Gebäude P9, Raum 205, Universität Paderborn
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#WeJustNeedToPee

#WeJustNeedToPee

[English translation below]

In den letzten Wochen haben wir eine Protestaktion gestartet, um auf die Schwierigkeiten von transgender und inter* Studierenden aufmerksam zu machen. Die öffentlichen Toiletten der Universität Paderborn enthalten nun in diversen Kabinen eine Notiz, dass auch trans und inter Leute ab und zu die Toiletten aufsuchen müssen und dass das Aussehen anderer Studierender nicht kommentiert werden muss. Die zuerst trivial erscheinende Notiz beleuchtet trotzdem ein großes Problem.

In der Konzeption öffentlicher Gebäude werden inter und trans Leute oftmals nicht mitgedacht. Zum Beispiel indem es keine richtigen Unisex-Toiletten gibt. Wenn sich an der Universität Paderborn nicht-binäre und inter Personen nach Unisex-Toiletten erkundigen, wird auf die Be_hinderten-Toiletten verwiesen. Das schafft trotzdem ein falsches Bild und viele trans Menschen, denen es „erlaubt“ wurde die Be_hinderten-Toiletten zu nutzen, trauen sich trotzdem nicht diese zu benutzen aus Angst angestarrt zu werden, weil andere sie als „nicht be_hindert“ einstufen. Oder weil sie selbst nicht be_hinderten Studierenden „den Platz wegnehmen“ wollen. Oftmals gehen trans Menschen deswegen gar nicht auf öffentliche Toiletten und warten damit ab bis sie wieder zu Hause sind.

Not-so-funfact: trans Menschen besitzen ein vierfach so hohes Risiko UTIs (= Harnwegsinfekte wie zum Beispiel Blasenentzündungen) zu bekommen.

Einige cis Feministinnen kämpfen unterdessen dafür, dass „Safe Spaces für Frauen“, darunter auch Toiletten, erhalten bleiben müssten. Dennoch dürfen wir nicht vergessen, dass trans Frauen auch Frauen sind. Unabhängig von Passing oder Aussehen.

Es wird sich an Argumentationen geklammert, dass cis Frauen vor Männern, welche sich nur als „trans ausgeben“, um sie sexuell zu belästigen, geschützt werden müssten. Währenddessen wird ignoriert, dass es in der Vergangenheit keinen Unterschied gemacht hat, ob ein Abuser oder Vergewaltiger Toilettenräume betrat um Menschen zu belästigen. Ob Maskerade oder nicht. Ein Toilettenschild, welches Geschlecht angeben soll, hatte auch damals Täter nicht abgehalten.

Nur werden jetzt durch Medienaufmerksamkeit trans Menschen, allem voran trans-weibliche Personen, als potenzielle Vergewaltiger*innen stilisiert, nur weil ihnen zum Beispiel durch vermutete Genitalien eine Machtposition über cis Frauen zugeschrieben wird.

Die Wahrheit ist, dass es für trans Personen traumatisch ist eine öffentliche Toilette zu betreten und jedes Mal abzuwägen, ob sie durch ihre öffentliche Präsenz, ihre pure Existenz, nun angegriffen werden oder nicht.

Und angesichts der Debatte wie sexuelle Übergriffe vorzubeugen seien, kann vermerkt werden, dass sexuelle Übergriffe gegen trans Personen kaum beachtet werden. „The report of the 2015 U.S. transgender survey“ zeigt, dass fast die Hälfte aller befragten trans Personen schon mindestens einmal Opfer sexueller Gewalt wurden (47%). 30% der Täter waren fremde Personen.

Die Zahlen der Opfer variieren auch bei Geschlecht: 51% aller trans Männer waren von sexueller Gewalt betroffen, weniger häufig betroffen waren trans Frauen mit 33%. Die größte Häufigkeit Übergriffigkeit zu erleben war bei nicht-binären Menschen am höchsten mit 55%!

Für mehr Informationen kann noch das unter der englischen Übersetzung vorhandene Video von Kat Blaque hilfreich sein.

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English translation:

#WeJustNeedToPee

In the last weeks we started a protest regarding the toilet situation in the University of Paderborn to highlight the situation many trans and intersex students face. The public restrooms of the university now feature notes that say that even trans and intersex students sometimes have to use the restroom too and that the appearance of others should not be commented on. This seemingly trivial message still highlights a big problem.

Trans and intersex people are normally only an afterthought (if at all) when it comes to the conceptual design of public toilets. For example: when there are no unisex toilets. When trans and intersex students ask if there are any unisex toilets they are told to use the toilets for disabled people. That creates a false picture and many trans people who “are allowed” to use the accessible toilets still don’t want to or are afraid to use them because either others might judge or stare at them and declare them as “obviously not disabled”, or they say they don’t want to take away accessible spaces from disabled students. Often times intersex and trans people wait until they get home to use their own toilet and avoid public toilets altogether.

Not-so-fun-fact: Trans people’s risk of getting UTIs (= urinary tract infections like bladder infections) is four times higher than the risk for cis people.

Meanwhile cis feminists campaign for the “preservation of safe spaces for women”, including women’s toilets. But we shouldn’t forget that trans women are women too, regardless of passing or appearance.

Many even hold on to the argument that cis women need to be protected of men who just “claim to be trans” to sexually harass or assault them in restrooms. Meanwhile many ignore that it made no difference in the past how an abuser or rapist got into a restroom to harass people. Masquerade or no. A sign that is supposed to denote gender did not stop perpetrators before.

Now, partly due to the media’s attention to trans people’s existences and their stories, trans people and especially trans-feminine people are made out to be potential rapists, just because they are assigned a position of power over cis women due to their supposed genitals.

The truth is that for many trans women entering public toilets can be very traumatic. Often, they have to evaluate every time whether their presence, their pure existence, will be used to justify an attack against them.

And regarding the debate on sexual violence and how to prevent those crimes, one has to note that the sexual assaults on trans people rarely get attention. “The report of the 2015 U.S. transgender survey“ shows that almost half of trans people have experienced sexual violence (47%). 30% of the perpetrators were strangers.

The numbers also vary according to gender: 51% of the questioned trans men have experienced sexual violence, while trans women experienced less (33%). The group that experienced the most sexual violence were non-binary people, with 55%!

For more information you can watch this short video by Kat Blaque:

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