Buchrezension: DARUM NERVEN JAPANER- Der ungeschminkte Wahnsinn des japanischen Alltags

Allgemeine Informationen

Titel: Darum nerven Japaner- Der ungeschminkteBildschirmfoto 2019-05-13 um 15.27.06 Wahnsinn des japanischen Alltags

Autor: Christoph Neumann

Erscheinungsjahr: Januar 2006

Verlag: Piper Verlag GmbH, München/ Berlin

Seitenanzahl: 169

ISBN: 978-3-492-24508-1

Preis: 8,99 €

Der Autor

Christoph Neumann wurde 1967 in München geboren und wuchs in Würzburg auf. Nach seinem Abitur begann er 1989 ein Studium der allgemeinen Sprachwissenschaften in Hamburg. In den Nebenfächern belegte er Japanologie und Journalistik. Seit dieser Zeit ist er auch als freiberuflicher Journalist, unteranderem für das Focus Nachrichtenmagazin, tätig. 1992 wechselte er an die Universität von Bordeaux (Frankreich). Dort erlangte er 1994 einen Magisterabschluss in Sprachwissenschaften sowie einen Bachelorabschluss in Japanologie.

Seit 1995 lebt Christoph Neumann in Japan. Zunächst studierte er Informatik und erlangte im Jahr 2000 einen Doktortitel in diesem Bereich. Seither arbeitet er als Softwareentwickler für Sprachwissenschaftsprogramme und als freier Journalist.

„Darum nerven Japaner- Der ungeschminkte Wahnsinn des japanischen Alltags.“ ist das erste von zwei von ihm veröffentlichten Büchern. Im Jahr 2013 veröffentlichte er die „Fortsetzung“, „Darum spinnen Japaner- Neues vom Wahnsinn des japanischen Alltags.“ Beide Bücher sind ebenfalls in Japan erschienen und dort große Erfolge. Zudem trat er vier Jahre lang in der TV-Talkshow, „Die spinnen, die Japaner“ auf und erlangte dadurch Bekanntheit in Japan.

 

Meine Motivation

Seit der erhaltenen Zusage für das Auslandssemester in Japan, habe ich mit der Vorbereitung für meinen Aufenthalt dort begonnen. Dazu gehörte auch, Informationen über die japanische Kultur und den japanischen Alltag zu sammeln. Bei meinen Recherchen bin ich schon auf eine Vielzahl von Unterschieden zwischen der deutschen und japanischen Kultur gestoßen. Insbesondere durch unseren Aufenthalt im LSI in Bochum und den dadurch zustande gekommenen Kontakt mit den japanischen Lehrer, habe ich eine Menge über die japanische Kultur erfahren. Das Literaturforum wollte ich dazu nutzen, noch mehr Informationen bezüglich der Kultur, insbesondere den Alltag betreffend, zu sammeln. Darum habe ich mich für dieses Buch entschieden, in der Hoffnung viel über die Eigenheiten der Japaner zu erfahren und womöglich nützliche Informationen für meinen Alltag dort zu erhalten.

 

Gliederung

Das Buch besteht aus insgesamt 20 Kapiteln, welche weitgehend keine logischen Verknüpfungen untereinander haben. Jedes Kapitel kann als alleinstehende Kurzgeschichte aufgefasst werden, in denen der Autor jeweils aus einem anderen Bereich des japanischen Alltags berichtet. Dafür greift er auf eigene Erfahrungen, aber auch auf die Erfahrungen von Freunden und Bekannten zurück. Die Themen reichen von dem alltäglichen Wahnsinn des S-Bahn Fahrens, über die Besonderheiten eines Schwimmbadbesuches, bis hin zu den merkwürdigen Schuhregeln im japanischen Alltag.

Aufgrund der fehlenden logischen Verknüpfung der einzelnen Kapitel ist es schwierig, den Inhalt des gesamten Buches darzustellen. Folglich habe ich mir zwei Kapitel ausgesucht, die mir besonders gefallen haben und die aus meiner jetzigen Erfahrung, die japanischen Eigenheiten am Besten repräsentieren. Im Folgenden werde ich auf die Kapitel „Schwimmbad“, und „Schuhe“ genauer eingehen.

 

 Inhalt

Der Autor beschreibt im Kapitel „Schwimmbad“seine Erfahrungen eines Besuchs im japanischen Schwimmbad. Dieser sei demnach eine Achterbahnfahrt durch das gesamte japanische Wesen. Es beginnt mit den gemeinschaftlichen Pausen, welche alle 50 Minuten eingelegt werden müssen. Dabei spielt es keine Rolle ob man erst ein paar Minuten vor der Pause angefangen hat zu schwimmen. Wenn der Pfiff des Bademeisters ertönt, hat jeder Badegast auf den Bänken am Beckenrand Platz zu nehmen und muss sich ausruhen – der Bademeister weiß schließlich, was das Beste für einen ist. Die Erholungspause wird bereits fünf Minuten zuvor durch einen Pfiff angekündigt und da die Japaner so pflichteifrig sind, verlassen sie bereits dann das Becken. Niemand will in die peinliche Situation geraten, als letzter im Wasser zu sein und somit womöglich das Gemeinschaftswohl der anderen zu gefährden. Als Ausländer ist diese Pflichteifrigkeit nur schwer nachzuvollziehen, wodurch der Autor oft der Letzte ist, der noch im Becken seine Bahnen zieht. Während der Pausen erklärt der Bademeister über eine Lautsprecheranlage den gesamten Regelkatalog der Badeanstalt. „Die Bahnen 1 und 2 sind für langsamere Schwimmer, die Bahnen 3 und 4 für schnellere Schwimmer. Auf den Bahnen 1 und 3 wird aufwärts, auf den Bahnen 2 und 4 abwärts geschwommen.“ Nach der 10-minütigen Pause ertönt ein weiterer Pfiff, ab jetzt ist es erlaubt zurück ins Wasser zu gehen. Jedoch möchte kein Japaner als egoistisch gelten, wodurch niemand als erstes zurück ins Wasser möchte. Auch hier ist der Autor oft der Erste, der den Sprung zurück ins Wasser wagt. Eine weitere Erfahrung, die nach Ansicht des Autors sinnbildlich für die Japaner und ihr Weltbild ist, steht im Zusammenhang mit den strikten Regeln, die in den Schwimmbädern gelten. Neumann erzählt von einem Besuch, bei welchem er schon eine geraume Zeit im Wasser war und sich strikt an die Regeln bezüglich der Bahnen gehalten hat. Der Bademeister hat ihn dennoch aus dem Wasser gebeten und ihm nochmals die Regeln erklärt. Dahinter steckt nach Ansicht Neumanns die Denkweise: Ausländer können kein Japanisch, also können sie nicht logisch denken. Viele Japaner nehmen für sich selbst die Stellung ein, die einzigen logisch denkenden Wesen auf der Welt zu sein.

Am Ende des Kapitels spricht Neumann die mangelnden hygienischen Zustände in japanischen Schwimmbädern an. So ist es üblich, unter der Badehose die Unterhose anzubehalten. Dies kommt von dem Umstand, dass Japaner niemals ihre primären Geschlechtsteile zeigen, falls es sich vermeiden lässt. Des Weiteren herrscht in den Duschen ein striktes Shampoo und Seifen Verbot, die Gefahr darauf auszurutschen wäre zu hoch.

 

Das Kapitel „Schuhe“ leitet Christoph Neumann mit dem Bericht eines Bekannten ein. Dessen Mitbewohner, ebenfalls ein deutscher, hatte in der gemeinsamen Wohnung Selbstmord begangen. Der herbeigerufene Rettungsdienst rannte die Treppen zur Wohnung hinauf und eilte hinein. Doch direkt hinter der Tür blieben die Männer stehen und zogen sich erst einmal die Schuhe aus. Das Ausziehen der Schuhe hat zwar keine zehn Sekunden gedauert, aber es könnten vielleicht genau diese Sekunden gewesen sein, die zwischen Leben und Tod entschieden haben. Dieses Beispiel zeigt, wie ernst es den Japanern mit dieser Sitte ist.

Das Nichtbefolgen der Schuhregeln sei nach Neumann einer der größten Fehler, die ein Ausländer in Japan machen kann. Die Schuhregeln beinhalten nicht nur das bloße Ausziehen der Schuhe, das sei lediglich der erste und einfachste Schritt. Die häufigsten Fehler begehen Ausländer, weil sie das innerhäusische Schuh-System nicht befolgen. Dabei ist es in vielen Japan-Reiseführern vermerkt wie es funktioniert: Im Hauseingang schlüpft man aus den Straßenschuhen in die bereitstehenden Pantoffeln. Mit diesen darf man aber auch nicht überall hin. Mit Reisstrohmatten ausgelegte Zimmer dürfen beispielsweise nur mit Strümpfen betreten werden. Eine weitere Besonderheit ist das Betreten der Toilette. Hierfür zieht man die Pantoffeln vor der Toilette aus und zieht sich die extra bereitstehenden Toilettenschuhe an. Ein großer Fauxpas ist es dann natürlich, die Toilettenschuhe nicht wieder auszuziehen und ein anderes Zimmer, beispielsweise das Speisezimmer, zu betreten. Neumann berichtet von genauso einer Situation, bei der er mit Toilettenschuhen bekleidet zurück zu seinen Gastgebern ins Speisezimmer ging. Die Atmosphäre schlug schlagartig um. Zwar seien die Japaner zu höflich, um einen direkt auf diesen Fehler hinzuweisen, aber durch ihr Verhalten wurde Neumann relativ schnell klar, welchen Fehler er begangen hatte.

Durch diese Schuhsitte bedingt, wechselt der Durchschnittsjapaner 40-50 mal am Tag sein Schuhwerk. Diesen Umstand erkennt man auch an der Ferse der Schuhe, welche augenscheinlich bei jedem Japaner sehr in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Gegen Ende des Kapitels berichtet Neumann noch von den Eigenheiten der japanischen Frauen, wenn es um das Thema Schuhe geht. So tragen diese, gleich welchen Wetters, hochhackige Absätze. Diese Schuhe seien nicht nur ein Modeaccessoire, sondern das Mittel gegen den Komplex zu klein zu sein. 30 Zentimeter Absätze wären keine Seltenheit.

 

Mein Fazit

Christoph Neumann ist es aus meiner Sicht gelungen, ein informatives, interessantes und größtenteils amüsantes Buch zu schreiben. Durch die klare inhaltliche Abgrenzung der einzelnen Kapitel ist das Buch sehr übersichtlich und einfach zu lesen. Dies führt auf der anderen Seite dazu, dass ich nach einem Kapitel nie das Bedürfnis verspürt habe, sofort das nächste Kapitel zu lesen, um zu erfahren wie es weiter geht. Der Aufbau eines Spannungsbogens ist aber auch nicht die Kernaufgabe eines Sachbuches.

Ich würde das Buch nur bedingt weiterempfehlen, da der Autor oft ein negatives Bild der Japaner zeichnet, welches nicht gerade die Lust auf einen Aufenthalt in Japan steigen lässt. Christoph Neumann erklärt zwar, dass es sich um subjektive Wahrnehmungen seinerseits handelt, aber in vielen Teilen des Buches wirkt es, als würde er keine Toleranz der japanischen Kultur gegenüber haben und er ihr Verhalten deshalb als negativ erachtet.

Zusammenfassend hat mir das Buch überwiegend gut gefallen und ich bin gespannt, die Wahrnehmungen von Christoph Neumann mit meinen Erlebnissen abzugleichen.

 

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