Buchrezension: Geschäftskultur Japan kompakt

Im Rahmen des “Asian Studies in Business and Economics” Programm der Universität Paderborn wird im Folgenden eine Buchrezension zum Buch „Geschäftskultur Japan kompakt“ von Gerd Schneider vorgestellt.

Allgemeines

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Titel: Geschäftskultur Japan kompakt: Wie Sie mit japanischen Geschäftspartnern, Kollegen und Mitarbeitern erfolgreich zusammenarbeiten (Geschäftskultur kompakt)

Autor: Gerd Schneider

Verlag: CONBOOK

Auflage: 2

Erscheinungsjahr: 1. September 2015

ISBN: 3943176339

Seitenanzahl: 120 Seiten

Über den Autor

Gerd Schneider ist ein internationaler Geschäftsmann, der seit Anbeginn des Studiums ein großes Interesse für den internationalen Handel empfand. Für Firmen war er über zwölf Jahre als Marketer, Vertriebler und Geschäftsführer in Asien tätig und ist ein Experte für Japan, China und Korea geworden. Seit der Gründung der Firma Accenta Asia im Jahre 2004, werden Fach- und Führungskräfte auf die internationale Zusammenarbeit speziell mit den Ländern Japan, China und Korea in Form von Trainings vorbereitet. Der Autor ist der Ansicht, dass die Potenziale zwischen Deutschland, Österreich, der Schweiz und Japan noch lange nicht ausgeschöpft seien, und das Verstehen und Respektieren anderer Kulturen essentiell für eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist. Das Ziel sei es dabei, nicht den „Japaner“ zufrieden zu stellen, sondern durch das Respektieren japanischer Kultur einen Nutzen für seine eigene Firma und Interessen zu ziehen.

Motivation

In einer Welt, in der Globalisierung kein Fremdwort mehr ist, wird es immer wichtiger auf internationale Zusammenarbeit zu setzen. Da Japan für Europa eine exotische Welt darstellt, jedoch längst nicht unbekannt, ist es von großer Wichtigkeit, das korrekte Benehmen zu erlernen im Umgang mit japanischen Geschäftspartnern. Da die Japaner jedoch andere Gepflogenheiten besitzen und man als Europäer sehr leicht in Fettnäpfchen treten kann, ist es das Mindeste, sich über diese zu informieren und zu Herzen zu nehmen, sollte man sich als Geschäftsmann im asiatischen Raum bewegen.

Gliederung

Das Buch ist in 10 Kapitel unterteilt, zusätzlich existiert eine Kurzvorstellung des Autors, ein Vorwort sowie Extra-Blätter zu interessanten Themen zum Nachdenken: „Geschäftsfrauen in Japan“, „Einfangen der Gegenperspektive“, „Als deutsche Führungskraft in Japan“ und „Knigge und Dresscodes“. Außerdem wurde das Buch mit einem Stichwortverzeichnis versehen. Am Ende des Buches kann man über Referenzen zu anderen bekannten und wichtigen Büchern nachlesen, sowie Unternehmenswerbung. Der Autor geht auf alle wichtigen Themen ein, die einem Geschäftsmann von Interesse sein sollten. Insbesondere geht er weniger auf Gesprächs- oder Praxisbeispiele ein, sondern gibt einen Überblick über all die Aspekte, die zu beachten sind für jede Situation, sodass einem ein Gesamtbild über die Punkte, die zu beachten sind, erscheint.

Inhalt

Das Buch beginnt mit einem Vorwort, indem der Autor die Unterschiede zwischen japanischen und westlichen Geschäftsmännern betont. Zusätzlich wird darauf verwiesen, dass eine Anpassung an japanische Sitten nicht zur Folge haben soll, „japanisch“ zu werden, sondern erfolgreiche und langfristige Geschäftsbeziehungen aufzubauen, denn Japanern sei es wichtig, starke und langfristige Geschäftsbeziehungen zu schaffen. Dadurch rücken westliche Ziele für eine Geschäftsbeziehung wie Effizienz und Qualität in den Hintergrund, jedoch achtet man auf zwischenmenschlicher Ebene, dass man gut „zusammenpasst“, bevor man Geschäfte miteinander macht.

Fortgesetzt wird das Buch mit Wissenswertem über die japanische Geschäftswelt, wo einige Key-Facts genannt werden. Wichtiger jedoch ist das folgende Kapitel, indem der Autor die Kontaktaufnahme und Geschäftsanbahnung erklärt. Dabei ist es wichtig, dass man zu Beginn Mittelsmänner einsetzt, um mit potenziellen Geschäftspartnern in Kontakt zu treten. Das Weglassen eines Mittelsmanns hat meistens ein Scheitern der Geschäftsanbahnung zur Folge. Von Anfang an sollte man voller Respekt auftreten, auch warnt der Autor davor, wie wichtig Visitenkarten in Japan sind, und dass man diese nicht vergessen darf.

Darauffolgend werden die Kommunikation und Wirkung behandelt. Der Autor beschreibt, dass die Art und Weise der Kommunikation das Wichtigste sei, und dass hierbei die meisten Unterschiede zwischen japanischen und westlichen Geschäftsleuten besteht. Wichtig sei, dass man sich komplett umzustellen hat von einer direkten, aggressiven Art auf eine passive, indirekte Art.

Im nächsten Kapitel spricht der Autor über Meetings & Präsentationen. Wichtig zu betrachten ist, dass es sehr förmlich zugeht. Zusätzlich sollten immer Entscheidungsträger auf japanischer Seite an den Meetings teilnehmen, wenn man Ergebnisse erzielen möchte. Eine hierarchische Sitzordnung spielt außerdem eine wichtige Rolle. Witze & Geschichten sollte man auf jeden Fall, nicht wie wir es in Deutschland gewohnt sind, weglassen.

Weiter geht es mit Verhandlungen, Entscheidungen und Verträgen. Sich vorher über den Geschäftspartner gründlich zu informieren ist ein Muss. Auch gehört Geduld und Ruhe dazu, um gute Ergebnisse zu erzielen. Mündliche Absprachen haben in Japan einen hohen Stellenwert, und sollten möglichst eingehalten werden. Auch hier ist es wichtig, nur mit wichtigen Personen des Unternehmens zu verhandeln, sonst war die Zeit umsonst.

Koordination und Zusammenarbeit wird im nächsten Kapitel behandelt. Japaner arbeiten mehr im Team und folgen stets den Anweisungen des Vorgesetzten, um eigene Fehler zu vermeiden. Man arbeitet oft an vielen Aufgaben gleichzeitig, sodass die Fertigstellung von Aufgaben oft gemeinsam, aber spät erfolgt. Im Gegensatz zu Deutschland herrscht in Japan eine Holschuld der Informationen. Probleme lassen sich oft auf der zwischenmenschlichen Ebene klären.

Darauffolgend wird Führung und Motivation besprochen. Japanische Vorgesetzte pflegen einen oft paternalistisch strengen und personenbezogenen Führungsstil, wobei deutsche Vorgesetzte oft auf der sachlichen Ebene bleiben. Um die Harmonie unter den Kollegen aufrechtzuerhalten, stimmt man sich immer mit allen Kollegen ab, was „Nemawashi“ genannt wird. Mitarbeiter in Japan sollten Werte wie Anpassungsfähigkeit, Disziplin, Gruppendenken und Geduld besitzen. Offenheit, Individualität, Eigeninitiative und Durchsetzungsvermögen sind nicht erwünscht, im Gegensatz zu Deutschland. Wichtig ist für führende Kräfte, dass sie sich klar machen, dass der westlich direkte Kommunikationsstil fatal in Japan ist, auch ist keine Eigeninitiative von Japanern zu erwarten. Die Japaner erwarten eher die Anweisungen von der Führungskraft.

Im Gegensatz zu Deutschland, ist das Thema Geschäftsessen & After Work viel wichtiger in Japan. Man sollte jede Gelegenheit nutzen, um gemeinsame Aktivitäten zu unternehmen, am besten nach der Arbeit, weil dort oft über Arbeit gesprochen wird und so die Geschäftsbeziehungen erst knospen. Gelassenheit und Spaß dürfen natürlich nicht fehlen. Man sollte Einladungen immer annehmen und Gegeneinladungen aussprechen.

Im letzten Teil des Buches werden wissenswerte Informationen sowie wichtige Adressen bereit gestellt für Geschäftsleute, die mit Japan in Kontakt treten werden/wollen.

Fazit

Der Autor gibt in knapp 120 Seiten einen kompakten Einblick in die Geschäftskultur Japan. Das Buch ist in mehrere Kapitel unterteilt, die bei dem ersten Kontakt starten und mit den abendlichen Unternehmungen enden. Es ist chronologisch aufgebaut und somit liest sich das Buch wie ein Guide für westliche Geschäftsleute. Trotz dessen ist jedes Kapitel auch in sich ein geschlossener Teil, somit kann man gerne auch Kapitel überspringen und die für sich wichtigen Abschnitte raussuchen und lesen. Das Buch ist sehr informativ und eignet sich perfekt für Leute, die bald nach Japan fliegen, um Geschäfte zu machen. Auch unabhängig von dem Geschäfts-Aspekt, bietet das Buch einen Einblick in gesellschaftliche Strukturen, die japanische Art, mit Leuten zu arbeiten und umzugehen, sowie die Erkenntnis, dass Menschen aus anderen Kulturen und Ländern nicht auf die Weise leben, wie es im Westen gewohnt ist, und man dies als „Ausländer“ auch akzeptieren und respektieren kann.

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