Kurzgeschichte – Eine schöne Bescherung

Weihnachten. Für viele die Zeit der Liebe und Besinnlichkeit. Aber nicht alle Menschen können etwas mit dem christlichen Fest anfangen. Als Einstimmung könnt ihr hier eine kleine Kurzgeschichte über eine  WG in Paderborn lesen. Natürlich sind Ähnlichkeiten zu real existierenden Personen und Handlungen rein zufällig!

Eine kleine Nachricht, die alles verändert..., Grafik: nic
Eine kleine Nachricht, die alles verändert..., Grafik: nic

23. Dezember. Der Wecker leuchtet auf. 10:18 Uhr. Wie bei der Häutung einer Schlange schält sich ein Arm unter der Decke hervor. Sie gehört Steffen. Seine Hand wischt schnell über das Smartphone und verschwindet schnell wieder ins Warme. Snooze. Wie bereits die letzten 17 Mal. Ein Moment der Stille im abgedunkelten Zimmer kehrt ein.

Die Tür schwingt lautstark auf. „Aufwaaachen“, flötet eine männliche Stimme, die sich bemüht, besonders feminin zu klingen. Es handelt sich um Niko, Steffens Mitbewohner. Unter der Decke grummelt etwas undeutlich. „Jetzt steh auf. Die Neun kommt in einer halben Stunde, der Kaffee wird gleich kalt und ich…“ Bei dem Wort ‚Kaffee‘ erhebt sich Steffen aus dem Bett. Gähnend streckt er sich kurz, wirft sich die Decke wie eine Toga um und überquert nicht ohne eine königliche Würde seine Türschwelle. „… und ich wollte dir noch schöne Feiertage wünschen, König der sieben Königslande.“ beendet Niko seinen Satz amüsiert.

Mit einer Tasse Kaffee in der Hand lassen sich beide auf das Sofa in der WG fallen. Die Heizung gluckert vor sich hin, in einer Ecke hängt ein einzelner Adventskalender neben einem Pulp-Fiction-Poster. Auf dem Esstisch, direkt neben dem vollen Wäscheständer, stehen Reste eines
Frühstücks.

Das Radio wird angeschaltet. Es erklingen die ersten Synthie-Töne von ‚Last Christmas‘. Das Radio wird sofort wieder ausgeschaltet. „Wie kann man eigentlich nur so eine Abneigung gegen Weihnachten haben?“, fragt Niko. „Wie kann man Konsum, Materialismus, Deko-Wahn und allgemeine Scheinheiligkeit nur gut finden?“, erwidert Steffen. Sein Gegenüber schüttelt den Kopf.

„Du Pessimist. Kein Wunder, dass unsere Weihnachtselfe bereits fluchtartig unsere Bude verlassen hat.“ „Pfff. Jessi wollte für die Feiertage sowieso in die Heimat zurück. Sehr nett von ihr, auch die ganze Deko mitzunemen“, murmelt Steffen in seinen Kaffee und trinkt einen Schluck.

Steffen trinkt einen Schluck, stellt die Tasse ab und schaut auf sein Smartphone. 17 ungelesene Nachrichten. Überall die gleichen niedlichen Tiere mit Mützchen, die Gifs mit tanzenden Engelchen und Wichteln, alle wünschen sich ein frohes Fest.

Plötzlich hält Steffen inne. Er blinzelt, schaut intensiv auf den Bildschirm. „Scheiße. Scheiiiße!“, jammert er, wirft die Decke ab und sprintet in die Küche. Niko schaut ihm verwirrt hinterher. „Is‘ was, Doc?“, fragt er und latscht in die Küche. Der Wasserhahn ist voll aufgedreht und plätschert auf den Berg an ungewaschenem Geschirr herab. Steffen wühlt im Schrank unter der Spüle herum. „Verdammt, wo steht der Bodenreiniger. War der nicht hier? Arrgh!“ schimpft er mit sich selbst. Nico seufzt: „Ich würds mal im Badezimmer probieren, Amigo. Wieso biste denn so panisch?“ Steffen huscht hoch. Sein Hinterkopf trifft die Küchenplatte. Laut fluchend richtet er sich auf und reibt sich den Kopf. „Ach nichts. Ich bin nur richtig am Arsch. Wenn du jetzt bitte aufhören könntest zu grinsen, während ich mich auf mein Todesurteil vorbereite, wäre ich dir sehr verbunden“, mault er Niko an und zeigt ihm sein Smartphone. Auf dem Display sieht man einen Lach-Emoji, einen Weihnachtsmann-Emoji und einen Tee-Emoji. Darunter steht eine Nachricht: „Huhu. Jörg und ich wollten dich überraschen und vorbeischauen. Kannst schon Mal Tee und Kekse vorbereiten. Bis später, Mama“. Niko schaut zu Steffen auf. „Schöne Scheiße. Und jetzt?“

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www.upb.de/universal

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