{"id":507,"date":"2019-03-04T20:18:23","date_gmt":"2019-03-04T19:18:23","guid":{"rendered":"https:\/\/groups.uni-paderborn.de\/pluss\/?p=507"},"modified":"2019-03-04T20:18:23","modified_gmt":"2019-03-04T19:18:23","slug":"akk-gate","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/groups.uni-paderborn.de\/queers\/index.php\/2019\/03\/04\/akk-gate\/","title":{"rendered":"AKK-Gate"},"content":{"rendered":"<p>Einige werden mitbekommen haben, dass Annegret Kramp-Karrenbauer, die Vorsitzende der CDU, seit dem Wochenende massiv in der Kritik steht. Grund daf\u00fcr sind ihre Aussagen w\u00e4hrend eines Karneval-Auftritts. Dabei erkl\u00e4rte sie dem Land, dass dritte Toiletten nur f\u00fcr M\u00e4nner seien, die nicht wissen, ob sie zum Pinkeln stehen d\u00fcrfen oder sich setzen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Als queere Organisation und Menschen mit einem Gewissen verurteilen auch wir die Aussagen von Kramp-Karrenbauer scharf. Die Debatte um &#8222;dritte Toiletten&#8220; oder auch einfach nur Unisex-Toiletten ist entbrannt, weil das Bundesverfassungsgericht die Bundesregierung dazu brachte, eine Geschlechtsoption jenseits von &#8222;m\u00e4nnlich&#8220; und &#8222;weiblich&#8220; zu erm\u00f6glichen. Die Bundesregierung hat sie nun f\u00fcr intersexuelle Menschen ge\u00f6ffnet und somit die Mindestforderung des Bundesverfassungsgerichts erf\u00fcllt (non-bin\u00e4re Menschen bleiben von dieser M\u00f6glichkeit weiter ausgeschlossen). Somit ist auch klar, dass Kramp-Karrenbauer intersexuelle Menschen mit ihrer Aussage treffen wollte.<\/p>\n<p>Intersexuelle Menschen sind immer noch eine Minderheit mit eingeschr\u00e4nkten Rechten: Erst seit 01.01.2019 wird ihre Existenz in deutschen Personenregistern anerkannt. Vorher waren sie dazu gezwungen, sich als m\u00e4nnlich oder weiblich eintragen zu lassen &#8211; obwohl sie weder das eine, noch das andere sind. Und auch, um das typische, konservative Argument hier zu entkr\u00e4ften: sie haben es sich nicht ausgesucht, sondern sind entsprechend auf die Welt gekommen, dass sie sich keiner der Vorgaben &#8222;m\u00e4nnlich&#8220; oder &#8222;weiblich&#8220; eindeutig zuordnen lassen k\u00f6nnen. Bis heute werden in Deutschland j\u00e4hrlich tausende intersexuelle Kleinkinder operiert. Es handelt sich dabei nicht um lebenserhaltende Ma\u00dfnahmen, sondern um die Ideologie der jeweiligen \u00c4rzt*innen, dass das Kind einem der Geschlechter &#8222;m\u00e4nnlich&#8220; oder &#8222;weiblich&#8220; zugeordnet werden muss. Das geschieht nat\u00fcrlich ohne das Einverst\u00e4ndnis des Kindes, das sich oftmals auch in folgenden Jahren weiteren Operationen unterziehen muss. Laut einer Studie haben 19% aller intersexuellen Menschen einen Selbstmordversuch unternommen. Die durchschnittliche Rate f\u00fcr Selbstmordversuche liegt in Deutschland unter 1%. Zugleich attackiert Kramp-Karrenbauer mit ihrer Aussage auch trans* Menschen, besonders non-bin\u00e4re Menschen. Mehr als 40% aller trans* Menschen haben bereits einen Selbstmordversuch unternommen.<\/p>\n<p>Diese Zahlen sind Ausdruck der gesellschaftlichen Intoleranz gegen\u00fcber inter und trans* Menschen. Aufgrund fehlender Perspektive, R\u00fcckhalt in Familie und Freundeskreis sehen sie h\u00e4ufig keinen anderen Ausweg mehr. Und es sind genau diese Gruppen, die schon extrem unter gesellschaftlichen Ressentiments leiden, die Kramp-Karrenbauer nun erneut einem Kreuzfeuer ausschlie\u00dft. AfD, Bild-Zeitung und einige weitere CDU-Mitglieder haben sich ihr dabei bereits angeschlossen und zeigen, welche Verb\u00fcndeten sie anzieht.<\/p>\n<p>Nun sagen viele, dass es ein Witz sei, es ist ja Karneval, da sollte man das nicht so ernst sehen. Allerdings hatte Kramp-Karrenbauer schon in der Vergangenheit mit Aussagen zur Gleichstellung der Ehe f\u00fcr gleichgeschlechtliche Partner*innen auf sich aufmerksam gemacht. Sie stellte sie Inzest gleich und schaffte es auch noch, polyamor\u00f6se Partnerschaften, also bestehend aus mehr als nur zwei Partner*innen mit reinzuziehen. Das zeigt, dass ihre j\u00fcngsten Aussagen kein Witz waren, sondern genau ihre Haltung widerspiegeln und absolut ernst zu nehmen sind. Au\u00dferdem geh\u00f6rt es urspr\u00fcnglich zum Karneval, dass von unten nach oben getreten wird, dass also gesellschaftliche Minderheiten ohne Strafe gegen h\u00f6her Gestellte Witze rei\u00dfen d\u00fcrfen. Wie die Zahlen zeigen, ist hier genau das Gegenteil passiert.<\/p>\n<p>Daher sollten alle W\u00e4hler*innen und Parteien, die f\u00fcr queere Rechte k\u00e4mpfen (wollen), in der Zukunft ganz genau hinsehen, wem sie ihre Macht erm\u00f6glichen wollen.<\/p>\n<p>Mit queeren Gr\u00fc\u00dfen und ganz viel Liebe f\u00fcr alle intersexuellen und trans* Menschen.<\/p>\n<p>PlusS &amp; Friends<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einige werden mitbekommen haben, dass Annegret Kramp-Karrenbauer, die Vorsitzende der CDU, seit dem Wochenende massiv in der Kritik steht. Grund daf\u00fcr sind ihre Aussagen w\u00e4hrend eines Karneval-Auftritts. Dabei erkl\u00e4rte sie dem Land, dass dritte Toiletten nur f\u00fcr M\u00e4nner seien, die nicht wissen, ob sie zum Pinkeln stehen d\u00fcrfen oder sich setzen m\u00fcssen. 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