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Workshop III | Chair: Prof. Dr. Marc Beutner

exemplarische Fragestellungen:

Wie kann man Lernumgebungen bzw. Lernarrangements in der Lehrerbildung kompetenzförderlich gestalten? Welche Instrumente (z. B. Portfolios) unterstützen eine Kompetenzentwicklung in der Lehrerbildung und in welcher Form?

Nolle, Timo

Das Trainingmodul „Basiskompetenzen für den Lehrerberuf“ | Beobachtung- Beratung –Training

Studien zur Lehrerbelastung zeigen, dass viele Lehrerinnen und Lehrer an psychischen und psychosomatischen Krankheiten leiden (Dauber/Vollstädt 2004, Schaarschmidt 2005).
Neben äußeren Belastungsfaktoren, wie z.B. Lärm in großen Klassen, rückt die Bedeutung des Umgangs mit psychosozialen Belastungen in den Fokus verschiedener Studien. Die neuere Lehrerbelastungsforschung zeigt eindeutig, dass Lehrergesundheit weniger von äußeren Belastungen abhängt als von den inneren Formen ihrer Bearbeitung (‚Coping Strategien’), die vor allem von inneren Haltungen, insbesondere den sog. Selbstwirksamkeitsüberzeugungen der Lehrpersonen abhängig sind (Dauber/Döring-Seipel 2008). Bei Untersuchungen von Lehramtsstudierenden wurde festgestellt, dass bereits viele Studierende nicht über angemessene Bewältigungsstrategien verfügen (Schaarschmidt/Kieschke 2007) und deshalb die Ausbildung abbrechen.
Versucht man, die Studien zur Lehrerbelastung grob zusammenzufassen, so ergibt sich im Blick auf die Lehrerausbildung als Leitfrage:
Welche Möglichkeiten bestehen, Studierende mit kritischen Voraussetzungen frühzeitig im Studium zu erkennen, entsprechend ihrer Schwierigkeiten zu beraten bzw. in Beratung zu vermitteln und Trainingsmöglichkeiten mit Blick auf psychosoziale Basiskompetenzen anzubieten?
An der Universität Kassel wird zum Wintersemester 2008/2009 das Trainingsmodul ‚Basiskompetenzen für den Lehrerberuf – Beobachtung, Beratung, Training’ eingeführt. Im Mittelpunkt des Trainingsmoduls steht der individuelle Erwerb von zentralen psychosozialen Basiskompetenzen. Das Trainingsmodul erfüllt dabei eine Schulungs- und Diagnosefunktion:
Zum einen wird versucht Studierende zu identifizieren, die bereits im Studium Defizite in Bereichen psychosozialer Basiskompetenzen erkennen lassen und wenig Lernbereitschaft hinsichtlich dieser Entwicklungsziele aufweisen und zum anderen bietet das Trainingsmodul ein Lern- und Erfahrungsfeld für die Auseinandersetzung mit der eigenen Schulerfahrung in Verbindung mit der eigenen Berufswahlmotivation. Die einzelnen Übungen erfolgen durchgehend erfahrungsbezogen und selbstreflexiv in Kleingruppen. An der zweitägigen Blockveranstaltung nehmen jeweils 12 Studierende teil, diese werden von zwei Teamern betreut. Das Trainingsmodul endet mit einem Einzelberatungsgespräch. In diesem wird Studierenden mit unsicheren Lernvoraussetzungen oder mit grundlegenden motivationalen Unklarheiten eine intensive Beratung angeboten. Die Teamer übernehmen die Vermittlung zu entsprechenden Beratungsstellen. Alle Lehramtsstudierenden an der Universität Kassel werden ab dem Wintersemester 2008 dieses Trainingsmodul im ersten Studienjahr absolvieren.

Wissenschaftliche Betreuung:
Prof. Dr. Heinrich Dauber
Prof. Dr. Dorit BosseDr. Elke Döring-Seipel

Picard, Christin

Kann epistemisches Schreiben Form und Inhalt von Lernkonzepten beeinflussen?

Im vorliegenden Beitrag wird epistemisches Schreiben, also „Schreiben, um damit sein Wissen zu ordnen, zu klären und zu erweitern“ (Renkl, 2002 , S. 194), als Lerninstrument in der universitären Lehrerbildung untersucht. Zu den im Rahmen epistemischen Schreibens vorzufindenden Textformen zählen bspw. Essays oder informelle Lernjournale. Gut untersucht ist auch der Einsatz von Lernfragen, der auch in unserer Studie gewählt worden ist.

In dieser Untersuchung bearbeiten Studierende während eines Seminars Lernfragen, die zur instruktionalen Unterstützung epistemischen Schreibens eingesetzt werden.
In einem einwöchigen Seminar zum Thema Psychologie für Lehramtsstudierende (N=60) wurden jeweils zwei Lernfragen nach jeder Lerneinheit eingesetzt. Eine Lerneinheit bestand aus einem halbtägigen Themenblock. Die Lernfragen stellten einen Teil der Seminaranforderungen dar. Die Studierenden mussten, um einen Leistungsschein zu erhalten, zu sechs Themen insgesamt zwölf Fragen bearbeiten. Es wurde summatives Feedback zu den Texten angekündigt und gegeben.

Es wird erwartet, daß während des epistemischen Schreibens Strategien zum Einsatz kommen, die lernförderliche Prozesse nach sich ziehen. Des Weiteren sollten sich die Lernfragen auf die Auffassung von Lernen bzw. den Grad der Differenziertheit derselben auswirken.
Insbesondere wird erwartet, daß Lernauffassungen von einer Oberflächenorientierung zu einer Tiefenorientierung (Biggs, 1985) übergehen. Diese Orientierungen zeichnen sich durch qualitativ unterschiedliche Herangehensweisen an das Lernen aus.

Die Auffassungen von Lernen in der Versuchsgruppe wurden mit denen von Studierenden aus einem Seminar zum selben Thema (N=60) ohne Lernfragen verglichen.

Begleitend zu den Effekten der Lernfragen wurden die Texte mittels der Structure of observed learning outcome (SOLO)-Taxonomie qualitativ ausgewertet. Mit der Taxonomie können Aussagen über den Elaborationsgrad der kognitiven Prozesse während der Textproduktion gemacht werden.

Theuermann, Anneliese

„Kompetenzen konstruieren“ – Perspektivenerweiterung im Erwerb von Handlungskompetenzen bei Lehrerinnen und Lehrern

Lehrerinnen und Lehrer sind im Alltag mit vermehrten Entscheidungssituationen konfrontiert, die den Umgang mit Flexibilität, Differenz und Widersprüchen einfordern. Weiters sollen Lehrende das selbstkompetente und lebenslange Lernen bei Lernenden fördern, wodurch Konzepte einer entwicklungsorientierten Kompetenzentwicklung bedeutender werden.
Im Vortrag wird der Stellenwert von Handlungskompetenzen aus konstruktivistischer Perspektive für die Bewältigung von erweiterten Herausforderungen im Lehren und Lernen vorgestellt und die Bedeutung für die Professionalität im Lehrberuf diskutiert. Welche Faktoren das konstruktive Lehren und Lernen beeinflussen und welche Aspekte für die Kompetenzentwicklung von Lehrpersonen integriert werden sollen, wird in den theoretischen und empirischen Ausführungen exemplarisch erläutert und durch ein Kompetenzmodell aus konstruktivistischer Perspektive veranschaulicht. In dem Referat wird vorerst der Begriff „Kompetenz“ definiert und neben der Bedeutung als Potenzial und Performanz durch das Verständnis einer „Konstruktion“ ergänzt. Eine „konstruktive Handlungskompetenz“ wird proklamiert, die Lehrenden eine erweiterte Sichtweise ermöglichen soll, zwischen den subjektiven Ansprüchen, den sozialen Anforderungen in der Interaktion mit Lernenden, den unterschiedlichen Handlungssituationen und den vermehrten Bildungsaufgaben im Schulsystem eigenverantwortlich zu handeln. Aus Erkenntnissen der konstruktivistischen Didaktik werden mögliche Handlungsorientierungen vorgestellt, die anhand eines hypothetischen Modells zur Entwicklung von konstruktiven Handlungskompetenzen visualisiert werden. Das Modell stellt eine Hilfskonstruktion für Lehrende dar, persönliche Handlungskompetenzen zu analysieren, zu diagnostizieren und auf individueller und kollektiver Ebene für das kompetente Lehren und Lernen weiterzuentwickeln. Exemplarische Ergebnisse einer qualitativen Studie zu subjektiven Handlungskonstruktionen von Expertinnen und Experten in der Arbeit mit erweiterten Lernformen im Unterricht werden zu den konstruktivistischen Handlungsorientierungen in Beziehung gesetzt. Abschließend werden einzelne Leitprinzipien für die Konstruktion von Handlungskompetenzen zur Diskussion gestellt, die Lehrerinnen und Lehrern erweiterte Handlungsmöglichkeiten bieten, neuen Anforderungen konstruktiv zu begegnen und sie verantwortungsvoll zu bewältigen.

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