Sara Hornäk

(Universität Paderborn)

SKULPTUR LEHREN
EINFÜHRUNG IN DIE THEMATIK UND DAS PROGRAMM DER TAGUNG

 

Die Skulptur heute umschreibt sehr unterschiedliche Erscheinungsformen plastischer, skulpturaler oder installativer Werke und etabliert sich als Gattungsbegriff für alle raumbezogenen Arbeiten. Skulptur tritt nicht mehr nur als hermetisch geschlossenes autonomes Objekt in Erscheinung, sondern interveniert in öffentliche, urbane, architektonische oder soziale Räume, sie entfaltet ihr raumgreifendes Potential und lässt den Betrachter als Gegenüber damit unmittelbar partizipieren. Gemeinsam ist allen dreidimensionalen Werken, dass sie einen spezifischen Realitätscharakter besitzen. Dadurch dass sie im Raum verortet sind, stehen sie uns als Betrachter gegenüber, nehmen Bezug auf unsere eigene Körperlichkeit und lassen häufig ein dialogisches Verhältnis entstehen. Indem wir die Skulptur sehen, spüren, hören, tasten, ist ihre Präsenz unmittelbar erfahrbar. Skulpturales Handeln – d.h. Formen, Hauen, Bauen oder das Agieren im Raum – bietet einen unmittelbaren Materialzugriff und lässt die eigene Wirksamkeit und mit ihr die Gestaltbarkeit von Welt sichtbar werden. Räumliches und damit der Orientierung in der Welt dienendes Denken wird durch plastisches, skulpturales sowie installatives Handeln ausgebildet.
Aus der Verknüpfung kunstwissenschaftlicher, künstlerischer und kunstpädagogischer Forschung zur Skulptur sollen auf dieser Tagung, in deren Programm ich einführen werde, Wege gefunden werden, der Marginalisierung von Skulptur, ihrer Theorien und ihrer Lehre im Unterricht zu begegnen. Dazu werden ihre Entwicklungen im Kontext von Entgrenzungstendenzen in den Blick genommen, um gemeinsam darüber nachzudenken, wie bestehende und neue Erlebnisqualitäten oder Erfahrungsräume auch in Vermittlungsprozessen erschlossen, skulpturale Handlungs- und Erkenntnisprozesse initiiert sowie Wahrnehmung und Gestaltung von und im Raum angeregt werden können.


SARA HORNÄK Professorin für Kunst und ihre Didaktik/ Schwerpunkt Bildhauerei an der Universität Paderborn (seit 2006). Sie studierte Kunst und Philosophie an der Kunstakademie und Universität in Düsseldorf. Nach dem Ersten und Zweiten Staatsexamen und ihrer Tätigkeit als Studienrätin promovierte sie 2003 an der Kunstakademie Düsseldorf zu „Spinoza und Vermeer – Immanenz in Philosophie und Malerei“. Aktuelle Arbeitsschwerpunkte: Erweiterungstendenzen in der Skulptur der Gegenwart; Theorien skulpturalen Denkens und Handelns; Diskurse zur künstlerischen Praxis und künstlerischen Forschung; zum Verhältnis von Kunsttheorie, Ästhetik und Kunstpädagogik; plastisches Ausdrucksverhalten von Kindern und Jugendlichen.