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Thesenpapier von Dr. Jan Badewien zur Veranstaltung: Antijudaismus bei Rudolf Steiner?

Thesen zum Vortrag am 23.01.02 in Paderborn

  1. Steiner entwickelt seit seiner Hinwendung zur Theosophie (1901) eine esoterische Geschichtsschau, die bestimmten "Wurzelrassen" und denen ihnen zugehörenden Völkern besondere geistige Entwicklungsmöglichkeiten und Aufgaben zuschreibt. Die Wurzelrasse der "nachatlantischen" Kulturepochen sind die Arier.

  2. Völker und Rassen, die nicht zu den geistig führenden gehören, werden abwertend beurteilt. Dazu gehören auch die Juden.

  3. Steiners Antijudaismus beruht nicht auf persönlichen Erfahrungen oder subjektiven politischen Ansichten, sondern ist strukturell eine Konsequenz seiner theo-/anthroposophischen Geschichtsschau, von der er behauptet, sie entstamme einem geistigen Gedächtnis im Weltenäther ("Akasha-Chronik").

  4. Steiner kann dem Judentum aufgrund seiner Systematik keinen eigenständigen Wert zuerkennen, er sieht es nur in seiner Funktion zur Vorbereitung für die Inkarnation der Christuswesenheit in Jesus von Nazareth, die eine neue geistige Entwicklungsphase eröffnet. Danach ist seine historische Aufgabe erfüllt (also seit 2000 J.).

  5. Der Gott der Juden (und der Christen), Jahwe, ist nicht identisch mit dem Vatergott, sondern ist lediglich der jüdische Volksgott. Er wirkt als Mondgott nur in der Vollmacht des Christus, des Sonnengottes, so wie das Mondlicht nur der Abglanz des Sonnenlichts ist. Steiner nimmt damit der jüdischen Religion ihre Eigenständigkeit und Würde.

  6. Steiner verwendet antijüdische Stereotype, wie sie aus anderer antijüdischer Polemik bekannt sind, begründet sie aber anthroposophisch:
  • Die Juden unterscheiden sich von allen anderen Menschen - wenn es nicht so sichtbar ist, dann darum, weil sie von anderen Völkern viel übernommen haben.
  • Die Juden sind materialistisch, intellektualistisch. Daher können sie nicht Bildhauer sein, wohl aber Musiker.
  • Das Judentum ist egoistisch, das Judentum kennt einen "gewissen Volksegoismus".
  • Steiners Kritik am Zionismus lässt ihn die Juden in die Nähe der Schuldigen am 1. Weltkrieg rücken! (Bzw. "Das, was sie auch wollen" ...)
  • "Sie werden auch so sein müssen wie die anderen Menschen:"
  1. Steiners Antijudaismus ist strukturell bedingt - wie auch sein Rassismus. Es geht nicht um physische Vernichtung, aber um Elimination der kulturellen und religiösen Identität. Solche Lehren gab es aus unterschiedlichen Richtungen zu seiner Zeit - sie haben den Antisemitismus in Nazi-Deutschland ideologisch mit vorbereitet.

  2. Ein angemessener Umgang mit Steiner für Anthroposophen heute erfordert m.E. nicht eine Kommission der Gleichgesinnten, die bestimmte Zitate kommentiert (Niederlande), sondern eine grundlegende Veränderung der Lehre von Wurzelrassen/Kulturstufen und eine Abkehr von einer Geschichtsspekulation, die in allem, was geschieht, Notwendigkeiten sieht, Ausfluss geistiger Gesetze zum Erreichen eines nur dem "Geistesforscher" zugänglichen Ziels.

  3. Eine zeitgemäße Anthroposophie muss daher in ein kritisches Verhältnis zu Steiner eintreten, seine Zeitbedingheit, seine Abhängigkeit von theosophischen und anderen Quellen offen legen. Solche kritische Diskussion der Quellen darf nicht dogmatisch eingeschränkt werden, sondern muß ergebnisoffen geführt werden - auch und gerade mit Kritikern.
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