“March for Science”

Unter dem Motto „Science Matters“ veranstaltete der AStA der Universität Paderborn am 14. April am Stadtcampus eine öffentliche Diskussionsrunde mit mehreren Vertretern der Universität.
Damit beteiligte sich der AStA am internationalen „March for Science“, der den Stellenwert der Wissenschaft gegenüber den sogenannten „Alternativen Fakten“ verteidigt. Die Bewegung entstand aus einer Reddit-Diskussion, nachdem Donald Trump 2017 die Informationen auf seiner Website zum Klimawandel löschte. Als Folge organisierten WissenschaftlerInnen und AkademikerInnen weltweite Protestmärsche, in denen sie auf die zunehmenden Einschränkungen der Wissenschaft durch PolitikerInnen auf der ganzen Welt aufmerksam machten und den Stellenwert der Wissenschaft zurückforderten. Dies geschah erstmals am 22. April 2017, dem Tag der Erde, und in diesem Jahr eben am 14. April.

Im Stadtcampus kam es zu angeregten Diskussionen unter den Rednern. Foto: acr
Im Stadtcampus kam es zu angeregten Diskussionen unter den Rednern. Foto: acr

Zu Protestmärschen, wie sie andernorts wieder vielfach stattfanden, kam es am Stadtcampus aber nicht. Stattdessen wurde unter Moderation des AStA-Vertreters Matthias de Jong über „Fake News“, „Verschwörungstheorien“ und das „wachsende Misstrauen in Teilen der Gesellschaft gegenüber der Wissenschaft“ geredet. GastrednerInnen waren Prof. Dr. Birgitt Riegraf, die Präsidentin der UPB, Prof. Dr. Volker Peckhaus, Dekan der Fakultät für Kulturwissenschaften, Prof. Dr. Dr. h. c. Peter Freese, Vorsitzender des Alumni Paderborn e. V. und Prof. Dr. Merle Tönnies als Sprecherin des Senats der UPB.

Auf Ursachensuche für die wachsende Skepsis gegenüber der Wissenschaft schilderte Freese als Amerikanist die lange Tradition der Ablehnung von wissenschaftlichen Theorien in den USA, insbesondere in Bezug auf die Evolutionstheorie. Ein Problem, das aber nicht nur die USA betrifft, erklärte Riegraf. So beginne die Politik zunehmend wissenschaftliche Erkenntnisse zu ignorieren, wo diese nicht zu ihren Argumenten passen. Dadurch würde nicht nur deren Verhältnis neu definiert, es komme, wie sich im Diskurs mit den anderen RednerInnen zeigte, auch zur direkten Beeinflussung des wissenschaftlichen Arbeitens durch die Politik, nicht zuletzt durch die Verteilung von Fördermitteln. Äußerst bedenklich, da sie damit in ihrer Freiheit und somit auch ihre Rolle innerhalb von Demokratien eingeschränkt wird.

Das allgemein verlustig gegangene Vertrauen in die Wissenschaft muss wiederhergestellt werden. Dazu müsse, laut Tönnies, zum einem der Bildungsauftrag der Universitäten und Schulen in allen Disziplinen über das Fachspezifische hinaus sowie allgemein kritisches Denken gefördert und die Menschen so wieder auf kultureller, gesellschaftlicher und wissenschaftlicher Ebene für alle Informationen, die ihnen geboten werden, sensibilisiert werden.

Dies gehöre laut Peckhaus auch zu den Dingen, die an der UPB getan werden können, um die Wissenschaft wieder zu stärken. Die Fähigkeit Gelerntes einordnen zu können sei wichtig, genau wie ein offener Diskurs zwischen Lehrenden und Studierenden. Interdisziplinarität und die Aufarbeitung der Geschichte innerhalb der Lehre würden nach Freese das kritische Denken weiter fördern.

Mehr oder weniger einig waren sich alle RednerInnen darin, dass sich das Verständnis von Wissenschaft verändert hat. Sie müsste offener und aktiver werden, kommunizieren und vor allem in Deutschland politischer werden, um ihren wichtigen Platz innerhalb der Demokratie zu verteidigen.

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