Buchkritik: Eine Eisdiele und zwei Schwestern

Francesca Adler, von Beruf Flugbegleiterin, ist seit mehr als zwanzig Jahren verheiratet. Aufgrund ihrer Vorliebe für Kosmetik, Kleidung und teure Autos, überzieht sie ihr Konto und hat eine Menge Schulden aufgebaut. Sie sieht sich also dazu gezwungen das alte Eiscafé ihrer Eltern, die Gelateria Paradiso, aufzulösen.

Titelbild von Stefanie Gerstenbergers "Gelateria Paradiso"
Titelbild von Stefanie Gerstenbergers "Gelateria Paradiso"

Bei dieser Ladenauflösung trifft sie auf die Tischlerin Susanne Werner. Diese kommt ihr merkwürdig bekannt vor. Sie kann dieses Gefühl aber erst richtig einordnen, als Lennart, ein 35-jähriger Mann auf dem Stand eines Vierjährigen, ein Foto ihres Vaters entdeckt. „Das bist du! Aber du bist ein komischer Mann mit komischen Haaren“, sagt Lennart zu Susanne und lacht, denn dem Mann auf dem Foto sieht Susanne verdächtig ähnlich.

Francesca und Susanne stellen fest, dass sie Halbschwestern sind und fahren nach Italien, um die geheime Familiengeschichte von ihrem sterbenden Vater zu erfahren.

Die italienischen Aussprüche, wie „Fare scioccherzze“ das auf Deutsch „Quatsch machen“ bedeutet, wissen zu gefallen. Auch die italienische Gastfreundschaft, die „la famiglia“ Susanne zukommen lässt, ist authentisch. Es stellt sich beim Lesen ein Italien-Feeling ein.

Francesca wirkt eiskalt, äußerst geldgierig und egoistisch. Das macht sie besonders unsympathisch. Ihre Freundin Katja aber macht Francesca auf eine Art deutlich, was sie von ihrem Verhalten hält und spricht uns dabei aus der Seele. In der Ehe sollte man seinen Partner in die Dinge miteinbeziehen, die passieren und die untrennbar mit der eigenen Identität verbunden sind. So fehlte einem jegliches Verständnis dafür, dass Francesca ihm und ihrer gemeinsamen Tochter alles zu ihrer Familie verheimlicht hat. Beim Lesen denkt man häufiger: „Was soll denn das jetzt?“

Susanne hingegen wirkt von Beginn an sehr sympathisch. Es war leicht, die Welt aus ihren Augen zu sehen. Sie, die adoptiert wurde und in ihrer Kindheit, statt der Liebe einer Familie, viel Demütigung erfahren hat, war gutmütig, warmherzig und aufgeschlossen. So sorgt sie liebevoll für Lennart, der sich wie ein Kind verhält. Dieser Umstand macht ihn als Charakter liebenswerter, da seine Kommentare, wie „Du stinkst. Aber ich mag dich.“ zum Lachen anregen. Er ist offen und ehrlich und steigert dabei so nebenbei den Grad der Unterhaltung.

Diese Familiengeschichte ist so bewegend wie authentisch, sodass man sich direkt in die Zeit der italienischen Gastarbeiter zurückversetzt fühlt. Auch das typische Italien-Gefühl bleibt noch mit dem Happy End bestehen.

Buchtitel Gelateria Paradiso
Autor Stefanie Gerstenberger
Genre Italien-Roman
Wertung 4 von 5 Büchern

Neuen Kommentar schreiben