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Film als Material – filmisches Experiment:
Filmemacherinnen in der Bundesrepublik
Symposium vom 17.-18. Juli 2008 an der Universität Paderborn im Filmseminarraum E2.122 des Instituts für Medienwissenschaften

Am Institut für Medienwissenschaften der Universität Paderborn entsteht ein Forschungs- und  Arbeitsschwerpunkt zum Avantgarde- und Experimentalfilm von Frauen in Deutschland. Im Rahmen der Professur für Film- und Fernsehwissenschaft (Prof. Dr. Annette Brauerhoch) ist es gelungen, ein bisher noch kleines Filmarchiv aufzubauen, dessen Sammlung einen historischen Schwerpunkt setzt und Filme für die Lehre und Forschung zugänglich machen möchte, die aufgrund der mangelnden Präsenz und schlechter Kopienlage aus dem Bewusstsein verschwinden und für öffentliche Projektionen nicht mehr zugänglich sind.

Filmemacherinnen aus ganz Deutschland sowie aus Österreich haben die Sammlung unentgeltlich und mit großem Engagement unterstützt. Nachdem bereits über zwanzig Kopien archiviert werden konnten, ist es nun an der Zeit, den Fokus von der Kopienförderung zu deren Aufarbeitung zu verlegen. In einem Symposium mit Wissenschaftlerinnen und Filmemacherinnen sollen in einer ersten öffentlichen Sichtung gemeinsam Fragestellungen ermittelt werden.

Mit der fortschreitenden Digitalisierung in allen Bereichen der Medienproduktion ist auch der Film und seine Zukunft in die Diskussion geraten. Obwohl die meisten Hollywoodfilme derzeit noch auf Film hergestellt werden, spielen digitale Techniken eine enorm wichtige Rolle in der Post-Produktion. Gleichzeitig werden immer mehr Klassiker des Films in digitaler Form zugänglich gemacht. Dies führt zu starken Veränderungen der Rezeptionsformen. Dieser Trend zieht nicht nur eine neue Kanonisierung nach sich, die im wesentlichen von der Industrie bestimmt wird, er führt auch zu einer sich allgemein durchsetzenden Vorstellung kulturell wichtiger Filmkunst in Filmeditionen, die im Wesentlichen der offiziellen Filmgeschichtsschreibung entspricht und männliche Regisseure privilegiert. Darunter leiden auch Filmformen wie der Experimentalfilm und davon sind, wie beim Spielfilm auch, die Filme von Frauen in besonderem Maße betroffen.

Das Archiv mit einem Schwerpunkt auf den achtziger Jahren bietet eine gute Grundlage für die Erforschung einer eigenständigen, aber womöglich historisch gewordenen (Film-)Ästhetik. Damals in einem lebendigen Kontext der Auseinandersetzung mit herrschenden Formen der Ästhetik und im Umfeld von Frauenfilmfestivals angesiedelt, gilt es nun, diese Filme einer Revision zu unterziehen. Welche Beziehung haben sie zu neueren Produktionen der Gegenwart? Wie hat sich ihre Rezeption verändert, nachdem sich der filmtheoretische Blick heute womöglich eher auf Fragen der Materialität als auf die (ideologische) Form der Repräsentation konzentriert? Wie sehen heutige FilmemacherInnen und FilmwissenschaftlerInnen auf das Material ihrer Vorgängerinnen? Was geschieht bei dem Aufeinandertreffen heutiger Praxen des digitalen Filmens mit dem analogen Medium Film? Inwiefern archivieren diese Filme Geschichte? Die spezifische Geschichte weiblicher Praxen?

Mit dem Symposium soll das deutschlandweit einzigartige Archiv und die besonderen Forschungsbedingungen an der Universität Paderborn erstmalig in der Forschungslandschaft situiert werden. Neben der Aufgabe, einen dringenden Anschub zu einer bislang kaum erfolgten Aufarbeitung des Filmschaffens von Frauen in diesem Bereich zu leisten, beinhaltet das Konzept des Workshops die Suche nach einer bewussten Konfrontation sowie die Verknüpfung mit aktuellen Fragestellungen. Die Veranstaltung findet im Filmseminarraum des Instituts für Medienwissenschaften der Universität Paderborn statt und heißt interessierte TeilnehmerInnen willkommen.

 


Karola Schlegelmilch und
Marie-Hélène Gutberlet

Karola Gramann und Lilo Mangelsdorff