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Bürette (engl. burette or buret)


Inhalt:

Was ist eine Bürette?

Büretten sind lange Glasröhren mit einer Graduierung und einem regulierbaren Ablauf am unteren Ende. Sie werden zur Abmessung von Flüßigkeitsmengen benutzt. Büretten werden auf Auslauf (Ex) justiert.

Eine häufig verwendete Bürette gestattet die Entnahme von 50 ml. Die Graduierung ist dabei in 0.1 ml unterteilt. Für die Entnahme kleinerer Volumina werden Mikrobüretten mit 1, 2 oder 5 ml Inhalt benutzt. Diese tragen eine Unterteilung in 0.01 ml.


Büretten

Büretten unterschiedlicher
Bauform


Beispiele für Büretten : Es gibt diverse Ausführungen. Der Hahn, mit dem der Auslauf eingestellt wird kann gerade oder auch seitlich (konventionelle Form) angebracht sein. Der Hahn mit Küken ist aus PTFE gefertigt oder es finden gläserne Schliffhähne Verwendung. Auch Feindosierventile mit einer PTFE-Spindel sind im Handel.

Benutzung der Bürette

Dazu wird die Bürette senkrecht in ein Stativ eingespannt und mit Hilfe eines kleinen Trichters mit der Flüßigkeit gefüllt. Durch kurzes Öffnen des Hahnes wird die Luft im unteren Bereich verdrängt. Die Bürette sollte danach bis etwa 5 mm über der Nullmarke gefüllt sein. Durch vorsichtiges Betätigen des Hahnes läßt man die Flüßigkeit bis zur Nullmarke ab.
Ein an der Ablaufspitze befindlicher Tropfen wird durch Abstreifen an einer Becherglaswandung entfernt. Nach dieser Einstellung kann die Abmessung der gewünschten Flüßigkeitsmenge oder die Durchführung einer Titration erfolgen.

Dazu öffnet man den Hahn vollständig und läßt die Flüßigkeit bis ungefähr 5 mm oberhalb des gewünschten Teilstriches ablaufen, bzw. bis kurz vor Erreichen des Indikatorumschlages.
Büretten müßen im Gegensatz zu Pipetten frei Ablaufen, d.h. daß die Ablaufspitze nicht an einer Gefäßwandung anliegen darf.

Nach Schließen des Hahnes wartet man bei Benutzung von Büretten der Klasse AS 30 Sekunden (bei Büretten der Klassen A und B entfällt die Wartezeit) und läßt dann bis zur gewählten Markierung ab, bzw. titriert tropfenweise bis zum Farbumschlag.
Anschließend streift man die Ablaufspitze an der Gefäßwandung ab.

Ablesen der Bürette

Die Ablesung des Flüßigkeitsstandes erfolgt, wie bei anderen Volumenmeßgeräten auch, indem man den tiefsten Punkt des Meniskus (Oberflächenkrümmung der Flüßigkeit) betrachtet. Durch diesen Punkt wird eine Ebene senkrecht zur Achse der Bürette gedacht. Der Ablesepunkt ist der Schnittpunkt dieser Ebene mit der Bürettenwandung.

Es ist jedoch wichtig, daß das Auge dabei mit dem Meniskus in gleicher Höhe ist. Nur so wird Parallaxenfreiheit gewährleistet.
Dieses läßt sich leicht erreichen, wenn die Skala der Bürette aus Ringen besteht. Dann müssen sich beim Ablesen der vordere und der hintere Teil der Marke decken. Auch wenn der Teilstrich nur halb um die Bürette herumgeführt ist, lassen sich Parallaxenfehler vermeiden.

Am Titrationsendpunkt stellt sich der Meniskus nur selten genau auf einen Teilstrich ein. Man orientiert sich dann an den unterhalb und oberhalb liegenden Marken und schätzt die Lage des Meniskus dazwischen ab.
Z.B. ist eine Bürette mit 50 ml Inhalt mit Teilstrichen für 1/10 ml versehen, 1/100 ml müssen geschätzt werden.

Ablesehilfen

Oft erschweren Reflexionserscheinungen im Flüßigkeitsspiegel die genaue Ablesung. Eine Erleichterung bietet die Visierblende. Sie ist einfach ein Stück Karton, dessen oberer Teil weiß und unterer Teil schwarz ist. Hält man die schwarz-weiße Übergangslinie ein wenig unterhalb des Meniskus, werden störende Lichtreflexe verringert.

Kontrastierende Ablesehilfen sind auch als in Form von Clips im Handel. Sie werden mit unterschiedlichem Durchmesser angeboten, so daß sie für verschiedene Rohrstärken passen und auch für Pipetten und Meßzylinder zu gebrauchen sind.

Visierblende Ablesehilfen

Einfacher abzulesen sind Büretten mit Schellbachstreifen . Dies ist ein breiter weißer Streifen aus Milchglas mit einem schmalen blauen Streifen in der Mitte. Der Schellbachstreifen ist in die Rückwand der Bürette eingeschmolzen.

Dort, wo sich die Spiegelbilder, die von der oberen und der unteren Fläche des Meniskus erzeugt werden, berühren, erscheint der blaue Streifen eingeschnürt. Die Einschnürung erscheint als Berührungspunkt zweier unterschiedlich breiter Pfeile.
Die Ablesung erfolgt in der Ebene, in der sich die beiden Pfeilspitzen berühren. Auch hier ist auf die richtige Augenhöhe während der Ablesung zu achten.

Tips zum Umgang mit Büretten

Die folgenden allgemeinen Regeln über die Behandlung von Büretten sollten beachtet werden:

Genauigkeitsklassen

Klasse A
enge Fehlergrenzen, Ringteilung, keine Wartezeiten
Klasse AS
enge Fehlergrenzen, Ringteilung in den Hauptpunkten, verkürzte Ablaufzeit, 30 s Wartezeit
Klasse B
doppelte Fehlergrenze wie bei Klasse A, Strichteilung, keine Wartezeit

Nenn-
volumen

in ml

Unter-
teilung

in ml

Klasse A Klasse AS Klasse B
max Fehler
in 1/1000 ml
Ablaufzeit
in s
max Fehler
in 1/1000 ml
Ablaufzeit
in s
max Fehler
in 1/1000 ml
Ablaufzeit
in s
1 0.01     ± 10 25 - 35    
2 0.01     ± 10 35 - 45    
5 0.02     ± 10 35 - 45    
10 0.02     ± 20 35 - 45 ± 50 35 - 170
10 0.05 ± 20 70 - 100     ± 50 35 - 60
25 0.05 ± 30 120 - 170 ± 30 35 - 45 ± 50 35 - 170
25 0.1     ± 30 35 - 45    
50 0.1 ± 50 105 - 150 ± 50 35 - 45 ± 100 35 - 150
100 0.2     ± 80   ± 120 45 - 55
Fehlergrenzen und Ablaufzeiten gelten für Wasser von 20 °C Bezugstemperatur

Die Fehlergrenze ist die größte zulässige Abweichung. Sie gilt sowohl für das Gesamtvolumen als auch für jedes Teilvolumen.

Die Ablaufzeit ist die Zeitspanne, die bei vollständig geöffnetem Hahn zum ununterbrochenen Ablaufen von der Nullmarke bis zum Skalenende der Bürette benötigt wird.



Autoren: Jerome König, Bela Kovac und Björn Struckmeier (05.05.1997).


Last Updated by Dr. Allwissend on 07.06.1997, 15:15
© 1997 by Prof. Dr. Gernot Reininger and Prof. Dr. Volker Schubert, University of Paderborn