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Solidarität mit Black Lives Matter

Solidarität mit Black Lives Matter

CW: rassistische Gewalt

Wie ihr hoffentlich schon mitbekommen habt, gibt es momentan eine riesige Welle an internationalen Protesten im Zuges des Todes von George Floyd, der durch die Polizei ermordet wurde. Es sind absolut schreckliche Bilder die momentan um die Welt gehen. Die afro-amerikanische Bevölkerung der USA ist einem überproportionalem Risiko ausgesetzt durch Polizisten getötet zu werden. So sind beispielsweise gute 6% der kalifornischen Population Schwarz, jedoch liegt der Anteil an Schwarzen Menschen die von der Polizei erschossen werden bei 16% [1]. Man kann viel nach den Gründen suchen, doch am Ende ist es immer Rassismus, individuell sowie institutionell.

Bei uns ist das sicher anders, oder? Das moderate Europa, das offene Deutschland, „sowas passiert hier ja nicht“. Doch, genau diese Art von systematischen Rassismus und Polizeibrutalität kann man auch bei uns sehen. Wir möchten an Fälle wie den von Oury Jalloh erinnern, der in Polizeigewahrsam vor gut 15 Jahren verbrannt ist. Die zuständigen Beamten erfuhren kaum Konsequenzen, trotz eindeutiger Gutachten [2]. Das sind Menschen die heute noch unter uns sein könnten, wenn die rassistische Mentalität der zuständigen Behörden nicht gewesen wäre. Und auch Europa hat eine lange und schreckliche Geschichte, wenn es um Sklaverei und die Ausbeutung des afrikanischen Kontinents geht. Man könnte Europa auch das Epizentrum kolonialistischer bzw. ausbeuterischer Bestrebungen nennen [3]. Wir müssen uns aktiv dagegen stellen und dabei dürfen wir unser „Erbe“ nicht vergessen. Wir sind eine mehrheitlich weiße Initiative und damit auch ziemlich privilegiert. Das heißt, dass wir uns keine Sorgen darüber machen müssen, nur aufgrund unserer Hautfarbe von der Polizei kontrolliert zu werden oder direkt unter Generalverdacht gestellt zu werden. Was kann man als einzelne Person von Deutschland aus nun machen? In diesem Twitter-Thread zählt Sharon Dodua Otoo gute und wertvolle Punkte auf:

Wir empfehlen euch auch ein paar deutschsprachige Accounts, z.B. Aminata Touré, die Vizepräsidentin des schleswig-holsteinischen Landtages oder auch Tupoka Ogette, die Autorin von „Exit Racism“, einer absoluten Leseempfehlung (auch auf Spotify als Hörbuch). Hört ihnen zu, ihre Stimmen sind wichtig!

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Mein Gastbeitrag bei @bento_de: „Schwester, wie gehts dir?", fragt der Schwarze Koch im Restaurant als ich meine Rechnung bei seinem Kollegen bezahlen möchte. Es ist an dem Tag, an dem die ganze Welt über den Tod von George Floyd spricht. Er nennt mich aber nicht deshalb "Schwester", sondern weil wir das oft tun, uns "Bruder" und "Schwester" nennen. Genau wie wir uns oft auf der Straße zunicken oder zulächeln, ohne uns vorher je gesehen zu haben. Weiße Menschen, die mich begleiten, fragen dann gern: "Kanntest du den?" Oft sage ich: "Nein." Warum wir das tun? Weil wir eine Geschichte teilen. Die Geschichte Schwarzer Menschen weltweit, die unser Leben bis ins Heute prägt. Die Ermordung von George Floyd, die Polizeigewalt gegenüber Schwarzen Menschen und der anhaltende Rassismus in den USA sorgt auch für Debatten hier in Deutschland.  Eine oft gestellte Frage ist dabei: "Kann man das überhaupt vergleichen?" Manchmal wird auch einfach von Weißen postuliert: "Der Kampf Schwarzer Menschen hier ist doch nicht einmal ansatzweise vergleichbar mit dem derer in den USA!" Statistiken zur amerikanischen Polizeigewalt zu Folge sind 24% derer, die durch Polizeigewalt getötet wurden, Schwarze, obwohl sie in der Gesamtbevölkerung nur 13% ausmachen. Das ist eklatant – und nicht mit Deutschland zu vergleichen. Es geht bei den Protesten in den USA aber nicht nur um die Polizeigewalt. Die Gewalt ist die Spitze des Eisberges. Es geht um Rassismus in allen Bereichen des Lebens. Was sich daher schon vergleichen lässt, ist, dass Rassismus gegen Schwarze dort so wie auch hier stattfindet. Man muss sich schon klar machen, wie vermessen eine Aussage wie "Seid doch froh, hier zu sein. In den USA werden Schwarze erschossen, hier nicht!", ist.  Dieser Satz besagt nichts anderes als, dass wir dankbar sein können, nicht erschossen zu werden. Wir geben uns aber nicht damit zufrieden nicht erschossen zu werden. Wir verlangen den gleichen Respekt und Behandlung, wie weiße Menschen ihn erfahren. Rassismus erfahren Schwarze Menschen und People of Color tagtäglich. Auch in Deutschland. Sie berichten davon, sie schreiben Bücher dazu, sie machen Musik dazu, sie positionieren sich (…) 👇🏾

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Aber warum beschäftigen wir uns damit? Als queere Initiative haben wir doch überhaupt nichts damit zu tun, oder?

Erst einmal ist es ein massives Privileg sich dieser Sache zu entziehen. Als marginalisierte Gruppen ist Zusammenhalt und gegenseitige Unterstützung extrem wichtig. Und doch, das haben wir sehr wohl, denn mit dem gestrigen Tag begann der Pride Month. In diesem Monat gedenken wir den Ursprüngen unserer eigenen queeren Kultur. Als vor 51 Jahren die Stonewall Riots begannen, stand die schwarze trans* Frau Marsha P. Johnson an vorderster Front. Ihr wird zugeschrieben einen der ersten Steine geworfen zu haben, als Polizisten am 28. Juni 1969 das Stonewall Inn, eine populäre Bar der queeren Community in New York City, räumten und anzündeten. Dieser Moment markiert den Beginn der modernen LGBTI+-Bewegung. All der Fortschritt, den die queere Community seitdem hier im Westen erfahren hat, gehen quasi auf sie zurück. Das kann für uns nur eine Konsequenz haben und die heißt Solidarität.

Fotoquelle: Marsha P. Johnson Institut, via Twitter (@MPJInstitute)

Der Kampf gegen Rassismus hört nicht mit den Protesten auf. Wir hoffen, dass ihr euch auch danach aktiv gegen solche Mentalitäten stellt, sei es im Alltag, auf der Straße oder im Netz. Alles andere wäre scheinheilig. Redet mit euren schwarzen Freunden (wenn sie möchten), lasst sie sprechen und hört ihnen zu. Sprecht mit euren Familien und Freunden über die Vorkommnisse, sprecht Menschen auf das Thema an. Falls ihr mehr über die Themen erfahren wollt, gibt es hier einen weiteren Twitter-Thread mit einer Auflistung an relevanter (englischsprahiger) Literatur von Yara Shahidi. Bei Interesse können wir gern mehr Literatur zusammenstellen. Zum Schluss empfehlen wir noch diesen wunderbaren Guide to Allyship. Dort wird erklärt wie man sich als Außenstehender unterstützend verhalten kann. Wir hoffen, dass euch unser Beitrag dazu gefällt. Gebt uns gerne Feedback und Verbesserungsvorschläge, direkt als Kommentar oder per Mail.

Quellen:

[1] AlJazeera.com
[2] spiegel.de
[3] Bundezentrale für politische Bildung, „Die Entstehung des Rassismus“, Jean-Christoph Victor, Mit offenen Karten, 01/2012. Link

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