Was ist eine Pipette?
Pipetten sind Saugrohre (gewöhnlich aus Glas), die am unteren Ende in einer Spitze
auslaufen. Das Inhaltsvolumen ist durch eine oder mehrere Marken
gekennzeichnet, so daß durch Ansaugen und Ausfließenlassen ein definiertes
Flüssigkeitsvolumen abgemessen werden kann.
Die Justierung erfolgt auf Ablauf (Ex). Man unterscheidet
Vollpipetten und
Meßpipetten.
Vollpipetten
Vollpipetten sind in der Mitte zylindrisch erweiterte Glasrohre, die am oberen
Rohrteil eine Ringmarke besitzen. Sie erlauben die Abmessung eines
bestimmten Volumens, welches auf der zylindrischen Erweiterung der Pipette
angegeben ist.
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| Vollpipette |
Die Handelsüblichen Größen der Vollpipetten sind in der nachfolgenden
Tabelle aufgeführt. Die Einteilung erfolgt in zwei Genauigkeitsklassen.
Bei den Pipetten der Klasse A ist die Ablaufzeit für die
Flüssigkeit durch Verengung der Ablaufspitzen verlängert, so daß
während des Ablaufs bereits das Nachlaufen der Flüssigkeit an der Glaswandung
erfolgt. Die Fehlergrenzen dieser Pipetten entsprechen den Vorschriften
der Deutschen Eichordnung.
Pipetten der Klasse B haben erheblich kürzere Ablaufzeiten aber
auch doppelt so große Fehlergrenzen, wie die der Klasse A.
Nach dem Ablauf der Pipetten der Klassen A und B sind keine Wartezeiten
einzuhalten.
Mit verbesserten Fertigungsmethoden wurde die Herstellung von Pipetten möglich, die innerhalb der Eichfehlergrenzen (Klasse A) und dennoch kurze Ablaufzeiten aufweisen. Für solche Pipetten wurde die Klasse AS eingeführt. Sie erfordern nach dem Ablauf jedoch eine Wartezeit von 15 Sekunden. In der Praxis haben sich Pipetten der Klasse AS stark durchgesetzt und die der Klasse A mit längeren Ablaufzeiten fast verdrängt.
Fehlergrenzen von Vollpipetten
| Nenn- volumen in ml | Klasse A | Klasse AS | Klasse B | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| max. Fehler in % | Ablaufzeit in s | max. Fehler in % | Ablaufzeit in s | max. Fehler in % | Ablaufzeit in s | |
| 0.5 | ± 1 | 10-20 | ± 1 | 4 - 8 | ± 2 | 4 -20 |
| 1 | ± 0.7 | 10-20 | ± 0.7 | 5 - 9 | ± 1.5 | 5 -20 |
| 2 | ± 0.5 | 10-25 | ± 0.5 | 5 - 9 | ± 1 | 5 -20 |
| 2.5 | ± 0.4 | 7 -11 | ||||
| 3 | ± 0.33 | 7 -11 | ||||
| 4 | ± 0.25 | 7 -11 | ||||
| 5 | ± 0.3 | 15-30 | ± 0.3 | 7 -11 | ± 0.6 | 7 -30 |
| 6 | ± 0.25 | 8 -12 | ||||
| 7 | ± 0.21 | 8 -12 | ||||
| 8 | ± 0.19 | 8 -12 | ||||
| 9 | ± 0.17 | 8 -12 | ||||
| 10 | ± 0.2 | 15-40 | ± 0.2 | 8 -12 | ± 0.4 | 8 -40 |
| 15 | ± 0.13 | 9 -13 | ||||
| 20 | ± 0.15 | 25-50 | ± 0.15 | 9 -13 | ± 0.3 | 9 -50 |
| 25 | ± 0.13 | 25-50 | ± 0.13 | 10-15 | ± 0.32 | 10-50 |
| 30 | ± 0.12 | 13-18 | ||||
| 40 | ± 0.09 | 13-18 | ||||
| 50 | ± 0.1 | 30-60 | ± 0.1 | 13-18 | ± 0.2 | 13-60 |
| 100 | ± 0.08 | 40-60 | ± 0.08 | 25-30 | ± 0.16 | 25-60 |
Meßpipetten
Meßpipetten sind zylindrische kalibrierte Glasröhren, mit denen man
im Bereich des Nennvolumens beliebige Flüßigkeitsmengen abmessen kann.
Sie werden hauptsächlich zum Abmessen kleiner Volumina oder auch von
Teilen ganzer Milliliter verwendet.
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| Meßpipette |
Meßpipetten gibt es ebenfalls in drei Genauigkeitsklassen :
Klasse A, Klasse B und Klasse AS .
Für schnell ablaufende Pipetten der Klasse AS ist nach dem Ablauf
wieder eine Wartezeit von 15 Sekunden einzuhalten.
Wie benutzt man eine Pipette?
Das Abmessen eines Flüssigkeitsvolumens mit einer Pipette wird folgendermaßen
durchgeführt:
Die Pipettenspitze wird tief genug in die abzumessende Flüssigkeit getaucht
und die Flüssigkeit bis über die Ringmarkierung (Nullmarke)
aufgezogen.
Dann nimmt man die Pipette heraus, wischt die außen anhaftende Flüßigkeit mit
einem Papiertuch ab, legt die Pipette senkrecht an die Wand eines geneigt
gehaltenen Becherglases und senkt den Meniskus solange ab, bis sein tiefster
Punkt den oberen Rand der Ringmarke berührt. Dabei muss die Augenhöhe mit
der Ringmarkierung so entsprechen, daß der vordere Teil des Rings den
hinteren Teil genau überdeckt (parallaxenfreie Ablesung).
Nachdem man die Spitze der Pipette an der Gefäßwand abgestreift hat, wird
die Pipette in das Zielgefäß entleert. Dabei wird sie wieder senkrecht
über das geneigte Aufnahmegefäß gehalten, wobei die Pipettenspitze an der
Gefäßwandung anliegt. Man läßt nun die Flüßigkeit vollständig (oder bis
zur gewünschten Marke) ablaufen. Hat man eine Pipette der Klasse AS
benutzt wartet man nun 15 Sekunden. Abschließend wird die Ablaufspitze
an der Gefäßwand abgestreift.
Die Pipette darf nicht ausgeblasen werden! Der in der
Spitze verbleibende Rest an Flüssigkeit ist bereits bei der Justierung
berücksichtigt worden.
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| Richtige Ablaufhaltung einer Pipette |
Voraussetzung für die richtige Abmessung ist die richtige Temperatur
und die Unversehrtheit der Pipettenspitze. Für die Handhabung der
Pipette ist es wichtig, daß sie senkrecht gehalten
wird und an der Gefäßwandung anliegt.
Benutzt man eine Pipette erstmals zum Abmessen einer bestimmten Flüßigkeit,
so ist sie mit der Flüßigkeit zweimal durchzuspülen.
Ansaugen einer Pipette
Die früher übliche Technik des Ansaugens der Flüssigkeit mit dem Mund,
Verschließen der Saugöffnung mit einem angefeuchteten Finger ist heute
nach Arbeitsschutzvorschriften verboten! Bei dieser
Technik können giftige oder ätzende Dämpfe aus der Flüßigkeit inhaliert
werden. Auch gelangt leicht Substanz in den Mund. Die Gefahr ist besonders
groß, wenn Flüssigkeitsreste aufgesaugt werden. Dabei geschieht es leicht,
daß der Flüssigkeitspegel
unter die Pipettenspitze sinkt und Luft angesaugt wird. Der
Saugwiderstand verringert sich dann sehr plötzlich und die Probe schießt in
die Mundhöhle. In medizinischen Laboratorien besteht außerdem eine hohe
Infektionsgefahr.
Es sind daher zum Aufziehen von Flüssigkeiten grundsätzlich
Pipettierhilfen (z.B. Peleus-Ball) zu benutzen,
die in großer Vielfalt im
Handel angeboten werden. Sie werden auf das Ansaugrohr der Pipette
gesteckt und sind mit einer Hand zu bedienen.