Tuesday’s Debate vom 26.04.2016

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Die letzten Sekunden vor dem Start der Debatte.

Montagmorgen in irgendeiner Grundschule Deutschlands. Die Stunde hat noch nicht begonnen, alle Kinder wuseln bunt durcheinander. Auf Kommando ihrer Lehrerin begeben sich alle zu ihren Plätzen und werden ruhig. Fast alle. Doch der kleine Kevin will noch nicht ruhig auf seinem Platz sitzen, rennt weiter durch den Raum und brüllt herum. Ein klarer Fall: dieses Kind hat ADHS! So benimmt sich kein normales Kind! Oder doch?

Das ist nur eines der Beispiele, in denen das Verhalten von Menschen als ein Krankheitsbild klassifiziert wird. Psychische Erkrankungen und deren Diagnosen nehmen in den letzten Jahren rapide zu – Zeit also, sich eine wichtige Frage zu stellen. Ist es richtig, das Verhalten von Menschen in Krankheitsbilder einzuordnen? Sind diese individuellen Verhaltensweisen vielleicht gar nicht als Krankheiten, sondern vielmehr als persönliche Eigenschaften zu sehen? Für die Regierung stand diese Woche fest: die Klassifizierung menschlichen Verhaltens in Krankheitsbilder ist ein Fehler.

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Sokol stellt sich wacker den Fragen der Regierung.

Jeder Mensch sei grundsätzlich einzigartig und eine Systematisierung menschlichen Verhaltens in Kategorien spreche dem Menschen einen Teil dieser Individualität ab, deklariere man Wesenszüge zu Krankheiten und damit zu ‚Fehlern in der Persönlichkeit‘. Durch dieses Festschreiben von möglichen ‚unnormalen Verhaltensweisen‘ würden die Betroffenen stigmatisiert und möglicherweise daraufhin aus der Gesellschaft ausgegrenzt, zumindest aber kritisch beäugt werden. Dies könne zu Problemen bei Bewerbungen führen, wenn ein Mensch als depressiv oder trockener Alkoholiker aktenkundig geworden sei. Die heute immer häufiger auftretenden Diagnosen von Burnout, ADHS und ähnlichem seien dabei besonders kritisch zu betrachten. Nicht nur, dass Ärzte und Pharma-Industrie an diesen Krankheiten eine Menge Geld verdienten, sondern auch, dass bereits bei Kindern mit starken Pharmazeutika operiert würde, sei laut der Regierung sehr gefährlich. Zudem würden die zunehmenden Klassifizierungen von Krankheiten dazu führen, dass Menschen in einer Selbstdiagnose zum Beispiel über das Internet zu schnell voreilige Schlüsse zögen, sich in Krankheitsbilder hineinsteigern und einer ‚self fulfilling prophecy‘ zum Opfer fallen würden. Die Regierung sah die Klassifizierung von Krankheiten als einen zu einfachen Weg, Verhaltensweisen, die nicht gesellschaftskonform sind, mit Medikamenten anzugleichen. Vielmehr müsse man den harten Weg gehen, nicht die Symptome zu bekämpfen, sondern sich direkt mit den Ursachen der Erkrankungen auseinanderzusetzen.

Die Opposition sah dies naturgemäß selbstverständlich völlig anders. Den Ärzten und der Pharma-Industrie zu unterstellen, sie würden absichtlich falsch diagnostizieren oder Krankheiten womöglich sogar erfinden, um Profite zu machen, sei nicht belegt und weit hergeholt. Eine Klassifizierung in immer mehr Krankheitsbilder sei ein Fortschritt, da in der Vergangenheit solche Verhaltensstörungen schlicht als menschliche Schwächen angesehen worden seien.

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Unsere Juroren haben es nicht leicht, den Gewinner zu ermitteln.

Heute hingegen könne man durch die festgestellten Krankheiten besser mit Verhaltensstörungen umgehen – ob nun AD(H)S, Tourette-Syndrom oder Depressionen. Erst die Klassifizierung habe die Krankheiten greifbar und verständlich gemacht, mache es damit der Gesellschaft möglich, angemessen mit den Erkrankten umzugehen, die Symptome der Krankheit einfacher tolerierbar. Zudem schaffe eine Klassifizierung die Möglichkeit, explizite Fachbereiche zu erschaffen – ob nun für Fachärzte oder als Fachinstitutionen –, durch die den Menschen besser geholfen und die Krankheiten besser erforscht werden könnten. Hierdurch werde auf der einen Seite die Lebensqualität der Betroffenen allgemein deutlich verbessert, auf der anderen Seite könnten die Krankheiten so bereits im Frühstadium erkannt und therapiert werden, was eine starke Ausprägung verschiedener Erkrankungen bremsen könne. Somit sei eine Klassifizierung von Krankheiten nicht nur für den einzelnen Betroffenen, sondern auch für ein Gemeinschaftsgefühl der Betroffenen, eine Erforschung und Therapie der Krankheit und eine Eingliederung Betroffener in die Gesellschaft zwingend notwendig.

Am Ende dieser sehr spannenden Debatte konnte sich letztlich die Opposition mit ihrer Argumentation bei den Juroren durchsetzen und gewann somit die dieswöchige Debatte. Damit bleibt es weiterhin dabei, dass Krankheitsbilder klassifiziert werden!

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1 Comment on "Tuesday’s Debate vom 26.04.2016"


Guest
Ich
7 years 9 months ago

Cool, wir haben jetzt eine Kommentarfunktion 🙂