Buchrezension: Poorly Made in China

Buchrezension: Poorly Made in China

Poorly

Buchdetails

Titel: Poorly Made in China: An Insider’s Account of the China Production Game

Autor: Paul Midler

Erscheinungsjahr: 2009 (neueste Auflage Februar 2011)

Sprache: Englisch

Umfang: 272 Seiten

Verlag: Wiley

ISBN: 978-0470928073

Preis: 14,99€

 

Autor

Der gebürtige Amerikaner Paul Midler studierte chinesische Geschichte und Mandarin-Sprache an der Wharton Business School. Er lebt schon seit vielen Jahren in der südchinesischen Stadt Guangzhou als Vermittler und Inspektionsagent, wo er amerikanische Importeure mit chinesischen Zulieferern vernetzt. Durch über zwanzig Jahre Erfahrung in bilateralen Verhandlungen hat er sich ein tiefes Wissen über China und seine Exportwirtschaft angeeignet.

Im Jahre 2009 veröffentlichte er erstmals sein Buch “Poorly Made in China”, der mit den Preisen “Best Book 2009″, “Best Book for Business Owners”, “Great Finance Book of 2009”, “Best of 2009 Business Book” gekürt worden ist. Durch den großen Erfolg wurde sogar eine chinesische Version des Buches im Jahre 2011 in Taipei publiziert.

Vor Kurzem (2018) brachte er sein zweites Buch “What’s Wrong with China” heraus, in der es um die wichtigsten Herausforderungen mit der Geschäftstätigkeit in China geht.

 

Motivation

Durch das Modul “International Management with Regional Focus on China” in meinem Bachelorstudium bekam ich die Gelegenheit, erste Eindrücke von den geschäftlichen Tätigkeiten in China zu sammeln. China ist heute vor den USA und Deutschland der weltweit größte Exporteur von Produkten verschiedener Arten. Doch wenn man “Made in China” auf den Produkten liest, denkt man sofort an mangelnde Qualität, Manipulation und schlechte Kopien von anderen Herstellern und billige Verarbeitung. Wenn Chinas Produktion wirklich von diesen Eigenschaften geprägt ist, wie schafft es das Land dann die Exportwirtschaft zu beherrschen? Trifft das schlechte Image in der Realität wirklich zu? Wenn es so ist, warum verlegen ausländische Unternehmen ihre Produktion nach China und sind an einer Zusammenarbeit interessiert? Um genau diesen Fragen auf den Grund zu gehen, machte ich mich auf Amazon auf die Suche und stieß mit den Stichworten “China” und “Production” schließlich auf das Buch von Paul Midler. Da der Autor auch schon mehr als zwei Jahrzehnte in China lebt und in seiner Karriere an vielen Geschäftsverhandlungen zwischen den USA und China teilgenommen hat, glaube ich, dass er als Spezialist in diesem Gebiet mir einige Fragen mit seinem Werk beantworten kann.

 

Aufbau des Buches

Mit seiner lebendigen, humorvollen Erzählung führt Paul Midler den Leser mit insgesamt 22 Kapiteln durch einen langen Weg des internationalen Handels zwischen China und den Vereinigten Staaten. Indem er uns durch unzählige, anonyme Fabriken begleitet, zeigt er uns, welche Probleme mit chinesischen Herstellung- und Produktionsfirmen entstehen können. In jedem Kapitel geht es jeweils um einen Kunden, der Midler beauftragt, wichtige Informationen über den zukünftigen oder bestehenden chinesischen Geschäftspartner herauszufinden und diese zu übermitteln. Dadurch möchte der Kunde abwägen, ob sich die Zusammenarbeit auszahlt oder ob die Kooperation aufgelöst werden soll.

 

Inhalt

Midler ist ein Agent, der seinen Lebensunterhalt damit verdient, amerikanische Importeure mit chinesischen Zulieferern in Verbindung zu bringen. Er überwacht Vorkehrungen, um die Zufriedenheit des Geschäftsvertrags sicherzustellen. Amerikanische Führungskräfte möchten mühsame und undurchschaubare Transaktionen vermeiden, daher ist Midlers Rolle als Vermittler, “Dealmaker“ und Begutachter für viele Unternehmen unverzichtbar. Durch jahrelange, alltägliche Verhandlungen über Produkte wie beispielsweise Keramiktöpfe, Gerüstbau und Baubeschläge hat er umfassendes Wissen über China und seine Exportwirtschaft gewonnen und erzählt in seinem Buch, wie die klugen Chinesen die naiven Amerikaner betrügen.

Die Hauptcharaktere des Buches sind die Chinesin Zhen, die Eigentümerin eines Gesundheits- und Schönheitspflegeunternehmens; und Bernie, ein syrisch-jüdischer Importeur aus New York, der von Zhen Shampoo und andere Schönheitspflegeprodukte wie Düfte für Discounterketten in Amerika kaufen möchte. Aufgrund von schlechten Erfahrungen mit vorherigen chinesischen Geschäftspartnern beauftragt Bernie den Agenten Midler, um ausreichend Information über seinen zukünftigen Geschäftspartner zu ermitteln und erneute Unternehmensverluste zu vermeiden.

Zhens Ziel ist es, bei der Zusammenarbeit mit ausländischen Unternehmern wie Bernie ihren Gewinn zu erhöhen. Sie zeigt enormes Geschick, um Bernies ohnehin schon exakte Marge durch Preiserhöhungen in letzter Minute zu senken. Genauso wie Zhen sind die meisten chinesischen Unternehmer außerordentlich geschickt darin, die Wahrnehmungen und Gefühle ausländischer Importeure zu manipulieren, wie Midler in den verschiedenen Kapiteln seines Buches erzählt. Im Folgenden möchte ich auf drei grundlegende Probleme eingehen, die bei Midlers Begegnungen mit chinesischen Produktionsfirmen wie Zhen entstehen:

1) Qualitätsverlust

Viele chinesische Unternehmer versprechen am Anfang ein qualitativ gutes Produkt und liefern dann ein ganz anderes, welches von deutlich schlechterer Qualität ist. Amerikanische Käufer, die erwarten, dass ihr Produkt ordnungsgemäß hergestellt wird, stellen fest, dass ihre Muster nur als grobe Anhaltspunkte oder Vorschläge dienen. Chinesische Hersteller nehmen also ohne Ankündigung Änderungen an der Ware vor und hoffen, dass diese nicht bemerkt werden. Auch Zhen verwandelt viele der unter Vertrag genommenen Düfte in einen deutlich anderen Duft, was von Bernis Unternehmen letztendlich bemerkt wird. Zhen fällt jedoch nichts Anderes als einfallsreiche Ausreden ein, dass ihr billiger Ersatz nicht an Qualität mangelt, um den Abbruch des Auftragsdurchlaufs zu vermeiden.

 

2) Professionalitätsfalle

Bei seinem Besuch in der Shampoo-Fabrik wird Midler einer gründlichen Prüfung unterzogen, bei der es um sorgfältiges Händewaschen, Anziehen von sterilen Schutzkappen und Sicherheitsschuhen sowie ähnlichen Sicherheitsmaßnahmen geht, bevor er die Fabrik betritt. Es scheint alles sehr beeindruckend, professionell und vertrauensbildend. Midler ist zu Beginn sehr beeindruckt von der Professionalität der Chinesen, muss später aber erfahren, dass diese Rituale, sobald die Verträge unterzeichnet und die Gelder überwiesen sind, auf der Strecke bleiben und nicht länger gültig sind. Der Autor kommt durch seine Kundenaufträge zu dem Entschluss, dass die chinesischen Unternehmen ihre Versprechen nicht einhalten.

3) Gesichtsverlust

Chinesische Unternehmern ist es sehr wichtig, gegenüber ihren ausländischen Partnern das Gesicht bewahren. Wenn die Produktion Mängel aufweist und die amerikanischen Unternehmer dies bemerken, versuchen sich die Chinesen höflich auszureden und schlagen neue Alternativen wie geringere Kosten für die nächste Produktion vor, um bloß nicht die bestehende Zusammenarbeit in Gefahr zu bringen.

 

Fazit

In Form von spannenden Tagebucheinträgen berichtet Midler über seine eigenen Erfahrungen als Vermittler zwischen chinesischen Herstellungs- und Produktionsfirmen sowie amerikanischen Importeuren. Dem Leser wird deutlich, wie die chinesischen Unternehmer die ausländischen Geschäftsleute manipulieren: sei es die stetige Verringerung der Produktqualität und der Hygienestandards, oder das Vortäuschen von Professionalität.

Nichtsdestotrotz denke ich, dass das Buch mir einen begrenzten Einblick in die Realität chinesischer Unternehmen gibt, da es zum größten Teil die Sicht von Importeuren von gering qualifizierten Produkten in den USA umfasst. Diese repräsentiert jedoch nicht alle Unternehmen, die ihre Produktionsstätte nach China verlagert haben. Des Weiteren stammen die meisten der berichteten Erfahrungen Midlers aus den frühen 2000er Jahren. China hat sich jedoch über die Jahre in der Produktion und Entwicklung kontinuierlich verbessert und gilt heute als die größte Wirtschaftsmacht. Daher denke ich, dass dem heutigen Leser die einzelnen Berichte nicht mehr aktuell erscheinen. Ich würde das Buch „Poorly Made in China“ nur begrenzt empfehlen, da dem Leser mehr oder weniger nur ältere Tagebucheinträge eines Vermittlers und seinen eigenen Erfahrungen mit dem Import und Handel in China näher erläutert werden. Der Autor geht nicht weiter auf die sozialen, kulturellen und psychologischen Perspektiven der Chinesen ein, was ich persönlich vermisst habe, denn für die Vorbereitung auf mein Auslandssemester habe ich leider nichts Wichtiges lernen können.

 

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