Kurzgeschichte "Eine schöne Bescherung" Teil 2 (ahs)

Steffen steckt in einer schwierigen Situation. Ob er noch rechtzeitig mit allem fertig wird, bevor seine Mutter an der Türschwelle steht? Lest selbst!

10:47 Uhr. Steffen tippt Jessis Namen in sein Smartphone. Kurz darauf meldet sich eine weibliche Stimme: „Hallo Steffen! Was gibt’s?“ Steffen steckt eine Hand in seine Hosentasche und schaut betreten auf seine Füße. „Hi Jessi, ich wollt mich nur erkundigen, ob du gut zu Hause angekommen... Ja, die Kekse haben Niko und ich gefunden, vielen Dank nochmal da… Du, Jessi, sorry wenn ich dich da jetzt unterbrechen muss… Ähm, ja, also... wo hast du nochmal die Weihnachtsdeko hingestellt?“ Stille. Dann hört Steffen Jessi aufgebracht schnauben: „Boah, dein Ernst? Ich hab zwei Tage dekoriert und versucht alles hübsch zu machen, während du Grinch bei dir im Zimmer rumgehangen hast, ohne zu helfen. Nein, der feine Herr hält mir lieber einen Vortrag über Materialismus. Und kaum bin ich zu Hause, fragst du ernsthaft nach der Deko? Sachma, hackts bei dir?!“ Steffen zuckt zusammen. „Es tut mir schrecklich leid, wenn das falsch rüber kam. Nein ehrlich, ich fand die Deko schön. Vor allem die Rentiere an der Tür. Ja, auch den kleinen Deko-Baum…“

Ein paar geheuchelte Lobhudeleien später kommt er in die Küche. Niko steht an der Spühle und versucht, den Berg an dreckigem Geschirr abzuarbeiten. „Okay, laut Jessi steht die Deko oben in der Rumpelkammer. Hätte ich mir denken können. Wie sieht die Küchenfront aus?“, fragt Steffen. Niko hebt seine in Gummihandschuhen steckenden Hände und grinst ihn an. „Null Problemo, das krieg ich hin. An deiner Stelle würde ich aber vor dem dekorieren noch überall saugen. Laut Plan bist du eh mit Wischen dran, das schadet auch nicht.“ Steffen seufzt: „Dafür reicht die Zeit niemals... Ich weiß ja nicht mal genau, wann Jörg und Mama auftauchen. Hoffentlich ist Ampelborn auf meiner Seite und der Verkehr im Ring verlangsamt die Beiden ein wenig.“ Niko stellt die Auflaufform neben sich. „Genau! Möge die Ampel mit dir sein, junger Padawan. Und jetzt hol den Staubsauger.“

In der folgenden halben Stunde passiert ein kleines Weihnachtswunder. Wie ein Heinzelmännchen flitzt Steffen durch die Wohnung, sammelt schmutzige Wäsche, startet die Maschine, saugt alle Zimmer, wischt die staubigen Flächen ab, kramt die Deko aus dem Schrank und beginnt den Zustand, der vor wenigen Tagen durch Jessi hergestellt wurde, zu rekonstruieren. Als er fertig ist, kommt er in die Küche. Die glänzt ihm regelrecht entgegen. „Wow! Ich glaube, so sauber war die Küchenspüle das letzte Mal, als ich eingezogen bin“, staunt Steffen. Niko zuckt mit den Schultern. „Ach, es kam über mich. Tee ist auch schon aufgesetzt. Ich hab ne gute und ne schlechte Neuigkeit. Was willst du zuerst hören?“ Steffen setzt sich an den kleinen Küchentisch. „Die Gute zuerst bitte.“ „Hm, also wir haben keine Kekse mehr zu Hause, oder sonst etwas, was du anbieten kannst. Ich hab nichts eingekauft, weil ich auch gleich den Bus erwischen muss und unsere Vorräte sind gähnend leer seit dem letzten Filmabend.“ Steffen stöhnt auf: „Und was soll daran jetzt gut sein? Wieso muss mir das ausgerechnet an nem Sonntag passieren?“ Niko hängt das Küchentuch auf und geht in den Flur. „Das war die Schlechte Neuigkeit, es gibt eigentlich keine guten Neuigkeiten. Ich wünsch dir trotzdem viel Erfolg, muss jetzt auch wirklich los!“

Steffen lehnt sich gegen den Türrahmen der Küche: „Geht klar. Und vielen Dank für die Hilfe, ohne dich hätte ich das never ever  geschafft. Du hast echt was gut bei mir!“ Niko zieht seine Winterjacke an, greift seinen Rucksack und öffnet die Haustür: „Wofür hat man Mitbewohner. Zahl beim nächsten Großeinkauf einfach meinen Anteil und wir sind quitt. So, ich muss dann. See ya later, Alligator!“ Die Tür fliegt zu. Steffen bleibt allein im Flur. Ruhe. Herrlich.

Nach einer Weile klingelt es an der Tür. Hindurch tritt eine kleine, kräftige Frau mit mit langem braunem Haar in einer wetterfesten Winterjacke, begleitet von einem großen, kräftigen Mann mit kurz geschnittenem Haar, ebenfalls in einer wetterfesten Winterjacke. Die Frau strahlt Steffen an: „Hallo mein Kind! Wie schön dekoriert ihr es hier habt! Wir haben ein paar Kekse vom Weihnachtsmarkt mithgebracht, ich hoffe, du hast Hunger “ Die Tür hinter den beiden schließt sich.

Die universal-Redaktion wünscht euch ein frohes Fest! (ahs)

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