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be Pop 3 - Der Startschuss ist gefallen

Im Wintersemester wird es wieder Neues geben. Leider entfällt in diesem Semester die Pflege des Blogs. Es sei daher auf die MySpace-Seite verwiesen:
http://www.myspace.com/bepopmobile

 

 

be Pop 2 - Eine runde Sache

Paderborn/Kulturwerkstatt (tri). „be Pop 2“ ist Geschichte und war ebenso geschichtsträchtig. Selbst die Stammkundschaft der Kulturwerkstatt konnte sich nicht erinnern, wann sie die „Kulte“ das letzte Mal so gefüllt erlebt hatten. Der Event selber ging so sauber – bezogen auf Ablauf und nicht Abfall – über die Bühne, dass selbst die größten Pessimisten im Vorfeld überrascht waren. Aber alles der Reihe nach ...

Am frühen Nachmittag begannen die Aufbauarbeiten. Nach dem auch das letzte Mikrophon und der letzte Scheinwerfer richtig ausgerichtet waren, wurde ein letzter Testlauf gestartet. Wie es sich für eine standesgemäße Generalprobe gehört, lief nicht wirklich alles rund, so dass die Konzentration noch mal einen Gang höher geschaltet wurde. Nach einer letzten Einschwörung Backstage hieß es endgültig: SHOWTIME!

Hatte man den großen Saal zuvor noch relativ leer verlassen, war er nun proppenvoll, was das Adrenalin noch eine Stufe schneller in die Arterien pulsieren ließ. Nach der Begrüßung von Michael Ahlers und dem offiziellen be Pop 2-Trailer, stand zunächst NOW TV auf dem Programm. Moderatorin Kimberly Young eröffnete die „Sendung“ mit einem Interview der Hip-Hop-Crew von „Wir Und Die Anderen“. Diese legten danach auf der Bühne ordentlich für die nachkommenden Bands vor. Als nächsten waren die Britpopper von „Afterglow“ dran, die in ihrer gewohnt britischen Art erstmal über das Backstage-Rauchverbot hinwegsetzten und anschließend das Paderborner Publikum stilecht beleidigten. Im Anschluss folgten die „Rag-A-Muffins“, die angaben sich alle auf Jamaika kennen gelernt zu haben. Nun kam das Highlight für das weibliche Publikum. „Generation Next“ betraten die Bühne und sorgten für einen neuen Kreischrekord auf der nach oben offenen Hasselhoff-Skala. Größten Respekt aller Beteiligten holte sich dabei Boris ab, der sich extra eine Infusion hatte legen lassen, um seine Boygroup-Kollegen nicht krankheitsbedingt allein auf der Bühne stehen zu lassen.

Nach dem Generation Next die Bühne verlassen hatten, war es auch erstmal vorbei mit Herzschmerz und schmachtenden Mädchen. „Captain Commander – Parole Liebe“ betraten das Feld und hauten den Kulte-Gästen ordentlich die computergenerierte Bassdrum um die Ohren. Das Frontmann Timo anschließend noch sprechen konnte, grenzte nach seinen Anfeuerungsrufen on Stage an ein Wunder. Hier nach musste das Tempo natürlich erstmal runter gefahren werden. Zwar gab das „Waldecho“ bei „Zentralstation“ noch mal Gas, spätestens bei „Zug der Liebe“ war aber fröhliches Schunkeln und nicht mehr Raven angesagt. Bei der Heavy-Metal-Band „Siekiera“ hieß es dann nicht mehr „Parole Liebe“, sondern eher „Parole Pogo“. Die ganz in schwarz gehüllte bzw. gemalte musikalische „Axt“ brachte die Leute noch mal richtig in Schwung, ehe ihnen die 80er-Band Raum-Zeit-Kontinuum endgültig den Rest gaben. Getreu dem Bandmotto: „Immer Vollgas, immer 80, immer ACHT NULL.“ Die Aftershowparty rundete den Abend anschließend bis cirka 2 Uhr ab, ehe endgültig der Besen durch die Kulturwerkstatt kreiste.

Störaktionen - Update

Ohne große Worte gibt es am heutigen Donnerstag, den 18.1. noch zwei neue Galerien und ein Video der heutigen Störaktion. Aber Achtung: die Datei ist 139 MB groß, also besser vorher speichern!

- Webseite mit Bildern vom 17.01.2007 - Teil II
- Webseite mit Bildern vom 18.01.2007
- Foyer-Video III

Störenfriede

Paderborn/Universität (ma). In den vergangenen Tagen wird die Universität Paderborn wieder mit Guerilla-Aktionen der Medienwissenschaftler und "Popper" überzogen. Manch einer und manch einem fällt beim Anblick von Schlager-Barden, Brit-Poppern, Go-Go-Girls und Robotern öfters mal die sprichwörtliche Kinnlade herunter.

Um im allgemeinen Unitrubel die ohnehin zu Semesterende überlasteten Studenten für ihren Event begeistern zu können, haben sich die Teilnehmenden von "be Pop 2" wieder für drastische Störaktionen im Foyer der Mensa entschieden. Da in diesem Fall Bilder mehr als Worte sagen, sei an dieser Stelle nur auf die kurzen Videos und die Bilder verwiesen, die hoffentlich einen Eindruck von der Kreativität und dem Spaß der Beteiligten vermitteln:

- Foyer-Video 1
- Foyer-Video 2
- Webseite mit Bildern vom 17.01.2007

„It's The Final Countdown...”

 Paderborn/Universität (tri). Okay, die Überschrift ist ungefähr so einfallsreich wie die Haare der Gruppe Europe in den 80ern kurz waren. Jedoch ist die Anzahl der verbleibenden Tage bis zu „be Pop 2“ mittlerweile einstellig, so dass die Atmosphäre unter den Projektteilnehmern – um im Bild zu bleiben – bis in die Haarspitzen gespannt ist. Die Feuertaufe vor Live-Publikum haben alle Bands jedenfalls schon bestanden. Zumindest fast alle...

Die Boyband Generation Next glänzte stilecht mit einer „No-Show“, was aber wohl mehr den zu kleinen Räumlichkeiten auf H8 geschuldet sein dürfte. So eine Tanz-Choreographie braucht halt Platz zum Atmen. Die anderen Bands hingegen wussten zu überzeugen. Den Anfang machten die Hip-Hopper von Wir Und Die Anderen, gefolgt von der Britpop-Kombo Afterglow. Die Rag-A-Muffins legten ein paar Reggae-Beats aufs Parkett, ehe es originalgetreuen 90er-Jahre Techno von Captain Commander – Parole: Liebe auf die Mütze gab. Hier nach wurde das Tempo erstmal gedrosselt, da das Waldecho die Bühne betrat. Die Stimmung wurde jedoch nur bei ihrem ersten Song Zug der Liebe merklich besinnlicher. Bei Zentralstadion war wieder mitklatschen und –singen angesagt. Da konnten die Metaller von Siekiera (polnisch für „Axt“ wie die Band betonte) nahtlos mit satten Blast Beats anknüpfen. Den Schlusspunkt setzten die Herren vom Raum-Zeit-Kontinuum , die die 1980er Jahre noch mal zum Leben erweckten.

Die Arbeiten an den entsprechenden Musikvideos sind ebenfalls im Endstadium angelangt, so dass dem Multimedia-Event be Pop 2 nicht mehr viel im Wege steht. Die berühmt-berüchtigten „Störaktionen“ im Mensa-Foyer und im Pub sind ebenfalls erfolgreich angelaufen und wurden bereits mit jeder Menge Beifall belohnt. Wer noch keine Karte erstanden hat, kann diese noch im Mensa-Foyer der Uni Paderborn für 4 Euro oder direkt am Abend für 5 Euro erwerben. Das Erscheinen am 23.01. ist natürlich obligatorisch...

 

Eintritt in Phase 2 – „Alles eine Frage der Proberei“

Paderborn/Universität (tri). Mit der Vorstellung der einzelnen Songs aus den Genres sowie dem Popper Jam in der „Kulte“ wurde Phase 1 des Projekts von NOW-Projektleiter Michael Ahlers offiziell für abgeschlossen erklärt. Beide Ereignisse und ihre Ergebnisse sorgten dabei noch einmal für zusätzlichen Motivationsschub bei allen Beteiligten.

Beim Abschlusstreffen von Phase 1 konnte zunächst konstatiert werden, dass bisher wenig Leute „verschütt“ gegangen sind und der Kurs den Raum H8.125 weiterhin zur Gänze ausfüllt. Die Zwischenberichte aus den einzelnen Gruppen sind derweil durchweg positiv. Die Sponsoringmappen gingen diese und letzte Woche 'raus und namhafte Musikmagazine wie „SPEX“ und „VISIONS“ haben bereits Interesse bekundet über "be Pop 2" zu berichten. Des Weiteren wurde bereits ein Konzept ausgearbeitet, wie die begleitenden Videosequenzen beim Konzert aussehen sollen. Mit Hilfe eines animierten iPods, der sinnigerweise „iPop“ genannt wurde, soll den Besuchern bei "be Pop 2" gezeigt werden, welche Musikrichtung sie nun als nächstes erwartet.

Apropos Musikrichtungen: Die Vorstellung der einzelnen Genre-Songs war das Highlight des Abends und wahrscheinlich auch der Grund, warum der Kurs so vollzählig angetreten war. Gleich die erste Band (80er und Schlager) bekam tosenden Applaus. Vor allem ihre Schlagerballade „Zug der Liebe“ ging bei vielen Kursteilnehmern sofort ins Ohr und manch einer summte oder sang sogar den Refrain schon mit. H8.125 war quasi nur noch ein rhythmisches Klatschen vom Musikatenstadl entfernt. Auch der Hip-Hop-Track sorgte bereits für das obligatorische Kopfnicken. Der Reggae-Song wusste ebenfalls zu gefallen, auch wenn die Textzeile „Babylon is groovy“ bei manchen Reggae-Fan für etwas Naserümpfen sorgte. Zwischendurch kam noch mal die Schlager-Truppe zum Zug und präsentierte ihren "Wolle-Petry-Song", der die Frage nach einem legitimen Nachfolger des Ruhrpottheroen von selbst beantwortete. Bei der Boygroup-Band, die nebenbei auch noch den Metal-Song performt, floss schön der Schmalz, während der 90er-Techno-Track an eine Mischung aus „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ und „Beep, Beep, Kleiner Satellit“ erinnerte und ebenfalls für Begeisterungsstürme sorgte.

Frisch motiviert ging es einen Tag später zum Popper Jam in die Kulturwerkstatt Paderborn, wo fünf Bands mit NOW-Beteiligung ihr bestes gaben. Die Resonanz auf die musikalischen Darbietungen war durchweg positiv. Vom progressiven Projekt "Enter Room", welches mit Groovebox, Live-Bass, E-Gitarre und Posaune (!) überraschte, über die gefühlvollen Songs von Melancoustic bis zu den Lokalheroen Monopol, die bereits mit Geschrei und Plakaten auf der Bühne willkommen gehießen wurden, erlebten die Fans einen stets abwechslungsreichen Abend. Auch die beiden folgenden Bands Frame of Mind und Moe's Kitchen konnten durch individuellen Sound und herausragende Spieltechnik überzeugen.

Nun heißt es also Phase 2 genauso erfolgreich abzuschließen oder um es mit den Worten von Michael Ahlers zu sagen: „Alles eine Frage der Proberei.“

Der Termin des be Pop 2 Konzertes wurde vom 25.01.2007 auf den 23.01.2007 verschoben!

 

 

Paderborn/Universität (tri). "Komm aus dem Arsch, ey! Ich will dich auff'em Dancefloor sehn". Wer Mittwochabend dank des immer für einen Spaß aufgelegten Fahrstuhls des H-Gebäudes der Uni Paderborn zufällig im achten Stock landet, wundert sich ob dieser schroffen Zeilen vielleicht. Wo sonst klassische Instrumente einen bunten Strauß Dissonanzen schnüren, erklingen zu dieser Zeit ganz andere Klangskulpturen. Die Schuldigen? Popper auf ihrem Weg zu be Pop2.

Während ein Stock tiefer alles für die Organisation der zweiten bePop-Auflage getan wird und z. B. die Frage "Wie viel Freibier?" fast zum Politikum wird, proben die Bands auf H8 fleißig. Gleich mehrere Musikstile sollen bei dem Konzert am 25.01.2007 auf der Bühne vorgestellt werden: Neben Britpop, Hip-Hop, Metal, Techno und Reggae wird es auch akustische Schmankerl wie Schlager, 80er und eine Boyband-Performance zu sehen geben. Alles natürlich in passender Optik und mit Videountermalung.

Für letztere hatte die Band für 80er und Schlager unter der Woche schon die erste Bewährungsprobe. Im „Residenz“ in Paderborn wurde eine Sequenz für das Video vor Publikum gedreht, was -den einen mehr, den anderen weniger- Überwindung gekostet haben soll. Der innere Schweinehund wurde aber dank des Freibiers vor Ort schließlich bei allen gefügig gemacht. Das Resultat scheint auf jeden Fall viel versprechend geworden zu sein, wenn man der Wahrnehmung der Beteiligten noch trauen darf.

Auch bei den anderen Bands laufen die Proben auf Hochtouren. Für das 90er-Techno-Stück wurde sogar extra bei der "Techno-Queen" Marusha wegen Sample-Material angefragt und nachdem "Okay" der DJane dürfte den grünen Augenbrauen nichts mehr im Wege stehen. "Somewhere over the rainbow" ist auf H8 zumindest allen bekannt, wenn auch nicht mit 160 Beats pro Minute aufwärts. Die weiteren Probearbeiten werden auf dieser Webseite im Sinne eines "Making Ofs" begleitet.
To be continued ...

Bilder (Klicken für größere Version):

Proben 1 Proben 2 Proben 3

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andreas meyer

PD Dr. habil. Andreas Meyer: Heimatklänge - Lokale Popmusik und globale Entwicklungen

Den letzen Beitrag zur Impulsvortragsreihe des „NOW Projekts“ steuerte PD Dr. habil. Andreas Meyer am vergangenen Mittwoch den 02.11.2005 bei. Dr. Meyer, der momentan die Professur für den Studiengang „Populäre Musik und Medien“ vertritt, war vielen Studierenden schon durch zahlreiche Vorlesungen bekannt und beschäftigte sich in seinem Vortag mit der Frage, wie sich lokale und globale kulturelle Strömungen zueinander verhalten und aufeinander wirken.
Dazu spannte er einen Bogen von Afrika über Asien nach Amerika und (West) Europa und stützte sich auf drei Begriffe, um dem Publikum seine Theorien näher zu bringen: Globalisierung, Differenz und Transkulturation.
Globalisierung ergibt sich nach Meinung von Dr. Meyer durch innovative Verkehrtechnologien, ökonomisch motivierte Migration in Folge des Nord-Süd-Gefälles sowie wirtschaftliche und mediale Vernetzungen. Damit werden aber längst nicht alle Menschen erreicht. Schon aus diesem Grunde agieren z.B. MTV oder die Major- Labels nicht global bzw. sie können es gar nicht.
Sobald man aus den Städten der dritten Welt heraustritt, ist Popmusik nur durch Kassetten oder lokales Radio bekannt, der Empfang globaler Sender scheitert oft schon an der Stromversorgung. Insofern wäre es -so Meyer- richtiger, von der „Global-City“ oder der „World-City“ zu sprechen, denn hier gehen die Entwicklungen vonstatten.
Was den Begriff der Differenzierung betrifft, so stellte Meyer fest, dass es keine kulturelle Verdrängung der lokalen Musik durch die „Westkultur“ gibt, sondern dass sich auf lokaler Ebene hybride Formen gebildet haben, getreu dem Motto „Think global, act local“. Impulse aus dem Westen (durch Kolonisierung oder kommerzielle Interessen „eingeschleppt“) stoßen auf eine andere Art der Rezeption, bedingt durch regionale Unterschiede. Dr. Meyer machte diese These an einigen Klangbeispielen deutlich wie z. B. dem Palm Wine Song von S. E. Rogie „Amoo Loamoo Mooyong“ bei dem europäische Gitarrenharmonien mit westafrikanischer Melodik vermischt wurden oder Brenda Fassie, eine afrikanische Starsängerin die leider im Mai 2004 verstarb. In dem Song „Ou La“ setzt sie sich mit einem ernsthaften Thema, der Beschneidung von Mädchen, auseinander und mischt europäische Beats und Harmonik mit afrikanischem Gesang.
In einem anderen Teil der Erde, nämlich in Japan, ist es etwas schwieriger mit der Einordnung. Es wurde oft der Vorwurf in den Raum gestellt, die Japanische Popmusik sei nur importiert. Meyer ist allerdings anderer Meinung. Musik aus dem Westen bildet nur ein Drittel der japanischen Charts.
Die Japaner pflegen einige Besonderheiten: Sie kaufen deutlich mehr Singles als andere Länder. Diese Eigenart bescherte Apple’s „iTunes Store“ einen Traumstart auf dem japanischen Markt. Auch der hier zulande gerne belächelte „Karaoke Kult“ wird in Japan sehr ernst genommen und ist weitaus bedeutsamer als gemeinhin angenommen. Diese lokalen Ausdrucksformen geben auch hier der Popkultur ein eigenes Profil.
Den Amerikanern der 1960er-Jahre wirkte das Timbre der britischen Sänger zu Beginn der „British invasion“ durchaus fremdartig. Der „knödelige Gesang“ von Paul McCartney & Co. strahlte etwas Ungewohntes und Reizvolles aus. Auch heute gibt es im Westen noch lokale Unterschiede, stellte Meyer fest. Dazu blickte er auf die Hip-Hop-Kultur in den USA und in Deutschland. Hier zeigen sich deutlich die lokalen Unterschiede, die sich allein schon durch die Sprache bemerkbar machen. Die Videos und der Sound an sich lassen zwar Einflüsse durchblicken, aber die Samples die benutzt werden, haben immer einen lokalen Bezug. Durch die Überbetonung außermusikalischer Faktoren wie beispielsweise der Kleidung versuchen die Protagonisten des nicht-amerikanischen Hip-Hop das Nichtvorhandensein der Herkunft aus der Bronx zu kompensieren.
Den Begriff der Akkulturation stelle Meyer grundsätzlich in Frage. Kulturen haben sich wechselseitig beeinflusst. Allerdings nicht immer mit der gebotenen Vorsicht. So wird und wurden im so genannten „Tribal Trance“ oft musikalische Elemente aus anderen Kulturen benutzt ohne zu reflektieren, dass damit zuweilen z. B. religiöse Konventionen gebrochen wurden (Tänze von Schamanen u. a.). Auch die „Weltmusikbewegung“ in den 1980er und 1990er-Jahren war am Ende wohl nicht viel mehr als eine „hoffnungsvolle Illusion“ so Meyer, da auch hier lokales Kolorit vorgegaukelt wurde und ein wirklicher kultureller Diskurs nicht oder nicht ausreichend stattgefunden hat. Das Album „Graceland“ von Paul Simon wurde z. B. überwiegend mit südafrikanischen Popmusikern aufgenommen, deren musikalischer Background sich aus der Rezeption westlicher Musik ergab.
Zusammenfassend stellte Meyer fest, dass es wohl eine globale Ausdehnung gibt, diese aber lokal sehr ausdifferenziert ist. Eine Vereinheitlichung, wie es befürchtet wurde und wird, ist nicht festzustellen.
(02.11.2005 Frederik Landwehr)

 

schroeter-wittke

Prof. Dr. Harald Schroeter-Wittke: Now Doppelpunkt: Jetzt geht's los! ...

Den Auftakt zu der letzten Impulsveranstaltung in diesem Semester machte der Universitätsprofessor für Didaktik der evangelischen Religionslehre Dr. Harald Alfred Schroeter-Wittke mit seinem Vortrag über „theologische Zugänge zu einer popkulturellen Kategorie“.
Nach einem einführenden Brainstorming über das flüchtige Phänomen ‚now:’ versuchte der Referent dieses Phänomen genauer zu beleuchten und dem Plenum neue Perspektiven, durch den für die meisten Anwesenden fachfremden Zugang der Theologie zu öffnen:

Dr. Schroeter-Wittke zeigte in seinem Vortrag zu Beginn das Verhältnis zwischen Popkultur und protestantischer Theologie auf, die seiner Meinung nach enger zusammen liegen, als es wohl bedingt durch die gegenseitige Ignoranz den Anschein hat.
Er stellte sechs „Pro-Thesen“ auf, um die „geschwisterliche Nähe“ zwischen den beiden Disziplinen zu verdeutlichen:
Erstens: „Popkultur funktioniert - Theologie nicht“. Gegenüber der nachsichtigen Popkultur sei Theologie immer vor-sichtig indem sie nachdenke und der daraus resultierenden Möglichkeit voraus zu denken.
Zweitens: „Popkultur und Christentum sind grenzüberschreitend und globalisieren gleichermaßen“. Zum einen lebt die Popkultur von der Globalisierung und bildet somit ein Pendant zum missionarischen Charakter des Christentums. Auf der anderen Seite individualisiert Popkultur, weil sie vor die Wahl stellt, sich dem Trend anzuschließen oder nicht. Diese Ambivalenz der Entscheidung teilt Popkultur –laut Schroeter-Wittke- strukturell mit dem Christentum, das ebenso individualisiert oder als Massenverband existieren kann.
Die dritte These lautet „Popkultur wie Christentum sind sich in der Theorie einig: „Alles ist erlaubt“ (1. Kor 6,12 + 10,22)“ Während die meisten Institutionen des Christentums aber die Beliebigkeit sofort wieder eingrenzen wollen, agiert die Popkultur in umgekehrter Perspektive und ist somit protestantischer als das Christentum.
Viertens: „Popkultur ist oberflächlich. Die Theologie hat von dieser Oberflächlichkeit zu lernen“.
Fünftens: „Popkultur und Theologie spielen mit allem, was dem Menschen heilig ist“. Und zu guter letzt, „eine Theologie der Popkultur braucht Ritual- und Körpertheorien“.
In einem weiteren Oberpunkt präsentierte Dr. Schroeter- Wittke die unterschiedlichen Zeitvorstellungen aus der Geschichte der Theologie. Er bezeichnet dies als das „WOW im NOW“, und versuchte die Definition einer „erfüllten Gegenwart“. Sprache ist ein grundlegender Vorgang, der Kultur maßgebend prägt. Somit ist die Kenntnis der Denkstruktur der Sprachen für Schroeter-Wittke essenziell für die Entwicklung einer sachgerechten Theologie.
Er vergleicht die Sprache des Alten Testamentes –Hebräisch- mit dem Koine-Griechisch, der geschriebenen Sprache des Neuen Testamentes.
In der hebräischen Sprache gibt es die drei Zeitformen Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft nicht, sondern nur zwei Verbformen: Perfekt und Imperfekt, also abgeschlossene und nicht abgeschlossene Vorgänge.
Im Griechischen gibt es Kairos und Kronos. Kairos meint den erfüllten Augenblick, die Zeit, die aufgrund ihrer Fülle stehen zu bleiben scheint, die von oben unseren Zeitstrahl durchbricht, den rechten Zeitpunkt. Kronos ist der Zeitstrahl, der unerbittlich eines nach dem anderen quantitativ aufzählt, die sogenannte Chronologie oder das Chronometer. Kronos zwingt alles in seine Funktion, in seine Rationalität, während Kairos die gewichtigen Momente benennt.
Als letzten Hauptaspekt stellte Dr. Schroeter- Wittke zwei Theologien vor: eine Theologie der Ahnung und eine Theologie der Unterhaltung.
Die Ahnung beschreibt einen flüchtigen Vorgang, der für popkulturelle wie für theologische Prozesse gleichermaßen bedeutsam ist. In diesem undeutlichen Bereich mangelt es an Klarheit und so beschrieb der Referent die Bedeutungsgeschichte des Wortes. Ein erster Bedeutungskomplex des Verbs ‚ahnen’ sei der adventliche Aspekt. Er beziehe sich auf dessen Grundbedeutung, „etwas vermuten“. Erst seit dem 18. Jh. wird ‚ahnen’ akti¬visch gedacht mit persönlichem Subjekt. Ein zweiter Bedeutungskomplex sei der analoge Aspekt und hat die ‚Ahnen’, die Vorfahren zum Thema. Eine weitere Definition basiert auf dem suspekten Aspekt und resultiert aus der Beobachtung, dass bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts hinein ‚ahnen’ auch ‚ahnden’ heißen konnte.
Popkultur und Theologie sind begeisterte und begeistern¬de „An-Deutungen“. Wären sie eindeutig, wären sie total und würden den Hörenden die Freiheit ihrer Gedanken bestreiten.
Popkultur beinhalte immer Unterhaltung. Mit diesem Phänomen hatte die Theologie ebenso wie die Hochkultur immer schon Probleme. Schroeter-Wittke bot eine Theologie der Unterhaltung an. Kriterium für gute Unterhaltungsmusik sei, ob Musik unterhält oder unterdrückt. Unterhaltung bestehe theologisch aus drei Dimensionen, der nutritiven, der kommunikativen und der delektarischen Dimension.
Ein letztes zentrales Beispiel zum Abschluss des Vortrages aus der christlichen Tradition sollte dies zur Geltung bringen: Die Geschichte von den Emmaus-Jüngern aus dem letzten Kapitel des Lukasevangeliums (Lk 24), die Jesus nicht erkannten, obwohl er mit ihnen reiste. In dem Moment, wo sie ihn am Brechen des Brotes erkannten, war er jedoch nicht mehr bei ihnen.
(2.11.2005, Manuel Beine)

 

Thomas M. Stein: Wen oder was sucht Deutschland?

Keine Musik im Radio. Keine Musik im Fernsehen. Kinder dürfen nicht singen. Nicht einmal Pfeifen ist erlaubt. Man sollte sich einmal einen ganzen Tag im Leben ohne Musik vorstellen. Dies ist beinahe nicht möglich. So begann Thomas M. Stein, ehemaliger Geschäftsführer der BMG Deutschland und den meisten Menschen wohl noch als Juror der Casting-Show „Deutschland sucht den Superstar“ bekannt, seinen Vortrag zum „now“-Projekt im Heinz-Nixdorf-Museums-Forum in Paderborn am 28.10.2005.

Um zu einer Antwort auf die Frage zu kommen, wen oder was Deutschland -besser die deutsche Musikindustrie- denn nun sucht, skizzierte Stein die Entwicklung der Branche seit Anfang der 1980er-Jahre: den Einbruch der Umsatzzahlen nachdem die Discowelle abgeebbt war und den später folgenden Aufschwung durch die Neue Deutsche Welle. Auch diese litt allerdings unter einer relativ schnellen Abnutzung, die durch das penetrante Überangebot noch vorangetrieben wurde. Einen weiteren Höhepunkt hinsichtlich des Absatzes ihrer Produkte erlebte die Musikindustrie kurz nachdem Ende der 1980er-Jahre die innerdeutsche Grenze gefallen war. Bereits an dieser Stelle in der Geschichte -so Stein- habe er selbst vorausgeahnt, dass die Umsätze in den nächsten zehn Jahren um circa die Hälfte zurückgehen werden. Damals sei er dafür von seinen Kollegen noch belächelt worden, heute ist diese Vorahnung allerdings längst Realität.
Schuld an dieser Misere sind in den Augen von Thomas M. Stein die Möglichkeiten des Herunterladens nicht lizenzierter Musik aus dem Internet, wie es seit Mitte der 1990er-Jahre durch Angebote wie „Napster“ vielfach praktiziert wurde, und auf anderen Wegen immer noch praktiziert wird. Als einen weiteren Grund nannte Stein den Fortschritt auf dem technologischen Sektor, der es ebenfalls seit dieser Zeit zu einem günstigen Preis ermöglicht, CDs am heimischen Computer selbst zu brennen und zu kopieren. Wenigstens eine kleine Kritik an der eigenen Branche wurde laut, als der Manager beklagte, dass die Musikbranche viel zu spät die Möglichkeiten der rasenden Verbreitung des World Wide Web für sich zu nutzen versuchte und wenn, dann meist auf dem falschen Weg. So sind seiner Ansicht nach die legalen Portale zum Musikdownload viel zu teuer und müssten, um eine echte Alternative zu den illegalen Angeboten darzustellen, die Preise um etwa 50% senken. Also von derzeit 99 Cent pro Song auf 49 Cent.
Was ist nun aber in wirtschaftlich schwierigen Zeiten das richtige Rezept um wieder Erfolge in der Musikbranche zu feiern? Die Voraussetzungen sind nach Thomas M. Steins Beobachtungen dafür sogar so gut wie nie zuvor: Zwar gingen die Umsätze zurzeit zurück, aber das Interesse der Menschen an Musik sei dagegen überproportional gestiegen. Dies bewiesen zumindest die Zuschauerzahlen von Musiksendungen wie „DSDS“ und das Aufblühen von Live-Konzerten.

Konkret stellte Stein dabei drei Punkte für künftige Erfolge heraus: An erster Stelle steht hierbei die Kreativität. Die Musikszene in Deutschland braucht kreative Köpfe mit innovativen Ideen. Und das nicht nur auf der künstlerischen und musikalischen Seite, sondern auch in anderen Bereichen wie beispielsweise dem Marketing.
Ein wichtiger weiterer Aspekt, der eng mit der Kreativität zusammenhängt, ist das Selbstbewusstsein. Der Musikmanager sieht derzeit in Deutschland eine Menge Potential, das nur darauf wartet geweckt zu werden. Er appellierte an die Zuhörer, selbstbewusster zu werden und an die eigene Kreativität zu glauben. In dieser Hinsicht begrüßte er auch die Einrichtung von Studiengängen wie „Populäre Musik und Medien“ an der Universität Paderborn.
Zum dritten wichtigen Feld erklärte Stein die Erschließung neuer Vertriebswege. Hier sieht er die Zukunft klar in der Nutzung des Internets und dessen vielseitigen Möglichkeiten. Weiterhin wird in seinen Augen auch die Musik-DVD in den nächsten Jahren zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Von allem aber sollte die Musikindustrie wieder langfristige „Werte“, also Künstler, schaffen. Man solle den Musikern Zeit geben sich zu entwickeln und ein bestimmtes Niveau zu erreichen, um dieses später auch über einen längeren Zeitraum halten und vermarkten zu können. Eine intensive Betreuung von Seiten der Musikindustrie sei hierbei seiner Meinung nach unumgänglich.
Stein schloss seinen Vortrag damit, den Studenten und den anderen Zuhörern Mut zu machen, sich beruflich in die Musikindustrie zu wagen. „Die Musiklandschaft macht Freude“, sagte der Manager. Er selber sei schließlich seit über 30 Jahren dabei und habe nicht einen Tag davon bereut.
(28.10.2005, Verena Marek)

 

Hoeppner Stein

Christian Höppner: Musikpolitik zwischen Bach und Baglama: 10 Thesen zum Musikland Deutschland

Als bisherigen Höhepunkt der Impulsvorträge des NOW-Projekts begrüßte der Rektor der Universität Paderborn, Prof. Dr. Risch, die Gastreferenten Christian Höppner und Thomas Stein im Heinz-Nixdorf Museumsforum. Vor den Teilnehmern des Projektes betonte Risch die Notwendigkeit eines konstruktiven Dialogs zwischen Wissenschaft und Wirtschaft: „Wir brauchen die Öffentlichkeit“. Der Rektor verwies damit auf den Leitgedanken der Initiative „NOW“ und gleichsam auf das Profil der „Universität der Informationsgesellschaft“.

Der Generalsekretär des deutschen Musikrates Christian Höppner bewertete diese Initiative der Universität Paderborn als Seismograph für zukünftige Entwicklungen und sieht in der Konzeption des BA/MA Studiengangs eine Signalwirkung mit bundesweiter Auswirkung.
In seinem anschließendem Vortrag: „Musikpolitik zwischen Bach und Baglama: 10 Thesen zum Musikland Deutschland“ thematisierte Höppner besonders die wachsende Bedeutung der interkulturellen Begegnung. Das türkische Nationalinstrument, die Baglama, wählte Höppner deshalb bewusst als Metapher für eine zunehmende kulturelle Differenzierung und eine damit verbundene Herausforderungen an das Musikleben.
Tendenzen der deutschen Kultur- bzw. Musikpolitik sowie gesellschaftliche Entwicklungen, die der Musikrat besonders kritisch bewertet, veranschaulichte der Generalsekretär an 10 Thesen.
Deutschland kann sich der Bewunderung durch das Ausland als Kulturnation noch sicher sein. Diese ist im Wesentlichen auf die ausgeprägte kulturelle Infrastruktur zurückzuführen. Das Musikland Deutschland ist dabei aber laut Höppner schlechter als sein Ruf. Anhaltende Subventionskürzungen bergen die Gefahr, die Orchesterdichte auszudünnen. Zwar blieben die repräsentativen Orchester erhalten, dafür stünde aber die musikalische Breitenbildung der Nachfolgegeneration auf dem Spiel. Musikpädagogische Angebote würden eingeschränkt und Musikkultur zum Spielball subventionspolitischer Verteilungskämpfe. Für Musikvermittlung und Musikförderung verfolgt der deutsche Musikrate deshalb ein bisher noch unerreichtes Ziel: die Chance auf breite und qualifizierte musikalische Bildung unabhängig von sozialer und ethnischer Herkunft.
Ergebnisse erzielte der Musikrat aber bereits in einer tendenziellen Öffnung der Institution für die Belange der Popmusik. Zwar konnten die Beratungsausschüsse des Musikrates zu populärer Musik und Neuer Musik noch nicht zusammengeführt werden, erreichten aber dennoch eine enge Zusammenarbeit. Das Bewusstsein für die kulturelle Relevanz populärer Musik veranlasst den Musikrat zu langsamen, aber stetigen Integrationsbewegungen. Der bisher rein kunstmusikalisch orientierte Nachwuchswettbewerb „Jugend musiziert“ soll deshalb um die Wertungskategorie „DJ-ing“ bzw. Populäre Musik erweitert werden.
Neben dem sorglosen Umgang mit Kreativpotential und streitbaren Einflüssen von Eventkultur im Ausbildungsbereichen nähert sich Höppner auch gesellschaftlichen Grundsatzfragen: Wie begegnen wir anderen Kulturen in unserem Land?
Als Herangehensweise nennt er zwei komplementäre Strategien: Kulturelle Identität und Interkultureller Dialog. Sie sollen dazu beitragen, das Identitätsproblem Deutschlands sowie den Aufbau von kulturellen Parallelwelten als grundsätzliche Barrieren der Gegenseitigen Kulturwahrnehmung zu überwinden. Denn nur „wer das Eigene kennt, kann das Andere schätzen lernen“. Bezogen auf die Frage nach der Existenz einer europäischen Identität problematisierte Höppner einen gemeinsamen Kulturbegriff. Europa könne nur als Einheit in der Vielfalt eine geschlossene Wahrnehmung entwickeln. „Wenn sich Europa zuerst über Kultur und nicht über Wirtschaft definiert, wird dieses Europa keine Chance haben, zusammenzuwachsen.“
Aber selbst jene Ökonomie und besonders die Homogenisierung der europäischen Märkte bringen politisch gelenkte Herausforderungen für das Musikleben mit sich. Besonders die europäische Dienstleitungsrichtlinie sah der Generalsekretär hier als Belastung für die Lage der Orchestermusiker.
Höppner warb abschließend dafür, Musikpolitik als essentiellen und eigenständigen Teilbereich der etablierten Kulturpolitik zu betrachten und zu fördern. In diesem Sinne appellierte er an das individuelle gesellschaftliche Engagement, für Wachsamkeit hinsichtlich negativer Veränderungen im musikkulturellen Umfeld und für ein aktives Handeln.
(28.10.2005, Stefan Seiler)

 

Martin Buesser

Martin Büsser: Pop-Pluralismus-
Jüngste Strömungen in der Popkultur und auf dem Musikmarkt

Martin Büsser setzte mit diesem Thema die Vortragsreihe des Projektes „Now“ fort.
Der freischaffende Journalist und Buchautor publiziert vornehmlich über Popkultur bzw. Popmusik. Er ist Mit-Herausgeber der Zeitschrift „Testcard“, einer „Anthologie der Popgeschichte und -theorie“. Seine Veröffentlichungen erschienen bisher u. a. in Zeitungen wie „Konkret“ und „taz“ sowie in der Süddeutschen Zeitung“ und der „Zeit“.

Dem Ist –Zustand der Popkultur näherte sich Büsser zunächst in einer Retrospektive der Bedeutung von Pop-Begriffen, veranschaulicht an drei geschichtlichen Stationen. Damit verbunden war die Leitfrage, welche Veränderungen sich dadurch für die Gegenwart ergeben und wie diese zu werten sind.
Die 1960er-Jahre markierten den Ursprung einer essentiellen gesellschaftlichen Bewegung, der Jugendkultur. Der Teenager erhielt erstmalig als Teil einer Altersgruppe auch kulturelles Gewicht. Popkultur, betrachtet als gesamtgesellschaftliches Phänomen, entwickelte sich zum Sprachrohr dieser Generation. Ihr Ziel war es, eine „Neue Sorte Leben“ zu gestalten und den Bruch mit der Elterngeneration auf radikale Weise zu äußern.
Als Ursache zieht Martin Büsser dafür in erster Linie die emotionale Ebene bzw. Situation der 60er Jahre heran: Sowohl in Deutschland als auch in Amerika war das kulturelle Klima noch deutlich von Kriegserfahrungen geprägt. Die junge Generation suchte ihre eigene Identität und vollzog mit „alternativen Lebenskonzepten“, mit Popkultur, einen radikalen Bruch mit der Realität ihrer Eltern.
Dies äußerte sich in erster Linie in einer eigenen Ästhetik, in Symbolen und optischen Chiffren, einer Schlüsselfunktion der Popkultur. „Die Haltung und das Aussehen, das Gebären auf der Bühne reichte, um zu sagen: Wir wollen mit eurer Moral, mit eurer Kultur nichts mehr zu tun haben. Provokante Texte waren dazu noch nicht nötig.“
Diese Bild der Poppkultur der 1960er behielt auch in den 1970er und 1980er Jahren Gültigkeit. Jugendkultur bzw. Subkultur etablierte sich als Phänomen der Provokation, als Bewegung der Alternativen. Im ständigen Kontrast mit dem kulturellen „Mainstream“ wurde sie zum Impulsgeber der Popkultur und sorgte beständig für Erneuerungstendenzen. Die Entstehung einer eigenen Sprache und einer „rituellen Ästhetik“, z. B. Graffiti im Hip Hop, trug so zu einer popkulturellen Gesamtidee bei: „It’s more than music“

Den Bruch mit diesem scheinbar klar eingrenzbaren Begriff der Popkultur als Gegenkultur sieht Martin Büsser am Anfang der 1990er Jahre. Er macht dafür im Wesentlichen zwei Tendenzen verantwortlich, die mediale Konstruktion von Popphänomenen und die Erfahrung mit Rechtsrock.
Am Beispiel Nirvana macht er deutlich, welchen Einfluss speziell das Musikfernsehen auf den Umgang mit Popmusik hatte. Zwar war „Grunge“ eine Bewegung nach alten subkulturellen Mustern, fand aber sofort in allen Medien statt. Selbst der Genrebegriff war ein Konstrukt von MTV. Popsozialisation fand so zunehmend im Fernsehen statt und weniger in der Musikszene. Die Medien, so Büsser, „verbogen“ die Popkultur und nahmen ihr den Entfaltungsraum. Der Erfolg von Nirvana gab auch den Major-Labels den Impuls, die Subkultur als Kreativzelle kommerziell zu verwerten. Die Bedeutung der jugendkulturellen Zeichen begann zu verblassen.
Die Erfahrung mit Rechtsrock (Nazirock) nivellierte die ursprünglich aktionäre Wahrnehmung von Pop zusätzlich. Popmusik galt nun als kulturelles Vehikel, das jegliche Haltung, eben auch Rassismus transportieren könne. Die Trennschärfe der Kulturbegriffe war verschliffen und die Selbstverständlichkeit von Pop als Ausdruck der Abgrenzung war nach mehr als zwei Generationen obsolet geworden.
Die Konsequenz dieser Entwicklung fasste Büsser mit folgendem Schlagwort zusammen: Pluralismus.
Alle Stile, die irgendwann auftauchten, existieren nebeneinander, alles besteht in Nischen weiter.
Medial unterrepräsentierte Musikkategorien verlagern sich zunehmend in die Feuilletons der Zeitungen, statt in klassische Pop-Formate und nehmen dadurch den Status von „Hochkultur“ an.
Auf dem Musikmarkt äußert sich diese Tendenz in „sicheren Formaten“ für Jugendliche wie Casting-Shows und Klingeltöne. Büsser zufolge positioniert sich Popkultur heute nicht mehr eindeutig, sondern beschreibt die Koexistenz von Meinungen und Stilen, die sich über Pop äußern.
Popkultur reagiert damit auf gesamtgesellschaftliche Strömungen, die Avantgardefunktion der 1960er-Jahre verliert sie dadurch. Die Zeit der großen Bewegungen der jugendkulturellen Phänomene ist damit zunächst vorbei.
Es wird nach wie vor Interessante und anspruchsvolle Musik geben, das Problem sieht Martin Büsser allerdings in der medialen Vermittlung. Eine Entwicklung, die er als „Pluralistisches in die Breite gehen“ bezeichnet, stellt zwar ein gewaltiges Musikangebot bereit, steigert aber auch den Aufwand, die „Spreu vom Weizen“ zu trennen. Es bleibt somit das Problem der Wertigkeit.
(26.10.2005, Stefan Seiler)

 

Dr. Charis Goer: Texte zur Zeit - Gegenwart und Gegenwärtigkeit in der Literatur

Der zweite Vortrag am Mittwoch den 26.10.2005 wurde von Dr. Charis Goer bestritten. Die promovierte Literaturwissenschaftlerin studierte an der Universität Paderborn, der Western Michigan University in den USA und arbeitet derzeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Prof. Dr. M. Hofmann an der Universität Paderborn.

In ihrem Vortrag setzte sie sich mit der Gegenwart und der Gegenwärtigkeit in der Literatur auseinander und beleuchtete vor allem drei Formen in der Literatur, die sich mit dem Begriff Gegenwart in Verbindung bringen lassen: der Popliteratur, der Netz-Literatur und der so genannten Slam Poetry, damit schlägt sie eine inderdisziplinäre Brücke zwischen Musik und Literatur.
Unumgänglich zuvorderst ein Blick in die Vergangenheit. In der Mitte des 19. Jh. schrieben die Gebrüder Grimm das „Deutsche Wörterbuch“, das erst 1961 nach über 120 Jahren fertig gestellt wurde. Der Eintrag zum Titel „Gegenwart“ beschreibt verschiedene Bedeutungen dieses Wortes im laufe der Zeit von „feindlichem Entgegentreten“ über die „Gegenwart Gottes, des Königs, des Richters“ bis hin zu unserer heutigen Begriffsbestimmung die sich auf die Zeit bezieht.
Im weiteren Verlauf kam Frau Dr. Goer auf die Unterschiede zwischen Musik und Literatur zu sprechen. Nach Ansicht vom G. E. Lessing ist Literatur rational, da sie willkürliche Zeichen benutzt und damit referenziell ist. Musik hingegen ist emotional und natürlich, da sie auf sich selbst verweist.
Nach der Einführung in die Thematik widmete sich Frau Goer den drei Formen von Gegenwartstendenzen in der Literatur, die sich auf jeweils unterschiedliche Weise dem Phänomen nähern.

Die erste Form ist die Popliteratur. Jene viel zitierte Spielart der Literatur, die in den letzen Jahren durch Werke wie „High Fidelity“ von Nick Hornby, „Generation Golf“ von Florian Illies oder „Soloalbum“ von Benjamin von Stuckrad-Barre für eine breite Öffentlichkeit gesorgt hatte, nach einem großen Hype allerdings wieder in Vergessenheit geriet. Das Wort „Pop“ entstand in diesem Zusammenhang vor allem dadurch, dass die Autoren oft Tätigkeiten als DJ, im Fernsehen oder anderen Medien ausübten, sich in ihren Werken mit Jugendkultur, Mode, Musik und Biographischem auseinander setzten und sich dabei stilistisch gesehen einer einfachen Sprache und einem erzählenden Stil bedienten, was in diversen Feuilletons oft negativ ausgelegt wurde. Frau Goer stellte diesen Autoren der „2. Generation“ jedoch auch Werke von Thomas Meineke ("Tomboy") entgegen, die sich durch ihren intelektuellen Habitus wesentlicher schlechter von der Allgemeinheit erschließen lassen.
Eine weitere Form der Gegenwartsliteratur ist die „Netz-Literatur“ oder Digitale Literatur, wobei es dabei nicht um das Medium, sondern den Entstehungsort geht. Es gibt verschiedene Projekte der Netz-Literatur wie z. B. Mitschreibprojekte, bei denen im Kollektiv eine Geschichte weiter entwickelt und fortgeführt wird. Oder die sog. Hyperfiction, bei der durch Bilder und Sounds unterstützte Texte bereitgestellt werden und der Leser die Geschichte interaktiv steuern kann, indem er durch klicken auf Links im Internet die Geschichte auf die eine oder andere Weise fortsetzen kann, diese ist also nicht linear. Bei diesen Formen wird die klassische Autorenrolle aufgehoben: der Leser ist der DJ, er bzw. sie kann selber entscheiden wie es weiter geht, der Autor wird dabei Wegbereiter, Designer oder Initiator. Die Kritik hierbei ist, dass sich die Medien durch die Technik verselbstständigen und es damit enden könnte wie es schon Marshall McLuhan gesagt hat: „The medium is the message“. Befürworter halten allerdings dagegen, dass wie im Hip-Hop das Material zwar frei gemischt wird aber trotzdem einen Sinn ergibt.
Letzter Gegenstand des Vortrages war der "Poetry Slam": Mehrere Autoren liefern sich auf der Bühne vor Publikum einen Wettstreit, das Publikum ist dabei die Jury. Diese Art der Literatur könnte mit dem „Freestyle Battle“ des Rap verglichen werden, um die musikalischen Analogien wieder aufzugreifen. Diese performative Literatur wurde 1994 in Chicago erfunden und suchte sich dann, von MTV verbreitet, ihren Weg über den Atlantik. Die Regeln dabei sind streng aber einfach: Eigener Text, Zeitlimit von meist 5-7 Min. keine Kostüme oder sonstige Hilfsmittel. Dieser Stil will die Literatur aus ihrem Elfenbeinturm herauszerren, ist aber mit dem üblichen Geschriebenen nur schwer zu vergleichen, so Goer. Das Plus dabei ist der mündliche Vortrag und die Spontaneität, die eine Anpassung an die aktuelle Situation und die Gegenwart zulässt.
Zusammenfassend gibt es drei Modi der Auseinandersetzung mit der Gegenwart, die allerdings nicht trennscharf voneinander abzugrenzen sind.
Die semantische Ebene, die ihre Bedeutung aus der Thematisierung der Gegenwart zieht (neue Platten, Theorien, Themen), die formale bzw. strukturelle Ebene, in der neue Techniken benutzt werden (Hypertext, Sampling verfahren) und die perfmormative Ebene, bei der Literatur in Echtzeit entsteht (Slam Poetry). Alle haben eins gemeinsam: sie reflektieren Medialität und haben einen Gegenwartsbezug.

(30.10.2005, Frederik Landwehr)

 

andreas leifeld

Andreas Leifeld: Video Clips 10-05

Den zweiten Vortrag hielt der national und international bekannte DJ, Videoregisseur, Performancekünstler und Musikproduzent Andreas Leifeld. Er studierte Musik, Computergrafik, Elektrotechnik und Kunst, arbeitete für verschiedene Fernsehsender und produzierte CDs mit eigener Musik.
Nach einem kurzen einführenden Abriss über die Geschichte des Musikvideos erläuterte Andreas Leifeld vier verschiedene grundlegende Konzepte der Produktion:
Bei „Performance“ stehen der Musiker und seine Darbietung des Stückes im Mittelpunkt. Der künstlerische Anspruch besteht hierbei darin, den Raum oder die Umgebung, in der sich der Künstler bewegt, zu gestalten. Der Künstler muss sich und seinen Auftritt wiederum diesem Raum anpassen, wodurch eine ganz neue Performance entsteht. Als besonders gelungene Beispiele zeigte Leifeld Ausschnitte der Videos „Big Time Sensuality“ von der isländischen Sängerin Björk und „Virtual Insanity“ der britischen Funk-Band Jamiroquai.
In der zweiten Kategorie, die Leifeld als „Parallel Welten“ betitelte, werden in den Videos zwei verschiedene Ebenen entwickelt. Eine wichtige Rolle spielt in diesem Zusammenhang die spezielle Umsetzung des Textes eines Stückes. Stilmittel ist hierfür häufig eine Verschiebung der Zeitebenen, die durch verschiedene Effekte erzeugt wird. Einer der bekanntesten ist die Slowmotion. Diese Kategorie präsentiert eindrucksvoll den Facettenreichtum und die Kunst des Musikvideos, so Andreas Leifeld. Er belegte seine Theorien mit Sequenzen aus Videos der englischen Band „Massive Attack“ („Karmacoma“) und der schwedischen Künstlerin Neneh Cherry mit Youssou N’Dour („Seven Seconds“).
Als „Spielwiese der Regisseure“ bezeichnete Leifeld die Werke der dritten Sparte „Trickfilm“. Durch die Möglichkeiten der modernen Computertechnik gibt es beinahe keine Idee mehr, die sich nicht umsetzen lässt. Der künstlerischen Kreativität sind somit kaum Grenzen gesetzt. Besonders an dieser Stelle machten die Beispielvideos deutlich, wovon Leifeld sprach. Er stellte hier bewußt eine Mainstream-Produktion für die amerikanische Band „The White Stripes“ („Fell in Love with a Girl“) einer preisgekrönten Low-Budget Produktion von Klöfkorn & Husain gegenüber um zu zeigen, dass eine gute Idee und Kreativität auch mit geringeren finanziellen Mitteln umgesetzt ihre Wirkung nicht verfehlt.
„Hybriden“ bilden in Andreas Leifelds Theorie die vierte und letzte Kategorie. Diese Art der Musikvideos zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich einerseits als real gedrehtes Video darstellen, auf der anderen Seite aber auch verstärkt Elemente der „Trickfilm“-Sparte beinhalten. So werden beispielsweise per Computertechnik Affen oder Robotern Menschengesichter eingesetzt. Zur Veranschaulichung diente unter anderem die visuelle Umsetzung des Stückes „Where’s Your Head At?“ von der englischen Formation „Basement Jaxx“.
Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang Leifelds These, dass diese Videos auf ihre spezielle Weise den Entstehungsprozess heutiger Musik nachzeichnen. Musik sei heute häufig so gut produziert, dass selbst ein Fachmann kaum noch in der Lage ist zu erkennen, ob es sich um ein Sample oder klassisch aufgenommene Töne handelt. Die Musik ist laut Andreas Leifeld, genau wie die „Hybriden“-Videos, ein Android – eine Synthese aus tatsächlich eingespielten, und computergenerierten Tönen.
Eine Liste aller Videos, Künstler und Regisseure steht unter „Materialien“ zur Verfügung.
(19.10.2005, Verena Marek)

 

jan hemming

Startschuss zum NOW-Projekt: Prof. Dr. Jan Hemming

Pünktlich um 18 Uhr begrüßte der Prodekan der Fakultät für Kulturwissenschaften Prof. Dr. Thomas Krettenauer das Auditorium bestehend aus Dozenten des Fachbereiches Musik, Bachelor- und Masterstudenten des Studienganges Populäre Musik und Medien, sowie weiteren interessierten Zuhörern in dem mit knapp 100 Personen fast voll besetzten Hörsaal H2 der Universität Paderborn. Seine Dankesworte richteten sich besonders an die Geldgeber der Paderborner Werbegemeinschaft, die Hochschulleitung, die Initiatoren des Projektes Michael Ahlers und Ferdi Heggemann, sowie zu guter letzt den studentischen Teilnehmern. Nach weiteren einleitenden Worten durch Michael Ahlers startete die Vortragsreihe.
Der erste Referent war der Musiksoziologe Prof. Dr. Jan Hemming von der Universität Kassel. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen in der systematischen Erforschung populärer Musik, der Musikpsychologie und –soziologie, Musik und Musikästhetik im 20. Jahrhundert, Medien und Technik, sowie „Cultural Studies“.
Das Thema seines Vortrages lautete „Persönlichkeit und Verhalten der Fans von Hard Rock, Punk und Gangsta Rap. Eine Gegenüberstellung empirisch sozialpsychologischer Befunde und kulturwissenschaftlicher Erkenntnisse“.
Hard Rock, Heavy Metal, Punk und Gangsta Rap verursachen oft durch gewaltverherrlichende Plattencover, ordinäre Bühnenshows oder aggressive Texte großen Aufruhr in der Öffentlichkeit. Seit den 1980ern gibt es zahlreiche wissenschaftliche Studien, die diese Thematik aus unterschiedlichen Blickwinkeln untersuchen.
Der sozialpsychologische Ansatz kommt meist zu negativen Ergebnissen, da mehrere Studien problematische Tendenzen in der psychologischen Konstitution und dem Verhalten von Musikern und Fans ergeben haben.
Im Gegensatz dazu kommt der kulturwissenschaftliche Ansatz öfter zu einem positiveren Resultat.
Diese unterschiedlichen Ergebnisse können durch die verschiedenen Methoden erklärt werden: Der Musikpsychologe leitet seine Ergebnisse größtenteils aus Persönlichkeitstests über musikalische Präferenzen her, während der Kulturwissenschaftler als partizipierender Beobachter agiert. Wichtig für Prof. Dr. Hemming ist, dass beide Ansätze sich einer interdisziplinären Perspektive öffnen sollen und so voneinander lernen und profitieren.
Zur Veranschaulichung der psychologischen Betrachtungsweise nennt er den Persönlichkeitstest von Schneewind, Schröder und Catell aus dem Jahre 1977, der die Rezipienten in 16 Persönlichkeitsfaktoren einteilt. Dieses noch sehr zeitaufwendige und komplizierte Verfahren wurde immer weiter gestrafft. Mittlerweile teilt man hauptsächlich in das Fünf- Faktoren- Modell der Persönlichkeit („Big Five“) ein. Dieses beinhaltet Extraversion, Verlässlichkeit, Gewissenhaftigkeit, Neurotizismus und Offenheit für Erfahrungen.
Nicht überraschende Resultate aus diesen psychologischen Studien waren, dass Fans von Punk-Musik Autoritäten ablehnen oder Hard Rock- und Heavy Metal Fans eine erhöhte Abneigung zu abweichendem Verhalten und einen höheren Grad an Rücksichtslosigkeit vorweisen.
Hierfür gibt es drei mögliche Erklärungsansätze. Erstens, dass diese problematischen Charakteristika ausschließlich durch die Musik hervorgerufen werden. Auf diesen Ansatz gründeten sich z.B. Initiativen wie das Parents Music Resource Center, dessen Ziel die Zensur von gefährlichem musikalischen Inhalt ist.
Zweitens, dass die Hörerschaft aufgrund ihrer problematischen sozialen Ausgangssituation diese Musik hört und zuletzt, die am plausibelsten klingende Deutung, dass die Musik die soziale Realität reflektiert und gleichzeitig neu hervorbringt. Zudem ist bei den Musikpsychologen oftmals die Unkenntnis der jeweiligen Szene zu kritisieren. So tauchen bei Forschungsarbeiten Rechtschreibfehler bekannter Bands wie „Metallicus“, besser bekannt als „Metallica“ auf. Oder es erfolgt eine falsche Stil bzw. Genre- Einordnung, wie am Beispiel der Gruppe „Bodycount“ erläutert.
Eine weitere These von Herrn Hemming war, dass die musikalische Bedeutung kein Verhältnis zum Klang hat, sondern immer ein Resultat von gesellschaftlichen Konventionen ist. Am Beispiel der deutschen Rechtsrock- Band „Oi-Dramz“ zeigt er, dass die Songtexte verantwortlich sind für die explizite Aggressivität und politische Ausrichtung.
Der Unterschied bei der kulturwissenschaftlichen Forschungsmethode ist, dass jemand bis zu einem gewissen Grad in die Szene involviert sein sollte, um sie möglichst objektiv zu beurteilen.
Kulturwissenschaftliche Studien scheinen of zu spekulativ für die sozialpsychologischen Wissenschaftler, und umgekehrt kritisieren die Kulturwissenschaftler die Ergebnisse der empirischen Forschung als zu verallgemeinernd und die Thematik verfehlend. Mit einem abschließenden Videobeispiel einer 3-Sat Diskussionsrunde verdeutlichte der Referent noch einmal, dass interdisziplinäres Wissen essentiell ist, um popkulturelle Fragestellungen angemessen beurteilen zu können und zu einem differenzierten Ergebnis zu kommen.
(19.10.2005, Manuel Beine)

 

 

 
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