Schon Kittler wusste…

…um die Relevanz der Automatismen. Man beachte folgendes Zitat:

Im Laokoon lautete eine Vorschrift an den Dichter, ,seinen Gegenstand so sinnlich zu machen, daß wir uns dieses Gegenstands deutlicher bewußt werden als seiner Worte’. Das setzt schon als Formulierung von Gradunterschieden eine Rezeption voraus, der Wörter noch nicht schlechthin flüssig wurden. Erst die vollendete Alphabetisierung macht aus Lessings Wirkungspoetik einen pädagogisch garantierten Automatismus (Hervorhebung von mir, C.K.). Jean Paul muß einmal Leser daran erinnern, daß sie seine (eben ergehende) Leseranrede, ohne es zu merken, in Druckbuchstaben lesen. (Kittler, Friedrich: Aufschreibesystem 1800/1900, München 2003, S. 141.)

Viele der vor allem im Sammelband “Automatismen” (Bublitz, Hannelore et al.: Automatismen, München 2010) entworfenen Eigenschaften der Automatismen scheinen zumindest anzuklingen. So wird etwa durch die Pädagogik – im Falle des Aufschreibesystems 1800 meint dies vor allem Stephanis Lautiermethode und die pestalozzische Methode – die Rolle von Wiederholungen in der Herausbildung von Automatismen (Winkler, S. 234ff.) und der damit einhergehende qualitative Sprung durch Übung (Bublitz, S. 23ff.) angesprochen. Die anekdotenhaft angeführte Erinnerung Jean Pauls an seine Leser, dass sie gerade Buchstaben lesen, und d.h. Signifikanten und eben keine Signifikate, weist auf die Verortung der Automatismen zwischen Bewußtem und Nicht-Bewußtem (Winkler, S. 18) hin. Kittlers Bestimmung eines Aufschreibesystems als “das Netzwerk von Techniken und Institutionen [...], die einer gegebenen Kultur die Adressierung, Speicherung und Verarbeitung relevanter Daten erlauben” (Kittler, S. 501) lässt weitere Ähnlichkeiten zu den Automatismen, die “Bestandteil eines wirk­mächtigen Arran­gements von Dingen, Zeichen und Subjekten” (Forschungsprogramm des Graduiertenkollegs “Automatismen”) sein sollen, erahnen.

Nun spielt der Begriff “Automatismen” bei Kittler rein quantitativ selbstverständlich keine zentrale Rolle, doch nimmt er im obigen Zitat eine Stelle ein, an der es sich eventuell lohnt, weiter zu denken. Mein Vorschlag wäre – und das obige Zitat weist auf die Möglichkeit hin -, dass der Prozess, in dem die “technisch möglichen Handgreiflichkeiten gegenüber Diskursen bestimmen, was faktisch Diskurs wird” (Kittler, S. 238), als Automatismus im Sinne des Kollegs zu modellieren wäre. Die Brücke zwischen Technik und Diskurs, die unter die Formel des technischen Aprioris gebracht wird, ließe sich so in ihrem prozessualen “Wie”, das bislang noch dunkel blieb, eventuell besser beleuchten.

Eine Sinfonie der Transaktion

Auf der 54. Biennale in Venedig war im amerikanischen Pavillon die Installation Algorithm von Jennifer Allora & Guillermo Calzadilla zu sehen. Inmitten des Ausstellungsraums ragte eine Kirchenorgel empor, deren Spieltisch jedoch durch einen funktionsfähigen Geldautomaten ersetzt wurde. Jede Transaktion wurde von einem individuellen Orgelstück begleitet. So hebt auch der Titel auf die Verbindung von „algorithmic composition and algorithmic banking“ ab. Der Komponist Jonathan Bailey, mit dem das Künstlerpaar dieses Projekt gemeinsam realisierten, beschreibt in einem begleitenden Katalogtext den Zusammenhang von Transaktion und der daraus hervorgehenden musikalischen Komposition:

At its most basic, the structure of music can be destilled down to two fundamental ingredients – pitch and time. By „time“ in music, we refer to both onset time of pitches in relation to each other as well as their duration. One inherent compositional challange in this project is that both the user and the enviroment have control over both of the time factors. We obviously do not know at the outset what the user’s intention is when using the ATM. Will they simply withdraw cash? Check their balance? Transfer funds? A combination of these actions? How fast do they type on the pin-pad? Also, how much activity is there on the network – could this slow down or speed up the communications back to the banking server? We can control what happens once a user hits a single button, but in what order they hit what buttons and how quickly is largely outside of our control.

Ein kurzes Video gibts hier zu sehen: http://www.youtube.com/watch?v=ZTtFx0E64do

Automatismen und Improvisation

Im Vorwort zu ihrem Text A Voyage on the North Sea: Art in the Age of the Post-Medium Condition bezieht sich die amerikanische Kunsthistorikerin Rosalind Krauss auf Stanley Cavells Begriff des Automatismus. Sie hebt dabei auf drei Bedeutungsebenen ab, die der Begriff bei Cavell im Hinblick auf die Medialität des Films besitzt: der Automatismus als das Automatische (die Mechanik der Kamera), der Automatismus als unbewusster Reflex (in der surrealistischen Begriffstradition) und zuletzt die mögliche Konnotation zur „Autonomie“ (im Sinne einer Unabhängigkeit des Werkes von seinem Produzenten). Interessant erscheint für unseren Automatismenbegriff ein Abschnitt, in dem Krauss über den Begriff des Automatismus das Konzept der Improvisation in eine Definition des Mediums eingeführt sieht:

„Like the notion of medium or genre within more traditional contexts for art, an automatism would involve the relationship between a technical (or material) support and the conventions with which a particular genre operates or articulates or works on that support. What „automatism“ thrusts into the foreground of this traditional definition of „medium“, however, is the concept of improvisation, of the need to take chances in the face of a medium now cut free from the guarantees of artistic tradition. It is this sense of the improvisatory that welcomes the word’s associations with „psychic automatism“; but the automatic reflex here is not so much an unconscious one as it is something like the expressive freedom that improvisation always contained, as the relation between the technical ground of a genre and its given conventions opened up a space for release – the way the fugue makes it possible, for example, to improvise complex marriages between its voices.“ (Krauss, Rosalind: A Voyage on the North Sea: Art in the Age of the Post-Medium Condition. London: Thames & Hudson 2000. S. 5f.)

Jahrestagung der GFM 2012 und wir sind dabei

Bei der diesjährigen Jahrestagung der Gesellschaft für Medienwissenschaft zum Thema Spekulation vom 3. bis 6.10 in Frankfurt am Main am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft werden wir 2 Panel zur Beziehung zwischen Spekulationen und Automatismen durchführen. Sobald wir den genauen Termin und die Räumlichkeit bekannt ist, werden wir sie hier bekannt veröffentlichen.

Vorab schon einmal unser Konzept:

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Verklanglichung des Twitter-Universums

#tweetscapes ist ein wunderbares Projekt des Künstler-Kollektivs HEAVYLISTENING in Kooperation mit Deutschlandradio Köln, einer Forschungsgruppe an der Universität Bielefeld und der Universität der Künste Berlin. Es geht dabei um eine Visualisierung und Vertonung von Tweets, die in Echtzeit auf eine Deutschlandkarte gemappt werden. Einzelnen Hashtags werden dabei wiedererkennbare Laute zugewiesen, Retweets durch Pfeile markiert und @Replies (direkte Konversationen zwischen Twitter-Mitgliedern) werden zum Flüstern im Hintergrund. So wird aus dem Gezwitscher im Netz ein Konzert für die Sinne. Und das alles bottom-up und ohne Dirigenten.

Research is a gamble

Ein kurzes Update aus Japan. Ich konnte am letzten Freitag ein ausführliches Gespräch mit Hiroshi Ishiguro führen, das ich hier nicht in aller Ausführlichkeit wiedergeben möchte. Seine abschließenden Worte fand ich recht interessant. Auf die Frage, wie er sich die Welt persönlicher Telekommunikation in 10-20 Jahren vorstelle, antwortete er sinngemäß, dass die Medienentwicklung sich anhand von Logiken vollziehe, die sich unserer Einsicht entziehen. Das betrifft nicht nur Zukunftsprognosen, sondern auch die Beschreibung von Gegenwartsphänomenen.

Why are we using iPhones now? We don’t have a strong vision about that. Maybe in 30 years, everybody will start using Elfoid. That is also a possibility. (Hiroshi Ishiguro, persönliche Mitteilung, 24.02.2012)

Er gestand zwar zu, dass z.B. das Design des iPhones eine Rolle für seinen Erfolg spielen mag (“Steve Jobs was great.”), aber letztendlich sei jede Forschung und Entwicklung von Produkten bis zu einem gewissen Grad ein Glücksspiel.

One of the important things is to have a gamble. Research is a gamble. We need to be gamblers. (ebd.)

In Ishiguros Sicht ist Forschung also nicht nur im engeren Sinn als Tinkering zu verstehen (der gängige Modus der Erkenntnisgenerierung in den Technowissenschaften), sondern darüber hinaus als aleatorische Spielerfahrung (vgl. Roger Caillois, Die Spiele und die Menschen, Maske und Rausch, Stuttgart 1960 [frz. OA 1958]). Man macht seinen Einsatz und schaut dann, was dabei herauskommt. Das Ergebnis ist genauso wenig vorhersehbar wie der tatsächliche Verlauf des Spiels (die Umdrehungen der Roulettescheibe).

Mit dieser Situation des Ausgeliefertseins an ein Schicksal, das je nach Sichtweise z.B. als Gott oder statistischer Zufall gedacht werden kann, ist aber auch eine Lusterfahrung verbunden. Ishiguro sagte die oben stehenden Worte mit einem Lachen und leuchtenden Augen, er ist ein Spieler, affiziert von einer Dynamik, die nicht seiner subjektiven Verfügungsgewalt unterliegt. Das Faszinosum des Automatismus entwickelt einen suggestiven Sog, der den Spieler völlig in Beschlag nimmt und ihn möglicherweise dazu verleitet, den Einsatz immer höher zu treiben.

Als ich mit meiner Anschlussfrage versuchte, das spannende Thema zu vertiefen, war Ishiguro ironischerweise in sein iPhone vertieft. Er blickte irritiert auf, entschuldigte sich und bat mich, die Frage zu wiederholen. In diesem Moment kündigte seine Sekretärin per Zuruf den nächsten Gast an und das Gespräch war beendet.

Leibliche Automatismen in der Telepräsenz-Robotik

Ich hatte gestern die einmalige Gelegenheit, verschiedene am ATR in Kyoto entwickelte Telepräsenz-Roboter aus nächster Nähe kennenzulernen und auch selbst den Sitz des Operators zu übernehmen. Zunächst das bekannteste Modell Geminoid HI-2, anschließend auch das Modell Telenoid (im Bild). Die beiden Roboter repräsentieren diametral entgegengesetzte Ansätze, einen Effekt zu produzieren, der in der japanischen Philosophie als sonzaikan bezeichnet wird – das Gefühl der leiblichen Kopräsenz aus Sicht des Gesprächspartners. Während bei Geminoid auf ein Maximum an Menschenähnlichkeit gesetzt wird, sodass er seinem Erfinder Hiroshi Ishiguro zum Verwechseln ähnelt, hat der Telenoid nur rudimentär anthropomorphe Züge. Auf diese Weise soll er als neutrale Projektionsfläche dienen, die erst in Kombination mit Mimik, Gestik und Stimme des Gesprächspartners den Eindruck von Präsenz hervorrufen soll.

Telenoid-Roboter

Telenoid R1 was developed by Osaka University and ATR Hiroshi Ishiguro Laboratory.

Generell geht es bei Telepräsenz-Medien (dazu zählt u.a. auch die Tele-Chirurgie) darum, re-embodiment zu verwirklichen. Im Idealfall bedeutet das, der/die AnwenderIn der Technologie erhält das Gefühl, als sei er/sie in einer räumlich entfernten Umgebung anwesend, während dort befindliche InteraktionspartnerInnen ihn/sie ebenfalls als kopräsent wahrnehmen. Genau hier liegt in der Sicht der IngenieurInnen ein entscheidendes Defizit gegenwärtiger Videoconferencing-Technologien, die nämlich genau an der Erzeugung dieses Präsenzeffekts scheitern und dadurch Missverständnisse befördern sowie potenziell eine entfremdende Wirkung haben.

Aus Automatismenperspektive ist die Telepräsenz-Robotik ein ergiebiges Feld. Die leibliche Anwesenheit an einem Ort und mit dem eigenen Körper als unhintergehbarer und vorreflexiver Voraussetzung jeder Erfahrung (z.B. von Wahrnehmungen) ist das zentrale Thema der Leibphänomenologie nach Husserl und Merleau-Ponty. Der Leib (lived body) zeichnet sich in der Perspektive der Phänomenologie im Normalfall durch ein hohes Maß an Transparenz aus, er ist zwar Nullpunkt des Selbst- und Weltbezugs, gleichzeitig aber dem Bewusstsein nicht als Gegenstand vorgesetzt. Das hat auch gute Gründe, denn ein großer Teil der Aktivitäten unseres Körpers läuft automatisch ab, ohne Rekurs auf eine symbolische Ebene. Auf diese Weise wird erst ein reibungsloses und effektives Handeln ermöglicht, wie der pathologische Fall des Ian Waterman beweist. Waterman hat vom Hals abwärts kein Tastempfinden und keine propriozeptiven Eindrücke (ohne dabei jedoch gelähmt zu sein), wodurch er buchstäblich genötigt ist, jeden Schritt bewusst und unter Zuhilfenahme der visuellen Wahrnehmung zu tun – eine frustrierende Aufgabe mit hohem Aufwand an kognitiven Ressourcen.

Was hat das jetzt mit Robotik zu tun? Die Ingenieure stehen hier vor einer Herausforderung: Wie bekommt der/die AnwenderIn das Gefühl, an einem Ort wirklich anwesend zu sein, inklusive des damit empfundenen Verantwortungsgefühls für eigene Handlungen und einem angemessenen Risikokalkül? Es gibt Indizien dafür, dass das re-embodiment bereits erstaunlich gut funktioniert. So berichten Ishiguro und seine Forschungsstudenten von dem sonderbaren Gefühl des phantom poke, wenn sie auf einer Videokamera sehen können, dass jemand den Roboter, den sie fernsteuern, unerwartet anstößt. Ähnliche Beobachtungen machte eine schwedische Forschergruppe um Henrik Ehrsson bei Experimenten mit Schaufensterpuppen, die durch ein verhältnismäßig schlichtes technisches Setup von Versuchspersonen als eigene Körper wahrgenommen wurden (Out-of-Body-Experience). Noch vollständiger wird diese Erfahrung vermutlich dann sein, wenn es einen zusätzlichen haptischen Feedback-Kanal gibt. Diese Beobachtungen fordern das Diktum der Phänomenologie heraus, dass eine Distanzierung von Selbst und Körper unmöglich sei. Jedenfalls scheinen technische Medien das Potenzial zu haben, an Automatismen des Leibes anzudocken und diese für die Konstruktion von Telepräsenz-Szenarien produktiv zu machen.

Mehr zum Zusammenhang von Telepräsenz, re-embodiment und Phänomenologie des Leibes findet sich in einem lesenswerten Aufsatz von Luna Dolezal.

Mustererkennung

Die Flight Patterns sind alte Bekannte, von Facebook haben wir so etwas auch schon gesehen (vielleicht erstellt ja mal einer so eine Karte von den Aktionären). Dank Olivier Beauchesne gibt es nun (edit: doch schon etwas länger, wie ich gerade sehe) eine Karte der weltweiten Zusammenarbeit in den Wissenschaften. Bei ihm findet sich auch eine hochauflösende Version:

Zusammenarbeit in den Wissenschaften

David Dobbs schreibt dazu bei Wired: “I love the way the patterns in the EU, so dense and flaring”. Nun denn… – Vielleicht gelingt es uns ja mit der kommenden Traffic-Tagung ein paar neue Linien zwischen den Kontinenten zu ziehen.

Von Zen-Automatismen und Zombies

Ich bin gerade beim Lesen von Ruth Benedicts kulturanthropologischem Klassiker Chysantheme und Schwert. Formen der japanischen Kultur auf einen interessanten Automatismen-Bezug gestoßen, der sich wunderbar mit einer These von Hannelore Bublitz aus dem ersten Automatismen-Band verbinden lässt. Die These lautet: Automatismen beinhalten einen qualitativen Sprung: Aus der wiederholten Einschleifung durch Übung entsteht – paradoxerweise –  gerade das Neue: spielerisch-mühelose Perfektion.

Im vom Zen-Buddhismus geprägten japanischen Verständnis lassen sich Techniken der Selbstdisziplinierung in zwei analytische Kategorien aufteilen. Zum einen geht es um den Erwerb bestimmter Kompetenzen (Bogenschießen, Kalligraphie, einzelne Wissensbestände), zum anderen aber auch um die Erreichung eines Zustands der Erfahrenheit (jap. muga).

Der Zustand der Erfahrenheit beschreibt das diesseitige oder religiöse Erlebnis, das sich einstellt, wenn sich zwischen dem Willen eines Menschen und seinem Tun “keine Kluft auftut, nicht einmal von der Dicke eines Haares”. Bei Menschen, die den Zustand der Erfahrenheit nicht erreicht haben, steht gleichsam ein nicht leitender Schirm zwischen dem Willen und der Tat. Sie nennen dies das “beobachtende Ich”, das “störende Ich”, und wenn es durch spezielle Übungen ausgeschaltet ist, verliert der Erfahrene die Empfindung dafür, daß “ich es tue”. Der Stromkreis wird durch nichts mehr unterbrochen. Die Tat gelingt mühelos. (Ruth Benedict, Chrysantheme und Schwert. Formen japanischer Kultur, Frankfurt/M. 2006 [amerikanische OA 1946], S. 207)

Selbsttechnologien der meditativen Versenkung in eine Tätigkeit, die zehntausendfach wiederholt ausgeführt wird, führen also zur Ausschaltung des beobachtenden Ichs aus einem Tätigkeitsablauf. Handlungsziel und Handlungsdurchführung fallen zusammen, sobald man aufhört, sein Handeln auf einer reflexiven Ebene quasi als Zensor zu begleiten. Wie Hannelore Bublitz schreibt:

Aus der wiederholten Einschleifung von Mustern und Schemata entsteht quasi ‘unter der Hand’ etwas qualitativ Neues, nämlich ein Handeln ohne Nachdenken, ein Können, das über bloße Fertigkeiten hinausgeht: Perfektion, Virtuosität. Die Wiederholung des Automatismus bewirkt also einen qualitativen Sprung, eine Transformation nach dem Muster: Übung macht den Meister. (Hannelore Bublitz, These 2 (s.o.), in: dies./Roman Marek/Christina L. Steinmann/Hartmut Winkler, Automatismen, S. 23-26:24.)

Besonders interessant ist eine sich daraus ergebende Redewendung, die diese Grundeinsicht zum Ausdruck bringt. Die Japaner sprechen von jemandem, der seine höchste Leistungsfähigkeit erreicht hat, weil er sein Bewusstsein bei der Erfüllung einer spezifischen Aufgabe ausschalten kann (der also den Zustand der Erfahrenheit erreicht hat), als von einem Menschen (Obacht, Zombologen!), “der lebt, als ob er schon tot wäre” (Benedict, Chrysantheme und Schwert, S. 218). Z. B. in der Formulierung: “Mach die Prüfungen wie jemand, der schon tot ist, dann bestehst du sie mit Leichtigkeit” (ebd.). Der Zustand des Wie-Tot-Seins befreit von Verpflichtungen, Ängsten, Zweifeln; jeglichen Hindernissen also, die sich zwischen die Handlungsabsicht und ihre Durchführung stellen.

Es könnte lohnend sein, unseren Blick ein wenig zu erweitern, und kulturvergleichende Analysen mit einzubeziehen, wenn wir den Automatismen als Kulturtechniken zur Reduzierung von Komplexität auf die Spur kommen wollen. Und ganz offensichtlich wollen die Zombies auch einfach nicht sterben, sondern begleiten uns wie ein theoretischer Schatten.