Aber bitte mit Sake! – Buchrezension von Alessandra Ali

ASBE Medien- und Literaturforum – Sommer 2013 – Buchrezension von Alessandra Ali

Aber bitte mit Sake!

  • Titel: Aber bitte mit Sake!: Auf Kreuzfahrt mit 1000 Japanern
  • Autorin: Dana Phillips
  • Taschenbuch: 272 Seiten
  • Verlag: Bastei Lübbe; Band 60734; 1. Auflage: Dezember 2012
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 978-3-404-60734-1

Motivation:
Ich habe mich im Rahmen des ASBE Medien- und Literaturforums aus unterschiedlichen Gründen für die Vorstellung dieses Buchs entschieden. Da ich bei Bekanntgabe der Aufgabenstellung im Januar selbst nur geringes landesspezifisches Wissen über Japan vorweisen konnte, war es für mich zunächst wichtig ein Buch auszuwählen, das möglichst viele Sachverhalte und Phänomene im Zusammenhang mit Japan und der japanischen Kultur wiedergibt und mich nicht stattdessen mit einem Buch auseinanderzusetzen, das nur ein bestimmtes Thema bzw. einen einzelnen Aspekt fokussiert. Ich habe also explizit nach einem Buch gesucht, was insbesondere die kulturellen Besonderheiten und Gepflogenheiten thematisiert und den Unterschied zur deutschen bzw. westlichen Kultur verdeutlicht. Da ich weiterhin zugegebenermaßen kein „Bücherwurm“ bin, sollte das Buch nicht zu anspruchsvoll und bestenfalls auch unterhaltsam sein. Aus diesen Gründen habe ich mich letztlich für das Buch „Aber bitte mit Sake!: Auf Kreuzfahrt mit 1000 Japanern“ von Dana Phillips entschieden, welches erst kürzlich erschienen und dadurch auch zeitgemäß ist. Das Buch bietet definitiv einen guten und einfachen Zugang zum Verständnis der japanischen Kultur.

Über die Autorin (www.dana-phillips.com, www.jule-goelsdorf.de):
Dana Phillips ist das Pseudonym der Autorin Jule Gölsdorf und einer Freundin, die mit ihr gemeinsam schreibt und seit vielen Jahren befreundet ist. Aufgewachsen sind beide im niedersächsischen Hannover. Jule Gölsdorf ist Journalistin und Moderatorin, seit 2003 arbeitet sie für die Kindernachrichtensendung logo!, präsentiert die Nachrichten bei n-tv und moderiert die tägliche Nachmittagssendung “Hallo Hessen” im Hessischen Rundfunk. Im Mai 2012 erschien unter dem Pseudonym Dana Phillips ihr erster Roman “Avanti Amore – Mein Sommer unter Italienern” bei Bastei-Lübbe.  Dana ist aber nicht nur ein Pseudonym, sondern auch die Hauptfigur der Dana-Phillips-Reiseromane. Sie nimmt den Leser als Protagonistin mit auf Tour durch unterschiedliche Länder.

Aufbau des Buchs:
Das Buch besteht aus 18 Kapiteln. Jedes Kapitel fängt mit einer kurzen Übersicht an, die das Gericht, den Japaner bzw. Mensch des Tages, den „Place to be“ und die Erkenntnis aufzeigt, die im jeweiligen Kapitel eine Rolle spielen. Am Ende befindet sich jeweils eine Kolumne („Lost in Translation, oder: …“), die sich mit den Themen detailliert auseinandersetzt, die im vorangegangenen Kapitel erschienen und für die Autorin von besonderer Bedeutung sind: „Wieso zwischen Deutschland und Japan Welten liegen“, „Weshalb der Japaner eine treue Seele ist“, „Weshalb dem Japaner sein Bad heilig ist“, „Warum der Japaner in der Öffentlichkeit schläft“, „Warum die Japaner überall ihre Schuhe wechseln“, „Warum die Japaner Regeln lieben“, „Warum die Japaner anders speisen als wir“, „Warum die Japaner Manga und Anime lieben“, „Wie man einen Kimono richtig trägt“, „Warum die Japaner so heiß auf weiße Haut sind“, „Warum die Japaner es lieben in Gruppen unterwegs zu sein“, „Warum es in Japan Hibakushas gibt“, „Warum die Japaner so gerne Origami falten“, „Warum die Japaner so harmoniebedürftig sind“, „Warum Blutgruppen für Japaner so wichtig sind“, „Wie Japaner Urlaub machen“, „An was die Japaner glauben“, „Was wir von den Japanern lernen können“.

Inhalt:
Dana ist eine deutsche Foodjournalistin und Ökotrophologin (Haushalts- und Ernährungswissenschaftlerin) und arbeitet für das Frauenmagazin „Komplizin“, das in der Frühlingsausgabe einen Japan-Schwerpunkt plant. Im Fokus des Magazins steht dabei eine Reportage über das „Peaceboat“, ein Kreuzfahrtschiff einer japanischen Nicht-Regierungsorganisation, das im Namen des Weltfriedens und der Völkerverständigung dreimal pro Jahr den Erdball umrundet. Da sich die chinesische Redakteurin, die mit der Reportage beauftragt worden war, kurz vor der Abreise verletzt, muss Dana einspringen und mehr oder weniger unfreiwillig nach Japan reisen. Sie spricht kein Wort Japanisch und weiß eigentlich nur, dass die Japaner gerne fotografieren, sich verbeugen, Kimonos tragen und Sushi essen. Ihre Reise beginnt im Januar. Sie fliegt für eine Woche nach Tokio und reist dann nach Yokohama, um dort in das Peaceboat zu steigen, auf dem sie sechs Wochen lang mit rund 1.000 Japanern unterwegs sein wird. Bereits in Tokio eröffnet sich für die Journalistin eine völlig unbekannte Welt und sie macht direkt allerlei interessante Erfahrungen. Angefangen damit, dass in Japan Linksverkehr herrscht bis hin zu den Regeln für einen Schreinbesuch oder für den Besuch eines Onsen (ein von natürlichen heißen Quellen gespeistes Bad). Sie stellt auch fest, dass die Japaner sehr loyal sind. „Sie arbeiten meistens ihr Leben lang in einer Firma. Sie bleiben in ihren Geburtsstädten, selbst wenn diese von Erdbeben und Tsunamis heimgesucht werden.“ Da Dana außerdem blond ist und i. d. R. alle Anwesenden mindestens um einen Kopf überragt, fühlt sie sich die meiste Zeit über „wie eine Giraffe im Zoo“. Auch nach ihrem Aufenthalt in Tokio folgt für Dana ein Erlebnis nach dem anderen. Auf dem Peaceboat angekommen, fallen ihr zunächst die unendlich vielen Verbots- und Hinweisschilder sowie die andersartigen Tischmanieren beim Essen auf. Sie merkt auch, dass Japaner morgens lieber Gymnastik auf dem Sonnendeck machen als auszuschlafen. Schlange stehen und warten bis man an der Reihe ist – eine Pflicht für Japaner. Ebenso wichtig wie die vier Prinzipien Harmonie, Respekt, Reinheit und Ruhe. Außerdem feiern Japaner gerne, weshalb es immer wieder Feste zu allerlei Anlässen gibt. Im Verlauf des Buchs lernt Dana auf dem Peaceboat einige Personen kennen und entwickelt darunter auch wahre Freundschaften. Sie trifft zunächst ihre Zimmergenossin Kyoko Kikuchi, eine ehemalige Tänzerin für traditionellen japanischen Tanz, die bereits zum dritten Mal auf dem Peaceboat mitfährt und sehr gut Englisch spricht. Dann lernt sie Henry aus Tahiti kennen, der auch schon einige Male mit dem Schiff unterwegs war und ihr den einen oder anderen Ratschlag geben kann. Da es ihm Spaß macht, die Japaner hin und wieder zu provozieren, verbündet sich Dana mit ihm, wenn sie mal wieder genug von den vielen, für sie typisch japanischen Regeln hat. Sie begegnet auch einer Gruppe von Hibakusha, also überlebenden Opfern der Atombombenangriffe auf Hiroshima und Nagasaki im August 1945. Ihre Geschichten beeindrucken sie sehr. Zum Schluss lernt Dana noch Yuuku von der Exit Band kennen, mit dem sie zwischen Tahiti und Jamaika einige romantische Stunden verbringt. Dabei ist Dana eigentlich mit Raffaele aus Mailand zusammen…
Von Anfang an lässt Dana so gut wie kein Fettnäpfchen aus. Mal vermasselt sie die korrekte Begrüßung, dann vergisst sie die Toilettenschuhe zu wechseln und ein anderes Mal putzt sie sich beim Abendessen laut die Nase mit einem Taschentuch. Doch sie schafft es im Verlauf des Buchs sich die japanischen Sitten selbst anzueignen. Zu ihrer eigenen Verwunderung stellt sie bspw. gegen Ende des Buchs fest, dass sie nun selbst zusammenzuckt, wenn sie einen Mann neben ihr laut Nase putzen hört. Und obwohl sie sich anfangs kaum vorstellen kann, wie sie die Zeit auf dem Kreuzfahrtschiff rumkriegen soll, geht die Zeit letztlich schneller rum als ihr lieb ist und sie möchte am Ende gar nicht mehr von Bord.

Fazit:
“Aber bitte mit Sake!” ist kein authentischer Reisebericht, sondern in erster Linie ein Roman. Zwar sind die beiden Autorinnen auch in der Realität zu Recherchezwecken auf dem “Peaceboat” mitgereist, doch die Geschichte an sich ist fiktiv. Nichtsdestotrotz ist es Dana Phillips in ihrem zweiten Roman “Aber bitte mit Sake!” gelungen, den Lesern die Sitten und Bräuche sowie die Lebensweise der Japaner auf unterhaltsame Art und Weise näher zu bringen. Die an sich nicht besonders aufregende Geschichte wird immer wieder mit interessanten Details aus dem für uns ungewohnten japanischen Verhaltensrepertoire aufgewertet. Und obwohl ich in den letzten Monaten bereits einiges Wissen über Japan dazugewonnen hatte, gab es vieles Wissenswertes in dem Buch, was mir bislang nicht bekannt war. Meiner Meinung nach kann das Buch also durchaus als vorbereitende Lektüre für einen Aufenthalt in Japan hinzugezogen werden.
Gleichzeitig fehlt es dem Buch aber insgesamt an Tiefe und es sollte kritisch hinterfragt werden, ob es wirklich sinnvoll ist, die japanische Kultur auf dem „Peaceboat“ zu erforschen, da sich auch die Japaner auf Reisen anders verhalten als in ihrem Heimatland. Das problemlose Telefonieren mit dem deutschen Handy im japanischen Netz in Kapitel 2 deutet auf fehlendes Wissens seitens der Autorinnen hin. Insbesondere die Liebesgeschichte mit dem japanischen Boy-Group Mitglied wirkt stark konstruiert und zuweilen auch deplatziert. Persönlich konnte ich mich selbst auch nicht mit der Hauptdarstellerin Dana identifizieren, da sie auf mich den Eindruck gemacht hat, überwiegend von den Japanern und ihren Regeln genervt und nicht wirklich weltoffen zu sein. Teilweise empfand ich ihr Auftreten als unhöflich gegenüber den Japanern.
Zusammenfassend muss man sagen, dass das Buch sehr einfach geschrieben ist und einige Situationen doch arg klischeehaft sind. Aber insgesamt bietet das Buch solide Unterhaltung und auch Japan-Erfahrene können womöglich noch die eine oder andere neue Erkenntnis gewinnen. Besonders empfehlen würde ich das Buch aber nur Personen, die sich noch nicht grundlegend mit der japanischen Kultur auseinandergesetzt haben und auch hier insbesondere den weiblichen Leserinnen, weil das Buch aus Sicht einer Frau geschrieben ist und weibliche Leserinnen eher begeisterungsfähig für die Liebesgeschichte sein werden als männliche Leser.

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