Buchrezension: In China essen sie den Mond – Ein Jahr in Shanghai

Buchinformationen:

  • Titel: In China essen sie den Mond: Ein Jahr in Shanghai
  • Autor: Miriam Collée
  • Genre: Autobiographischer Reisebericht
  • Verlag: Gustav Kiepenheuer (2009), 3. Auflage 2016
  • Taschenbuch: 267 Seiten
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 978-3-7466-2686-4
  • Preis: 12,99€

Motivation:

Bei der Recherche nach einem geeigneten Buch mit einem Chinabezug, stieß ich auf das Buch von Miriam Collée, welches mich sofort ansprach, da es zum einen von einer deutschen Autorin verfasst wurde und zum anderen zum Genre der autobiographischen Reiseberichte zugeordnet werden kann, welches sich oft mit einer hohen Authentizität und Interesse meinerseits auszeichnet. Sie beschreibt in diesem Buch ihren Aufenthalt in China, insbesondere in Shanghai und wie sie ihren Alltag in einer Weltmetropole mehr oder weniger meistert. Durch die bildhafte und humorvolle Beschreibung unterschiedlicher Szenarien, erlangt der Leser einen guten ersten Eindruck über chinesische Gepflogenheiten und kulturellen Irrtümer. Aufgrund der deutschen Abstammung der Autorin und des Handlungsortes des Buches, empfand ich dieses Buch für sehr geeignet, da ich demnächst ein Auslandssemester in Shanghai absolvieren werde und mich somit sehr gut in die beschriebene Lage von Miriam Collée versetzen kann. Mir war es wichtig ein Buch zu finden, das genau den Aspekt der kulturellen Unterschiede thematisiert und mich auf den Aufenthalt in Shanghai vorbereiten kann.

Autor

Miriam Collée wurde im Jahr 1973 in München geboren. Sie studierte Politikwissenschaften und Romanistik in Hamburg und fing nach ihrem Studium als Ressortleiterin bei der Frauenzeitschrift „Allegra“ an zu arbeiten. Nach fünf Jahren ist sie zum „Stern“ gewechselt, und war dort für knapp zwei Jahre als Redakteurin beschäftigt. Im Jahr 2008 gab sie ihren Beruf auf, um mit ihrem Mann Tobias und der gemeinsamen dreijährigen Tochter Amélie nach China auszuwandern, da ihr Mann ein Jobangebot in Shanghai bekommen hat. In ihrem Buch „In China essen sie den Mond“ (2009) schrieb sie ihr Abenteuer und Eindrücke über das für sie bislang noch unbekannte Land nieder.

Inhalt

Miriam Collée beschreibt in ihrem biografischen Roman „In China essen sie den Mond“ welcher im Jahr 2008 veröffentlicht wurde, den Auslandsaufenthalt mit ihrer Familie in China.

In Hamburg hat die Familie ein gediegenes und glückliches Leben geführt, im eigenen Haus mit Garten, sehr guten Jobs und Kindergartenbetreuung für die Tochter. Bis eines Tages dem Ehemann Tobias ein Jobangebot in Shanghai offeriert wurde. Gemeinsam brechen sie in ihr Abenteuer in das Land der Mitte auf, ohne jeglichen Chinesisch Kenntnissen und ohne Berufsperspektive für Miriam. Bewusst hat sich die Familie dazu entschieden in ein altes Reihenhaus zu ziehen mit chinesischer Nachbarschaft im Französischen Viertel von Shanghai und nicht in ein Hochhauskomplex mit vielen anderen Auswanderer, um sich besser zu integrieren.

Allerdings erweist sich diese Entscheidung besonders zu Beginn des Aufenthalts für sehr problematisch. Ihr Alltag wird nur von Lebensmitteleinkäufen, der Freizeitbeschäftigung ihrer Tochter Amelié und den Renovierungsarbeiten des Reihenhauses geprägt. Miriam muss einige Male die Handwerker kommen lassen, damit die zahlreichen Baumängel, trotz „Luxury“ Bezeichnung seitens des Maklers, beseitigt beziehungsweise wiederhergestellt werden können. Die deutschen Standards sind gerade in diesem Reihenhaus völlig fehl am Platz. Zudem beschweren die unerklärbaren und in sich widersprechenden Zuständigkeiten der beauftragten Handwerker die Arbeiten im Haus. Sobald eine neue Baustelle entstanden ist, fällt diese wiederrum in den Zuständigkeitsbereich eines anderen Handwerkers, der erst beauftragt werden muss. Die Verzögerungen, die kaum vorhandene Professionalität und der Mangel an Qualität lässt Miriam außer Kontrolle geraten, wodurch sie schon öfters ihr Gesicht verloren hat. Der Gesichtsverlust bei Konflikten ist in der chinesischen Kultur von großer Bedeutung und daher wird Kritik und Zurechtweisung vermieden. Miriam fällt es mit ihrer deutschen, offenen und direkten Mentalität schwer ihr Empfinden nicht offen äußern zu können. Zudem ist sie sehr über die Luftverschmutzung in Shanghai besorgt, was sie schon oft zum Weinen gebracht hat.

Allerdings findet Miriam allmählich immer mehr Gefallen an Shanghai und nach dem ersten Heimaturlaub in Deutschland bemerkt sie, dass sie auch keinen Missmut gegenüber Shanghai mehr hegt und freut sich auf ihr neues Zuhause. Sie entwickelt eine Toleranz und Gelassenheit gegenüber der chinesischen Mentalität und fängt an „dieses seltsame Land und diese lustigen Menschen in [ihr] Herz zu schließen“ (S.165). Nach etwa einem Jahr versteht sie immer mehr das Land und ihre Vorurteile gegenüber China haben sich geändert. Sie hat sich schon soweit integriert und das Land in ihr Herz geschlossen, dass sie nicht nur für Deutschland Heimweh hegen würde, sondern auch für Shanghai „Vermutlich habe ich überall Heimweh. In Hamburg nach Shanghai, in Shanghai nach Hamburg. Das Reich der Mitte ist wohl irgendwo dazwischen“ (S.263).

Fazit

Miriam Collée hat in diesem Buch auf sehr anschaulicher, liebevoller, humorvoller aber auch verzweifelter Weise über den chinesischen Alltag berichtet, welcher ihr besonders zu Beginn des Aufenthaltes große Probleme bereitet hat. Die Verschiedenheit zwischen der deutschen und der chinesischen Kultur wird durch das gesamte Buch hinweg eindrucksvoll verdeutlicht und Miriam Collée scheut sich nicht ihre Meinung frei zu äußern und nimmt kein Blatt vor ihren Mund. An einigen Stellen wirken die Äußerungen gegenüber der chinesischen Mentalität allerdings sehr übertrieben. Gerade in den ersten Monaten des Aufenthaltes beschwert sich Miriam über die banalsten Situationen und verliert öfters die Fassung, worüber sie sich hätte im Klaren sein müssen, da sie in ein Land auswandert, welches sehr verschieden zu Deutschland ist. Sie hätte meiner Meinung nach bereits zu Beginn ihres Aufenthalts toleranter gegenüber der chinesischen Kultur sein sollen und hätte sich nicht ständig über Kleinigkeiten aufregen müssen. Zudem hätte ich mir gewünscht, dass Miriam mehr über das Leben außerhalb ihres Hauses berichtet, wie das Markttreiben oder die chinesischen Essgewohnheiten und nicht ihren Fokus auf die Renovierungsarbeiten innerhalb ihrer vier Wänden legt. Nichtsdestotrotz, kann ich dieses Buch uneingeschränkt für diejenigen weiterempfehlen, die gerne auf humorvolle Weise erste Einblicke in das Reich der Mitte suchen und etwas über den Alltag in Shanghai erfahren wollen.

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