Kontakt


Prof. Dr.
Annette BrauerhochUniversität Paderborn
Warburger Strasse 100
33098 Paderborn

Büro: E2.360
Telefon: 05251 – 60 32 85
Fax: 05251 – 60 37 33
E-Mail: ab676[at]upb[dot]de

Super 8, von 1965 bis 2004 von Kodak als K40 produziert war das bevorzugte Medium des Familien- und sogenannten Amateurfilms. Die prägnante gelbe Schachtel mit den leuchtend roten Buchstaben prägte sich in das Gedächtnis ein. Die Filme waren nach Einstellung der Produktion durch Kodak zwar noch erhältlich, wurden dann aber eher – auch aufgrund ihres stark gestiegenen Preises – von Künstlern und Filmliebhabern in Anspruch genommen. Video und die neuen digitalen Formate hatten Super 8 schon längst abgelöst.
Die Sammlung mit Super 8 Filmen an der Universität versteht sich vor allem als regionalhistorisches Archiv, allerdings mit dem Anliegen nicht nur das Material zu pflegen und zu archivieren, sondern es auch gegenwärtig zu halten und in regelmäßig stattfindenden Veranstaltungen an verschiedenen Orten im Lichte des Projektors zum Leuchten zu bringen. Die Farbintensität des kleinen Formats ist immer wieder eindrucksvoll und bleibt über Jahrzehnte erhalten. Außerdem vergegenwärtigt sich in den Filmen Alltags- und Familiengeschichte.

Eine großzügige Förderung der Universität Paderborn hat es uns ermöglicht den Fundus an Filmen zu digitalisieren, um sie so auch für mögliche Forschungsfragen leichter zugänglich zu machen.

Das Archiv umfasst gut 300 Super 8 Filme, die uns dankenswerterweise von Amateurfilmern aus Paderborn und der Region zur Verfügung gestellt wurden. Sie lassen den Reichtum an Alltagserfahrungen sichtbar werden, vermitteln Reiselust, bilden historisches Dokument und erlauben immer wieder Einblicke in bundesrepublikanische Verfasstheiten zwischen den 1960er und 1980er Jahren. Vor allem ermöglichen sie aber auch Intimität zum Film, wenn die Porträtierten vertraut werden in ihrer heimischen Umgebung. Super 8 ist ein schönes Material, das eher Wärme und Nähe erzeugt als kühle Beobachtung. Studierende werden damit an analoge Materialität herangeführt und mit Formen des Filmemachens konfrontiert, für die andere Kriterien der Beschreibung und Analyse entwickelt werden müssen, als für den herkömmlichen Spielfilm.

Ausschnitte aus einigen Filmen des Archivs (mit freundlicher Genehmigung der FilmemacherInnen)



Rolf Parker


Öffentliche Veranstaltungen

In regelmäßigen Abständen organisieren Studierende Filmabende in Paderborn an wechselnden Orten. Dazu gehört der Kontakt mit den FilmemacherInnen, die Auswahl, Zusammenstellung und Präsentation der Filme. Die Räume müssen verdunkelt und die Projektoren gewartet sowie gut und sicher aufgestellt und bedient werden. Da die meisten Super 8 Filme stumm sind, suchen die Studierenden nach rhythmisch und atmosphärisch passenden Musikstücken. Filme, die nie für den öffentlichen Raum und die Vorführung vor einem nicht-familiären Publikum gedacht waren, bekommen an diesen Abenden anderes Gewicht und neue Wertschätzung, die sich im Dialog von FilmemacherInnen, Studierenden und Publikum entwickelt. Die Veranstaltungen fanden auch in der lokalen Presse Resonanz.

              

Der Raum für Kunst richtete die erste Veranstaltung 2012 im Rahmen eines Wettbewerbs aus: Home Movies gestern und heute. Der Vergleich zu neuen Arbeiten auf Video offenbarte die Qualitäten des Super 8 Films als Beobachtungsmedium. Weniger Inszenierung als Konzentration auf Eindrücke und Liebe zum Detail standen im Vordergrund. Das lässt sich zwar nicht verallgemeinern, wirft aber Fragen auf über den womöglich vom Medium beeinflussten Umgang mit Zeit und Raum. Die am Abend gezeigten Super 8 Filme ermöglichten dem sehr gemischten Publikum Reisen an verschiedene Orte, auch in die ehemalige DDR. Man sah ein Haus am Jahnplatz entstehen und erlebte den Bau eines kleinen Swimmingpools im Garten mit. Eine Hochzeit in den 1960er Jahren offenbarte neben familiären Zusammenhängen auch die Sicht auf den „Look“ der Zeit: auf der Straße und im Wohnzimmer, in Mode, Mobiliar, Zigaretten und Automarken.

Im Sputnik, einer Kulturkneipe in der Stadt, fanden die weiteren Veranstaltungen des „Living Archives“¹ statt; einer Idee folgend, die Super 8 Filme in den 1980er Jahren bereits in Eckkneipen in Berlin und anderen Städten zur Aufführung brachte, standen die Atmosphäre des Raumes, das Projektorgeräusch und die musikalische Begleitung des Programms in einem Bezug zur filmischen Erfahrung. Alexander Schulz, ein Student, der die Abende und Projektionen maßgeblich begleitete, schildert seine Eindrücke:

„Die Projektion fand nun erstmals im Sputnik statt, welches mit einer tragbaren Leinwand und einigen Stuhlreihen ausgestattet wurde. Im Verhältnis zum Raum für Kunst herrschte dort eine noch intimere Atmosphäre, die so auf der Grenze zwischen privatem Screening und öffentlicher Präsentation verlief. Die auch räumlich sehr offene Form der Veranstaltung – die Eingangstür öffnete sich direkt in den Vorführraum hinein – trug ihr Übriges dazu bei, dass sich neben den eingeladenen Filmschaffenden und Gästen auch viele Stammkunden des Lokals dazu setzten, stehen blieben oder das Programm von der Bar aus beobachteten. Das ständige Kommen und Gehen führte dabei niemals zur Unruhe, sondern verlieh dem Abend eine nicht planbare Lebendigkeit, die sich auch auf den Ablauf der Vorführung übertrug. Nach einer kurzen Vorstellung der jeweiligen Filmschaffenden begannen die meisten von ihnen, frei zu ihren eigenen Bildern zu assoziieren. Amüsante Anekdoten, längst verschüttete Erinnerungen und neu erkannte Zusammenhänge brachen sich Bahn, als die mitunter seit über vier Jahrzehnten nicht mehr gesichteten Filme über die Leinwand in ihr Leben zurückfanden.

weiter...


2013 wurde erneut das Sputnik für ein Programm gewählt, das sich vor allem dem Urlaubsfilm widmete. Unter dem Titel „Paderborn unterwegs“ war auch diese Veranstaltung wieder sehr gut besucht und entfaltete eine vergleichbar positive Grundstimmung. Zusätzlich wurde mit einer nachträglichen Vertonung der Filme experimentiert, indem an ausgewählten Stellen von einer Soundanlage aus bestimmte Musikstücke eingespielt wurden. Ziel war es dabei nicht, die Bilder mit dem Ton zu „überfluten“ oder zu stark zu konterkarieren, sondern eine subtile Kommunikation zwischen den Medien zu erzeugen.“

Links und Partner

Wir bemühen uns mit anderen Initiativen und Archiven um die Vernetzung und den Austausch.

Neben größeren Initiativen wie dem HomeMovieDay – www.homemovieday.com, der jährlich an mehreren Orten weltweit stattfindenden Möglichkeit, Super 8 (und Normal 8) Filme von Experten begutachten und reinigen zu lassen sowie zur Aufführung zu bringen (seit 2002 findet weltweit ein HomeMovieDay statt; in Deutschland beteiligen sich unter anderem die Städte Frankfurt, Berlin, Köln, Bielefeld und Münster), sind es kleine Vereine oder Archive, wie die Kinothek Asta Nielsen e.V. in Frankfurt am Main (www.kinothek-asta-nielsen.de) aber auch größere wissenschaftliche Netzwerke, die sich um den Erhalt und die wissenschaftliche Aufarbeitung des Materials kümmern.

Familienfilmarchive in Europa, vor allem das staatlich geförderte Archiv
Associazione Home Movies in Bologna richten regelmäßige Veranstaltungen zum Genre aus:

www.memoriadelleimmagini.it/homemovies

Ein internationales Forschungsnetzwerk zum Familienfilm, das an der Universität Cambridge entstanden ist, stellt wichtige Informationen für Forschende zu Konferenzen und Publikationen bereit und trägt zur weltweiten Vernetzung bei. Auf der Internetseite von
The Amateur Cinema Studies Network (ACSN):

http://amateurcinemastudies.org

werden Veranstaltungen und Forschungsfragen veröffentlicht, die im Zusammenhang mit dem Umbruch von analogem Filmmaterial zu Digitalisierung stehen. Dort finden sich auch die Aktivitäten des Paderborner Archivs.

Wir freuen uns, wenn Sie uns unterstützen, indem Sie uns Ihr Super 8 Material zur Verfügung stellen.

Kontakt:

Prof. Dr. Annette Brauerhoch

Fakultät für Kulturwissenschaften
Institut für Medienwissenschaften
Universität Paderborn
Warburger Strasse 100
33098 Paderborn

Büro: E2.360
Telefon: 05251 – 60 32 85
Fax: 05251 – 60 37 33
E-Mail: ab676[at]upb.de

Elena Fingerhut
E2.159
Telefon: 05251 – 60 32 86
Fax: 05251 – 60 39 75
E-Mail: elena.fingerhut@upb.de


¹ Der Begriff “Living Archive” wird hier in Anlehnung an die Initiative des Berliner Kinos und Instituts für Film und Videokunst Arsenal verwendet: “‘Living Archive‘ – Archivarbeit als künstlerische und kuratorische Praxis der Gegenwart” stellt damit den Versuch einer zeitgemäßen Archivaufarbeitung dar, die nicht nur dem Selbsterhalt dient, sondern gleichzeitig Neues schafft und Zugänge herstellt.” Vgl. – http://www.arsenal-berlin.de/living-archive/projekte/living-archive-archivarbeit-als-kuenstlerische-und-kuratorische-praxis-der-gegenwart.html