Buchrezension: Gebrauchsanweisung für China

Details zum Buch:

  • Titel: Gebrauchsanweisung für China7574_GA_China.qxp:441x225
  • Autor: Kai Strittmatter
  • Verlag: Piper Verlag GmbH
  • Erscheinungsjahr: 2004 (Überarbeitete und erweiterte Neuausgabe 2008)
  • Vorgestelle Auflage: 11. Auflage 2017
  • Seiten: 270
  • ISBN: 978-3-492-27574-3
  • Preis: 15,00 €

 


Motivation:

Um mich auf mein Auslandssemester in China vorzubereiten, war ich auf der Suche nach einem Buch, dass mir Land und Leute näherbringt. Bisher kannte ich China nur aus den Medien und vom chinesischen Restaurant um die Ecke. Um China wirklich kennenzulernen, war es mir wichtig ein Buch von einem Autor zu lesen, der Ahnung von dem Land hat und im besten Fall mehrere Jahre dort gelebt hat. Dabei wollte ich aber nicht den typischen Reiseführer lesen. Nach kurzer Suche bin ich auf das Buch “Gebrauchsanweisung für China” von Kai Strittmatter gestoßen. Da ich bereits die “Gebrauchsanweisung für Thailand” aus der Reihe der “Gebrauchsanweisungen” des Piper Verlages gelesen hatte und mir die schnörkellose und lebendige Erzählweise sehr gefallen hatten, entschied ich mich für dieses Buch.


Zum Autor:

Porträt-Kai-StrittmatterKai Strittmatter wuchs im Allgäu auf und studierte von 1984 bis 1992 Sinologie an der Universität München mit Studienaufhalten in Xi’an (VR China) und Taipeh (Taiwan). Anschließend besuchte er die Deutsche Journalistenschule in München. Er war ab 1997 acht Jahre lang Korrespondent für die Süddeutsche Zeitung in Peking. Von 2005 bis 2012 berichtete er für die gleiche Zeitung als Korrespondent aus Istanbul. 2010 veröffentlichte er die “Gebrauchsanweisung für Istanbul”. Seit 2012 ist er wieder Korrespondent in Peking. 2014 erhielt Strittmatter den Theodor-Wolff-Preis in der Kategorie „Reportage/Essay/Analyse“ für seine Auslandsreportage „Wolfskind“. Darin erinnert er an die beklemmende Zeit der Kulturrevolution in China, in der Kinder ihre Eltern als nicht parteitreu denunzierten und damit in den Tod schickten.


Aufbau des Buches:

Das Buch besteht aus 54 Kapiteln. Es verfügt über ein Inhaltsverzeichnis sowie eine Karte von China. Die Kapitel sind meist sehr kurz, teilweise nur eine Seite lang. Im Schnitt gehen sie über fünf Seiten, das längste ist 17 Seiten lang. Jedes Kapitel beschreibt eine von den anderen Kapiteln unabhängige Thematik und kann auch einzeln gelesen werden. Es empfiehlt sich allerdings, jedes Kapitel zu lesen, da die Kapitelüberschrift nicht immer ausreichend Informationen darüber liefert, worum es überhaupt geht. Am Anfang eines jeden Kapitels steht die chinesische Überschrift in Schriftzeichen und Pinyin sowie die sinngemäße deutsche Übersetzung. Um einen Überblick über die Kapitel gewinnen zu können, werden diese nachfolgend aufgeführt.

Alle Kapitel im Überblick:

  1. Der Anfang
  2. Kompass. Oder: Am Ende trifft man sich doch
  3. Chinesisch. Oder: Fremde Zeichen
  4. Gelb
  5. Speer und Schild. Oder: Land der Gegensätze
  6. Passt scho
  7. Die Familie. Oder: Herr Li, Frau Wang, Fräulein Zhang
  8. Visitenkarte
  9. Das Reich der Mitte. Oder: Sich selbst genug sein
  10. Mahjongg
  11. Hitze und Lärm. Oder: Enger geht’s nicht
  12. 1. Sport 2. Kampagne
  13. Muße. Oder: Entspannen beim Rückwärtsgehen
  14. Erdulden, aushalten
  15. Essen. Oder: Satt, gesund und glücklich
  16. Stäbchen
  17. Yin und Yang. Oder: Das Dao der Küche
  18. Tee
  19. Prost! Oder: Ex!
  20. Milch
  21. Trinken, Essen, Mann und Frau. Oder: Die Kraft aus der gemeinsamen Schüssel
  22. Gulli-Öl
  23. Der begossene Esel
  24. Der Pandabär
  25. Die vier Übel. Oder: Von Ratten, Spatzen, Mücken und Fliegen
  26. Der Berg der Roten Pagode
  27. Feiern. Oder: Der essbare Mond
  28. Der Peking-Fluch
  29. Qualität und Klasse. Oder: Einwohnerveredelung
  30. Chaos
  31. Gemeinschaftssinn. Oder: Das Volk der Gruppenegoisten
  32. Konfuzius
  33. Etwas zu erledigen haben
  34. Propaganda. Oder: Wein, der kein Wein ist
  35. Goldenes Schild. Oder: The Great Firewall of China
  36. Nationalblume
  37. Alles gefälscht. Oder: Die Schwindlerrepublik
  38. Menschenrecht
  39. Hamwer nich’
  40. Helden der Arbeit. Oder: Dem Volke dienen
  41. Kommunismus
  42. Genosse Geliebter
  43. Mao-Anzug
  44. Schönheit. Oder: Weiße Haut, große Augen
  45. Kleinbürgertum
  46. 1 300 000 000. Oder: Aufsteigen aus der Masse
  47. Mätresse
  48. Freiheit. Oder: Der Vormarsch des Privaten
  49. Deoroller
  50. Gelbe Gefahr
  51. Der Ausländer. Oder: Wenn Völker sich verständigen
  52. Sprichwörter
  53. Tipps zum Schluss
  54. The end

Inhalt:

Kai Strittmatter erzählt in seinem Buch hauptsächlich von seinen Erfahrungen, die er während seiner Zeit als Korrespondent in China gesammelt hat. Untermalt werden diese Erfahrungen immer wieder mit Anekdoten, die der Autor selbst erlebt hat. Thematisch umfasst das Buch dabei eine große Bandbreite. Angefangen bei der chinesischen Sprache – die der Autor nebenbei, zumindest in der gesprochenen Form, als die einfachste der Welt hält – über die chinesische Küche, bis hin zur Geschichte Chinas und der heutigen Politik wird dem Leser ein umfassender Einblick in das Land China gewehrt.

Dabei werden Vorurteile, wie z.B., dass Chinesen immer Reis essen, oder alle Chinesen gleich aussehen, auf humorvolle Weise beseitigt. Es wird erklärt, welche Bedeutung die Farbe Gelb hat und was ein “Gelber Film” ist. Es werden aber auch ernste Themen angesprochen, wie der extreme Unterschied zwischen arm und reich in China. Auch Alltagssituation, wie die Frage nach dem Weg, werden thematisiert. Jeder Chinese wird auf diese Frage eine Antwort haben, auch wenn er den Weg gar nicht kennt. Als Lösung empfiehlt der Autor so oft zu Fragen, bis man mindestens drei Mal den gleichen Weg beschrieben bekommt.

So erfährt man im Laufe des Buches unzählige Dinge über China, die den Rahmen dieser Buchrezension sprengen würden, wenn man sie alle aufführen würde. Dennoch möchte ich darauf eingehen, welche Themen mich am meisten beeindruckt haben.

Die bei uns unter einem schlechten Ruf stehenden China-Fälschungen werden z.B. in China selbst als eine Ehrung an die Erschaffer des Originals gesehen. In chinesischen Schulen müssen die Schüler Gemälde von bekannten Künstlern nachzeichnen. Wer mit seiner Zeichnung dem Original am nächsten kommt, bekommt die beste Note. Eine Sache, die vielen Nicht-Chinesen wahrscheinlich auch nicht bewusst ist, ist das China regional sehr unterschiedlich ist und es große Differenzen in Sprache, Esskultur und anderen Dingen gibt. Sehr interessant war für mich auch die Auseinandersetzung mit Chinas aktuellen Problemen. Angefangen bei der Ein-Kind-Politik über Probleme mit der Lebensmittelsicherheit bis hin zu der aktuellen Politik Chinas. Besonders erschrocken war ich über die Tatsache, dass die chinesische Regierung die Geschichte Chinas für ihre Zwecke instrumentalisiert und dabei Vorkommnisse wie das Massaker vom Tian’nanmen-Platz verschweigt. Ebenfalls beunruhigend empfand ich, dass in China versucht wird, die Menschen zu “veredeln” und verschiedene Dinge, wie z.B. das Spucken unter Strafe gestellt werden. Einen interessanten Vortrag von Kai Strittmatter zu diesem Thema im Rahmen des aktuell in der Erprobung befindlichen “Social Credit System” ist hier zu sehen.

Am Ende des Buches gibt Kai Strittmatter nochmal einige Tipps zum Aufenthalt in China, geht teilweise auf vorher angesprochene Dinge nochmal ein und rundet das Buch damit ab.


Fazit:

Nachdem man das Buch gelesen hat, hat man das Gefühl, nun alles über China zu Wissen. Wahrscheinlich ist dies nicht so, die Fülle an Informationen ist aber wirklich beeindruckend. Wahrscheinlich werde ich das Buch kurz vor meinem Aufenthalt in China ein zweites Mal lesen, um die vielen Informationen nochmal ins Gedächtnis zu rufen. Die Erzählweise des Autors ist sehr angenehm. Durch ihre Lebendigkeit und den gewissen Sinn für Humor, wird einem beim Lesen nie langweilig. Gut gefällt mir, dass immer wieder chinesische Vokabeln auftauchen, von denen man nach dem Sprachkurs am LSI in Bochum erstaunlich viele wiedererkennt. Etwas negativ empfinde ich, dass der Autor an der ein oder anderen Stelle sehr ausschweifend erzählt und man sich fragt, in welchem Zusammenhang das Erzählte eigentlich mit dem Thema des Kapitels steht. Insgesamt kann ich das Buch aber nur empfehlen. Es ist kein typischer Reiseführer, der nur die Touristenattraktionen aufzählt, sondern auf das echte Leben in China vorbereitet. Es ist für jeden geeignet, der einen längeren Aufenthalt in China plant und Lust hat, sich auf das Land mit seinen Eigenheiten einzulassen.

 

This entry was posted in China, German, Literature review. Bookmark the permalink.

Leave a Reply