Kommentar: 2018 — Was ein Scheißjahr

Einen Jahresrückblick soll ich schreiben, wurde mir gesagt. Lustig soll er sein, wurde mir gesagt. Bloß nicht langweilig, wurde mir gesagt. Nicht so einen wie jeder schon tausende Male gelesen hat, wurde mir gesagt. Für mich klang das jetzt nicht so schwer. Ich meine, das Jahr ist ja schon passiert, also musste ich nur die Ereignisse chronologisch abschreiben und den einen oder anderen blöden Witz dazu schreiben. Wenn diese Witze dann noch möglichst niemanden triggern, habe ich einen guten Job gemacht. Also ging es los und ich habe noch einmal das ganze Jahr 2018 Revue passieren lassen.

Tschüss 2018! Auf ein 2019, in dem unser Redakteur wieder bessere Witze reißt! Quelle: pixabay
Tschüss 2018! Auf ein 2019, in dem unser Redakteur wieder bessere Witze reißt! Quelle: pixabay

Nach der Recherche war mir sofort klar, dass ein lustiger Jahresrückblick eine mehr als undankbare Aufgabe ist, denn 2018 war ein absolutes Scheißjahr. Natürlich könnte ich jetzt über die Regierungsbildung schreiben, dass der Schulzzug länger fuhr als Martin Schulz‘ Prinzipien hielten, oder dass mein FDP-affiner Kommilitone ganz nach seinem großen Vorbild Christian Lindner seine fast fertige Hausarbeit wieder abgemeldet hat, weil er lieber keine Hausarbeit, als eine schlechte schreiben wollte. Natürlich könnte ich jetzt was zur royalen Hochzeit schreiben und mich drüber ärgern, dass ich nicht als Prinz geboren bin. Natürlich könnte ich blöde Witze über den Echo machen und dabei Parallelen zu unserem Sommerfestfiasko ziehen. Natürlich könnte ich auch über Real Madrids dritten Champions-League-Sieg schreiben und mir wünschen, dass unsere Nationalelf sich mal an Lindners Worte gehalten hätte, oder ich hätte schreiben können, dass ich lieber Italiener oder Holländer wäre, damit mir diese WM erspart geblieben wäre.

Natürlich hätte ich all dies schreiben können, aber hätten diese Ereignisse und diese blöden Witze wirklich das Jahr 2018 perfekt zusammengefasst? Ich glaube kaum und deshalb muss ich mich bei meinem Chefredakteur entschuldigen, aber dieser Jahresrückblick wird nicht so lustig wie er geplant war.

2018 war gerade einen Tag alt, da hat Donald Trump den ersten Dünnschiss losgelassen und forderte Kim Jong Un zu einem Schwanzvergleich mit Nuklearsprengköpfen auf. Er mag zwar den größeren Knopf haben, doch auch ein kleiner Nuklearknopf kann für eine großen Knall sorgen und das hatte der US-Präsident mit seinem Silvesterkater wohl vergessen. Zum Glück haben sich diese beiden Machos im letzten Jahr persönlich getroffen und das ganze scheint entschärft, zumindest vorerst.

Neben der Weltpolitik lief es auch in der deutschen Politik alles andere als gut. Die Altparteien haben reihenweise neue Vorsitzende gewählt und doch hat sich an ihrem Kurs nichts geändert. Während die Altparteien stagnieren, wird die AfD immer stärker und das trotz aller Schnitzer, welche sie sich 2018 geleistet hat. Neben den Rechten im Bundestag scheinen auch die Rechten auf der Straße immer aktiver zu werden. Chemnitz war wohl der unrühmliche Höhepunkt. Auch hier zeigte die politische Rechte ihre hässliche Fratze und marschierte Schulter an Schulter mit Neo-Nazis, nahm verfassungsfeindliche Handlungen wortlos hin und besaß obendrein die Frechheit, dabei eine weiße Rose zu tragen. Dank solcher Aktionen fährt ein Irrer dann in der Silvesternacht Ausländer über den Haufen, um präventiv gegen Anschläge vorzugehen.

Auch der Klimawandel schlug dieses Jahr mit voller Härte zu. Im Winter gab es schlimme Unwetter und im Sommer eine mehrere Wochen anhaltende Dürre. Trotzdem wollen Energieunternehmen einen weiteren alten Wald abholzen, um Braunkohle abzubauen und dem Klima einen weiteren Sargnagel zu verpassen.

Da bleibt nur zu hoffen, dass 2019 nicht genau so ein Scheißjahr wird und wir alle ein bisschen Energie darauf verwenden, dass es unseren Mitmenschen und der Umwelt in diesem Jahr etwas besser geht. Vielleicht können wir so gemeinsam die Welt zu einem besseren Ort machen.

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