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Profile – Trans* und Inter* an der UPB

Profile – Trans* und Inter* an der UPB

(English translation follows soon)
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Eigentlich mag ich diese Uni. Mein Studium macht mir Spaß und stellt mich vor Aufgaben, die mich herausfordern. Außerdem gibt mir diese queere Gruppe an der UPB ein „Zuhause“, das hatte ich zum Beispiel in meiner alten Stadt nicht. Paderborn hat dafür diverse queere Gruppen, wo mensch die unterschiedlichsten Menschen kennenlernen kann. Dennoch ist es manchmal schwierig das Unigelände aus verschiedenen Gründen zu navigieren. Das liegt daran, dass ich trans und inter bin, und mich geschlechtlich als weder männlich noch weiblich verorte. Diese Dinge tauchen jeden Tag auf und führen dazu, dass mein Alltag immer schwieriger zu bewältigen ist. Leider weist auch die Uni Strukturen auf, die nicht immer freundlich gegenüber uns inter und trans Personen sind.

Binäres Geschlecht ist wie ein (fast) weltweit verbreiteter Insider-Witz und du bist eine der wenigen Personen, die nicht eingeweiht ist. Der Großteil der Uni kann lachen, aber mein Alltag besteht leider oftmals auch aus kämpfen. Kämpfen nach Anerkennung.

Anlässlich des Intersex Awareness Day (26.10.) sind hier einige Aspekte, die inter und trans Menschen Steine auf dem Pfad zu einer höheren Bildung in den Weg legen, und wie wir alle zusammen diese abbauen können:

Zu allererst muss wieder auf die Toilettensituation hingewiesen werden, welche wir schon in einem anderen Post erwähnt haben.
(Siehe hier: https://groups.uni-paderborn.de/queers/index.php/2019/08/03/wejustneedtopee/ )

Die einzige Unisex-Toilette, welche für die generelle Studierendenschaft zugänglich ist, befindet sich im Kellergeschoss. Wir trans, nicht-binäre und inter Personen werden also einfach mal in den dunklen Keller verbannt. Ansonsten wird immer von dem Sekretariat darauf hingewiesen, dass wir doch die Behindertentoiletten nutzen sollen, da dort „All Gender“ draufsteht. Warum das unangenehm sein könnte, haben wir schon einmal in unserem Post zu #WeNeedToPee gesagt. Leider wurde dieser Hinweis mit den Behindertentoiletten auch einer Freundin gesagt, die eine trans Frau ist. Und Frauen sollten doch die Möglichkeit haben auf die Frauentoilette zu gehen. Dies zeigt, dass ein Verständnis von trans und inter Personen seitens der Uni einfach noch nicht da ist und wir oftmals als etwas „Separates“ oder „Außergewöhnliches“ begriffen werden.

Dasselbe Problem besteht beim Hochschulsport mit den gegebenen Umkleiden. Uns erreichten zwischendurch E-Mails von anderen trans Menschen, welche fragten welche Möglichkeiten es gibt. Oft führt die mangelnde Inklusion dazu, dass wir einfach dann gar keinen Sport machen und von weiteren Bereichen des sozialen Lebens ausgeschlossen werden.

Die Situation bezüglich der vielen Ausweise aus Plastik an der Universität wurde oft im StuPa diskutiert, allerdings z.B. eher aus der Perspektive des Umweltschutzes.
Jedoch muss auch aus trans und inter Perspektive erwähnt werden, dass es sehr mühsam ist diverse (haha ;)) Karten wegen einer Namens- und Personenstandsänderung erneuern zu müssen.
Um meinen Namen zu ändern, hatte ich mich zum Studierendensekretariat begeben. Dort zeigte ich meinen DGTI-Ausweis vor, welcher trotz seines über 20-jährigen Bestehens der Uni nicht bekannt war. Die zuständige Mitarbeiterin hatte die Gleichstellungsbeauftragte aufgesucht und sich mit ihr abgesprochen, was mir damals etwas Angst zusetzte, weil ich im Falle einer Nicht-Akzeptanz des Ausweises mir nicht mal dort Hilfe suchen könnte.
Bevor aber eine Namensänderung durchgeführt werden konnte, wurden mir noch einige Fragen gestellt, zum Beispiel ob ich denn dann auch diese Zwangstherapie durchführen lassen würde. Ich sagte „Ja“, meinte aber damit insgeheim „Nein“, und danach wurde mir zum Glück doch bestätigt, dass der Name geändert wird. Jedoch nicht mein Geschlechtseintrag, denn damals gab es den „divers“ Eintrag bzw. PStG §45b für inter Menschen noch nicht.

Dennoch: eine Namensänderung muss ohne weitere Bedingungen durchgeführt werden können, sodass eine Inklusion von trans und inter Studierenden gewährleistet und Diskriminierung abgebaut werden kann!
Das einfache Vorlesen einer Kursliste in Seminaren und Übungen kann dazu führen, dass geschlechtlich marginalisierte Studierende vor Kommiliton*innen gegen ihren Willen geoutet werden.

Desweitern fällt auf, dass für das Ausstellen einer Deli-Card der Personalausweis nötig ist. Aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen, dass dies weitere Hürden mit sich bringt.
Meine Namensänderung an der Uni konnte im 1. Semester durchgeführt werden, die offizielle (für Perso & Co.) aber erst Ende des 3. Semesters. Somit konnte ich 3 Semester lang nicht in der Mensa Forum essen. Das bedeutet weiteren Ausschluss. Wir können also nicht mal mit unseren Freund*innen in der Mensa essen ohne uns vor Mitarbeitenden der Uni zu outen, um ein Stück Plastik zum Bezahlen zu erwerben.

Die Stimmung unter den Studierenden ist eine weitere Sache. Nicht-Betroffene denken oftmals nicht über diskriminierende Äußerungen nach. So benutzen Studierende „Schwuchtel“ oder „Transe“ als Beleidigungen, oder auch „behindert“, obwohl die sprechende Person selbst Sonderpädagogik studiert. Sobald auch sexuelle Übergriffe durch trans- und interfeindliche Täter zur Sprache gebracht werden, gibt es kaum Verständnis oder Angebote für Opfer. Einige nehmen an, dass das Opfer selbst Schuld wäre, weil der Täter „einfach neugierig war“ und trans und inter sein einfach so eine „Seltenheit“ sei.

Wie mensch sieht, gibt es viele Bereiche, die reformiert werden müssten. Wir werden jedenfalls weiterhin für die Gerechtigkeit von marginalisierten queeren Personen kämpfen. So wie auch jeder andere Gesellschaftsbereich ist leider die Uni noch in Teilen feindlich gegenüber inter und trans Personen. Die nicht-betroffene Mehrheitsgesellschaft besitzt eine Machtposition, welche zu überwinden gilt.
Dies gelingt uns aber nur, wenn entsprechend viele Studierende aufmerksam gemacht werden und mit uns für diese Inklusion kämpfen. Denn so viele Probleme haben eigentlich einfache Lösungen…

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