Sag mal, hast du Borderitis?

Die deutsche Sprache ist ein Konstrukt im ständigen Wandel befindet. Das ist grundsätzlich eine gute Sache und so wird den Germanisten bei uns an der Uni auch nie wirklich langweilig. Von manchen Wandeln bekomme ich allerdings nur einen schlimmen Brechreiz und noch viel schlimmere Albträume. Von einem dieser Albträume will ich nun berichten:

Nein, nicht dieser Lauch! Foto:Wikipedia
Nein, nicht dieser Lauch! Foto:Wikipedia

In meinem Wohnzimmer sitzt eine Hand voll postpubertärer Jungs mit meinem Mitbewohner Edgar. Edgar ist eigentlich Student, doch er ist wohl in der Pubertät hängen geblieben und hat beschlossen, unsere Wohnung in einen Jugendtreff zu verwandeln. Als ich mich dazusetze, schnappe ich ein Gespräch auf. Der Junge mit der Brille sagt zu Edgar: „Dass die 5-Minuten-Terrine auf deinen Nacken geht, ist so ehrenhaft von dir!“ Edgar antwortet: „Für so einen Snackosaurus wie dich hab ich immer was da. Nicht, dass du noch zur Diva wirst.“ Schon nach zwei Minuten fängt ein blonder Junge ungeduldig an, in seiner Terrine herumzurühren. Edgar schlägt ihm den Löffel weg und fragt: „Bist du verbuggt? In diesem Haus wird nicht gelindnert, auch das Essen wird hier vernünftig gemacht du Lauch!“ Der Blonde erwidert: „Sorry Bruder, ich küss dein Auge für das Essen. Du bist ein richtiger Ehrenmann.“ Der letzte Junge, ein dunkelhaariger mit leicht mediterranem Teint scheint gelangweilt und fängt an, von seinem letzten Saufausflug auf eine Abi-Party zu erzählen: „Letztes Wochenende, Kocum, da war ich wieder richtig am ranten. Ihr wisst ja, wie ich bin. Ich hab ordentlich gebreiert. Ihr müsst euch das vorstellen. Ich häng da so an der Theke, auf einmal steht da so ein richtig glucose-haltiges Mädel neben mir und bestellt sich einen Gin Tonic. Ich hab mir sofort gedacht: ‚Die ist girlfriend-material!‘ Ich also flux das Handy rausgeholt und ein bisschen Exting betrieben.“ „Sheeesh“, antwortet Edgar und der Dunkelhaarige ist sichtlich stolz auf Edgars Zustimmung. Auch die Anderen reagieren auf die schnelle Trennung ihres Besties. Der mit der Brille flüstert nur das Wort „lan“ vor sich hin, während der blonde Junge sagt: „Egal was passiert, Kocum, ich küsse immer dein Auge und bin an deiner Seite.“ Motiviert setzt der dunkelhaarige Junge die Geschichte fort: „Ich also hinter ihr her und sprech sie an: ‚Du musst der wahre Grund für die globale Erderwärmung sein!‘“ „Sheeesh, der Spruch ist ja sick as Fuck, Kocum“, unterbricht Edgar ihn, doch der Dunkelhaarige fährt mit seiner Geschichte unbeirrt fort: „Noch bevor sie reagieren konnte, drückte ich den Spruch ‚Du bist entweder ein Gymkie oder dein Vater war Terrorist, denn dein Körper ist ne Bombe‘ hinterher. Danach hatte ich sie am Haken. Ich erzählte ihr, dass ich Iger bin und mein Geld so verdiene. Außerdem stellten wir beide fest, richtige Appler zu sein. Am Ende hab ich sie mit nach Hause genommen und über den Rest schweigt ein echter Ehrenmann.“

Mein Traum-Ich nahm sich auf einmal vor, auktorial zu werden und wechselte den Schauplatz zu besagter Abi-Party ein paar Tage zuvor. Ich sehe den Dunkelhaarigen mit einem Gin Tonic über das Shirt verteilt und vor ihm ein Mädchen, welches ihn beleidigt: „Sag mal, hast du Borderitis? Die Sprüche waren ja einfach nur wack. Warum sollte jemand wie ich sich mit jemandem wie dir abgeben? Jetzt hör auf mich zu zuckerbergen, das vebuggt mich schon den ganzen Abend! Also geh nach Haus, wrap dich in eine Decke und machs dir selbst!“ Meine eigene Stimme spricht auf einmal aus dem Off zu mir: „Sheeesh, das war eine Lituation und wie die Ehrenfrau es dem wacken Lauch gegeben hat, sick as Fuck.“

Schweißgebadet bin ich aufgewacht und kann nur hoffen, dass sich meine Albträume bald wieder um Pennywise und Co drehen. Das war erträglicher.

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