Cl- + H2O
HCl + OH-.
Für hydratisierte Natriumionen ist prizipiell eine Protolyse nach
[Na(H2O)6]+ + H2O
[Na(H2O)5OH] + H3O+
formulierbar, allerdings nicht realistisch, denn rechts steht undissoziiert formuliertes Natriumhydroxid zusammen
mit Oxoniumionen, eine nicht stabile Kombination. Auch dieses Gleichgewicht liegt völlig auf der linken Seite
der Gleichung.Beim Lösen von festem NH4Cl gehen zunächst NH4+-Ionen
und Cl--Ionen in Lösung. Chloridionen reagieren praktisch nicht mit Wasser. - Das Ammoniumion,
NH4+ , dagegen ist die konjugierte Säure der mäßig starken Base NH3,
also selbst eine Säure mit nicht extremen Eigenschaften:
NH4+ + H2O
NH3 + H3O+
Wenn auch nur ein geringerer Teil der Ammoniumionen mit Wasser reagiert, so wird die Lösung doch deutlich
sauer.
Der pH-Wert einer NH4Cl-Lösung mit einer Konzentration von o,5 mol/l soll berechnet werden. KB(NH3) = 1,8·10-5 mol/l.

Ein Salz, von dem nur das Anion protolysiert, ist das Kaliumcyanid. Das Kaliumion protolysiert ebensowenig in
Wasser wie
das Natriumion. - Das Cyanidion ist aber die konjugierte Base der relativ schwachen Blausäure, also selbst
eine mäßig stärke
Base:
CN- + H2O
HCN + OH-.
Die Kaliumcyanidlösung reagiert also basisch. Der pH-Wert kann nach der Beziehung
berechnet werden.
Generell kann als Merkregel gesagt werden, daß Salze, die sich formal als Neutralisationsprodukt von einer starken Säure und einer schwachen Base herleiten (z.B. Ammoniumchlorid als Neutralisationsprodukt der schwachen Base NH3 und der starken Säure HCl), sauer reagieren, während Salze, denen eine schwäche Säure und eine starke Base zugrundeliegt (z.B. KCN) basisch reagieren. Vor allem früher verwendete man für die Protolyse von Kationsäuren und Anionbasen den Begriff Hydrolyse. Da der Ausdruck Hydrolyse heute jedoch für die Spaltung kovalenter Bindungen durch Wasser (z.B. Esterhydrolyse) verwendet wird, sollte er hier eigentlich nicht mehr benutzt werden. Die BRÖNSTED-Theorie benötigt keinen speziellen Begriff für diese Arten der Protolyse.
Protolysereaktionen von Salzen in wäßriger Lösung
Säure-Bese-Charakter
der IonenReaktion der
LösungBeispiele Kationensäure und
sehr schwache Anionbasesauer NH4Cl, (NH4)2SO4, AlCl3
FeCl3, ZnCl2sehr schwache Kationensäure und
sehr schwache Anionbaseneutral NaCl, KBr, NaNO3, NaClO4 Anionbase und
sehr schwache Kationsäurebasisch CH3COONa, K2CO3, KCN Kationsäure und
Anionbasesauer oder basisch, je nach
Stärke der Säure oder BaseCH3COONH4, (NH4)2CO3,
NH4CN, (CH3COO)3Al
Die saure Reaktion vieler Metallsalze wie FeCl3, AlCl3, ZnCl2 erklärt sich aus der höheren Säurestärke der mehrfach geladenen hydratisierten Kationen:
[Al(H2O)6]3+ + H2O
[Al(H2O)5OH]2+ + H3O+.
Bei Salzen wie NaCl, KCl, K2SO4, NaNO3 ist die Protolyse sehr gering, weil
Kationen wie Anionen extrem schwache Protolyte sind. d.h. die Lösungen reagieren annähernd neutral. Besonders
stark ausgeprägt ist die Protolyse bei Salzen, von denen sowohl das Kation wie das Anion protolysiert wie
NH4Ac,
AlAc3, NH4CN, (NH4)2CO3. Ob die wäßrige Lösung
dieser Salze sauer oder basisch reagiert, hängt davon ab, ob das Kation oder das Anion stärker protolysiert.
Diese Salze neigen unter Feuchtigkeitseinwirkung zur Zersetzung, wenn eines der Reaktionsprodukte flüchtig
ist und damit laufend dem Gleichgewicht entzogen wird. So zerfällt Aluminiumacetat ("essigsaure Tonerde")
unter Verdunsten von Essigsäure zu Aluminiumhydroxid. Aus Wasser, das gelöstes Eisen(III)-hydrogencarbonat
enthält, fällt beim Stehen an der Luft braunes Fe2O3·aq aus; gleichzeitig
geht Kohlendioxid in die Gasphase über:
Fe(HCO3)3 + aq
1/2 Fe2O3·aq + 3 CO2.
Extreme Verhältnisse bezüglich der Protolyse von Anionbasen findet man bei der Reaktion von Hydriden,
Oxiden und Nitriden mit Wasser. Diese Anionen sind extrem starke Basen und setzen sich vollständig unter Bildung
von Hydroxidionen um:
| z.B. | LiH: | H- | + | H2O | |
H2 | + | OH- |
| CaO: | O2- | + | H2O | |
OH- | + | OH- | |
| Mg3N2: | N3- | + | 3 H2O | |
NH3 | + | 3 OH- |