Buchrezension – Der nächste kalte Krieg: China gegen den Westen von Wolfgang Hirn

                                                             Titel: Der nächste kalte Krieg: China gegen denWesten51E+TbS9hkL

Autor: Wolfgang Hirn

Erscheinungsdatum: April 2013

Verlag: S. FISCHER; Auflage: 1 (25. April 2013)

Umfang: 288 Seiten

ISBN: 978-3-10-030413-1

Preis: 14,99€

Rezension: Youssef Touma

(Vorstellung am 23.05.2016)

 

Motivation 

Bei der Suche nach einem für die Rezension geeigneten Buch war ich auf die Thematik Politik und Wirtschaft fokussiert. Schon immer interessiere ich mich für diese Themen, weil ich einerseits Wirtschaftsinformatik studiere, anderseits habe ich eine persönliche Leidenschaft für die Politik, außerdem wollte ich einen Einblick in die Entwicklung Chinas gewinnen. Deswegen hat mich das Buch “Der nächste kalte Krieg: China gegen den Westen” angesprochen.

In seinem Werk schildert Wolfgang Hirn die Bereiche, in denen die Entscheidungen fallen könnten: Geld und Kapital, Wirtschaft, Bildung und Technologie, Umweltschutz, Rohstoffe, Ideologie und Außenpolitik. Auf diesen Feldern werde ein „Kampf um die Weltmacht“ ausgetragen, und auch ein heißer Krieg sei nicht auszuschließen.

China flankiert seine wachsende wirtschaftliche und politische Macht mit militärischer Stärke. Wie diese Entwicklung den Westen, der vorn liegt, bedrohen könnte? Die Beantwortung dieser Frage, habe ich mir durch das Lesen dieses Buches erhofft.

Autor 

Wolfgang Hirn, geboren 1954, studierte Volkswirtschaftslehre und Politische Wissenschaften in Tübingen. Danach arbeitete er als Wirtschaftsredakteur für den  “Kölner Stadtanzeiger” und die “Wirtschaftswoche”. Derzeit ist er Reporter beim “manager magazin” in Hamburg. Wolfgang Hirn hat in Brüssel, New York, Beijing und Shanghai gelebt und gearbeitet. Er ist Autor der Bestseller „Herausforderung China“ (2005) „Angriff aus Asien“ (2007) und „Kampf ums Brot“ (2009). 2008 wurde er mit dem Helmut-Schmidt-Journalistenpreis ausgezeichnet.

Inhalt

In dem Buch charakterisiert Wolfgang Hirn sehr eindrucksvoll, aus welchen Gründen die USA und Europa aus der Weltspitze absteigen und dass die Allmacht der USA vorbei ist, während Chinas Entwicklung voran schreitet. Seine Leistungsstärke zeigt sich in wirtschaftlichen Zahlen, im Wachstum des Bruttoinlandsprodukts, in Export und  Währungsreserven. In allen drei Bereichen ist China Weltspitze. China hat weltweit die höchsten Wachstumsraten, China ist Exportweltmeister und China sitzt auf einem Devisenberg von unvorstellbaren drei Trillionen Dollar.

Der Autor beschreibt im ersten Kapitel „Geld und Kapital“, wie nach der Finanzkrise im Herbst 2008 amerikanische und europäische Banken wie Kartenhäuser zusammenbrachen. Die USA hat noch zusätzlich die teuren Kriege im Nahen Osten finanziert und die gesamte Südflanke der EU steht vor dem finanziellen Abgrund. Der Retter in der Not ist China. China wird diese neue Macht nutzen und die Chinesen wissen, dass die Zeit für sie arbeitet. Es wird geschildert, dass China diese Chance optimal nutzt.

Im zweiten Kapitel „Wirtschaft“  schreibt Hirn, wie die Chinesen nun verstärkt in Branchen außerhalb des Rohstoffsektors investieren wollen. Zudem sind die Chinesen strategisch vorgegangen, sie haben zuerst die nicht so schwierigen Märkte der Entwicklungs- und Schwellenländer in den Blick genommen. Wenn sie dort reüssiert haben, lenken sie ihr Augenmerk auf die Industrieländer. Ein Musterbeispiel, das der Autor öfter in seinem Buch erwähnt, ist Huawei, ein Unternehmen, das weltweit zu den ganz Großen in seiner Branche zählt.

Im dritten Kapitel „Bildung und Technologie“ wird die starke Konkurrenz im Bereich Technologie beschrieben. Die deutschen Maschinenbauer beklagen, dass sie schon fast den Atem der Chinesen im Nacken  spüren. Der technologische Vorsprung von einstmals fünf Jahren ist auf zwei Jahren geschrumpft. Außerdem wird heutzutage in den Eliteuniversitäten des Landes kritisches Hinterfragen gefördert, und damit einher geht ein enormer Anstieg der Zahl der Patente und der wissenschaftlichen Veröffentlichungen.

Im vierten Kapitel „Umweltschutz“ geht es darum, dass die chinesischen Umweltprobleme häufig Folgen für den gesamten asiatischen Raum haben, aber relativ gesehen – also pro Kopf gerechnet – liegen die Chinesen weit hinter den Deutschen oder Amerikanern zurück. Allerdings ist das Umweltbewusstsein der Regierung und der Bevölkerung in den vergangenen Jahren gewachsen.

Im fünften Kapitel „Rohstoffe“ wird die chinesische Rohstoffpolitik von dem Autor gelobt, da die Chinesen strategisch mit dem Rohstoff umgehen. Der chinesische Staat sorgt für die Versorgung mit den nötigen Rohstoffen und legt dabei strategische Reserven an. Die Chinesen kaufen jetzt nicht nur die Rohstoffe, sondern die Minen und die Ölfelder.

Im sechsten Kapitel „Ideologie“ heißt es,  China habe ein neues Modell geschaffen, eine Mischform: politisch eine Einparteienherrschaft, aber wirtschaftlich zu einem  großen Teil kapitalistisch. Die Chinesen wendeten zum Teil die westlichen Methoden an, sie wollten aber trotzdem nicht so werden wie der Westen, so Hirn. Er sagt, dass das westlich-liberale Modell also ein Gegenmodell bekommen habe – das chinesische, wie immer man es auch bezeichnen mag. Und das in einer Phase, wo die westliche Demokratie in einer Krise steckt. Denn alle drei großen westlichen Demokratieblöcke – die USA, Europa und Japan – “schwächeln” derzeit aus unterschiedlichen Gründen.

Die chinesische Außenpolitik beschreibt Hirn in dem siebten Kapitel. Die drei großen Mächte Asiens haben Probleme miteinander. Indien und China haben seit 50 Jahren ungelöste Grenzprobleme, die Feindschaft zwischen Japan und China ist älter und tiefer. Und China und die USA misstrauen einander im Kampf um die globale Vormachtstellung. Alle vier haben jeweils eine andere Agenda: China will eine multipolare Welt, aber ein unipolares Asien. Indien und Japan wollen auch eine multipolare Welt, aber auch ein multipolares Asien. Nimmt man die USA hinzu, wird das Interessengeflecht noch komplizierter: Die USA wollen eine unipolare Welt, aber ein multipolares Asien.

Im letzten Kapitel “Kampf um die Weltmacht“  wird die gefährliche Entwicklung geschildert, die sich im asiatisch-pazifischen Raum vollzieht. Und so bleibt am Ende der Eindruck: Wenn der zweite kalte Krieg zu einem heißen werden sollte, dann in dieser Region.

Fazit

Insgesamt betrachte ich das Buch von Wolfgang Hirn als sehr lesenswert und hochaktuell. Der eilige Leser kann sich bei Hirn zügig informieren. Das Buch ist eine faktenreiche Analyse, die einiges zum Verständnis des modernen China beitragen kann.  Jedoch entnehme ich dem Buch die Einschätzung, dass der Westen gegen China einen Kalten Krieg inszeniert und nicht umgekehrt. China nutze seine Macht sehr vorsichtig und pragmatisch, obwohl seine Außenpolitik an manchen Stellen aggressiver und selbstbewusster geworden sei. Die Bewertung der einzelnen Fakten und Zahlen überlässt Hirn nicht dem Leser selber, sondern für ihn steht außer Frage, dass China sich zur Weltmacht entwickeln wird.

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