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Redoxpotentiale



Taucht man ein Stück Zink in eine Kupfersulfatlösung, so scheidet sich auf dem Zink metallisches Kupfer ab, während Zink in Lösung geht:

Zn + Cu2+ Zn2+ + Cu

Das elementare Zink wird oxidiert, die Kupferionen reduziert. Der Elektronenaustausch zwischen Cu2+-Ionen und Zn findet an der Oberfläche des Zinks statt, ist also eine heterogene Reaktion. Die mit der Reaktion verbundene Reaktionsenthalpie HR wird als Wärme frei.


Man kann obige Reaktion aber auch in anderer Weise stattfinden lassen, indem man Oxidation und Reduktion räumlich trennt und die auszutauschenden Elektronen über einen metallischen Leiter fließen läßt.




Jede Lösung bildet mit dem in sie eintauchenden Metall eine Halbzelle. Die beiden Halbzellen werden mit einer Salzbrücke (Stromschlüssel), z.B. mit konzentrierter Kaliunnitratlösung gefüllt, verbunden. Die Wirkungsweise des Stromschlüssels ist folgende: Wenn in der linken Lösung Zn2+ in Lösung geht, erhöht sich die Konzentration der Kationen; gleichzeitig entsteht in der rechten Lösung durch Entladung von Cu2+ ein Anionenüberschuß. Der Ladungsausgleich erfolgt mit Hilfe der Salzbrücke, indem gleichzeitig Kationen von links nach rechts und Anionen von rechts nach links wandern.

Zwischen den beiden Halbzellen kann eine Spannung gemessen werden. Verbindet man Zink- und Kupferblech leitend miteinander, so fließen über den Leitungsdraht Elektronen vom Zink zum Kupfer. Dabei finden die Teilreaktionen

Zn Zn2+ + 2 e- und  Cu2+ + 2 e- Cu

statt, deren Addition die bereits oben formulierte Gesamtgleichung liefert. - Bei dieser aufwendigeren Versuchsanordnung kann ein Teil der Reaktionsenthalpie als elektrische Energie gewonnen werden.

Die Kombination von zwei Halbzellen bezeichnet man als galvanische Zelle, galvanische Kette oder galvanisches Element. Die Zellspannung E (Potentialdifferenz zwischen den Halbzellen) wird auch EMK (elektromotorische Kraft) genannt.

Bei praktischer Nutzung als Stromquelle ist der Anteil an elektrischer Energie geringer als nach thermodynamischen Beziehungen für reversible Verhältnisse berechnet. d.h. man erreicht mit galvanischen Elementen Wirkungsgrade von 80...90 %. Dies ist allerdings wesentlich mehr als bei der Stromerzeugung mittels Wärmekraftmaschinen. Hier liegt der Wirkungsgrad nur bei ca. 30 %. Insofern sind galvanische Elemente zur Stromerzeugung von beträchtlichem Interesse. In einem der späteren Abschnitte soll hierauf nochmals eingegangen werden.

Da man Potentialdifferenzen zwischen unterschiedlichen Halbzellen messen kann, sollte man jeder Halbzelle, d.h. jedem Redoxpaar wie

Zn Zn2+ + 2 e-
Cu2+ + 2 e- Cu

ein Redoxpotential zuordnen können. Dies kann allerdings nicht absolut geschehen, sondern man muß einen willkürlichen Standard als Nullpunkt festlegen, ähnlich wie man Säuren und Basen bezüglich ihrer Stärke durch ihre Reaktion mit Wasser vergleicht. Hierzu dient die Standard(Normal-)wasserstoffelektrode. Die Standardwasserstoffelektrode ist eine Halbzelle bei 25°C, in der eine Elektrode aus platiniertem Platin, die von Wasserstoff von 1013 mbar Druck umspült wird, in eine Lösung eintaucht, die Oxoniumionen mit der Aktivität 1 mol/l enthält.



Das Potential der Standardwasserstoffelektrode wird Null gesetzt. Halbzellen, d.h. Redoxsysteme, die gegenüber der Standardwasserstoffelektrode Elektronen abgeben, also als Reduktionsmittel wirken, erhalten ein negatives Vorzeichen für E. Redoxsysteme, die von der Standardwasserstoffelektrode Elektronen aufnehmen, erhalten posititve Vorzeichen. Da die Konzentration eines Reduktions- oder Oxidationsmittels die Zellspannung mitbestimmt, wird zur Messung des Standardpotentials E0 eine Aktivität aller Reaktionspartner in Lösung von 1 mol/l vorgegeben. - Die Messung der Zellspannung zwischen der Standardwasserstoffelektrode und einer Halbzelle, in der metallisches Zink in eine Lösung eintaucht, die Zn2+-Ionen in einer Konzentration von 1 mol/l enthält ergibt -0,76 V; dies ist das Standardpotential des Redoxsystems Zn/Zn2+.

Im folgenden soll die Frage untersucht werden, wie das Standardpotential von den thermodynamischen Eigenschaften der beteiligten Stoffe abhängt. Grundsätzlich erfolgen die Reaktionen:

Metall:   M(s)Mn+(aq) + n e-
Nichtmetalle:   X + n e-Xn-(aq). 

Die Gesamtreaktionen lassen sich in mehrere Teilschritte zerlegen:

 

M(s)

M(g)

M+ (g)

M+ (aq)

und

             
 

Xn

X(g)

X-(g)

X-(aq)


Nimmt man vereinfachend an, daß sich die Entropie bei diesen Teilreaktionen kaum ändert, beschränkt sich die Betrachtung auf die einzelen Enthalpiewerte.

Auf die reduzierende Wirkung des Metalls, d.h. auf den Betrag des negativen Potentials begünstigend wirken dann niedrige Sublimationsenergie, geringe Ionisierungsenergie, hohe Hydrationsenergie. Stoffe mit diesen Eigenschaften sind besonders gute Reduktionsmittel. Kleine Sublimationsenergien besitzen die Alkalimetalle, sie haben ebenfalls geringe Ionisierungsenergien, wobei die des Caesiums am kleinsten ist. Andererseits ist die Hydrationsenergie des kleinen Li+-Ions am höchsten. Die drei Terme addieren sich in der Weise, daß Li in wäßriger Lösung das am stärksten reduzierende Metall ist.

Bei der oxidierenden Wirkung der Nichtmetalle spielen Dissoziationsenergie, ggf. Sublimationsenergie, Elektronennaffinität und Hydrationsenergie eine Rolle. Besonders leicht oxidierend werden Nichtmetalle wirken, die niedrige Disgoziationsenergie, hohe Elektronenaffinität und hohe Hydrationsenergie aufweisen. Das stärkste einfache Reduktionsmittel ist Fluor.

Ordnet man die Redoxpaare nach zunehmender Oxidationskraft der oxidierten Form, so erhält man die Tabelle der Standardpotentiale, die auch als Spannungsreihe bezeichnet wird. Hierbei wird vereinbarungsgemäß die reduzierte Form links und die oxidierte Form sowie die abgegebenen Elektronen rechts geschrieben.

     
 
  Halb-Reaktion

E°/V

  reduzierte Form   oxidierte Form      +

z·e  

 
  Li (s)     Li+ (aq)   +

e-  

- 3,04

  K (s)   K+ (aq)    +  

e-  

- 2,92

  Ca (s)   Ca2+ (aq)    +  

e-  

-2,87

  Na (s)   Na+ (aq)    +  

e-  

- 2,71

  Al (s)   Al3+ (aq)    +  

e-  

- 1,68

  Mn (s)   Mn2+ (aq)    +  

e-  

- 1,19

  Zn (s)   Zn2+ (aq)    +  

e-  

- 0,76

  S2- (aq)   S (s)    +  

e-  

- 0,48

  Fe (s)   Fe2+ (aq)     +  

e-  

- 0,41

  Cd (s)   Cd2+ (aq)      +  

e-  

- 0,40

  Sn (s)   Sn2+ (aq)    +  

e-  

- 0,14

  Pb (s)   Pb2+ (aq)    +   

e-  

- 0,13

  H2 + 2 H2   2 H3O+ (aq)    +   

e-  

0,00

   Sn2+ (aq)   Sn4+ (aq)    +   

e-  

+ 0,15

  Cu (s)   Cu2+ (aq)     +   

e-  

+ 0,34

   2 J- (aq)   J2 (s)    +   

e-  

+ 0,54

   Fe2+ (aq)   Fe3+ (aq)    +  

e-  

+ 0,77

  Ag (s)    Ag+ (aq)     +   

e-   

+ 0,80

  NO + 6 H2O   NO3- (aq) + 4 H3O+ (aq)    +   

e-  

+ 0,96

   2 Br- (aq)    Br2     +   

 3·e-  

+ 1,07

  6 H2   O2(g) + 4 H3O+ (aq)    +   

e-  

+ 1,23

  2 Cr3+ (aq) + 21 H2O   Cr2O72- + 14 H3O+ (aq)     +   

e-  

+ 1,33

   2 Cl- (aq)     Cl2    +   

e-  

+ 1,36

  Pb2+ (aq) + 6 H2   PbO2(s) + 4 H3O+ (aq)     +   

e-  

+ 1,46

  Au (s)   Au3+ (aq)    +   

e-  

+1,50

  Mn2+ (aq) + 12 H2O   MnO4- (aq) + 4 H3O+ (aq)    +  

e-  

+ 1,51

  2F- (aq)   F2 (g)    +   

e-  

+ 2,87

 


Die oxidierende Wirkung der oxidierten Form nimmt dann von oben nach unten zu. Die reduzierende Wirkung der reduzierten Form nimmt von oben nach unten ab. D.h. als stärkstes Reduktionsmittel ist Lithium, als stärkstes Oxidationsmittel Fluor aufgeführt. Typische starke Reduktionsmittel sind die unedlen Metalle, starke Oxidationsmittel die Halogene und Sauerstoff.

Die oxidierte Form eines Redoxpaars, das in der Spannungsreihe weiter unten steht, kann unter Standardbedingungen die reduzierte Form eines weiter oben stehenden Paars oxidieren. So kann man mit HNO3 Kupfer zu Cu2+-Ionen oxidieren, nicht aber mit sog. nichtoxidierenden Säuren wie HCl, denn das H3O+-Ion ist kein hinreichend starkes Oxidationsmittel. Unedle Metalle wie Fe, Zn, Mg können hingegen von Oxoniumionen oxidiert werden. Gold wird weder von H3O+-Ionen noch von HNO3, aber von Fluor oxidiert.

Allgemein läßt sich eine Redoxreaktion formulieren als:

  Ox1         Red2    Red1  +       Ox2
z.B.:    Fe3+         I-    Fe2+  +      1/2 I2

Die Schreibweise besitzt formale Ähnlichkeit mit Protolysereaktionen, in denen statt Redoxpaaren konjugierte Säure-Base-Paare auftreten:

  S1         B2    B1  +       S2
z.B.:    HAc         NH3    Ac-  +      NH4+

Die Lage des Gleichgewichts hängt von der Stärke der beteiligten Säuren und Basen bzw. von der Stärke der Oxidations- und Reduktionsmittel ab, d.h. von den Werten für pKS, pKB oder E10, E20
 







Die Visualisierungen entstanden in einem Projekt, das gefördert wird durch den
Last Updated by Dr. Allwissend on 26.01.2000
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