Ein Thema – Zwei Meinungen: Einhorn oder Keinhorn?

(chf/ste)

Der Einhorn-Hype ist real und die Welt gespalten. Während die einen den Trend abfeiern und das Einhorn zu ihrem neuen Lieblingstier auserkoren haben, können die anderen die Fantasiewesen nicht mehr sehen. Auch unsere Redaktion ist, was das Thema angeht, gespalten. Aber lest selbst:

Bild von Einhornbier - Kommerzielle Einhornverwendung, Foto: msc
Kommerzielle Einhornverwendung, Foto: msc

(chf)

Mal ehrlich: Wie geil sind eigentlich Einhörner? Antwort: Sehr geil! Ich meine, wer hat sich noch nie ein Pferd mit einem Horn gewünscht? Jeder, der jetzt sagt, er habe es noch nie getan, ist ein Lügner.
Ich behaupte, man muss nur die erhabene Geschichte der Einhörner betrachten. Die erste wichtige Erwähnung findet sich im „Physiologus”, einer frühchristlichen Schrift. Schon dort stehen sie für Reinheit und Eleganz. Generell sind Einhörner als das edelste aller Fabeltiere bekannt und ein absolutes Symbol für das Gute. Auch in der Religion sind Einhörner vertreten, man findet sie im Alten Testament. In christlichen Geschichten können sie wegen ihrer absoluten Reinheit nur von Jungfrauen gebändigt werden. Das eine Horn steht sinnbildlich für den Monotheismus und hat somit etwas göttlich Erhabenes. Wenn man länger leben will, dann muss man nur das Blut eines Einhorns trinken, wie schon Tom Riddle wusste. Sogar der große Entdecker Marco Polo behauptete, auf Sumatra ein Einhorn gesehen zu haben. Dass dies bloß ein Sumatra-Nashorn war, wage ich anzuzweifeln. Schon bei den mittelalterlichen Alchemisten symbolisiert das Einhorn den Spiritus Mercurius. Dadurch stand das Einhorn für die aktive Reinheit, das befruchtende Schwert und die durchdringende Kraft des Mercurius-Geistes (Mercurius = Quecksilber). Außerdem möchte jeder – und absolut JEDER – ein Einhorn haben, auf ihm reiten und einen Regenbogen aus Glitzerstaub hinter sich herziehen. Denn nur mit einem Einhorn steht man mit beiden Beinen fest im Glitzer.

(ste)

Nervige Tierwesen und wo sie zu finden sind:
„Riech mal, ich rieche nach Einhornpups!“ - „Oh guck mal, ein Einhorn, das ist sooooo flauschig!“ - „Ich habe mir heute Einhornduschgel und Einhornschokolade gekauft, lege mich jetzt unter meine Einhorndecke, mache meine Lightbox mit #UNICORN an und wärme mich mit meinem Einhornkörnerkissen.“ - „Was ich heute ins Resi anziehe? Natürlich meinen Einhorn-Onesie!“
Wenn ich solche Sätze höre, kotze ich im Strahl - und zwar definitiv keine Regenbögen! Keinen Schritt kann man mehr vor die Tür wagen, ohne nicht von pinkem, flauschigem und/oder verstörend glitzerndem Einhornscheiß erschlagen zu werden. Und nein, Einhornscheiße riecht nicht nach Zuckerwatte, genauso wenig wie eure, wenn ihr euch mit entsprechend bedrucktem Klopapier den Hintern abwischt! Anstatt individuell zu sein, lauft ihr wie zweihörnige Schafe blind einem Hype hinterher.
Was mich dabei am meisten erschreckt? Das Klientel! Wo man Mädchen zwischen 3 Monaten und 8 Jahren erwartet, die glücklich „My Little Pony“ spielen, sieht man reihenweise Jugendliche und sogar Erwachsene, die dem Trend erliegen und überteuerte Einhornprodukte kaufen. Und warum? Hauptsächlich wohl, weil es einfach mal wieder jeder macht. Oder weil diese Leute geistig noch nicht viel weiter sind als die ursprünglich mit dem Trend angedachte Zielgruppe. Oder weil sie einfach ihren Einhorn-Namen geiler finden als ihren richtigen. In diesem Sinne: Euer Black Pupsi.

 

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