Buchrezension: “No Longer Human” von Osamu Dazai

NOLONGBuchdetails

Titel: No Longer Human (dt. “Gezeichnet”)

Autor: Osamu Dazai

Übersetzung: Donald Keene

Erschienen: 1948 (Englische Übersetzung: 1958)

Seiten: 177

Verlag: New Directions

ISBN: 978-0-8112-0481-1

Autor

Osamu Dazai lebte von 1909-1948 und zählt zu den berühmtesten japanischen Schriftstellern. Er wurde als zehntes von elf Kindern in eine wohlhabende und gebildete Familie in Kanagi geboren. Als Sohn eines Abgeordneten des japanischen Parlaments verbrachte Dazai seine Kindheit in einem Haus mit 19 Zimmern. Schon in seiner Kindheit hat er gerne gelesen und begann mit 13 Jahren, eigene Geschichten zu schreiben. Dazai brach mehrmals sein Studium ab, verfiel einer Alkoholsucht und wurde später abhängig von Schmerzmitteln. Im Laufe seines Lebens hat Osamu Dazai mehrmals versucht, Selbstmord zu begehen, was ihm 1948 gemeinsam mit seiner damaligen Frau Tomie gelungen ist. Zu seinen bekanntesten Werken zählen „Die sinkende Sonne“ und „No Longer Human“.

Motivation

Auf der Suche nach einem Buch für das Literaturforum bin ich auf den mir bis dahin unbekannten japanischen Schriftsteller Dazai Osamu gestoßen, welcher in Japan große Bekanntheit und Anerkennung genießt, jedoch außerhalb Japans relativ unbekannt zu sein scheint. In seinem Roman „No Longer Human“ werden im halb-autobiographischen Stil, mit dem er Teile seines persönlichen Lebens in seine Werke einfließen lässt, werden insbesondere seine Suizidversuche, Depressionen und Drogenabhängigkeit thematisiert. Besonders aufgrund der hohen Suizidrate in Japan haben diese Themen aktuell eine hohe Relevanz, weshalb ich mich für diesen Titel entschieden habe.  Auch der Titel der englischen Fassung dieses Romans „No Longer Human“ hat mein Interesse geweckt, was ein weiterer Grund für mich war, dieses Buch zu lesen.

Inhalt

Das Buch „No Longer Human“ ist in fünf Teile untergliedert. Hierbei bilden die drei hinterlassenen Aufzeichnungen des Protagonisten Oba Yozo den Hauptteil des Romans, welcher sich zwischen einem Prolog und Epilog des Erzählers einordnet.

Prolog

Im Prolog betrachtet der Erzähler drei Fotografien des Protagonisten Yozo, welcher in drei verschiedenen Lebensabschnitten, in der Kindheit zur Schul- und Studienzeit, sowie in einer Zeit danach, abgebildet ist. Hierbei kritisiert der Erzähler jede Aufnahme im Hinblick darauf, dass das Gesicht des Protagonisten ausdruckslos und nichtssagend sei, und sogar den Eindruck vermissen lässt, dass es das Gesicht eines Menschen ist.

Heft 1

Yozo merkt schon als Kind, dass er sich von den Menschen um ihn herum unterscheidet. Er versteht das Verhalten anderer Menschen nicht und es fällt ihm schwer mit Menschen zu interagieren. Aus Angst, für diesen Mangel verurteilt zu werden, versucht          Yozo, mittels „Clowning“ Akzeptanz und Anerkennung zu erlangen.

Heft 2

Nachdem ein Schulfreund Yozos „Clowning“ durchschaut, macht sich dieser zunehmend Angst davor, auch von anderen entdeckt zu werden. Zu dieser Zeit entdeckt Yozo auch seine Begeisterung für das Malen und möchte an eine Kunstakademie, geht aber auf Anweisung seines Vaters auf eine Hochschule in Tokio. Bei einem Zeichenkurs lernt er Horiki kennen, durch den er erste Erfahrungen Alkohol und Prostituierten macht. Dies wird schon bald zum Alltag für ihn, sodass er alkoholabhängig wird und in Geldnot ist. Bald darauf lernt er die ebenfalls unglückliche Tsuneko kennen und die beiden entschließen sich, zusammen Suizid zu begehen, jedoch überlebt Yozo, während Tsuneko ertrinkt.

Heft 3

Yozo wird von der Universität verwiesen und bei einem Freund der Familie untergebracht, der auf ihn aufpassen soll. Nach einiger Zeit flieht er von dort und besucht seinen alten Freund Horiki, wobei er die alleinerziehende Mutter Shizuko kennenlernt, durch die er an einen Job als Comiczeichner gelangt. Für kurze zeit lebt er mit Shizuko und ihrer Tochter, doch verlässt auch die beiden, nachdem er wieder angefangen hat übermäßig zu trinken. Wenig später lernt Yozo die junge und naive Yoshiko kennen, und beschließt auf ihren Wunsch hin, mit dem Trinken aufzuhören und heiratet sie im weiteren Verlauf. Nachdem Horiki ihn, beginnt Yozo wieder zu trinken. Eines Tages muss er ansehen, wie seine Frau Opfer eines sexuellen Übergriffes wird und verfällt der Alkohol- und Morphiumsucht. Nach einem Aufenthalt in der Nervenanstalt wird er durch seinen Bruder in die Heimat zurückgebracht, wo Yozo nun sein Leben in Isolation verbringt.

Epilog

Der Erzähler trifft auf die Frau aus Kyobashi, welche Yozo in seiner Stammbar bedient hatte, und erhält von ihr drei Fotografien und die Hefte, die Yozo ihr überlassen hatte.

 

Fazit

No Longer Human zeigt den verzweifelten Versuch eines isolierten Individuums, sich in die Gesellschaft einzugliedern. Hierbei werden verschiedene Thematiken aufgegriffen, die auch heute von großer Relevanz sind. Insbesondere wird ein näherer Einblick auf die Introversion in Japan vermittelt. Der extreme Rückzug von der Gesellschaft stellt neben der hohen Suizidrate ein weiteres großes Problem der japanischen Gesellschaft dar. Weiterhin werden auch weltweit aktuelle Themen wie Depressionen und Drogenkonsum behandelt.

Zudem ist es interessant zu sehen, dass dieses Buch sehr viele Parallelen zum Leben des Autors aufweist, welches ebenfalls von Depressionen und Suizidversuchen geprägt war.

Die englische Fassung enthält zwar an einigen Stellen ungebräuchliches Vokabular, ist aber grundsätzlich angenehm zu lesen.

Ich kann dieses Buch jedem weiterempfehlen, der an japanischer Nachkriegsliteratur interessiert ist oder allgemein einen Einblick in die japanische Kultur erhalten möchte.

 

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