Buchrezension: Die Kunst des Krieges

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Titel: Die Kunst des Krieges
Autor: Sun Tzu
Übersetzer: Ingrid Fischer-Schreiber
Verlag: Anaconda
Erscheinungsdatum: 28.02.2016
Erscheinungsjahr des Originals: Schätzung:
5. Jhd.v.Chr.
Seitenzahl: 256
ISBN: 978-3-7306-0351-2
Preis: 3,95€

 

Motivation

Meine Motivation dieses Buch zu lesen, bestand darin, dass es seit Jahrtausenden praktische Relevanz besitzt. Die Thesen von „Die Kunst des Krieges“ besitzen eine universelle Aussagekraft, so dass die Thesen weit über den militärischen Gedanken hinaus gehen und Einfluss auf jegliche Strategien im alltäglichen und beruflichen Leben haben können. Weisheiten besitzen in China außerdem einen ganz anderen Stellenwert, als in Deutschland und gerade „Die Kunst des Krieges“ dient den Chinesen als unerschöpfliche Inspirationsquelle.

Der Autor

Sun Tzu war ein chinesischer Schriftsteller, Philosoph, General und Militärstratege, der in der östlichen Zhou-Zeit des alten Chinas lebte. Über seinen genauen Geburtsort gibt es viele Spekulationen. Nach den einen Quellen ist er in der Provinz Shandong geboren und nach anderen Quellen in dem Staat Wu. Als legendäre historische und militärische Persönlichkeit hat er bis heute viele Namen. So kennt man ihn unter den Namen Changqing, Sun, Sun Tzu, Sun Tzi und Sūnzǐ. Der Name Sun Tzu, mit dem er in der westlichen Welt bekannt ist, ist ein Ehrentitel, der “Meister Sun” bedeutet. Sun Tzu wird traditionell als der Autor von Die Kunst des Krieges in ganz China verehrt.

Der Inhalt

Die Kunst des Krieges ist in dreizehn Kapitel gegliedert und von taoistischen Einflüssen geprägt. Der Stil des Buches ist in dem damals klassischen chinesischen Stil geschrieben, in dem auf eine ausführliche Argumentation verzichtet wird. Sun Tzu stellt seine Gedanken in Form von Axiomen und Aphorismen dar. Im folgendem werden Kapitel jeweils kurz zusammengefasst:
Das erste Kapitel „Strategische Überlegung“ spricht davon, dass der Krieg eine sehr schwerwiegende Angelegenheit für den Staat ist und nicht ohne angemessene Berücksichtigung begonnen werden darf. Es müssen immer die fünf grundlegenden Faktoren Weg, Jahreszeiten, Gelände, Führung und Disziplin und die sieben Elemente, die die Ergebnisse von militärischen Aktionen bestimmen, betrachtet werden. Durch das Nachdenken, Bewerten und Vergleichen dieser Punkte kann ein Kommandant seine Siegchancen abmessen.
Das zweite Kapitel „Über die Kriegsführung“ unterstreicht die Konsequenzen eines Krieges und die Bedeutung der Geschwindigkeit des Krieges. So soll der Krieg nicht die Länge gezogen werden. Materiellen Mitteln und der Erhaltung der Energie wird großes Gewicht zugeschrieben, um die Kosten eines Krieges für die Bevölkerung und Wirtschaft möglichst gering zu halten.
Das dritte Kapitel „Über das Planen einer Belagerung“ definiert die Quelle der Stärke als Einheit, nicht als Größe der Armee und diskutiert die fünf Faktoren, die für einen erfolgreichen Krieg erforderlich sind. In der Reihenfolge ihrer Wichtigkeit sind diese kritischen Faktoren: Angriff, Strategie, Allianzen, Armee und Städte.
Der Faktor „Über Formation“ erzählt von der Kunst der Verteidigung. Eine gute Verteidigung ist die Voraussetzung für eine siegreiche Offensive. Es lehrt die Kommandanten den Weitblick für strategische Gelegenheiten. Der General muss wissen, wann man vorrücken und sich zurückziehen muss, ohne jemals Gelegenheiten für den Feind zu schaffen.
Das Kapitel „Kraft“ handelt von der Fähigkeit die Truppen zu kommandieren. Sie basiert auf einem kreativen und agilen Gebrauch ihrer jeweiligen Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie auf der Unterscheidung zwischen dem, was im Geheimen getan werden muss und dem was offen getan werden muss. Es soll Dynamik erzeugt werden und den Feind zu überraschen.
„Leere und Fülle“ erklärt, wie das grundlegende taoistische Konzept auf die Kampfkünste angewendet wird. Selbst soll man mit Energie erfüllt sein und gleichzeitig den Gegner schwächen.
Das Kapitel „Über den bewaffneten Kampf“ sagt aus, dass die Durchführung einer Entscheidungsschlacht viele Vorbereitungen erfordert sowie eine ausgezeichnete Kenntnis von Umwelt und Feind.
Der Faktor „Anpassung“ konzentriert sich auf die spontane Anpassung und Beweglichkeit in einer Armee. Es wird erläutert, dass ein General auch die Fähigkeit besitzen muss sich vorteilhaft an die Beschaffenheit des Terrains anzupassen.
Das Kapitel „Armeen auf dem Marsch“ handelt von physischen, sozialen und psychologischen Aspekten der Kriegskunst. Es wird auf bestimmte Formen des Terrains eingegangen, wie zum Beispiel hochgelegene Orte. Der Schlüssel zum Erfolg liegt meistens darin, die Absichten des Feindes zu beurteilen.
Der Punkt „Terrain“ betrachtet die drei allgemeinen Widerstandsbereiche (Entfernung, Gefahren und Barrieren) um ein Lager aufzubauen und die sechs Arten von Bodenpositionen, die sich daraus ergeben. Jede dieser sechs Feldpositionen bietet bestimmte Vor- und Nachteile. Das Zentrale ist die Beziehung des Individuums zu den Gegebenheiten seines materiellen, gesellschaftlichen und psychologischen Umfelds.
Die „Neun Arten von Gelände“ beschreiben die neun üblichen Situationen in einem Feldzug. Die neun Arten von Gelände umfassen zum Beispiel umkämpftes Gelände, verbindendes Gelände, unwegsames Gelände oder tödliches Gelände. Der Kommandeur muss fähig sein sich an verschiedene Geländearten anzupassen und soziale und psychologische Elemente einzubeziehen.
In „Angriff durch Feuer“ erklärt er den allgemeinen Gebrauch von Waffen und den spezifischen Gebrauch der Umwelt als Waffe. Laut Meister Sun gibt es fünf Arten des Angriffs durch Feuer: Verbrennen von Menschen, Verbrennen von Nachschub, Verbrennen von Ausrüstung, Verbrennen von Lagerhäusern und Verbrennen von Waffen. In diesem Abschnitt ist wohl das leidenschaftlichste Plädoyer für Menschlichkeit gegeben, kongruent zu der taoistischen Denkweise das Waffen unheilbringende Geräte sind.
In „Über den Einsatz von Spionen“ konzentriert Sun Tzu sich auf die Wichtigkeit der Entwicklung guter Informationsquellen und spezifiziert die fünf Arten Spionage und wie man sie am besten verwaltet.

Interpretation

Die Kunst des Krieges wurde auf vielen Gebieten innerhalb und außerhalb des Militärs und der Kriegsführung angewendet. Man spricht davon das Napoleon, Mao Zedong oder sogar Trainer aus der Sportwelt wie zum Beispiel Bill Belichick oder Luiz Felipe Scolari Inspirationen aus diesem Buch für ihre Handlungen erlangt haben. Ein Großteil des Textes handelt davon, wie man Kriege bekämpft, ohne tatsächlich kämpfen zu müssen: Es gibt Tipps, wie man seinen Gegner überlisten kann, so dass ein physischer Kampf nicht notwendig ist. Auch in den westlichen Geschäftskreisen ist es sehr beliebt und inspiriert in Hinblick auf Managementpraktiken, wie man in wettbewerbsfähigen Geschäftssituationen erfolgreich ist. Das Ziel der taoistischen Literatur ist es spezielle Intuition und Empfindsamkeit zu entwickeln, die einen das Leben meistern lassen. Sun Tzu´s Aphorismen lassen viel Raum zur Interpretation. Es ist möglich seine (Kriegs-) Weisheiten in vielerlei Hinsicht zu interpretieren. So ist es ganz besonders interessant seine Weisheiten auf das heutige Management zu beziehen. Wie zum Beispiel: „Daher strebt ein weiser General danach, sich beim Lebensmittel beim Feind zu verschaffen. Jedes Pfund Nahrung, das dem Feind abgenommen wird, wiegt zwanzig Pfund Nahrung auf, für du die selbst aufkommen muss.“ (Seite 105). Es ist viel besser Dinge kostenlos oder günstig zu erhalten, als es aus den Ersparnissen des Unternehmens zu bezahlen. Ein weiteres Axiom ist „wer den Sieg erkennt, wenn er allgemein bekannt ist, ist nicht wirklich geschickt.“ (Seite 140) welches aussagt, dass eine Strategie, ein Konzept oder ein Produkt was zu offensichtlich erscheint, wahrscheinlich schon erstellt wurde. In dem fünften Kapitel Kraft sagt Sun Tzu „Deshalb sucht der gute Krieger die Wirksamkeit in der Schlacht im Zusammenspiel der Kräfte und nicht im einzelnen Individuum. Deshalb ist er fähig, andere auszuwählen und die Umstände für sich arbeiten zu lassen.“ (Seite 154). Dieses Axiom lässt sich auch auf viele Situationen übertragen. Es geht um Synergieeffekte, die richtige Zusammenstellung von Teams und die Wichtigkeit von Zusammenhalt. Die wohl berühmteste Aussage von Sun Tzu ist jedoch „Die größte Leistung besteht darin, den Widerstand des Feindes ohne einen Kampf zu brechen“, welche sich wieder auf sämtliche militärische, politische oder wirtschaftliche Situationen übertragen lässt.

Fazit

Sun Tzu´s „Die Kunst des Krieges“ ist ein Werk, welches seit Jahrtausenden den Menschen als Inspirationsquelle dient. Dieser Gedanke, dass viele große Persönlichkeiten der Geschichte auf Grund dieses Buches Entscheidungen getroffen haben, macht es für mich wesentlich interessanter. Es ist nach ca. 2500 Jahren immer noch aktuell. Sun Tzu versteht es durch seine Axiome und Aphorismen geschickt zum Nachdenken zu bewegen. Für mich persönlich gibt es kaum ein Werk, in dem es so erforderlich ist zwischen den Zeilen zu lesen wie in diesem Buch. Jedem der eine neue Sichtweise auf den Umgang mit Konfrontationen, richtige Führung und Taktiken für ganz verschiedene Situationen, von bestimmten Kriegstaktiken über Managementsituationen bis hin zu ganz einfachen Situationen des alltäglichen Lebens haben will, dem kann ich dieses Buch empfehlen.

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