Buchrezension- Bushido. Der Ehrenkodex der Samurai von Inazō Nitobe

Daten zBushido coverum Buch:

Titel: Bushido. Der Ehrenkodex der Samurai
Originaltitel: Bushido. The Soul of Japan (1899)
Autor: Inazō Nitobe
Verlag: Anaconda Verlag GmbH (Köln, 2006)
Umfang: 159 Seiten
ISBN-13: 978-3-86647-024-8
Sprache: Deutsch
Preis: 4,95€

Motivation:

Schon lange begeistern mich Kampfkünste und die dahinterstehenden Werte, wie beispielsweise die Loyalität und die Aufrichtigkeit. Ich erhoffe mir durch die Lektüre des Buches von Inazō Nitobe einen tieferen Einblick in die Gedankenwelt und in die moralischen Vorstellungen der Ritter Japans, der Samurai. Zudem bin ich gespannt, ob Charakterzüge dieses sehr alten Verhaltenskodexes noch heute überdauern und ob sie noch heute vorzufinden sind. Weiterhin hoffe ich ein tieferes Verständnis der japanischen Kultur zu erlangen und in eine andere Art des Denkens eingeführt zu werden, um mich noch besser auf meinen Auslandsaufenthalt vorbereiten zu können. Japaner sind meines Erachtens nach deutlich zurückhaltender und höflicher als Europäer. Ob unter anderem dieser Sachverhalt auf dem Ehrenkodex der Samurai basiert, möchte ich herausfinden.

Über den Autor:
nitobe Bild
Inazō Nitobe (1862-1933) studierte Agrarwissenschaften an der Landwirtschaftsschule in Sapporo, der heutigen Hakkaidō Universität, von der er seinen Weg über die Universität in Tokio (1883) an die Johns-Hopkins Universität in den Vereinigten Staaten (1884) fand. In Tokio erhoffte er sich, mehr über die englische Sprache lernen zu können, reiste jedoch ein Jahr später in die USA, weil er sich diesen Wunsch nicht gänzlich erfüllen konnte. Hier studierte er Volkswirtschaftslehre und Politikwissenschaften. Zudem trat er dem Quäkertum bei und lernte seine Frau Mary Patterson Elkinton kennen. Anschließend promovierte er in Agrarwissenschaften an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (Sachsen-Anhalt, Deutschland) und schloss einen seiner späteren fünf Doktortitel ab, um eine Professur in Sapporo aufzunehmen.
Aufgrund einer Krankheit nahm sich Nitobe im Jahr 1899 die Zeit, das Buch „Bushido. The soul of Japan“, zu schreiben. Er wollte berichten, wie er die moralischen Grundsätze seiner Gesellschaft und dem Samurai-Clan, dem er entstammte, erlernt hatte. Da er das Christentum in seiner Zeit in Deutschland und in den USA erlebt hat, konnte er viele Vergleiche mit der europäischen Kultur, Literatur und dem Christentum ziehen.
Im Jahr 1901 wurde er technischer Berater der taiwanesischen Regierung. Zudem Ist er Gründer der christlichen Frauenhochschule in Tokio.

Inhalt:

Nitobe hat auf 147 Seiten, in insgesamt 17 Kapiteln, die Grundsätze seiner moralischen Erziehung niedergeschrieben.
Bushido  (武士道) heißt wörtlich: „Wege soldatischer Ritter“. Dieser Ehrenkodex wurde von den Bushi, oder auch kämpfenden Rittern, die Samurai genannt werden, vertreten. Die Entstehung dieses Kodex ist nicht genau bestimmt, fällt aber aufgrund des Zusammenspiels mit dem Feudalismus auf einen Zeitraum im späten 12. Jahrhundert. Die Werte wurden zudem nicht niedergeschrieben, sie werden von Generation zu Generation mündlich überliefert.

Bushido entstammt dem Buddhismus, sowie dem Shintoismus. Ersterem verdankte Bushido Gelassenheit im Angesicht von Gefahr. Letzterem die Loyalität gegenüber Höhergestellten, sowie den Respekt vor der Familie. Werke von Konfuzius und Mengzi beeinflussten Bushido maßgeblich. Wissen wurde als Mittel zum Zweck angesehen. Es sollte verinnerlicht und angewendet werden.

Die Redlichkeit und Gerechtigkeit beschreibt Nitobe als essentiell. Betrug ist seiner Meinung nach verachtenswert und durch die Redlichkeit zu verhindern. Kein Samurai, so Nitobe, sei fähig zu existieren ohne die Redlichkeit.

Weiter wird Mut als besonders wichtig erachtet. Dieses Kapitel handelt davon, das Richtige aus dem richtigen Grund zu tun. Junge Samurai wurden durch verschiedene Rituale abgehärtet. Sie wurden beispielsweise angewiesen nachts an den Ort einer Hinrichtung zu gehen, der sie vorher beigewohnt hatten, um den Leichnam zu markieren.

Milde ist die nächste behandelte Tugend des Bushido. Wenn der Samurai Milde walten lässt, demonstriert er Stärke und bezieht so Anerkennung. Samurai würden beispielsweise Kinder nicht töten, die gegen sie kämpften.

Die Höflichkeit oder auch feine Manieren werden so definiert, dass die effektivste Variante etwas zu tun, die anmutigste sei. Als Beispiel wird die Teezeremonie angeführt, die einen sehr hohen Stellenwert in der japanischen Kultur einnimmt. Hier handele es sich bei der Abfolge und Ausführung um die effektivste und deswegen auch schönste Art und Weise Tee zu servieren.

Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit werden ebenfalls als wichtig eingestuft. Die Samurai waren immer verpflichtet die Wahrheit zu sagen. Es konnte jedoch vorkommen, dass bei unwichtigen Dingen die Unwahrheit gesagt wurde, um höflich zu sein.
Die Ehre war für die Samurai ein sehr wichtiges Gut. Wurde sie verletzt, musste Rache geübt werden, da die Scham, beziehungsweise die Verletzung der Ehre, das größte Übel bedeutete. Leider missbrauchten viele Samurai diesen Fakt, um Unrecht zu begehen. Es wurde ihnen jedoch Großmut gelehrt, damit sie in der Lage waren, ihre Gefühle zu kontrollieren.

Die Loyalität war, besonders im Feudalismus von besonderer Bedeutung. Samurai und auch Familien waren ihrem Herrn unterstellt und hatten ihm bedingungslos zu dienen. So waren die Eltern eines Lehnsherrn glücklich, dass sie ihr Kind opfern (es wurde getötet) konnten, um das ihres Herrn zu retten.

Die Ausbildung des Samurai hatte zum Ziel, ihn für den Kampf und die Verwaltung des Lehns vorzubereiten. Weisheit, Milde und Mut wurden gelehrt. Er wurde in Mathematik ausgebildet, nutze die Wissenschaft und Philosophie jedoch nur, um sie anzuwenden, wenn sie ihm nützlich war, um beispielsweise im Kampf überlegen zu sein. Zudem sollten die Samurai in einfachen Verhältnissen leben und das Geld das ihnen zur Verfügung stand nicht zu hoch bewerten.

Die Selbstbeherrschung bedeutete, dass Gefühle nicht zum Ausdruck gebracht werden sollten. Man ist der Ansicht, dass tiefe Gefühle nicht ausgesprochen werden sollen. Wenn über sie gesprochen werde, könnten sie nicht echt sein. Das unterdrücken der Gefühle wird als doppelter Schmerz beschrieben, da die Emotionen wahrgenommen wurden, die jedoch nicht gezeigt werden durften. Dies wäre zudem für einen Samurai unmännlich.

Die Selbsttötung oderseppuku Bild auch Seppuku wird im Bushido als Weg gesehen, die Seele zu befreien. Diese sitzt nach altem Glauben im Abdominalbereich des Menschen. Um z.B. der Schande eines begangenen Verbrechens zu entgehen, schlitzte sich der Betroffene in einer Zeremonie den Bauch von links nach rechts auf, drehte die Klingt und schob sie nach oben. Anschließend wurde er mit einem längeren Schwert von einem Zweiten enthauptet.
Bei der Wiedergutmachung geht es darum, ein begangenes Verbrechen zu rächen, dass damals aufgrund eines fehlenden Gesetztes ungestraft geblieben wäre. Die Selbsttötung, sowie die Wiedergutmachung sind durch das heutige Strafgesetz jedoch nicht mehr relevant.

Das Schwert des Samurai wird wie ein Teil von ihm angesehen. Im Alter von 15 Jahren ist der Samurai erwachsen und darf das lange Schwert (katana), sowie das kurze Schwert (wakisashi) tragen. Er nimmt sie überall mit hin und gibt ihnen sogar Kosenamen. Wenn der Samurai ein Leben mit dem Schwert beendet, muss er dafür eine Rechtfertigung haben. Auch den Samurai wurde beigebracht, dass eine Auseinandersetzung jeglicher Art am besten ohne Gewalt gelöst werden sollte. Sie kämpften dafür jedoch zu gern und aus diesem Grund wurde diese Idee nicht von den Samurai verbreitet.

Die Frau Sorgt nach dem Bushido für das Wohl und den Schutz des Hauses. Sie lernt die Kultur und die Musik kennen, um das Haus gut zu repräsentieren. Zudem lernt die Frau kämpfen, um in Abwesenheit ihres Mannes die Kinder, sowie das Haus zu schützen. Sie opfert sich ihrem Mann auf, damit dieser sich seinem Herren aufopfern kann, dieser wiederum opfert sich dem Himmel auf. Hier ist wieder der Einfluss des Feudalismus zu erkennen.

Der Einfluss des Bushido ist hoch, da die Ritter, sowie ihr Kodex hoch angesehen werden. Geschichten der Ritter wurden erzählt, um ihre Tugenden weiterzugeben. Die Japaner heutzutage folgen den Leitsätzen des Bushido zum Teil, erreichen die Stufe der Samurai jedoch nicht.

Mit Abschaffung des Feudalismus in Japan ist auch der Kodex der Samurai verblichen. Dies geschah ungefähr Ende 1870. Da dieser Kodex für den Kampf erfunden ist, hat er heute eine geringere Bedeutung. Er lebt, wie Nitobe befindet, in den Japaner weiter, wird aber nicht mehr wie früher verbreitet.

Fazit:

Inazō Nitobe erlaubt dem Leser mit seinem Buch „Bushido. Der Ehrenkodex der Samurai“ einen tiefen Einblick in den Verhaltenskodex der japanischen Ritter. Durch eine sehr gute Erzählweise, sowie sehr anschaulicher Geschichten und Beispiele werden die einzelnen Sachverhalte sehr gut deutlich. Zudem versucht er stets die Mentalität des Bushido mit der europäischen Mentalität zu vergleichen, was ebenfalls einen besseren Einblick in seine Gedankengänge erlaubt.
Nitobe nutzt jedoch viele Vergleiche mit anderen Literaturwerken (145 auf 147 Seiten), um seine Sachverhalte zu veranschaulichen. Da er viele philosophische Theorien, sowie Werke Shakespeares wählt, fällt das Verständnis an manchen Stellen schwer. Phasenweise folgen einem Zitat zwei bis drei weitere, was die Das Nachvollziehen der Argumentation erschweren kann.
Zusammenfassend kann man jedoch sagen, dass Inazō Nitobe durch seinen lebhaften Erzählstil einen der ältesten Verhaltenskodizes anschaulich präsentiert, was meine definitive Leseempfehlung zur Folge hat, wenn man sich mit Sachbüchern dieser Art auseinandersetzen möchte.

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