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AKK-Gate

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Einige werden mitbekommen haben, dass Annegret Kramp-Karrenbauer, die Vorsitzende der CDU, seit dem Wochenende massiv in der Kritik steht. Grund dafür sind ihre Aussagen während eines Karneval-Auftritts. Dabei erklärte sie dem Land, dass dritte Toiletten nur für Männer seien, die nicht wissen, ob sie zum Pinkeln stehen dürfen oder sich setzen müssen.

Als queere Organisation und Menschen mit einem Gewissen verurteilen auch wir die Aussagen von Kramp-Karrenbauer scharf. Die Debatte um „dritte Toiletten“ oder auch einfach nur Unisex-Toiletten ist entbrannt, weil das Bundesverfassungsgericht die Bundesregierung dazu brachte, eine Geschlechtsoption jenseits von „männlich“ und „weiblich“ zu ermöglichen. Die Bundesregierung hat sie nun für intersexuelle Menschen geöffnet und somit die Mindestforderung des Bundesverfassungsgerichts erfüllt (non-binäre Menschen bleiben von dieser Möglichkeit weiter ausgeschlossen). Somit ist auch klar, dass Kramp-Karrenbauer intersexuelle Menschen mit ihrer Aussage treffen wollte.

Intersexuelle Menschen sind immer noch eine Minderheit mit eingeschränkten Rechten: Erst seit 01.01.2019 wird ihre Existenz in deutschen Personenregistern anerkannt. Vorher waren sie dazu gezwungen, sich als männlich oder weiblich eintragen zu lassen – obwohl sie weder das eine, noch das andere sind. Und auch, um das typische, konservative Argument hier zu entkräften: sie haben es sich nicht ausgesucht, sondern sind entsprechend auf die Welt gekommen, dass sie sich keiner der Vorgaben „männlich“ oder „weiblich“ eindeutig zuordnen lassen können. Bis heute werden in Deutschland jährlich tausende intersexuelle Kleinkinder operiert. Es handelt sich dabei nicht um lebenserhaltende Maßnahmen, sondern um die Ideologie der jeweiligen Ärzt*innen, dass das Kind einem der Geschlechter „männlich“ oder „weiblich“ zugeordnet werden muss. Das geschieht natürlich ohne das Einverständnis des Kindes, das sich oftmals auch in folgenden Jahren weiteren Operationen unterziehen muss. Laut einer Studie haben 19% aller intersexuellen Menschen einen Selbstmordversuch unternommen. Die durchschnittliche Rate für Selbstmordversuche liegt in Deutschland unter 1%. Zugleich attackiert Kramp-Karrenbauer mit ihrer Aussage auch trans* Menschen, besonders non-binäre Menschen. Mehr als 40% aller trans* Menschen haben bereits einen Selbstmordversuch unternommen.

Diese Zahlen sind Ausdruck der gesellschaftlichen Intoleranz gegenüber inter und trans* Menschen. Aufgrund fehlender Perspektive, Rückhalt in Familie und Freundeskreis sehen sie häufig keinen anderen Ausweg mehr. Und es sind genau diese Gruppen, die schon extrem unter gesellschaftlichen Ressentiments leiden, die Kramp-Karrenbauer nun erneut einem Kreuzfeuer ausschließt. AfD, Bild-Zeitung und einige weitere CDU-Mitglieder haben sich ihr dabei bereits angeschlossen und zeigen, welche Verbündeten sie anzieht.

Nun sagen viele, dass es ein Witz sei, es ist ja Karneval, da sollte man das nicht so ernst sehen. Allerdings hatte Kramp-Karrenbauer schon in der Vergangenheit mit Aussagen zur Gleichstellung der Ehe für gleichgeschlechtliche Partner*innen auf sich aufmerksam gemacht. Sie stellte sie Inzest gleich und schaffte es auch noch, polyamoröse Partnerschaften, also bestehend aus mehr als nur zwei Partner*innen mit reinzuziehen. Das zeigt, dass ihre jüngsten Aussagen kein Witz waren, sondern genau ihre Haltung widerspiegeln und absolut ernst zu nehmen sind. Außerdem gehört es ursprünglich zum Karneval, dass von unten nach oben getreten wird, dass also gesellschaftliche Minderheiten ohne Strafe gegen höher Gestellte Witze reißen dürfen. Wie die Zahlen zeigen, ist hier genau das Gegenteil passiert.

Daher sollten alle Wähler*innen und Parteien, die für queere Rechte kämpfen (wollen), in der Zukunft ganz genau hinsehen, wem sie ihre Macht ermöglichen wollen.

Mit queeren Grüßen und ganz viel Liebe für alle intersexuellen und trans* Menschen.

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