korea by Hyeonseo Lee

Book Review: Hyeonseo Lee- The Girl with the Seven Names- Escape from North Korea
The autobiographic book “The Girl with Seven Names- Escape from North Korea” by Hyeonseo Lee describes the life of the author in North Korea, her escape from North Korea and the escape of her family. The book was first published in Great Britain in 2015 by William Collins Publishing. It is available in paperback for 8,99 € (Paperback ISBN: 978-0-00-755485-0). This autobiography has a total of 304 pages and is divided into three parts.

9780007554850

After her own escape from North Korea in 1997 and asylum in South Korea in 2008 she began attending meetings of the organization People for Succesful Corean Reunification (PSCORE). She started speaking about the human rights abuses in North Korea in a South Korean TV show called Now on my Way to Meet You and was chosen to speak at the TED Conference in February 2013. In 2014 the author was invited to speak in front of the United Nations Commission of Enquiry on Human Rights in North Korea. Afterwards even the North Korean government saw her as a threat.

Motivation
I wanted to read a book about the escape from North Korea as the divided country resembles so much of the German divided history. Also, I wanted to get a feeling what it was like to grow up in such s strict communist country with a dictatorship, as our generation often takes the freedom we have as granted. Moreover, I watched Hyeonseo Lee´s inspirational TED talk which made me want to read her story.
Also, this book is about a refugee which is still a big political issue in Europe because of war and also in other parts of the world, as also people in Venezuela are escaping from their country due to its communists roots and misplanning in a countrywide famine.

Part 1- The Greatest Nation on Earth
In this part the author recounts her childhood and her family´s history in Hyesan, North Korea. She describes her early memories and her family’s life. Her mother came from an influential family with good songbun which can be described as the Korean version of a caste system. A whole family is classified rather than just one person, depending on what the family was doing just before, during and after the founding of the North Korean State in 1948. If one family member is disgraced In North Korea a familiy´s songbun can fall fast if one family member is disgraced in any way but it is rather impossible to improve the songbun therefore people try to marry people with equally good songbun. Her mother met her father on a train ride. He was a in the military. They fell in love and were to marry, until her mother´s mother found a “better” man with higher songbun. Without the blessing of the family, her mother could not marry her father. Therefore, she went on to marry the man her mother had chosen for her. Hyeonseo was born in January 1980 with the name Kim Ji-Hae. Soon afterwards her mother divorced her biological father and went on to marry the man she truly loved. Hyeonseo was only to learn about her biological parents when her grandmother told her. Her name was changed to her second name, Min-young, as part of her parents’ marriage, to erase all traces to her biological father.

The first few years of her life she spends with her family in Hyesan in the Ryanggang Province in the north of North Korea. Hyesan is located at the Yalu River that builds a natural border to China. This also leds people trade illegally with China. Mount Paektu is also in the province, which is the highest peak in North Korea and a sacred revolutionary sight, as it is a legend in North Korea that the Dear Leader Kim Jong-il was born there in a small hut.

The authors childhood took place before the great famine in the 1990s North Korea. She grew up believing North Korea to be the greatest country of all. The propaganda taught the North Koreans to believe that people in other countries were suffering and only the Great Father was providing for his nation. The children were drilled in kindergarten and school what it means to be good communists. Due to her families good songbun and her mother’s smuggling business her family had good financial funds and was able to provide luxury goods for the author and her little brother Min-ho. The family was affluent enough to make small mistakes go away with a little bribe here and there. When she was seven years old she witnessed a hanging as punishment for a minor crime.
Due to her father’s career in the military the family moved quite a lot before settling back in Hyesan and the author saw more of the country than most North Koreans, as travelling was only possible with special permissions.
Shortly before her 18th birthday she was rebelling and planned to visit China for a couple of days.

Part 2- The Hear of the Dragon
In this part, the author describes the life in China, after her flight to China. Originally, she had planned to stay for a couple of days to see something new, but she soon learns that she can´t come back. In the following years she first lives with her aunt and uncle in Shenyang for a couple of years. The modern city fascinates the author even though the adjustment is difficult, and she has to hide as the Chinese police sends North Korean defectors back to North Korea. Here she gets her third name Mi-ran a name to sound more “Chinese-Korean”. The next years she spends in Shenyang under different names and finally goes to Shanghai. There she gets a got position and finally makes the plan to escape to South Korea to get asylum.

Part 3- Journey into Darkness
The author chose a relatively easy way into Seoul as she had a Chinese passport. Her only trouble was, that the people at the immigration offices in South Korea do not believe that she is North Korean at first. She must undergo a lengthy process to prove that she is indeed North Korean. She acquires the needed South Korean passport and gives herself her seventh and last name Hyeon-seo Lee. At 28 years old she is finally free to do as she wants but in South Korea education makes up all chances and she struggling to see what she wants from life and what steps she wants to go next.
Her biggest wish is to bring her mother and brother from North Korea to South Korea. After some convincing her family finally agrees, and the planning begins. She helps them as much as she can, but in the end, she learns that sometimes you need the unconditional help from strangers. This experience changes her view on the world. The process of her family’s asylum takes much longer than expected but in August 2010 they are reunited at last.

Conclusion
At the beginning of the book it was hard to follow the author´s description of her family and the early stages of her life as she often switches between timelines. Nevertheless, I find her perception and her rebellious way to see the dictatorship of North Korea insightful and inspiring. She describes her experiences and feelings while growing up in North Korea with such honesty and boldness that gives the reader a true understanding and relation of what she was feeling in those moments.
The three parts of the book represent different stages of her life and with every life changing decision the parts change. This makes it clear for the reader how impactful a certain moment was to her. Her escape story might not have been planned but it is still remarkable how she managed this as good as she did. Especially the story of her family´s escape shows the reader how much the North Korean people are still disrespected as refugees in Asia.
The title is representative of different parts of her life, where she had to change her name so often in order to hide and doubting who she is and where she belongs to. Overall this is an inspiring book that is worth reading.

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Book Review: Age of Ambition

General Information
Title: Age of Ambition: Chasing Fortune, Truth, and Faith in the New China
Author: Evan Osnos
Publisher: Macmillan USA
Year of publication: 2014
ISBN: 978-0374535278
Pages: 403
Price: 10.99 €

Age of Ambition book cover


Author

Evan Osnos is an American journalist who graduated magna cum laude from Harvard with a B.A. focusing in Government. After working for several years in the Middle East, he lived in Beijing from 2005 till 2013, spending time writing for the Chicago Tribune and The New Yorker. Initial ideas for Osnos’ book came from excerpts of his work as the New Yorker’s China correspondent. After returning to Washington D.C. he published the book Age of Ambition: Chasing Fortune, Truth, and Faith in the New China. For which, he won the National Book Award in 2014 in Non-fiction and was a finalist for the Pulitzer prize in 2015.


Motivation
My motivation to read this book was twofold. Firstly, the book has been widely acclaimed and has been heralded as an insightful account of China in the twenty-first century. Having lived there for 8 years, and despite being a foreigner, the author observed and experienced life in China and gained some insight into a Nation which prefers to promote a government-approved image. Secondly, the book portrays China from the perspective of a westerner, possibly making it easier for western readers to relate to. Despite being subjective, the author may be more aware of the distinctions within Chinese life and society, highlighting these more clearly for the reader.


Content
1.Fortune
The story of the celebrated officer in the Taiwanese army Capt. Lin Zhengyi, who defects to mainland China introduces this section. The change from communism to China’s current form of socialist market economy, initiated under Deng Xiaoping, greatly impacted the Chinese people. The majority of the population, having previously lived and worked in collective farms, were suddenly permitted to establish their own private businesses. Having been in Beijing in 1996 and 1998, Osnos describes the changes he observes throughout the city once he returns in 2005 and outlines the speed of economic development the country has recently undergone. During which the per capita income increased from three thousand dollars a year in 1998 to over seven thousand in 2008.

Along with greater economic freedom came the possibility, for people to choose their careers and marriage partners. This change is exemplified through the story of Gong Haiyan, the daughter of two well-off peasants who drops out of school to work on an assembly line. Eventually, she finishes school and studies. After the social pressures to find a husband lead her to be duped by an online dating site, she founded her own, which becomes the most popular matchmaking site in China – Jiayuan. It became particularly important for men to have a house, car and the means to live well. Those who didn’t became known as the “triple without” and had little chance of finding a partner. With this privatization also came the creation of classes. The first to become rich were the xianfu qunti – the “Got Rich First Crowd”, the middle class became known as the “New Middle-Income Stratum” and some were left behind, causing the gap between the rich and poor to grow exponentially.

Others, like Siu Yun Ping, found their fortune through luck in gambling in Macau. Osnos provides a brief exposé on the wealth, corruption and money laundering taking place in Macau through telling the story of the gambling barber who won millions playing baccarat and, who by sheer luck, escapes being a murder victim of the triad. He then hides in the countryside, investing his money into real-estate. As the wealth of the Chinese increased, so did the demand for art, culture, and knowledge which is why we are introduced to Ai Weiwei, a prominent Chinese artist and Michael, a fervent English learner. Finally, the Chinese ambivalent view of the West is briefly portrayed when Osnos takes a bus tour in Europe with a group of Chinese tourists, observing their reactions and comments.

2.Truth
Despite increased economic freedom, political control and censorship remain rife. The Central Propaganda Department, whose headquarters do not officially exist, particularly focuses on controlling the information and opinions released by the press. Even Osnos himself receives and documents the Directives he receives from the Ministry of Truth. Unlike most, the outspoken and influential magazine Caijing is a pioneer in the search for transparency and truth. Under the guidance of its editor-in-chief, Hu Shuli, it continually tests the boundaries of the Central Propaganda Department. Others remain patriotic, like the student Tang Jie. In light of the protests before the 2008 Summer Olympics in Beijing, he releases a video in support of the government which goes viral. Another strong proponent is Capt. Lin Zhengyi. He changes his name to Lin Yifu, and after studying economics at Peking University becomes one of the prominent and respected economists in China, even spending time working for the World Bank.

The internet remains problematic for the Party, becoming harder and hard to control. It provides a platform for many to voice their discontent. Osnos presents us with the example of Han Han, a high-school dropout, race car driver and best-selling author, writes a blog criticizing problems in China. He is a frequent critic of a broad range of topics which afflict the average citizen. The internet also gave a new voice to Chinese dissidents such as Liu Xiaobo and the famous artist Ai Weiwei, allowing them to share their work. Liu Xiaobo is the first Chinese to receive the Nobel Peace Prize for his peaceful struggle for fundamental human rights. However, the Party’s ruthless censoring meant that Liu Xiaobo’s Award Ceremony was never seen or heard by the Chinese people. Another dissident, Chen Guangcheng, a blind peasant lawyer speaking up about the abuses of the one-child system, is put in prison and, upon release, isolated from the rest of the world. Regardless, People with Grievances – those appealing to court rulings or protesting injustices – were now able to share their problems online. To combat this the Party employed “ushers of public opinion” to help direct and control public online debate. Nevertheless, the Party suppressed opponents, stopped protests and imprisoned dissidents, including Ai Weiwei and Liu Xiaobo.

With the increased affluence and continued lack of transparency, corruption also thrives. The bribing culture, as Osnos discovers, was a daily and necessary ritual. So much so, that, public servants on a salary of twenty – thirty thousand dollars became regular customers at luxury brands. However, when a scandal too big to suppress occurs, such as the collision of two high-speed trains in Wenzhou in 2011, killing 40, due to substandard equipment, or the murder of a British businessman by the family of a high-profile politician, the pressure to act was too big. As a result, a few are punished and imprisoned, but the same practices remain. Michael, who undergoes several failed English ventures, and others still waiting for success, grow increasingly pessimistic. Yet despite the oppression of the government, the search for the truth perseveres.

3. Faith
During Mao’s Cultural Revolution old customs, culture, habits, and ideas were discarded, leaving a “spiritual void” – jingshen kongxu. This allowed for the pursuit of money and success with greater abandon but also created a need for something meaningful. Consequently, the rise and practice of many religions took place, often simultaneously: Daoism, Buddhism, Christianity and the worshiping of indigenous deities. Furthermore, over 400 Confucius Institutes were opened across the globe. The need for moral and ethical guidance became especially clear when a little girl, called Yue Yue, was run over by a van in the city of Foshan in 2011. Seventeen people passed, ignoring the bleeding girl lying in the street. As a result, the “humaneness” of the Chinese was questioned.

Nevertheless, despite the increase in religion, the Party continued to practice censorship, including in the cultural sphere, leaving little room for expression. Ai Weiwei continues provoking the government and becomes a symbolic dissident. As a result, he is imprisoned for two months under the pretences of tax evasion. The remaining characters of the book also struggle. The blogger Han Han is accused of being a fraud and Michael continues in his conviction that English is his path to success. Hu Shuli failed to impress with her new media venture and the student Tang Jie as well as Lin Yifu, who remain ardent Party supporters, are criticized for being too nationalistic and idealistic. Nevertheless, the blind and imprisoned Chen Guangcheng manages to escape, seeking asylum in the U.S. embassy. He is sent to New York University as a visiting fellow, yet his conservative views alienate him in his new home.


Conclusion

Age of Ambition is a well-written account of the author’s experiences, encounters, and observations. Osnos’ style and language make it easy to immerse oneself in the book and his occasional ironic remarks are entertaining. His eight years of experience in the nation allow him to paint an intriguing, albeit sometimes worrying, picture of modern-day China.
Within the broad thematic structure of the book, Osnos interweaves his characters stories with sufficient information to provide an informative account of the changes taking place. However, the author solely focuses on individuals who stand out in their field or are striving to make a name for themselves and does not concretely define the ‘age of ambition’. Nevertheless, the struggles between the individual and his ambition, and the state are described in a detailed and instantly recognizable way. In short, in order to gain a general impression of the nation, I can only recommend Osnos’ narrative of the twenty-first century China he encountered.

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Buchrezension “Please Look After Mom” von Kyung-Sook Shin

Buchdetails

Titel: Please look after Mom / Als Mutter verschwand / 엄마를 부탁해pleaselookaftermom

Autorin: Kyung-Sook Shin

Übersetzung: Chi-Young Kim (2011)

Erschienen: 2009 (Original)

Seiten: 272 Seiten

Verlag: Vintage; Auflage: Reprint (2012)

ISBN: 978-030794897

Motivation

Auf der Suche nach einem Buch für das Literaturforum bin ich auf viele spannende Romane gestoßen.  Letzten Endes habe ich mich für dieses Buch entschieden, da mir die Kurzbeschreibung des Romans sehr gut gefallen hat und ich in die Welt einer typisch koreanischen Familie eintauchen wollte. Hierbei war mir wichtig, dass die Geschichte authentisch ist und von einer koreanischen Autorin verfasst werden soll. Des Weiteren habe ich vielversprechende Rezensionen über dieses Buch gelesen und somit war mir klar, dass ich einen Roman lesen wollte, der bewegend ist und mich emotional berührt.
Kritiker versprachen, dass dieser internationale Bestseller die Liebe und die Denkweise über die eigene Mutter drastisch ändern wird und ich wollte dieser Behauptung auf den Grund gehen. 

Autorin

Kyung-Sook Shin, geboren im Jahre 1963 in der Provinz Nord-Cholla, ist eine bekannte Schriftstellerin in Südkorea. In ihrer Kindheit und Jugend wuchs sie auf dem Land auf und absolvierte einen Abschluss auf der Mittelschule. Kyung-Sooks Familie konnte ihre schulische Weiterbildung nicht finanzieren, weswegen sie mit ihrem Cousin nach Seoul zog, um in einer Elektronikfabrik zu arbeiten. Dabei wurde sie als begabte Schülerin ausgesucht und hatte das Privileg, ihre schulische Laufbahn zu erweitern. Tagsüber arbeitete sie in der Fabrik und abends ging sie zur Schule. Währenddessen schrieb sie an ihren Geschichten. Dabei ist ihr klar geworden, dass sie die schriftstellerische Laufbahn einschlagen möchte und hat 1982 ihr Studium im Fach Kreatives Schreiben an der Kunstakademie in Seoul angefangen. 

Heute genießt sie als Schriftstellerin ein Millionenpublikum. „Please Look after Mom“ ist Kyung-Sooks erstes Buch, was auf Englisch und in weiteren 18 Sprachen übersetzt wurde und hat somit ihren internationalen Durchbruch erlangt. 

Für ihre Erzählbände und Romane hat sie bereits unzählige Literaturpreise erhalten und gewann 2011 mit ihrem Roman „Please Look after Mom“ auch als erste Frau den ‚Man Asian Literary Prize‘.

Handlung

Die Geschichte spielt sich in Südkorea ab. Hauptsächlich geht es um eine Frau namens Park So-nyo, die in der Metropole Seoul in der U-Bahn-Station verloren geht, woraufhin ihre Familie sich monatelang auf der Suche nach ihr machen. 

Das Buch lässt sich in vier Teile untergliedern:

1)Nobody Knows 2) I’m Sorry, Hyong-Chol 3) I’m Home 4) Another Woman 

Das Besondere hierbei ist, dass jedes Kapitel aus einer anderen Perspektive erzählt wird.

1)Nobody Knows

Das erste Kapitel wird aus der Sicht ihrer ersten Tochter Chi-Hon beschrieben. Diese ist eine international bekannte Schriftstellerin und ist daher viel unterwegs. Sie begibt sich am aktivsten auf die Suche nach ihrer Mutter, indem sie viele Plätze in Seoul absucht und Flyer verteilt. Hierbei tauchen einige Erinnerungen von ihrer Mutter auf: jahrelang hat sich ihre Mutter fürsorglich um die ganze Familie gekümmert, hat auf dem Feld gearbeitet und dafür gesorgt, dass die Kinder nie hungern mussten. Sie bemerkt nun, dass ihre Mutter immer nur das Beste für die Kinder wollte. Des Weiteren erinnert sie sich daran, dass ihre Mutter sie stets darum gebeten hat, Briefe vorzulesen und welche zu verfassen und realisierte ziemlich spät, dass ihre Mutter Analphabetin war. Früher hatte sie oft Kontakt zu ihrer Mutter gehabt, jedoch nahm dieser stetig ab, als sie anfing, viel beruflich unterwegs zu sein. Zudem macht sich Chi-Hon Vorwürfe, sich mit ihrer Mutter bei dem letzten Gespräch, bevor sie verschwand, gestritten zu haben. 

2)I’m Sorry, Hyong-Chol

Das zweite Kapitel wird aus der Sicht ihres ältesten Sohnes Hyong-Chol geschildert. Er war der Lieblingssohn von der verschwundenen Mutter. Hyong-Chol hat bereits eine eigene Familie, arbeitet nun in einer angesehenen Firma als Angestellter. Auch er sucht nach seiner Mutter in Seoul mit seiner Schwester Chi-Hon, doch vergebens. Während seiner verzweifelten Suche nach seiner Mutter schwelgt er in Nostalgie: Hyong-Chol wollte früher Staatsanwalt werden. Seine Mutter wollte, dass er seinen Traum verwirklicht und hat ihn dabei unterstützt, während seine Geschwister gezwungen wurden, ihr bei der Feldarbeit zu helfen. Letzten Endes ist er ‘nur’ ein Angestellter geworden und hat somit seine Mutter enttäuscht. Hyong-Chol hat sie als eine aufopfernde Person in Erinnerung: eine Mutter, die nachts nach Seoul zu ihrem Sohn fahren würde, um ihm wichtige Dokumente zu geben; eine Mutter, die darauf achtet, dass ihre Kinder stets etwas zu Essen im Magen haben, sie dabei aber selbst nichts Gescheites isst.

3)I’m Home 

Das dritte Kapitel wird aus der Sicht ihres Mannes beschrieben. Im Roman wird er als selbstsüchtig und unverantwortlich dargestellt. Nachdem er seine Frau in der überfüllten U-Bahn-Station verloren hat, fährt er auf das Land zurück und wartet zuhause auf seine Frau. Er macht sich Vorwürfe, dass er zu schnell in den Zug eingestiegen ist, ohne nach ihr umgesehen zu haben. Zudem plagt ihn nun sein schlechtes Gewissen, dass er es damals nicht wahrnehmen wollte, wie der Zustand seiner Frau sich zunehmend verschlechterte und er nichts gegen ihren Alzheimer unternommen hat. Ihm ist klar geworden, dass er 50 Jahre lang in seiner Frau nichts weiter als eine Versorgungsmaschine für die Familie gesehen hat und all dies, was sie für ihn und für die Kinder getan hat, als selbstverständlich genommen hat. Zu spät bemerkt er, dass er sie eigentlich geliebt hat.

4)Another Woman

Das letzte Kapitel wird aus der Perspektive der Mutter, Park So-nyo, geschrieben. Hierbei wird die jüngere Tochter aus der Familie ins Detail beschrieben. Sie ist dreifache Mutter, hoch gebildet und lebt in Seoul. So-Nyo kommentiert das Leben ihrer Tochter und ist anfangs gegen die Mutterschaft, da sie Angst hat, ihrer Tochter würden Chancen im Leben entgehen wenn sie sich als Mutter aufopfern muss. Am Ende des Kapitels zeigt sie jedoch, wie sehr sie ihre Tochter eigentlich geliebt hat.  

Fazit

Das Buch würde ich mit diesen drei Worten zusammenfassen: Herzzerreißend, spannend und intensiv. 

Eine bewegende Geschichte, wie eine Frau aus armen Verhältnissen versucht, ihren Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen. Durch die Erinnerungen der Kinder an ihre Mutter entsteht ein facettenreiches Bild der Mutter. Es wird ersichtlich, was für eine einfache, jedoch starke Frau und liebevolle Mutter sie eigentlich war. Die Tragödie hierbei ist, dass die Suche nach der Mutter hoffnungslos erscheint. Sowohl ihre Kinder als auch ihr Mann konnten sich nicht von ihr verabschieden und ihr mitteilen, was sie ihnen wirklich bedeutet hat und wie sehr sie ihre Mutter und Frau geliebt haben.

„Please look after Mom“ kann ich nur wärmstens weiterempfehlen, da es sehr einfühlsam geschrieben worden ist und man sofort in den Bann gezogen wird. Die unterschiedlichen Blickwinkel der Familienmitglieder und die sprunghafte Erzählweise, wie die erwachsenen Kinder in der Gegenwart nach ihrer Mutter suchen und zeitgleich unzählige Momente mit ihrer Mutter Revue passieren lassen, machen Kyung-Sooks Roman besonders interessant. 

Zusätzlich bekommt man einen kleinen Einblick in die koreanische Gesellschaft. Es werden kontrastreiche Themen aufgegriffen wie das temporeiche Stadtleben vs. das Leben auf dem Land, das Genießen von höherer Bildung vs. Analphabetismus, das Leben einer traditionellen koreanischen Mutter vs. das Leben einer modernen und erfolgreichen Geschäftsfrau, sowie die alte Generation vs. die jüngere Generation. 

Ebenfalls wird der Leser/die Leserin dazu angeregt, darüber zu reflektieren, was für einen hohen Stellenwert die eigene Familie im Leben hat. Es wird suggeriert, dass man mehr Umsicht und Nachsicht mit der eigenen Familie haben sollte.

Schlussendlich kann ich sagen, dass das Buch mich zutiefst berührt hat! 

 

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Buchrezension: Das Flüstern der Schatten von Jan-Philipp Sendker


Buchdetails

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Titel: Das Flüstern der Schatten

Autor: Jan-Philipp Sendker

Erscheinungsjahr: 2007 (neueste Auflage: 2016)

Seitenanzahl: 464

Verlag: Heyne

ISBN: 978-3-453-42146-2

Preis: 9,99€


Autor

Der geborene Hamburger Jan-Philipp Sendker, Autor des fiktiven Romans „Das Flüstern der Schatten“, war über mehrere Jahre Asien- sowie Amerika-Korrespondent für den Stern und hat seit 1995 Reisen nach China unternommen. Sendker ist seit 2000 als Autor tätig und veröffentlichte im selben Jahr sein erstes Werk – „Risse in der Großen Mauer“. Im Jahr 2002 wurde der Roman-Bestseller „Das Herzenhören” publiziert, gefolgt von der China-Trilogie – „Eine große Geschichte über Liebe und Vertrauen“ (Sendker, 2016):

  • Die China-Trilogie 1: Das Flüstern der Schatten (2007)
  • Die China-Trilogie 2: Drachenspiele (2009)
  • Die China-Trilogie 3: Am anderen Ende der Nacht (2016)

Zwischenzeitlich (2012) schrieb er den Roman „Herzenstimmen”. Seine Romane wurden insgesamt in mehr als 35 Sprachen übersetzt. Sendker verkaufte weltweit über drei Millionen Bücher und gilt somit als einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Autoren der heutigen Zeit.


Motivation 

Auf der Suche nach einem interessanten Buch mit Handlung in China wurde mir der Roman „Das Flüstern der Schatten“ empfohlen. Nachdem ich die Leseprobe im Internet durchgegangen bin, wusste ich, dass mir dieses Buch gefallen würde. Bei der Buchauswahl war mir wichtig, dass ich keine trockenen Fakten über China lesen muss, sondern diese in einem schönen Format verpackt lesen kann. So erschien mir die Buchempfehlung sehr passend!


Inhalt

Hintergrundinformationen zum Hauptcharakter

Paul Leibovitz wuchs in Deutschland sowie New York auf und lebte bereits seit 30 Jahren in China und Hongkong. Er war zu Beginn des Romans mit Meredith Leibovitz verheiratet; die beiden hatten einen gemeinsamen Sohn namens Justin Leibovitz. Dieser starb im Alter von acht Jahren an Leukämie. Der Schicksalsschlag veränderte Pauls Leben von Grund auf. Erst trennte er sich von Meredith, dann kündigte er seine Arbeit und schließlich zog er auf die einsam gelegene Insel Lemma bei Hongkong, um jeglichen Kontakt zur Gesellschaft zu vermeiden. Seine Tagesabläufe folgten immer der gleichen Routine, bis er am dritten Todestag seines Sohnes zufälligerweise die Bekanntschaft mit Elizabeth Owen machte. Durch die daraus resultierenden Ereignisse sowie durch die Hilfe seines besten Freundes David Zhang und seiner zukünftigen Partnerin Christine Wu schaffte es Paul, nach mehr als drei Jahren ins normale Leben zurückzukehren und mit dem Tod seines Sohnes abzuschließen. Im letzten Abschnitt des Romans schreibt Paul einen Brief an seinen verstorbenen Sohn (S. 444 f.):

“[…] Ich kannte die Macht der Angst. Ich kannte die Macht der Eifersucht und der Trauer, aber nicht die der Dankbarkeit. Nun magst Du fragen, warum ich das ausgerechnet gestern gespürt habe. Warum nicht vor einer Woche, einem Monat, einem Jahr, wie vermutlich deine Mutter? Ich weiß es nicht, ich kann dir diese Frage nicht beantworten. Ich weiß nur, dass es im Leben keine Abkürzung gibt, egal wie sehr wir uns auch danach sehnen, dass jeder Mensch sein eigenes Tempo geht und jeder Versuch, auf dieses Tempo maßgeblich Einfluss zu nehmen, entweder scheitert oder wir dafür einen hohen Preis zahlen müssen.”

In diesem Zitat drückt Paul aus, dass er endlich mit der Trauer um seinen verstorbenen Sohn abgeschlossen hat und die gemeinsame Zeit, die er mit seinem Sohn verbracht hat, als kostbar ansieht und dankbar für jede gemeinsame Sekunde ist.

Handlung des Romans

Die Haupthandlung des Romans beginnt, als Paul die Bekanntschaft zur Amerikanerin Elizabeth Owen macht, deren Sohn Michael Owen in Hongkong verschwand. Familie Owen hatte vor einiger Zeit die Geschäfte ihrer Firma nach Asien ausgeweitet, weshalb sich Michael regelmäßig in Hongkong und China aufhielt. Gemeinsam mit seinem Vater Richard Owen führte er die Firma und machte seine Asien-Geschäfte mit dem einflussreichen, chinesischen Unternehmer Victor Tang. Nachdem Elizabeth zufällig die Bekanntschaft mit Paul machte und merkte, dass er fließend Kantonesisch sprach und sich zudem noch in Hongkong auszukennen schien, erzählte sie ihm, dass ihr Sohn Michael verschwunden war. Sie brauchte Hilfe bei der Suche, da sie sich selbst nicht auskannte in Hongkong. Daraufhin kontaktierte Paul seinen langjährigen Freund David Zhang, der bei der Mordkommission in Shenzhen arbeitete. Über diesen Weg erfuhr Paul, dass Michael ermordet aufgefunden wurde. Da Michael ein einflussreicher Investor aus den USA war, machte sich die chinesische Regierung große Mühe damit, den Mord zu vertuschen. So wurde bereits nach wenigen Tagen ein Schuldiger gefunden, der zum Geständnis gezwungen wurde und vor Gericht verurteilt werden sollte. David glaubte nicht an die Schuld des Mannes und war überzeugt, dass mehr hinter dem Mord an Michael Owen steckte. Dennoch schien es, als wüsste niemand etwas über Michaels Leben in China.

Zusammen mit Paul begann David weitere Nachforschungen anzustellen. Da Paul die großen Menschenmassen aus Hongkong und China nicht gewohnt war, fühlte er sich zunächst sehr unwohl und begab sich nur ungern in die Situation, seinem Freund zu helfen. Außerdem hielt seine zukünftige Partnerin Christine Wu nicht viel von seinem Vorhaben, da sie in Zeiten ihrer Vergangenheit eine tiefe Abneigung gegen China entwickelt hatte. Sie glaubte, dass sich Paul in unnötige Gefahr begab. David zu liebe half Paul trotzdem und die beiden fanden schnell heraus, dass der mutmaßliche Täter für die Tatzeit ein Alibi hatte und somit nicht der Schuldige sein konnte. Ebenfalls konnten David und Paul in Erfahrung bringen, dass Michael Owen seine Geschäftsbeziehungen zu Victor beenden wollte, um mit dem chinesischen Großkonzern Lotus Metal neue Geschäfte zu machen. Als Victor von Michaels Absichten erfuhr, wollte er ihm seine Untreue heimzahlen. Victor war davon überzeugt, dass ihn seine guten Kontakte zur Polizei und Politik vor einer Bestrafung schützen würden.

David und Paul vermuteten schon lange, dass Victor hinter dem Mord steckte, insbesondere aus dem Grund, dass David ihn aus seiner Jugend kannte. Zur Zeit der Revolution hatte Victor bereits vor Davids Augen einen unschuldigen Mönch erschlagen und wurde für diese Tat nie bestraft. Dieses Mal hatte sich Victor getäuscht und er wurde für seinen Mord zu Rechenschaft gezogen. Michaels neuer Geschäftspartner – ein Unternehmer des Chinesischen Staates – wollte sich unter keinen Umständen den lukrativen Deal mit Michael entgehen lassen. Als David davon erfuhr, wurden seine und Pauls Erkenntnisse sehr wertvoll für die chinesische Regierung. David übermittelte alle gesammelten Informationen an die Regierung nach Peking, sodass Vertreter der Chinesischen Regierung noch am selben Tag nach Hongkong flogen. Da selbst die Polizei und Regierung vor Ort korrupt arbeitete, konnte niemandem vertraut werden, sodass Peking die Ermittlungen selbst übernahm. In kürzester Zeit hat man das Imperium von Victor hochgehen lassen, um ein Exempel für Anti-Korruptionskampagnen in China zu statuieren.

Victor und seine Verbündeten wurden festgenommen und verurteilt; der unschuldige Täter wurde freigelassen. Familie Owen kannte nun die Wahrheit und wusste, was ihrem Sohn zugestoßen war. Sie beendeten mit sofortiger Wirkung sämtliche Geschäftsbeziehungen nach China. Paul und Christine wurden offiziell ein Pärchen und David wurde dank seines heldenhaften Handels innerhalb der Polizeibehörde befördert.


Fazit

Mir hat der Roman ausgesprochen gut gefallen. Der Autor hat es geschafft, dass sich der Leser in eine andere Welt versetzt. Ich konnte mir die Scheinwelt sowie deren Charaktere detailgetreu vorstellen. Während des Lesens habe ich nicht nur die Handlung des fiktiven Romans nachvollziehen können, sondern gleichzeitig interessante Informationen zu China, Hongkong, den Einheimischen, der Geschichte und der Kultur erfahren. Durch viele Erzählungen zur Umgebung von Paul wurde mir die Möglichkeit eröffnet, ohne jemals vor Ort in China oder Hongkong gewesen zu sein, eine Sensibilität für das Land zu entwickeln.

Die ausgefallene Mischung des Romaninhalts aus

  • dem Aufklären eines Mordfalls
  • einer wachsenden Liebe sowie
  • der Verarbeitung eines Todesfalls

erscheint mir sehr einzigartig und hat den Roman zu einer sehr besonderen Leseerfahrung gemacht.


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Book review: Bushido, the Soul of Japan

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Bushido: The Soul of Japan

Author: Inazo Nitobe

First edition: 1908

Publisher: CreateSpace Independent Publishing Platform

ISBN: 978-1482381979

Pages: 130

Introduction

Japan, in the last 100 years, and since the Meiji Restoration, has experienced an incredible revolution. With its exposure to the world, the country has acquired a position of being one of the most powerful countries from our era.

Even having a peculiar geographical situation, so it is, being an island of reduced dimensions and presenting a certain scarcity in raw materials, the country has experienced a success not seen in the evolution of other similar countries. Which are the conditions that encouraged this spectacular progress? Probably, one of the most relevant characteristics is the socio-cultural influence in economy. The Asian societies, and specially the Japanese, present some special features that differ from western countries. In order to improve our economies, increase productivities and with this, our competitiveness, maybe we should pay appropriate attention to the Japanese success and how they did this evolution.

The characteristics of its business culture are one of the central axis that have influenced the economic prosperity. Due to the situation of the country, the Japanese are taught since they are kids that they have to work tenaciously to survive. The society works in collectivism, taking strongly in consideration the opinion of the group, leaving away individualism (in contrast with the western behavior). Their social system is based in loyalty, harmony, sacrifice and obedience, and is hardly influenced by the past, specially imbued with some philosophical and religious tendencies. Furthermore, the country remained isolated from the world during 300 years; this means, that the society was evolving in a particular way without the influence of other countries. It has to be mentioned the exceptional case of Chinese culture, from where Buddhism and Confucianism thoughts were taken and assimilated, sometimes even confronting in a certain way with the original religion of Japan. During that time (feudal period), the country was ruled by the knight class, the samurais. They were admired but at the same time, dreaded. Their behavior was strictly guided by a non-written code called Bushido. This was accompanying the knighthood for almost 600 years.

It is possible that these antique codes of conduct are still present in the current Japan? Are they somehow influencing Japanese society, and into a certain extent, their concept of Business? Without having much information about the country, we could answer affirmatively. But in order to understand more the concept and its influences in the Japanese society, Inazo Nitobe has written a detailed book called Bushido: The soul of Japan. The author did an exhaustive and difficult job in trying to dismantle all what is behind the idea, which represents a big effort from one side, to put into words something that is not taught or written, is not physical, and is subconsciously in the mind of a native, and that has been somehow transmitted during generations. From another point of view, it has been also a hazardous task to translate from sources in the original language to a western one, in this case English. For the ones that like me, whom we began with the study of their language, means a substantial attempt, because usually there are no perfect translations from specific words and also because of the ancient vocabularies. Nevertheless and even being somehow explained in a romantic or idyllic way, the author did an extraordinary job also trying to let us understand some concepts with the help of similarities in our history or literature.

The book of the “Percepts of Knighthood” is divided into three parts, which will be extended in the next sections.

Which are the influences of Bushido?

As said before, it was a bit difficult to the author to describe which are the origins and influences of Bushido, mainly because there was no specific book or code from those times. In the book, Mr. Nitobe explains the main sources from which Bushido was originated.

  • Shintoism

From Shintoism, Bushido took mainly some aspects that in other schools of thought are not specifically determined: patriotism and loyalty. The country was considered more than a land that provided resources, it was the land of the ancestors, so there had to be respected with honors and loyalty; and also the respect for the ancient and the filial piety were big pillars for the Bushido base.

  • Buddhism

As mentioned in the introduction, Japan had no connection with other countries till the Meiji Restoration, with an exception of some aspects introduced by the influences of China. One of this was from Buddhism. Bushido nourished from this religion, assimilating the Zen teachings (or Dhyâna: Indian practice of meditation to reach a state of self-control) and through this, the idea of being in harmony with the world. It is important as well, the concept of believing in destiny or fate, and accepting things that are put in someone´s path.

  • Confucius and Mencius

But Bushido is mostly influenced by these two Chinese philosophers, especially Confucius. From them the importance for the social harmony and family was incorporated. Also the ideas of self-cultivation and some ethical concepts that I will describe in the next section were taken from their philosophy.

Which are the main important concepts in Bushido?

The samurais, or the Japanese knights, were required to have some specific virtues. These characteristics were not written in any code, but they were taught through generations from mouth to mouth. This privileged class, which was ruling the society, had privileges but also responsibilities with the community, and they had to behave accordingly to certain standards that were expected from them.

  • Justice or rectitude

In the author´s words “is the power of deciding upon a certain conduct in accordance with the reason, without wavering”. It was considered the base from where samurais built other abilities.

  • Courage

This virtue was considered when was followed by righteousness, so it is, doing the correct things when needed. Other qualities connected with this were valor, fortitude, bravery or fearlessness. Since kids, samurais were taught in strictness, in order to build these values. But also it was required to act with temperance, with a calmed mind in front of situations that involved courage.

  • Benevolence

They had also to cultivate benevolence to others, to respect the enemy, to have affection, and to be merciful when applying justice. These qualities were extremely admired, especially for a good ruler of a society.

  • Politeness

Courtesy and modesty were also high attributes. Samurais had to learn about the correct behaviors in society. This could include how to bow, walk, sit, table manners or tea serving and drinking. The correct use of bodies was seen as a way “to express the mastery of spirit over the flesh”.

  • Sincerity

The last quality would have no meaning without sincerity. Lying was seen as an act of cowardice. There was no need for a samurai to write their promises or obligations; their simple word was enough, and not acting according to this was a dishonor.

  • Honor

The samurais had to learn to “value the duties and the privileges of their profession”. Connected with the last characteristic, they had to be loyal to their words and acts, and any deviation from these would be considered a shame, for the individual but also in front of society. This is one of the most valued traits that defines the Japanese society, according to the author.

  • Loyalty

The duty of loyalty, to the family or the superiors, and even to die for, was also of sum importance in the Bushido philosophy.

Which was the education and training of a samurai?

Apart from the characteristics explained above, there were certain concepts that one samurai had to be aware of.

  • Self-control

It was really important to find a balance between acting with courage in front of extreme situations, but also to perform in a polite way. That is why self-control and discipline played a strong role. For this purpose, it was necessary to avoid the influence of personal feelings that could disturb rationality.

  • Institution of suicide and redress

This institution could be the most surprising aspect for westerns to be understood. Dying for honor was a common practice in the samurai’s world. Seppuku or kappuku (hara-kiri popularly) it was conceived as committing suicide after a traditional ceremony, and by disembowelment. This body area was known as being the carrier of the soul, and after that the soul could be “seen” and noticed if it was pure or not. They believed that this was a way to return their reputation after a dishonorable act.

  • The sword

It was the symbol of samurais. Since the age of five, they were required to bring it always, even sometimes substituted by a wooden representation. At home, also there was a special place for it. The meaning of this appreciated instrument was the reflection of the samurai’s character; a mixture of responsibility and self-respect, loyalty and honor.

  • Women role

It is not a big surprise to notice that the role of women was basically a domestic one. They had to take care of the family and kids, especially when men were in battle. They were responsible of their education and that is why they were also taught the arts of the sword. This was a useful ability also in order to protect themselves and the family in case of difficult moments.

Influence of Bushido in the society and its future

Bushido is considered as the root and motor of Japan. As the author noticed, after the restoration and the modernization of the country “the country evolved as a phoenix, rising from its ashes”, and the ashes (or base) are the Bushido precepts. So this code surrounds the society with its moral standards, in a subtle and unconscious way. Some words to describe Japanese people could be, politeness, honor, loyalty, hard-workers, bravery; and these were forged by the Knighthood Percepts.

Some authors point that how Japan changed was caused by the influence of Western countries and Christianism. Even for others, Bushido somehow died. On the other side, for Mr. Nitobe, this is far from being the truth. In his opinion, how the country evolved was decided by the society in a conscious exercise to adapt themselves to the world, incorporating when needed certain things like technologies or methods of organization from Europe, but with this, they did not forget who they were and their roots. For him, the soul of Japan is still alive; and with it, their qualities and defects. But he agrees that such philosophy of life will face difficulties in our times and in the future.

One of the first obstacles for the author is the confrontation of the concept in our times with democracies. Bushido was originated in the feudal times, which means, being based on the power of some exclusive hands that were organizing the society. So in the modern times, seems difficult to see the society being ruled by structures similar to the ones in feudal times. Nevertheless, in my opinion, the problem is not the antagonism of the concepts, I strongly believe that the percepts of Bushido could still be alive, but maybe the concept has to adapt to the society of our times in a certain way, without losing its original meaning.

But the author and also me, we are still positive with the survival of the concept. Something that is that rooted through generations cannot die that fast. Even also having some conflicts with the changes in society, for example, the individualism or the vulgarization of life, which can be contradictory with the ideals in Bushido, its power is still strong, and is reflected in the character of Japanese and the business culture.

 

 

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Book Review: The Book Of Five Rings

Book review: The Book of Five Rings
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General information
Title: The Book of Five Rings
Author: Miyamoto Musashi
Published by: Kodansha International Ltd
English translation: Wiliam Scott Wilson
Modern Japanese Translation: Matsumoto Michihiro
First edition: 2001
ISBN: 4-7700-2844-X
Pages: 192
Price: 14,94€

Author
Miyamoto Musashi, it is one of the most-known swordsmen in Japan history. The place and the date of his birth are unclear. According to his book, he was born in Harima in 1584. During his life he engaged in more than sixty sword fights and won them all. Also, he was the creator of the famous “two-sword” style.
It was later in life when Musashi used his way of martial arts to engage in philosophy, writing, painting and sculpting. He believed that “through intense study and practice of the way of the martial arts, the ways of all the other arts would be understood”. He acquired his knowledge through self-experience and reliance, without having any lord or master.

Motivation
My decision to read The Book of Five Rings was underlined by several criteria. I was interested in a book containing information about Japanese culture and its impact on modern business world in Japan. To get familiar with the particular society, it’s important to understand the cultural basis and values of that society.
The Book of Five Rings was written to serve as core for martial arts disciples. Yet, it had a much larger impact as it still serves as a guidebook to many executives and business people nowadays.
Background
The Book of five Rings has been written to serve as the foundation for the so called “true way” in martial arts. This edition includes three different languages: original Japanese text, modern Japanese translation and English translation. It was written at the end of the period of Kyoto Renaissance (1550-1650), during which Japan recovered economically and artistically. It was a period during which architecture blossomed, a new interest in poetry and painting rose, Tea Ceremony reached its heights and martial arts spread and evolved as never before.
Miyamoto Musashi excludes having anyone teaching him the “right way” of martial arts. He states that it was his own practice and discipline which brought him victory. At the end of every chapter he suggests reader to investigate thoroughly each technique and master it on its own.
This book was written at the end of Musashi’s life. He believed that death equals sincerity. It was before his death, when he was ready to share his “way” with others.
Content
The Book of Five Rings is a detailed description of “the way” to victory. Musashi believes that victory it is only acceptable outcome. “The way” consists of series of strategies on how to defeat the opponent. Yet, we should always begin from defeating our own sins by practicing through spirit, awareness and discipline.
The book is divided into five parts: Earth, Water, Fire, Wind and The Emptiness.
The Earth chapter (Timing/Rhythm) provides a general overview of the martial arts and introduces to the reader the “two-sword” technique. Author believes that every warrior should: know his style, understand the meaning of martial arts, understand the value of armor and the rhythm. He highlights numerous times that the power is in our mind. “Rhythm” plays a special role in this chapter, as there are two kinds of: rhythm of success and rhythm of failure. It is important to differentiate them and practice thoroughly.
At the end of the chapter, Musashi provides nine rules of putting martial arts into practice:
1.    Think without any dishonesty.
2.    Forge yourself in the Way.
3.    Touch upon all of the arts.
4.    Know the Ways of all occupations.
5.    Know the advantages and disadvantages of everything.
6.    Develop a discerning eye in all matters.
7.    Understand what cannot be seen by the eye.
8.    Pay attention to even small things.
9.    Do not involve yourself with the impractical.
The Water chapter (Balance/Flexibility) describes the approach to swordsmanship, which contains a range of important elements in martial arts. It includes: appearance, the use of the eyes, the use of the feet, posture, mobility, etc. Here we learn to differentiate between observation and seeing. Seeing, is considered to be weak, when observing is essential. We must learn to observe through with the closed eyes by meditating. We also learn to never step with only one foot. The use of both feet is called “Ying-Yang” and is important for flexibility. There are five stances in martial arts. The middle is the best. It’s critical to be ready and flexible in any position. Musashi says that in order to “surpass today what you were yesterday”, “go beyond those of poor skill tomorrow, and exceed those who are skillful later”. Knowing the Way of the Sword, means being in control of our mind and body and to achieve that we must practice daily. (p.109)
In the Fire chapter (Methods), Musashi characterizes different methods of the interaction with the opponent and attacking techniques. To engage in a battle, three initiatives are possible: of attack, of waiting and body-body initiative. It should be our decision which initiative to use. For that we need to apply the so called, “knowing condition”, which implies in becoming your opponent and being able to read his mind. It is not suggested to use the same tactic repeatedly. To completely confuse and intimidate the opponent, we might use our voice. Lighting is also important. The sun or any other light should always be at our back, or in the worst case on the right.
The Wind chapter (Knowledge of Self and Opponent) mainly consists of the comparison between Musashi’s way and “the way of others”.  Here, he contrasts different approaches and techniques. As an example, the other martial arts schools consider being an advantage the use of the long sword and recommend doing it forcefully. Musashi contradicts this approach, as he believes that the true warrior needs to be unpredictable and use both swords, depending on the situation. Also, Musashi believes that the other schools are focusing too much on the artistic side of the martial arts and introduce too many unnecessary techniques, which might confuse the warrior. He supports that practicing other arts may corrupt the “true way”.
The Emptiness (The Unseen/Human Nature), is described as the absence in our hearts of anything shaped and therefore unable to influence our emotions. The true emptiness is when our minds can fill our hearts with the “true way”.
“In Emptiness exists Good but no Evil.
Wisdom is Existence.
Principle is Existence.
The Way is Existence.
The Mind is Emptiness.” (p.191)
Conclusion
The Book of Five Rings is a masterpiece, which still serves as foundation to many conflict-solving situations existing nowadays. Written four centuries ago, it is still actual and applicable in modern work and everyday life. Its simple language and clear structure makes it easy to understand the message author wanted to deliver to the reader. However, at times I found myself being lost in many technical details and sometimes even confused, as I found few of the concepts contradictory. Overall, I enjoyed reading this book and suggest others to read it.

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Buchrezension: “No Longer Human” von Osamu Dazai

NOLONGBuchdetails

Titel: No Longer Human (dt. “Gezeichnet”)

Autor: Osamu Dazai

Übersetzung: Donald Keene

Erschienen: 1948 (Englische Übersetzung: 1958)

Seiten: 177

Verlag: New Directions

ISBN: 978-0-8112-0481-1

Autor

Osamu Dazai lebte von 1909-1948 und zählt zu den berühmtesten japanischen Schriftstellern. Er wurde als zehntes von elf Kindern in eine wohlhabende und gebildete Familie in Kanagi geboren. Als Sohn eines Abgeordneten des japanischen Parlaments verbrachte Dazai seine Kindheit in einem Haus mit 19 Zimmern. Schon in seiner Kindheit hat er gerne gelesen und begann mit 13 Jahren, eigene Geschichten zu schreiben. Dazai brach mehrmals sein Studium ab, verfiel einer Alkoholsucht und wurde später abhängig von Schmerzmitteln. Im Laufe seines Lebens hat Osamu Dazai mehrmals versucht, Selbstmord zu begehen, was ihm 1948 gemeinsam mit seiner damaligen Frau Tomie gelungen ist. Zu seinen bekanntesten Werken zählen „Die sinkende Sonne“ und „No Longer Human“.

Motivation

Auf der Suche nach einem Buch für das Literaturforum bin ich auf den mir bis dahin unbekannten japanischen Schriftsteller Dazai Osamu gestoßen, welcher in Japan große Bekanntheit und Anerkennung genießt, jedoch außerhalb Japans relativ unbekannt zu sein scheint. In seinem Roman „No Longer Human“ werden im halb-autobiographischen Stil, mit dem er Teile seines persönlichen Lebens in seine Werke einfließen lässt, werden insbesondere seine Suizidversuche, Depressionen und Drogenabhängigkeit thematisiert. Besonders aufgrund der hohen Suizidrate in Japan haben diese Themen aktuell eine hohe Relevanz, weshalb ich mich für diesen Titel entschieden habe.  Auch der Titel der englischen Fassung dieses Romans „No Longer Human“ hat mein Interesse geweckt, was ein weiterer Grund für mich war, dieses Buch zu lesen.

Inhalt

Das Buch „No Longer Human“ ist in fünf Teile untergliedert. Hierbei bilden die drei hinterlassenen Aufzeichnungen des Protagonisten Oba Yozo den Hauptteil des Romans, welcher sich zwischen einem Prolog und Epilog des Erzählers einordnet.

Prolog

Im Prolog betrachtet der Erzähler drei Fotografien des Protagonisten Yozo, welcher in drei verschiedenen Lebensabschnitten, in der Kindheit zur Schul- und Studienzeit, sowie in einer Zeit danach, abgebildet ist. Hierbei kritisiert der Erzähler jede Aufnahme im Hinblick darauf, dass das Gesicht des Protagonisten ausdruckslos und nichtssagend sei, und sogar den Eindruck vermissen lässt, dass es das Gesicht eines Menschen ist.

Heft 1

Yozo merkt schon als Kind, dass er sich von den Menschen um ihn herum unterscheidet. Er versteht das Verhalten anderer Menschen nicht und es fällt ihm schwer mit Menschen zu interagieren. Aus Angst, für diesen Mangel verurteilt zu werden, versucht          Yozo, mittels „Clowning“ Akzeptanz und Anerkennung zu erlangen.

Heft 2

Nachdem ein Schulfreund Yozos „Clowning“ durchschaut, macht sich dieser zunehmend Angst davor, auch von anderen entdeckt zu werden. Zu dieser Zeit entdeckt Yozo auch seine Begeisterung für das Malen und möchte an eine Kunstakademie, geht aber auf Anweisung seines Vaters auf eine Hochschule in Tokio. Bei einem Zeichenkurs lernt er Horiki kennen, durch den er erste Erfahrungen Alkohol und Prostituierten macht. Dies wird schon bald zum Alltag für ihn, sodass er alkoholabhängig wird und in Geldnot ist. Bald darauf lernt er die ebenfalls unglückliche Tsuneko kennen und die beiden entschließen sich, zusammen Suizid zu begehen, jedoch überlebt Yozo, während Tsuneko ertrinkt.

Heft 3

Yozo wird von der Universität verwiesen und bei einem Freund der Familie untergebracht, der auf ihn aufpassen soll. Nach einiger Zeit flieht er von dort und besucht seinen alten Freund Horiki, wobei er die alleinerziehende Mutter Shizuko kennenlernt, durch die er an einen Job als Comiczeichner gelangt. Für kurze zeit lebt er mit Shizuko und ihrer Tochter, doch verlässt auch die beiden, nachdem er wieder angefangen hat übermäßig zu trinken. Wenig später lernt Yozo die junge und naive Yoshiko kennen, und beschließt auf ihren Wunsch hin, mit dem Trinken aufzuhören und heiratet sie im weiteren Verlauf. Nachdem Horiki ihn, beginnt Yozo wieder zu trinken. Eines Tages muss er ansehen, wie seine Frau Opfer eines sexuellen Übergriffes wird und verfällt der Alkohol- und Morphiumsucht. Nach einem Aufenthalt in der Nervenanstalt wird er durch seinen Bruder in die Heimat zurückgebracht, wo Yozo nun sein Leben in Isolation verbringt.

Epilog

Der Erzähler trifft auf die Frau aus Kyobashi, welche Yozo in seiner Stammbar bedient hatte, und erhält von ihr drei Fotografien und die Hefte, die Yozo ihr überlassen hatte.

 

Fazit

No Longer Human zeigt den verzweifelten Versuch eines isolierten Individuums, sich in die Gesellschaft einzugliedern. Hierbei werden verschiedene Thematiken aufgegriffen, die auch heute von großer Relevanz sind. Insbesondere wird ein näherer Einblick auf die Introversion in Japan vermittelt. Der extreme Rückzug von der Gesellschaft stellt neben der hohen Suizidrate ein weiteres großes Problem der japanischen Gesellschaft dar. Weiterhin werden auch weltweit aktuelle Themen wie Depressionen und Drogenkonsum behandelt.

Zudem ist es interessant zu sehen, dass dieses Buch sehr viele Parallelen zum Leben des Autors aufweist, welches ebenfalls von Depressionen und Suizidversuchen geprägt war.

Die englische Fassung enthält zwar an einigen Stellen ungebräuchliches Vokabular, ist aber grundsätzlich angenehm zu lesen.

Ich kann dieses Buch jedem weiterempfehlen, der an japanischer Nachkriegsliteratur interessiert ist oder allgemein einen Einblick in die japanische Kultur erhalten möchte.

 

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Buchrezension: “GO” von Kazuki Kaneshiro

Buchdetails

GOTitel: GO

Autor: Kazuki Kaneshiro

Übersetzung: Nora Bierich

Erschienen: 2000 (Original), 2016 (Deutsche Fassung)

Seiten: 208

Verlag: Cass Verlag

ISBN: 978-3944751108 

Motivation

Ich wurde während unseres Japanisch-Kurses am LSI in Bochum auf das Buch aufmerksam gemacht. Eine Teilnehmerin hatte gesehen, dass wir uns nach Büchern umgeschaut haben und mir daraufhin dieses Buch vorgeschlagen. Die Kurzbeschreibung auf der Rückseite alleine hatte mich dabei schon sofort überzeugt. Ich konnte mich direkt mit dem Protagonisten identifizieren, der aufgrund seiner ethnischen Herkunft eine Art Identitätskrise durchläuft. Aufgrund der russisch-deutschen Herkunft meiner Eltern, die nach Mauerfall von Russland nach Deutschland ausgewandert sind, und meiner Geburt in Deutschland, fällt es mir manchmal ebenfalls schwer, eine Zugehörigkeit zu empfinden. Ähnlich ergeht es Sugihara in dem Buch, der als in Japan lebender Koreaner (Zainichi Koreaner) darüberhinaus noch mit dem Rassismus der Japaner gegenüber Chinesen und Koreanern zu kämpfen hat.

Der Autor

Kazuki Kaneshiro, geboren am 29. Oktober 1968 in Kawaguchi, Japan ist ein japanisch-koreanischer Schriftsteller und Drehbuchautor. Kaneshiro gehört zu der nach dem Zweiten Weltkrieg in Japan verbliebenen Minderheit der Zainichi-Koreaner. Später in seinem Leben erwarb er die japanische Staatsbürgerschaft. Sein Vater war Marxist-Leninist. Deshalb besuchte er zuerst Schulen, die mit der Chongryon, der Nordkorea nahestehenden Vereinigung der in Japan lebenden Koreaner, sympathisierten. Nachdem sich sein Vater später der Mindan, der mit Südkorea sympathisierenden Koreanervereinigung in Japan, zuwandte, besuchte er im Tokyoter Stadtteil Shibuya die Hozen-Oberschule.

Kaneshiro schloss sein Jura-Studium an der Keiō-Universität in Tokio ab. Für sein Werk GO erhielt Kaneshiro 2000 den Naoki-Preis, den bedeutendsten Preis Japans im Bereich der populären unterhaltenden Literatur.

Die Charaktere

Sugihara: 18-jähriger ehemaliger Zainichi-Nordkoreaner, der die Staatsbürgerschaft wechselte und Zainichi-Südkoreaner geworden ist, um auf eine japanische Oberschule zu gehen. In seiner Schule ist er als Schläger bekannt und hat bisher jeden Kampf gewonnen. Er hat ein großes Allgemeinwissen, mit dem er sein Umfeld immer wieder beeindrucken kann. Verliebt sich während der Handlung in Sakurai und verbringt daraufhin viel Zeit mit ihr.

Katou: Sugiharas Freund in der Japanischen Oberschule. Er veranstaltet öfters Partys und ist der Sohn eines Yakuzas.

Jong-Il: Sugiharas bester Freund aus der Japanisch-Koreanischen Schule, mit dem sich Sugihara über alles unterhalten kann. Bekannt als das „Genie der Schule“.

Hideyoshi: Sugiharas Vater und Zainichi-Koreaner der ersten Generation. Ehemaliger Profi-Boxer, der seinen Sohn sehr streng erzogen und hart trainiert hat.

Michiko: Sugiharas Mutter und Zainichi-Koreanerin der zweiten Generation.

Sakurai: Lernt Sugihara kennen und geht öfters mit ihm aus.

Die Handlung

Die Erzählung beginnt mit einem Flashback in die Zeit, in der Sugiharas Eltern beschlossen haben, die nordkoreanische Staatsbürgerschaft in die südkoreanische einzutauschen, mit dem langfristigen Ziel, nach der Rente nach Hawaii auszuwandern. In einem Monolog wird dem Leser offenbart, wie Zainichi-Koreaner in Japan diskriminiert werden. Schnell wird klar, dass Sugihara vom Konzept der Staatsangehörigkeit nicht viel hält. Er ist in Japan geboren, in Japan aufgewachsen, trägt einen japanischen Namen, spricht Japanisch wie ein Japaner. Aber er ist eben ein Ausländer. Und die japanische Gesellschaft lässt ihn das spüren, Tag für Tag: Schüler, Lehrer, die Umwelt, die Obrigkeit.

Die eigentliche Handlung setzt in der Gegenwart ein, als Sugihara während der Schulpause einen neuen Herausforder bekommt, der meint, ihn schlagen zu können. Ohne große Mühe ringt Sugihara ihn, auf teils brutale Art und Weise, nieder und verteidigt somit seinen makellosen Rekord von 25-0. Im Anschluss lädt sein Freund Katou ihn zu seiner Geburtstagsparty am selbigen Abend ein, auf die Sugihara nicht wirklich Lust hat. Nach einer hitzigen Diskussion mit seinem Vater am Nachmittag, in dem sie über das Prinzip des Konfuzianismus (unbeugsamer Respekt vor Ahnen und Lehrern) streiten, entschließt er sich, doch auf die Party zu gehen. Dort lernt er Sakurai kennen. Die beiden verlassen die Party sofort, und verbringen die Nacht damit, durch Tokyo zu spazieren. Anschliessend trennen sich die beiden an einer alten Grundschule und verabschieden sich mit einem Kuss.

Sugihara denkt vermehrt an seine Zeit in der Grund- und der Mittelschule zurück und wie oft er auf Grund seiner Nationalität und seines aufbrausenden Charakters in Schwierigkeiten geriet. Jedes mal bekam er dafür von seinem Vater eine Tracht Prügel, mit denen sein Vater ihm einerseits Lektionen erteilte, aber auch trainierte und abhärtete. Im Laufe der Zeit wurden Prügeleien zwischen den beiden quasi ein wichtiger Bestandteil der Vater-Sohn-Beziehung. Darüberhinaus erfährt der Leser mehr über Sugiharas besten Freund Jon-Il, der in erster Linie als genaues Gegenteil erscheint: ein eher schüchterner Junge, der mit schulischen Leistungen glänzt und sich mit seinem Status als Zainichi-Koreaner abfindet. Jedoch ist Jon-Il der einzige, mit dem Sugihara uneingeschränkt über alles reden kann: Philosophie, Anthropologie, Kunst, Musik, Filme und Mädchen.

Sugihara und Sakurai fangen an, sich regelmäßig zu treffen und zwischen den beiden entwickelt sich eine Liebesbeziehung. Er wird in ihrem Elternhaus zum Essen eingeladen und hinterlässt bei Ihrer Familie einen sehr guten Eindruck, sehr zur Freude von Sakurai. Die beiden planen zu verreisen, um ihre erste gemeinsame Nacht an einem besonderen Ort zu verbringen und fangen an, mit Nebenjobs ein bisschen Geld zu verdienen. Dementsprechend fängt Sugihara an, auf Katous Partys als Sicherheitskraft zu arbeiten. Eines abends eskaliert die Situation jedoch so sehr, dass er einen Mitschüler vor den Augen aller Gäste auf der Tanzfläche bewusstlos schlägt. Angewiedert von sich selbst, verlässt er die Party und verbringt die regnerische Nacht an der Grundschule, an der sich Sakurai und er und zum ersten Mal küssten.

Ein paar Tage später erhält Sugihara einen Anruf von Jon-Ils Mutter. Es stellt sich heraus, dass durch ein Missverständnis eine Rangelei zwischen Jon-Il und einem anderen Zainichi-Koreaner entstanden ist, bei dem Jon-Il durch einen Messerstich ums Leben kam. Geschockt von der Nachricht, fällt Sugihara in ein tiefes Loch. Nachdem er sich tagelang nicht bei Sakurai gemeldet hat, geht er auf Jon-Ils Trauerfeier. Dort wird er von anderen Zainichi-Koreanern konfrontiert, die ihn für sein abtrünniges, verräterisches Verhalten verurteilen. Nach einem emotionalen Zusammenbruch rafft er sich wiederzusammen, und beschliesst, Sakurai von seiner Herkunft zu erzählen. Die beiden treffen sich spontan am Bahnhof und beschließen, sich ein Luxus-Hotelzimmer zu mieten, um ihre erste gemeinsame Nacht dort zu verbringen. Nach einer langen Phase der Liebkosung offenbart Sugihara im unpassenden Moment, dass er in Wirklichkeit Zainichi-Koreaner ist, woraufhin Sakurai in eine Art Schockzustand verfällt. Es stellt sich heraus, dass ihr Vater sie dazu erzogen hat, Koreaner und Chinesen als minderwertig zu betrachten. Da beide nicht mit der Situation umgehen können, verlässt Sugihara in aufgewühltem Zustand umgehend das Hotel und geht nach Hause. Er verbringt die Nacht damit, sich Bücher von Jon-Il durchzulesen.

Eine Woche später erfährt Sugihara, dass Katou beim Drogenhandel erwischt wurde und somit vorerst ins Gefängnis muss, was beide allerdings mit Humor nehmen. Später am gleichen Abend, erhält er einen Anruf seines Vaters, der sich betrunken hat, weil er eines seiner zwei Pachinko-Geschäfte verloren hatte und außerdem auch sein Bruder in Nordkorea verstorben ist, von dem er über 20 Jahre nichts gehört hat. Als Sugihara ihn abholen will, kommt es zwischen den beiden wieder zu einer hitzigen Diskussion, bei dem sich Sugihara alles von der Seele redet, was ihm in letzter Zeit ergangen ist. Es kommt in einem Park zu einer Prügelei zwischen den beiden, bei dem sich Sugihara seine erste richtige Niederlage einfängt. Nachdem die beiden sich aufgerafft haben, sitzen sie noch eine Weile zusammen und reden. Beim Gespräch mit seinem Vater wird Sugihara klar, dass er tatsächlich unabhängig ist und er kommt zu der Erkenntnis, dass er weder Koreaner, noch Japaner ist. Er sieht sich selbst als entwurzelt und löst sich von allen Konventionen.

An den letzten Tagen vor Weihnachten begegnen ihm alle Personen wieder, mit denen er die letzten Monate zu tun hatte. Dabei gelingt es ihm, mit allen freundschaftlich zu verbleiben und mit vielen auch einen Abschluss zu finden. Am Weihnachtsabend trifft er sich an der Grundschule mit Sakurai, die sich mittlerweile damit abgefunden hat, dass Sugihara ein Zainichi-Koreaner ist und der es egal ist, was ihr Vater davon hält. Die beiden verbringen etwas Zeit miteinander, bevor sie sich auf den Weg machen, einen Ort zu suchen, an dem sie die Nacht miteinander verbringen können.

Fazit

Go ist ein Buch, dass trotz seiner recht bodenständigen Handlung spannend bleibt. Es handelt von der Suche nach der eigenen Identität. Zwar verkündet Sugihara im anfänglichen Dialog, dass es sich hierbei um seine Liebesgeschichte handelt, dennoch wirkt es mehr wie eine Coming-of-age-story, in der die Themen Exklusion, Separation, Fremdenfeindlichkeit, Heimatlosigkeit und Ignoranz einen großen Raum einnehmen. Kaneshiro gelingt es, durch das regelmäßige Aufgreifen dieser Themen und durch das Erzählen einer glaubhaften Liebesgeschichte ein interessantes und stimmiges Setting zu schaffen, in dem man sich schnell zu recht findet.

Vorallem Sugiharas Charakter sticht dabei heraus, der auf den ersten Blick den Eindruck eines brachialen Schlägers macht, in Wirklichkeit aber sehr emotional sein kann, im Sanften sowie im Brutalen. So ist er auf der einen Seite durch das Training seines Vaters ein abgehärter Kämpfer, auf der anderen Seite aber ein Liebhaber von klassicher Musik und Büchern.

Der Schreibstil ist sehr modern gehalten. Kurze, abgehackte Sätze und häufiger Gebrauch von Umgangssprache machen den Fluss von Sugiharas Erzählweise greifbar und lassen das Buch an keiner Stelle langweilig wirken. Wenn man bedenkt, dass das Buch viele autobiographische Züge Kaneshiros enthält, lässt es die Perspektive von Sugihara noch interessanter wirken. Unterm Strich lässt sich das Buch sehr angenehm und schnell lesen.

Ich kann GO von Kazuki Kaneshiro uneingeschränkt weiterempfehlen, da es Probleme aufgreift, von denen so ziemlich alle Gesellschaften heutzutage leider noch betroffen sind. Kaneshiro behandelt die Theme Migration und Integration auf eine sehr allgemeine und dennoch anspruchsvolle Art und Weise, durch die das Buch eine Relevanz erhält, die weit über die Grenzen Japans hinaus geht.

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